Der Mann aus Teheran, Amerikanische Botschaft in Kopenhagen/ Flughafen Kopenhagen/ Frederiksberg … The man from Tehran, American Embassy in Copenhagen/ Copenhagen airport/ Frederiksberg

CoverDeutsch

 

Der Mann aus Teheran

Freitag, 10. Februar 2006

Botschaft der U.S.A. in Kopenhagen, 14.15 Uhr

Zwei Autos fuhren aus dem Parkkeller der amerikanischen Botschaft in Østerbro in Kopenhagen. Im ersten Auto, einem dunkelblauen Ford Mondeo, saßen zwei Agenten des Geheimdienstes. In dem anderen Auto, einem schwarzen Mercedes 600, saßen – außer dem Fahrer – der amerikanische Botschafter in Dänemark, Henry Turner, zusammen mit CIA-Special-Agent, John Williams.
– Jetzt habe ich die Chance verpasst, mir das Spiel anzusehen, sagte Turner. Da hatte ich mich eigentlich drauf gefreut. Aber nicht einmal der Teufel selbst ist in der Lage, einen Kampf zu genießen solange diese Scheiße über seinem Kopf hängt.
– Ich verstehe, was Sie meinen, Sir, sagte Williams. Aber man hat nicht jeden Tag die Gelegenheit, eine Bande von Terroristen auf frischer Tat zu ertappen.
– Hmm, ich hoffe nur, dass nichts schiefgeht, brummte Turner mit einem besorgten Ausdruck auf dem Gesicht.
– Ich kann mir nicht vorstellen, was schiefgehen könnte, sagte Williams überzeugt. Wenn Sie zusehen, dass Goldschmidt und der Außenminister keine kalten Füße bekommen, dann lande ich den Fisch, verlassen Sie sich darauf. Turner sah nachdenklich eine Weile vor sich hin, bevor er sagte:
– Solange ihr euch nicht aufführt wie ein Haufen Zirkusclowns, die keine Ahnung haben, was zum Teufel da draußen los ist, werde ich die anderen davon überzeugen, dass wir die Situation im Griff haben.
– Verlassen Sie sich auf mich, Sir, sagte Williams. Wir haben die Situation im Griff.
– Was ist mit ihm Duvenhart von der EA… wie zum Teufel das nun heißt? fragte Turner. Können wir ihn kontrollieren?
– Nein, sagte Williams kurz. Aber wir haben einen festen Griff um seine Eier, und dann folgt in der Regel der Rest nach, nicht wahr?
– Ich hoffe verdammt noch mal, dass du recht hast, sagte Turner. Aber wir sind natürlich längst an dem Punkt ohne Wiederkehr vorbei, wie man so schön sagt. Nun, wir werden sehen! Die beiden ortskundigen Fahrer schlängelten sich mit den Autos behende durch die Stadt, und befanden sich schon bald auf dem Amager Strandvej. Je näher sie zum Flughafen kamen, desto mehr Polizeistreifen trafen sie. Ein paar Mal wurden sie von Polizisten auf Motorrädern überholt.
– Die Polizei ist jedenfalls auf den Beinen, sagte Turner nach längerem Schweigen.

Flughafen Kopenhagen 14.35 Uhr

Akhmahel verließ an der ersten Ausfahrt zum Flughafen die Autobahn. Er kam in einen Kreisverkehr und folgte dem Schild „Internationale Ankünfte und Abflüge“. Es wimmelte überall mit Polizei. Am Kreisverkehr hielten zwei Polizisten auf Motorrädern. Einer von Ihnen folgte Akhmahel mit den Augen, aber keiner von ihnen versuchte, ihn zu stoppen. Er fuhr zum Terminal 3 und hinunter in die Tiefgarage unterhalb des Terminals. Hier würde er das Auto stehen lassen, es hatte seinen Zweck erfüllt. Unten im Keller standen zu Akhmahels Überraschung auch einige Polizeibeamte, aber das hatte keine Bedeutung für ihn. Er parkte den Wagen, nahm seinen Koffer vom Rücksitz und ging zum Fahrstuhl. Ein paar Minuten später trat er aus dem Aufzug an der Westseite von Terminal 3. Er blieb einen Moment stehen, um sich zu orientieren. Im Terminal herrschte eine hektische Aktivität. Die Menschenmenge war unüberschaubar. Es bestand kein Zweifel daran, dass man sich im internationalen Teil eines Flughafens befand.
Es hätte alles ausgesehen, wie man es in einem modernen europäischen Flughafen erwarten würde, wenn da nicht das große Polizeiaufgebot gewesen wäre. Sie standen oder gingen umher, während sie die Reisenden beobachteten, als ob sie erwarteten, ein typisches Merkmal zu finden, das einen waschechten Terroristen kennzeichnete. Akhmahel entdeckte mehrere Polizisten oder Agenten in Zivil. Einige von ihnen waren sehr leicht zu erkennen, während andere sich ein wenig mehr Mühe gegeben hatten, in das Bild mit den vielen Reisenden hineinzupassen.
In der Mitte des Terminals befand sich eine Treppe, die eine Etage höher führte, wo die Sicherheitskontrollen waren und von wo aus man in den zollfreien Bereich gelangte. Durch die Sicherheitskontrollen kamen nur Personen mit einer gültigen Bordkarte. Unter der Treppe, auf der gleichen Ebene wo er sich selbst jetzt befand, lag der Ausgang vom zollfreien Bereich. Von dort kam ein konstanter Strom Reisender. Viele wurden von ihrer Familie, Freunden oder Geschäftspartnern abgeholt.
Gegenüber des Aufzugs, ein wenig nach links, lagen eine Reihe Abflugschalter. Akhmahel ging auf sie zu und stellte sich in eine kurze Warteschlange. Kurz darauf war er an der Reihe. Er reichte der Dame hinter dem Schalter seine Flugkarte und seinen Pass. Sie tippte etwas auf ihrem Keyboard und kontrollierte die Eingaben auf dem Bildschirm. Sie öffnete den Pass, schaute Akhmahel an und fragte mit einem professionellen Lächeln:
– Möchten Sie einen Fenster- oder einen Gangplatz, Herr Foilier?
– Gangplatz, danke, antwortete Akhmahel.
– Haben Sie Gepäck? fragte sie weiter.
– Nur den hier, antwortete er, und hob seinen Aktenkoffer hoch, damit sie ihn sehen konnte. Einen Moment später bekam er seinen Pass zurück zusammen mit einer Bordkarte für einen KLM-Flug nach Amsterdam. Die Dame wünschte ihm eine angenehme Reise.
Mit einer angenehmen Reise rechnete er ganz bestimmt, wenn das Flugzeug erst einmal in der Luft war. Er war nämlich sicher, dass sich die geplante Abreise nach Amsterdam erheblich verzögern würde. Vielleicht würde man den Flug sogar ganz streichen. Weil nämlich 15 Minuten bevor sein Flugzeug abfliegen sollte einige tragische Ereignisse im Zusammenhang mit einem SAS-Flug auftreten würden.
Er ging zum Terminal 2. Dort war wesentlich weniger Gedränge. Er schaute sich um und entdeckte sofort, was er suchte. Sadou stand ein wenig weiter weg bei einer Wendeltreppe, die zu einer Toilette in einem tieferen Stockwerk führte. Akhmahel ging in Sadous Richtung, aber an ihm vorbei, ohne stehen zu bleiben. Eine Sekunde lang hatten sie Blickkontakt und Sadou nickte fast unmerklich. Akhmahel wusste jetzt, dass alles lief wie geplant. Er ging um die Wendeltreppe herum in ein Café, wo er die Wartezeit verbringen wollte. Sadou begab sich zu der Treppe, die in den zollfreien Bereich führte. Er hatte eine Bordkarte für den gleichen KLM Flug nach Amsterdam wie Akhmahel.

Flughafen Kopenhagen, 14.45 Uhr

Das Taxi hielt vor dem östlichen Eingang zum Terminal 3 und Faroukh stieg aus, während Mohammad den Fahrer bezahlte. Sie hatten beide das große Polizeiaufgebot bemerkt. Der Anblick hatte stimulierende Wirkung. Jetzt waren sie am Ort ihres bevorstehenden Sieges angelangt. Sie würden nicht zulassen, dass sich ihnen auch nur das Geringste in den Weg stellte. Vor ihnen lag der Terminal, der die Form eines Flügels hatte. Sie gingen mit festen Schritten auf den Eingang zu. Beide trugen eine Sporttasche in der Hand. Vor dem Eingang standen zwei Polizeibeamte, die wachsam Ausschau hielten. Der eine bemerkte Mohammad und Faroukh und folgte ihnen neugierig mit den Augen, als sie sich näherten. Als sie am Eingang angekommen waren, stellte sich der eine Polizist vor sie.
– Ich möchte gerne den Inhalt Ihrer Taschen kontrollieren, sagte er auf Englisch. Er sah erst auf Mohammad dann auf Faroukh.
– Aber natürlich, sagte Mohammad und stellte seine Tasche auf den Boden. Faroukh bemerkte, dass die eine Hand des Polizisten auf seiner Waffe ruhte, aber er ließ sie im Halfter stecken. Mohammad öffnete seine Tasche und der Polizist beugte sich vor und durchsuchte den Inhalt mit einer Hand.
– Danke, sagte er und forderte Faroukh auf, das Gleiche zu tun. Faroukh stellte ebenfalls seine Tasche auf den Boden und öffnete sie. Der Polizist durchsuchte Faroukhs Tasche auf die gleiche Weise, richtete sich dann auf und sagte:
– In Ordnung, danke, und wo reisen Sie hin?
– Nach Frankreich, Paris, sagte Mohammad. Wir leben in Paris.
– Ihre Reisepässe, bitte, sagte der Polizist. Faroukh erinnerte sich plötzlich, dass sein Pass in der Innentasche seiner Jacke lag. Wenn er seine Jacke zu weit öffnete, bestand die Gefahr, dass der Polizist sah, was er darunter hatte. Sein Herz begann zu klopfen.
– Natürlich, sagte Mohammad und steckte die Hand in seine Jacke. Der Polizist folgte Mohammads Bewegungen mit Argusaugen und verstärkte den Griff auf seine Pistole im Halfter. Faroukh nutzte die Gelegenheit, schnell den Reißverschluss seiner Jacke ein wenig nach unten zu ziehen und schnell ebenfalls die Hand in seine Jacke zu stecken. Der Polizist wurde plötzlich unruhig und drehte sich um zu Faroukh, der behende seine Hand zusammen mit dem Pass aus der Tasche zog.
– Bitte, sagte er und hoffte, dass er nicht allzu nervös aussah. Und hier ist meiner, sagte Mohammad im gleichen Moment und reichte dem Polizisten seinen Pass. Dieser entspannte sich sichtlich und nahm die Pässe entgegen. Er öffnete sie, verglich die Fotos mit den Gesichtern der beiden Männer und gab sie zurück.

– Vielen Dank und gute Reise, sagte er. Kurz darauf gingen Mohammad und Faroukh in den Terminal, und der Polizist ging zurück zu seinem Kollegen.
– Was sollte das denn? fragte sein Kollege.
– Weiß ich selber nicht, nur so eine Ahnung. Aber es war wohl nichts, antwortete der Polizist, und einen Augenblick später hatten sie beide den Vorfall vergessen. Mohammad und Faroukh standen in der gleichen Warteschlange, in der Akhmahel vor ein paar Minuten schon gestanden hatte. Wären sie nicht von dem Polizisten aufgehalten worden, hätten sie vielleicht gesehen, wie er in Richtung Terminal 2 ging. Es dauerte nicht lange bis beide eine Bordkarte für einen SAS-Flug nach Paris Charles De Gaulle um 16.35 Uhr hatten. Sie gingen die Treppe hinauf in ein Café direkt über dem Abflugschalter. Nur einer der beiden Männer würde sich im Flugzeug befinden, wenn es abflog. Jetzt mussten sie erst einmal warten.

Flughafen Kopenhagen, 14.50 Uhr

Jesper Berg bemerkte gar nicht, dass die beiden Männer, an denen er gerade vorbeigegangen war, hinter seinem Rücken über ihn lachten. Er glich in keiner Weise sich selbst. In der Regel ging er gepflegt zur Arbeit, mit frisch gebügeltem Hemd. Aber heute sah er aus, als ob er in seinem Hemd geschlafen hatte.
– Sie ist sicherlich abgehauen, sagte einer der beiden Männer.
– Ja, sie brauchte sicher einen richtigen Mann, lachte der andere und griff sich provozierend in den Schritt. Sie lachten noch ein paar Minuten über ihre Banalitäten, bevor sie damit fortsetzten, Koffer auf einen Wagen zu laden.
Zum hundertsten Mal griff Jesper in seine Brusttasche, um nachzufühlen, ob es noch da war, und zum hundertsten Mal war er erleichtert, es vorzufinden. Er schaute auf die Uhr. Es war fast drei. Er war früher am Arbeitsplatz als üblich, um sicherzustellen, dass alle Bedingungen für seine Aufgabe erfüllt waren. Er ging noch einmal alles in seinem Kopf durch. Ja, es ist wahrscheinlich möglich, dachte er. Er nahm den Dienstplan und sah nach, ob jemand sich krank gemeldet hatte. Drei Kollegen fehlten demnach. Jesper musste jemand anderes einteilen. Es war wichtig, dass nicht ausgerechnet die aufgewecktesten Mitarbeiter Flug SK779 beluden. Einen Moment später war die Schichteinteilung erledigt und er ging zu einer der Kaffeemaschinen. Jetzt musste er nur warten.
Er freute sich darauf, dass Tine und die Kinder heute Abend wieder nach Hause kamen. Er hatte beschlossen, jeden Gedanken daran zu unterdrücken, dass ihnen etwas geschehen sein könnte. Er musste sich konzentrieren und positiv denken. Er drückte einen Knopf und die Kaffeemaschine braute eine frische Tasse Kaffee.

Flughafen Kopenhagen, 14.55 Uhr

Ein dunkelblauer Ford Mondeo und ein schwarzer Mercedes 600 fuhren an der westlichen Einfahrt zum Terminal 3 vor. Der Mondeo hielt zuerst, und zwei Agenten des Geheimdienstes sprangen aus dem Wagen und liefen zu dem Mercedes. Sie stellten sich jeweils auf eine Seite der großen Limousine und warteten. Aus dem Terminal eilten vier Polizisten und zwei CIA-Agenten in Zivil und die beiden Geheimdienstagenten öffneten die Türen des Autos. Turner und Williams stiegen aus. Begleitet von den acht Männern, wurden Turner und Williams ohne Umschweife in den Terminal gebracht und von dort sofort weiter die Treppe hinauf in den zollfreien Bereich. Natürlich unter Umgehung der Warteschlange und der Sicherheitskontrolle. Hier verließen die vier Polizisten die Gruppe und die Sicherheit der beiden Männer war damit in den Händen des Geheimdienstes und der CIA.
– Was machen Sie jetzt? fragte Turner.
– Ich werde zirkulieren, sagte Williams. Ich nehme Kontakt mit Ihnen auf, wenn es etwas gibt, das Sie wissen müssen, Sir. Er entfernte sich, während Turner ihm besorgt nachsah, bis er verschwunden war. Schließlich zuckte Turner mit den Schultern und drehte sich zu den anderen um. Die Geheimdienstagenten flankierten ihn auf beiden Seiten, während sie professionell die Menschenmenge mit den Augen absuchten. Die beiden CIA-Agenten standen einige Meter von ihm entfernt und warteten. Er ging zu ihnen hinüber.
– Lassen Sie uns gehen, sagte er, gibt es irgendwelche Verspätungen?
– Nein, Sir, antwortete einer von ihnen abgehackt. Planmäßige Landung erwartet. Hier entlang, Sir. Sie bewegten sich auf Gate A10 zu.

Frederiksberg (Stadtteil Kopenhagens), 15.00 Uhr

– Sie halten jetzt unten, sagte Anne Krog Petersen und hielt ihrem Mann den Koffer hin. Wir sehen uns in ein paar Tagen. Pass gut auf dich auf, Liebster. Sie küsste ihn auf die Wange.
– Ich rufe dich an, sobald ich kann, Schatz, antwortete er. Aber es kann ziemlich spät werden, bevor ich alleine bin. Du weißt ja, wie das ist.
– Ja, ja, das ist in Ordnung, antwortete sie. Du rufst an, wenn du kannst. Er eilte zur Tür hinaus und lief fast die Treppe des Altbaus in Frederiksberg hinunter, wo sie wohnten. Einen Augenblick später trat er aus der Haustür und auf den Bürgersteig. Vor ihm hielt das große Ministerauto, ein Audi A6. Der Fahrer hielt die Tür für ihn offen.
– Guten Tag, Herr Minister, grüßte er lächelnd. Bitte steigen Sie ein.
– Guten Tag, Thorkild, sagte Außenminister Svend Krog Petersen. Werden wir auch nicht zu spät kommen?

– Auf gar keinen Fall, antwortete sein Chauffeur, aber wir sollten trotzdem keine Zeit verlieren. Svend Krog Petersen setzte sich auf den Rücksitz, und einen Augenblick später waren sie auf dem Weg zum Flughafen.

Flughafen Kopenhagen, 15.05 Uhr

Das Flugzeug aus Stockholm rollte zum Flugsteig A10 und die kräftigen Jetmotoren kamen pfeifend in niedrigere Umdrehungen. Das Kabinenpersonal wartete bis die Fluggastbrücke korrekt an der Seite des Flugzeugs angebracht war, bevor es die Tür öffnete. Die Passagiere hatten bereits begonnen, ihre Plätze zu verlassen, bevor das Sicherheitsgurtsymbol erloschen war. Alle wollten endlich raus aus der engen Kabine. Ganz vorne stand der amerikanische Botschafter aus Stockholm, Arthur Goldschmidt, der von zwei Agenten des Geheimdienstes flankiert wurde. Draußen vor dem Flugzeug warteten die beiden CIA-Agenten, die gerade mit Botschafter Henry Turner und seinen beiden Geheimdienstagenten am Gate angekommen waren.
– Willkommen in Kopenhagen, Sir, sagte der eine CIA-Agent, als Goldschmidt aus der schmalen Tür herauskam. Er hielt seine Dienstmarke hoch, so dass Goldschmidt sie sehen konnte.
– Bitte seien Sie so freundlich und kommen Sie mit uns, fuhr er fort. Botschafter Henry Turner wartet oben am Flugsteig, Sir.
– Danke, sagte Goldschmidt, nach Ihnen! Sie gingen den schmalen Tunnel entlang, der zum Flugsteig führte. Hinter ihnen konnte man das Gemurmel von den anderen Passagieren aus der Businessclass-Abteilung hören, die unzufrieden damit waren, warten zu müssen.

Williams ging nicht sehr weit. Er drehte sich um, ging zurück und folgte dann diskret Turner und seiner kleinen Gruppe auf ihrem Weg zu Gate A10. Unterwegs erspähte er einige seiner eigenen Leute, und vermutete, dass sie ihn ebenfalls bemerkt hatten. Aber keiner von ihnen ließ sich etwas anmerken. Für die anderen Reisenden waren Williams und die anderen Agenten in Zivil von der CIA und EATO nur gleichgültige Personen. Ein geschulter Beobachter würde sicher die feinen Hörmuscheln, oder die kleine Krawattennadel mit der eingebauten Kamera bemerken, die die Agenten trugen. Aber wer hatte schon Zeit und Muße, in einem geschäftigen Flughafen nach solchen Details zu schauen, wo viele Geschäftsleute ebenfalls mit einem Kabel im Ohr herumgingen und anscheinend Selbstgespräche führten?
Die meisten Agenten warfen ein Auge auf alle Reisenden, aber nicht Williams. Er hielt Ausschau nach bestimmten Personen, und zwar nach Wahil el Mohammed und Akhmahel bin Kanhal. Er wusste nicht, wie sie jetzt aussahen, Wahil am allerwenigsten, aber er wusste genau, wie Akhmahel ausgesehen hatte, als er vor ein paar Tagen Kabul verlassen hatte. Er zog ein Foto aus seiner Brusttasche und betrachtete es. Das Foto zeigte einen Mann, der aus einer Haustür trat. Das Bild war scharf und zeigte genauestens alle Gesichtszüge des Mannes. Du hast vielleicht dein Aussehen verändert, dachte er, aber ich werde dich trotzdem erkennen, mein Freund.
Er fühlte reflexmäßig nach seiner Innentasche. Das kleine Kästchen mit dem Ring war wo es sein sollte. Bald würde er ihn wieder benutzen. Vielleicht zum letzten Mal, wenn heute alle von der Teheraner Liste beseitigt würden. Ihm war klar, dass er nach einer Nadel im Heuhaufen suchte. Mehrere hundert Menschen befanden sich in dem großflächigen zollfreien Bereich. Er hielt die Pressekonferenz, die in etwa einer halben Stunde beginnen würde, für seine beste Chance. Wenn sie es auf die Politiker und die Sportler abgesehen hatten, mussten sie es zu dem Zeitpunkt tun. Er konnte sich nicht vorstellen, wo sie sonst nahe genug an sie herankommen konnten.
Turner wartete an Flugsteig A10 während die beiden CIA-Agenten an der Boarding-Schranke vorbei und in den kleinen Tunnel hineingingen, der zum neu angekommenen Flugzeug aus Stockholm führte. Kurz darauf kamen sie wieder heraus, begleitet von Botschafter Arthur Goldschmidt, und ein paar Agenten des Geheimdienstes. Goldschmidt und Turner begrüßten sich und wechselten einige Worte, und dann bewegte das ganze Gefolge sich zurück zum Karen-Blixen-Café, um an der Pressekonferenz teilzunehmen. Williams drehte sich um und setzte sich an die Spitze.

Flughafen Kopenhagen, 15.10 Uhr

Toms Blick war auf den großen Bildschirm gerichtet. Er saß im Kontrollraum in der mobilen Kommandozentrale und konzentrierte sich auf die Überwachung der laufenden Aktion. Der mittlere Teil des Bildschirms zeigte ein Satellitenbild des gesamten Flughafengeländes, auf dem sich kleine helle Punkte wie Glühwürmchen bewegten. Die Punkte markierten EATO-Agenten, CIA-Agenten, Kampfeinheiten und die Polizisten, die in Verbindung mit der Zentrale standen. Die Punkte hatten unterschiedliche Farben, die anzeigten, zu welcher Gruppe die Einzelnen gehörten. Die Kontrollpunkte, die sie bereits früher am Tag ausgewählt hatten, waren mit einem leuchtenden Dreieck und einem Code gekennzeichnet. Wenn man den Bildschirm eine Weile studierte, bekam man einen recht guten Überblick darüber, wo sich die verschiedenen Agenten und Polizisten im Flughafen befanden. Für Tom gab der Bildschirm mit den vielen hellen Flecken den bestmöglichen Überblick. Er war völlig in seinem Element. Er drückte auf einen Knopf auf der Konsole vor ihm.
– Delta-11, hier Zebra-Basis, bitte kommen, sagte er in ein Mikrofon, das mit einem dezenten Bügel an einer Hörmuschel befestigt war, die in seinem rechten Ohr steckte.
– Zebra-Basis, hier Delta-11, klang metallisch Matts Antwort.
– Delta-11, geh rüber zur Sicherheitskontrolle in Terminal 2. Williams befindet sich an Flugsteig A10, wahrscheinlich um den Botschafter aus Stockholm in Empfang zu nehmen. Lisbeth ist im Karen-Blixen-Café und bleibt dort bis die Pressekonferenz vorbei ist. Wir haben gerade gehört, dass die Sicherheitskontrolle in Terminal 3 in fünf Minuten geschlossen wird. Das wird den Druck auf Terminal 2 erhöhen. Es würde mich sehr beruhigen, wenn du dort wärst. Ich schicke Bravo-Team auch sofort rüber, verstanden?
– Alles klar, antwortete Matts, ich bin schon auf dem Weg. Ein anderer Bereich des großen Bildschirms war in eine Reihe Mini-Bildschirme aufgeteilt. Jeder von ihnen korrespondierte mit einer Miniatur-Kamera, mit denen einige der Agenten ausgestattet waren. Toms Blick fiel auf den Mini-Bildschirm, der in der rechten oberen Ecke mit „Delta-09“ markiert war. Er konnte damit sehen, dass Lisbeth direkt vor dem Karen-Blixen-Café stand, wo sich mittlerweile eine große Menschenmenge versammelt hatte. Lisbeths Kamera befand sich in einem Clip, den sie an ihrem Schal befestigt hatte. Alle, die den Clip sahen, würden ihn für ein Schmuckstück halten.
– Delta-09, hier Zebra-Basis, bitte kommen, rief Tom.
– Delta-09 hier, antwortete Lisbeth.
– Wie ich sehe, strömen die Scharen ins Café, sagte Tom. Wie sieht es sonst aus?
– Ich glaube, alle Journalisten und TV-Leute sind jetzt hier, antwortete sie, und es kommen dauernd noch mehr Leute. Aber die Hauptpersonen sind noch nicht da. Es gibt ansonsten nichts zu bemerken … doch! Rolf war gerade hier. Er wollte den Außenminister treffen, wenn er ankommt. Kannst du sehen, wo er jetzt ist?
– Rolf steht vor dem Eingang zu Terminal 3, wo er auf den Minister wartet, erwiderte Tom. Er und die Sportler sind die einzigen, die noch fehlen. Sie sollten in Kürze da sein.
– Alles klar, antwortete Lisbeth.
– Du solltest besser am Kontrollpunkt bleiben, verstanden? sagte Tom.
– Verstanden, antwortete sie. Toms Stimme verschwand aus Lisbeths Hörmuschel, und sie fühlte sich wieder allein, obwohl sie von bei Weitem mehr Menschen umgeben war, als ihr wirklich lieb war. Die Schmetterlinge in ihrem Bauch waren verschwunden. Jetzt war es an der Zeit. Das Warten war vorbei und sie würden auf die Probe gestellt werden.

Flughafen Kopenhagen, 15.15 Uhr

Ein großer Reisebus manövrierte sich mit Mühe zur einen Seite von Terminal 3. Die Türen öffneten sich. Ungefähr fünfzig Fans und Neugierige waren versammelt, um die Basketball-Spieler zu begrüßen, als sie einer nach dem anderen aus dem Bus stiegen. Der kleine Trupp von etwa 20 bis 25 Polizisten hatte keine Mühe, die Fans auf Abstand zu halten. Ein paar der Sportler benutzten sogar die Gelegenheit, um Autogramme zu geben, bevor sie zum Eingang gingen.
Rolf stand draußen in der kalten Nachmittagsluft und beobachtete die Sportler. Hier wäre eine gute Gelegenheit zuzuschlagen, dachte er. Jeder der anwesenden Fans konnte ein Terrorist sein. Es war wirklich absolut unmöglich, den Flughafen hundert Prozent abzusichern, ohne ihn vollständig für alle anderen Personen als die, die beschützt werden sollten, zu blockieren. Aber sein sechster Sinn sagte ihm, dass der Angriff nicht hier stattfinden würde. Es würde geschehen, wenn die gesamte Zielgruppe sich an einer Stelle befand. Es machte sonst keinen Sinn, eine Terroraktion zu diesem besonderen Zeitpunkt zu planen.
Die Sportler wurden in die Halle und die Treppe hinauf zur Sicherheitskontrolle beim Karen-Blixen-Café geführt. Alle anderen Passagiere wurden von zwei Polizisten zum Terminal 2 umdirigiert. Die meisten akzeptierten den kleinen Umweg mit einem Achselzucken, aber einige beschwerten sich über die ‚Unannehmlichkeiten‘, denen sie ausgesetzt wurden. Aber sie wurden trotzdem nicht durchgelassen. Einer nach dem anderen legten die Sportler ihre Taschen auf das Förderband, das durch den Scanner lief, und einer nach dem anderen gingen sie durch den Metalldetektor. Auf der anderen Seite des Scanners, wurden alle Taschen zusammengesammelt und auf einen Transportwagen gelegt, der sich umgehend zum Flugzeug begab. Die Sportler gaben weiter Autogramme während sie sich zu der kleinen Tribüne hinarbeiteten, die vor dem Café aufgebaut war. Die Fotografen folgten ihnen auf dem Fuße. Das gesamte umliegende Areal war durch starke Scheinwerfer hell erleuchtet.

Die beiden Botschafter waren gerade auf der Tribüne angekommen, und Sportler und Botschafter begrüßten einander herzlich zu Ehren der Presse. Jetzt mussten sie nur noch auf den dänischen Außenminister warten. Williams beobachtete die Ankunft der Sportler von einem Geschäft aus, das dem Café gegenüber lag. Wie war das doch typisch, dachte er. Jetzt konnten sie alle auf den Außenminister warten. Die unwichtigsten Teilnehmer setzen oft eine Ehre darein, zu spät zu kommen. Zur Hölle mit dem dänischen Minister.

Nach Goldschmidts Ankunft war Williams ja vorausgegangen und hatte dabei mit Argusaugen nach Wahil und Akhmahel Ausschau gehalten. Er hatte keinen von ihnen gesehen, aber er spürte, dass sie in der Nähe waren, alle beide, irgendwo in der Nähe. Er fühlte sich wie ein Raubtier, der Wind von seiner Beute bekommen hatte. Alle seine Sinneswahrnehmungen liefen auf Hochtouren. Nicht weit von Williams stand Jørgen Iversen und blickte auf die Menschenmenge. Rolf hatte ihn gebeten, Williams zu beschatten. Er war ihm gefolgt, seit er sich von dem amerikanischen Botschafter getrennt hatte. Aber im Augenblick hatte er ihn in der großen Menschenansammlung vor dem KarenBlixen-Café aus den Augen verloren. Verdammt, dachte er. Wo ist er abgeblieben? Er funkte die Basis an:
– Zebra-Basis, hier Delta-13, bitte kommen.
– Delta-13, hier Zebra-Basis, antwortete Tom sofort.
– Ich habe Williams aus den Augen verloren, Tom, könnt ihr mir helfen? fragte er. Tom beobachtete die große Leinwand und fand schnell die zwei hellen Flecken, nach denen er suchte. Er konnte sehen, dass die beiden Männer nicht sehr weit voneinander entfernt waren. – Geh ein paar Meter nach Westen, Delta-13, dann solltest du ihn sehen können, antwortete er.
Nach Westen? Das muss in diese Richtung sein, dachte Jørgen und ging auf Terminal 2 zu. Er entdeckte Williams fast sofort. Der Amerikaner stand in einem Ladeneingang und beobachtete die ständig wachsende Menschenmenge. Sie hatten eine Sekunde lang Augenkontakt, aber Williams gab kein Zeichen, dass er ihn erkannt hatte. Hier kommt mir mein Mangel an Persönlichkeit zugute, dachte Jørgen. Er begab sich in die Nähe des Ladens und begann, in einer Zeitung zu lesen. Dabei stellte er sich mit dem Rücken zu Williams, da er ihn über das Spiegelbild im Fenster des benachbarten Geschäfts leicht im Auge behalten konnte.

Etwa zur gleichen Zeit verließ Akhmahel das Café in Terminal 2, wo er gewartet
hatte. Er nahm seinen Aktenkoffer und ging zu der Treppe, die ein Stockwerk
höher zu den Sicherheitskontrollen führte. Er hatte lange warten müssen, aber
nun war es endlich an der Zeit, zu handeln. Er ging langsam und sich ständig wachsam umsehend zu dem schmalen Durchgang, der Terminal 2 mit Terminal 3 verband.
Dann entdeckte er, was er suchte und beschleunigte seine Schritte.

Mohammad und Faroukh waren ein paar Minuten vor Akhmahel aus dem Café
über den Check-in-Schaltern in Terminal 3 gekommen und hatten gerade
Terminal 2 erreicht. Sie sahen Akhmahel auf dem Weg zur Treppe und hatten
kurz Augenkontakt mit ihm. Einen Moment später trafen sie sich wie zufällig auf
der Treppe, aber sie benahmen sich, als ob sie einander nicht kannten. Kurz darauf standen alle drei Männer hintereinander in der Warteschlange zur
Sicherheitskontrolle, Akhmahel als Erster, Faroukh als Letzter.

(Fortsetzung folgt)

 

ENGLISH

The man from Tehran

Friday, 10 February 2006

U.S. Embassy in Copenhagen, 2:15 p.m.

Two cars drove out of the parking lot of the American embassy in Østerbro in Copenhagen. In the first car, a dark blue Ford Mondeo, were two Secret Service agents. In the other car, a black Mercedes 600, were sitting – beside the driver – the American ambassador to Denmark, Henry Turner, and CIA special agent, John Williams.

– Now I’ve missed the chance to watch the game, said Turner. I was actually looking forward to it. But not even the devil himself would be able to enjoy a fight with this shit hangs over his head.

– I understand what you mean, sir, said Williams. But you don’t have the opportunity every day to catch a gang of terrorists in the act.

– Hmm, I just hope nothing goes wrong, Turner growled with a worried expression on his face.

– I can’t imagine what could go wrong, Williams said confidently. If you can just make shure that Goldschmidt and the Foreign Minister don’t get cold feet, then I will land the fish, you can rely on it.

Turner looked thoughtfully for a while before saying:

– As long as you don’t make us all look like a bunch of circus clowns with no idea what the hell is going on out there, I’ll convince the others that we have the situation under control.

– Trust me, Sir, Williams said. We have the situation under control.

– What about him Duvenhart from EA … what are they called? asked Turner. Can we control him?

– No, Williams said briefly. But we have a firm grip on his balls, and then the rest usually follows, doesn’t it?

– I damn hope you are right, said Turner. But of course, we are long past the point of no return, as the saying goes. Well, we’ll see!

The two drivers, who were familiar with the area, meandered through the city with the cars, and were soon on Amager Strandvej. The closer they got to the airport, the more police patrols they met. Police officers on motorbikes overtook them a few times.

– The police are on their feet anyway, said Turner after a long silence.

Copenhagen Airport 2:35 p.m.

Akhmahel left the highway at the first exit to the airport. He came into a roundabout and followed the sign „International Arrivals and Departures“. The police were everywhere. Two police officers sat on their motorbikes at the roundabout. One of them followed Akhmahel with his eyes, but none of them tried to stop him. He drove to Terminal 3 and down into the underground car park below the terminal. He would leave the car here, it had served its purpose. To Akhmahel’s surprise, there were a few police officers down in the car park, but that didn’t matter to him. He parked the car, took his suitcase from the back seat and went to the elevator. A few minutes later, he stepped out of the elevator on the west side of Terminal 3. He paused to find his bearings. There was hectic activity in the terminal. The crowd was overwhelming. There was no doubt that you were in the international part of an airport.

It would have looked like what you would expect in a modern European airport if it weren’t for the large amount of police officers. They stood or walked around watching the travelers as if they were expecting to spot the typical features that characterized a genuine terrorist. Akhmahel discovered several plainclothes police officers or agents. Some of them were very easy to spot, while others had taken a little extra effort to fit into the picture with the many travelers.

In the middle of the terminal was a staircase that led up one floor where the security controls were and from where you could get into the duty-free area. The security checks only let people with a valid boarding pass through. Under the stairs, on the same level where he was now, was the exit from the arrival area. From there came a constant stream of travelers. Many were picked up by their family, friends or business partners.

Opposite the elevator, a little to the left, were a number of departure counters. Akhmahel went up to one of them and stood in a short queue. It was soon his turn. He handed his ticket and passport to the lady behind the counter. She typed something on her keyboard and checked the entries on the screen. She opened the passport, looked at Akhmahel and asked with a professional smile:

– Would you like a window or an aisle seat, Mr. Foilier?

– Aisle, thank you, Akhmahel replied.

– Do you have any luggage? she asked further.

– Only this one, he replied, and picked up his briefcase so that she could see it. A moment later, he got his passport back along with a boarding card for a KLM flight to Amsterdam. The lady wished him a pleasant journey.

He definitely expected a pleasant journey once the plane was in the air. He was sure that the planned departure to Amsterdam would be considerably delayed. Maybe the flight would even be cancelled altogether, because there would be some tragic events related to an SAS plane.

He went to Terminal 2. There was much less of a crowd. He looked around and immediately discovered what he was looking for. Sadou was standing a little further away near a spiral staircase that led to the toilets on a lower floor. Akhmahel headed in Sadou’s direction, but passed him without stopping. They had eye contact for a second and Sadou nodded almost imperceptibly. Akhmahel now knew that everything was going as planned. He went around the spiral staircase to a cafe where he wanted to wait. Sadou went to the stairs that led to the duty-free area. He had a boarding pass for the same KLM flight to Amsterdam as Akhmahel.

Copenhagen Airport, 2:45 p.m.

The taxi stopped in front of the eastern entrance to Terminal 3 and Faroukh got out while Mohammad paid the driver. They had both noticed the large police force. The sight had a stimulating effect. Now they were at the location of their upcoming victory. They would not let anything stand in their way. In front of them was the terminal, which was shaped like a wing. They walked towards the entrance with firm steps. Both of them were carrying a sports bag. Two police officers stood watchful in front of the entrance. One noticed Mohammad and Faroukh and curiously followed them with his eyes as they approached. When they got to the entrance, one of the policemen stepped in front of them.

– Can you please show me what you have in your bags, he said in English. He looked first at Mohammad then at Faroukh.

– Of course, said Mohammad and put his bag on the ground.

Faroukh noticed that one of the policeman’s hands was on his gun, but he left it holstered.
Mohammad opened his bag and the policeman leaned forward and searched the contents with one hand.

– Thank you, he said, and asked Faroukh to do the same. Faroukh also placed his bag on the ground and opened it. The policeman searched Faroukh’s bag in the same way, then got up and said:

– All right, thank you, and where are you going?

– To France, Paris, said Mohammad. We live in Paris.

– Your passports, please, said the policeman.

Faroukh suddenly remembered that his passport was in the inside pocket of his jacket. If he opened his jacket too far, there was a risk that the cop would see what was underneath. His heart started pounding.

– Of course, said Mohammad and put his hand in his jacket. The policeman watched Mohammad’s movements closely and tightened his grip on his pistol in the holster. Faroukh took the opportunity to quickly pull the zip of his jacket down a little and quickly put his hand in his jacket as well. The policeman suddenly became restless and turned to Faroukh, who swiftly pulled his hand together with the passport out of his pocket.

– There you are, he said, hoping he didn’t look too nervous.

– And here is mine, said Mohammad at the same moment and handed his passport to the policeman, who relaxed visibly and took the passports.

He opened them, compared the photos with the faces of the two men, and returned them.

– Thank you and good trip, he said.

Shortly thereafter, Mohammad and Faroukh entered the terminal and the policeman went back to his colleague.

– What was that all about? asked his colleague.

– I don’t know, just a hunch. But it was probably nothing, the policeman replied, and a moment later they had both forgotten the incident.

Mohammad and Faroukh were in the same queue that Akhmahel had been in a few minutes ago. If they hadn’t been stopped by the policeman, they might have seen him walk towards Terminal 2. Soon they both had a boarding card for a SAS flight to Paris Charles De Gaulle at 4:35 p.m. They went up the stairs to a cafe just above the departure counter. Only one of the two men would be on the plane when it departed. Now they had to wait.

Copenhagen Airport, 2:50 p.m.

Jesper Berg did not notice that the two men he had just passed laughed at him behind his back. He did in no way resemble himself. As a rule, he went to work well-groomed, with a freshly ironed shirt. But today he looked as if he had slept in his clothes.

– She must have left him, said one of the two men.

– Yes, she definitely needed a real man, the other laughed and grabbed his crotch provocatively.

They both laughed at their trivialities for a few more minutes before continuing to load suitcases onto a cart.

For the hundredth time, Jesper reached into his breast pocket to feel if it was still there, and for the hundredth time he was relieved to find it there. He looked at the clock. It was almost three. He was earlier at work than usual to ensure that all the conditions for his task were met. He went through everything in his head again. Yes, it is probably possible, he thought. He took the roster and checked if anyone had reported sick. According to the schedule, three colleagues were missing. Jesper had to put someone else in their places. It was important that not the brightest employees loaded flight SK779. A moment later the shift was planned, and he went to one of the coffee machines. Now he just had to wait.

He was longing to seeing Tine and the kids come home safe tonight. He had decided to suppress any thought that something might have happened to them. He had to concentrate and think positively. He pushed a button and the coffee machine brewed a fresh cup of coffee.

Copenhagen Airport, 2:55 p.m.

A dark blue Ford Mondeo and a black Mercedes 600 drove up to Terminal 3 at the western entrance. The Mondeo stopped first, and two Secret Service agents jumped out of the car and ran to the Mercedes. They stood on either side of the large limousine and waited. Four policemen and two plainclothes CIA agents hurried out of the terminal and the two Secret Service agents opened the doors of the car. Turner and Williams got out. Accompanied by the eight men, Turner and Williams were brought straight into the terminal and from there straight up the stairs to the duty-free area. Bypassing the queue and security control, of course. Here the four police officers left the group and the security of the two men was in the hands of the Secret Service and the CIA.

– What will you be doing now? asked Turner.

– I’m going to circulate, Williams said. I will contact you if there is anything you need to know, sir.

He walked away while Turner watched him anxiously until he was gone. Finally Turner shrugged and turned to the others. Secret Service agents flanked him on both sides as they professionally scanned the crowd. The two CIA agents stood a few meters away from him and waited. He went over to them.

– Let’s go, he said, are there any delays?

– No, sir, one of them answered choppy. Scheduled landing expected. This way, sir.

They moved towards Gate A10.

Frederiksberg (Copenhagen district), 3 p.m.

– They are waiting down on the street now, said Anne Krog Petersen, holding out the suitcase to her husband. See you in a few days. Take care of yourself, love. She kissed him on the cheek.

– I’ll call you as soon as I can, dear, he replied. But it can get pretty late before I’m alone. You know how it is.

– Yes, yes, that’s fine, she replied. You call when you can.

He hurried out the door and almost ran down the stairs of the old building in Frederiksberg, where they lived. A moment later he stepped out the front door and onto the sidewalk. The big ministerial car, an Audi A6, was in front of him. The driver held the door open for him.

– Good afternoon, Sir, he greeted him with a smile.

– Good afternoon, Thorkild, said Foreign Minister Svend Krog Petersen. Are we going to be late?

– No way, replied Thorkild, but we shouldn’t waste any time anyway.

Svend Krog Petersen got in the back seat and a moment later they were on their way to the airport.

Copenhagen Airport, 3:05 p.m.

The plane from Stockholm taxied to gate A10 and the powerful jet engines whistled into lower revs. The cabin crew waited until the passenger boarding bridge was correctly attached to the side of the aircraft before opening the door. The passengers had already started to leave their seats before the seat belt symbol was turned off. Everyone finally wanted to get out of the narrow cabin.

The American ambassador from Stockholm, Arthur Goldschmidt, was at the front, flanked by two secret service agents. Outside the plane were the two CIA agents who had just arrived at the gate with Ambassador Henry Turner and his two Secret Service agents.

– Welcome to Copenhagen, Sir, said one CIA agent when Goldschmidt came out of the narrow door. He held up his badge so that Goldschmidt could see it.

– Please be so kind and come with us, he continued. Ambassador Henry Turner is waiting at the gate, Sir.

– Thank you, said Goldschmidt. After you!

They walked down the narrow tunnel that led to the gate. Behind them you could hear the murmur from the other business class passengers who weren’t satisfied with the wait.

Williams didn’t go very far before he turned and walked back. Then he discreetly followed Turner and his small group on their way to Gate A10. On the way, he spotted some of his own people and suspected that they had noticed him too. But none of them let on about it.

For the other travelers, Williams and the other plainclothes agents from the CIA and EATO were just people of no interest. A trained observer would surely notice the fine earpieces or the small tie pin with the built-in camera that the agents were wearing. But who had time and leisure to look for such details in a busy airport, where many businesspeople also walked around with a cable in their ears, apparently talking to themselves?

Most of the agents kept an eye on all travelers, but not Williams. He was looking for certain people, namely Wahil el Mohammed and Akhmahel bin Kanhal. He didn’t know what they looked like now, least of all Wahil, but he knew exactly what Akhmahel looked like when he left Kabul a few days ago. He took a photo from his breast pocket and looked at it. The photo showed a man walking out a front door. The picture was sharp and showed exactly all the facial features of the man. You may have changed your look, he thought, but I’ll still recognize you, my friend.

He felt reflexively for his inside pocket. The little box with the ring was where it should be. He would use it again soon. Maybe for the last time, if everyone from the Tehran list was eliminated today. He knew he was looking for a needle in the haystack. Several hundred people were in the large duty-free area. He thought that the press conference, which would start in about half an hour, would be his best chance. If they were targeting the politicians and the athletes, they had to do it at that time. He couldn’t imagine where else they would be able to get close enough.

Turner waited at Gate A10 while the two CIA agents passed the boarding gate and entered the small tunnel that led to the newly arrived plane from Stockholm. They came out shortly after, accompanied by Ambassador Arthur Goldschmidt and a few agents from the Secret Service. Goldschmidt and Turner greeted each other and exchanged a few words, and then the whole entourage moved back to the Karen Blixen Café to attend the press conference.

Williams turned and went ahead of them.

Copenhagen Airport, 3:10 p.m.

Tom’s eyes were on the big screen. He sat in the control room in the mobile command center and concentrated on monitoring the ongoing action. The middle part of the screen showed a satellite image of the entire airport area, on which small bright dots moved like fireflies. The dots marked EATO agents, CIA agents, combat units and the police officers who were connected to the headquarters. The dots were of different colors, indicating which group the individual belonged to. The checkpoints they selected earlier in the day were marked with a glowing triangle and a code. If you studied the screen for a while, you got a pretty good idea of where the various agents and police officers were at the airport. For Tom, the screen with the many bright spots gave the best possible overview. He was completely in his element. He pressed a button on the console in front of him.

– Delta-11, here’s zebra base, come in, he said into a microphone that was attached with a subtle strap to an earpiece that was stuck in his right ear.

– Zebra base, here’s Delta-11, sounded Matt’s answer a bit metallic.

– Delta-11, go over to the security check in Terminal 2. Williams is at Gate A10, probably to meet the Stockholm ambassador. Lisbeth is in the Karen Blixen Café and stays there until the press conference is over. We just heard that Terminal 3 security will close in five minutes. This will increase the pressure on Terminal 2. I would be very reassured if you were there. I’ll send Bravo team over right away, understand?

– All right, answered Matts, I’m on my way.

Another area of the large screen was divided into a series of mini screens. Each corresponded to a miniature camera some of the agents were equipped with. Tom’s gaze fell on the mini-screen marked „Delta-09“ in the upper right corner. He could see that Lisbeth was standing in front of the Karen Blixen Café, where a large crowd had gathered. Lisbeth’s camera was in a clip that she had attached to her scarf. Anyone who saw the clip would take it to be a piece of jewelry.

– Delta-09, zebra base, please come, called Tom.

– Delta-09 here, Lisbeth replied.

– I see the crowds flocking to the cafe, said Tom. How is the situation otherwise?

– I think all journalists and TV people are here now, she replied, and more people keep coming. But the main characters are not here yet. There is nothing else to notice … yes! Rolf was just here. He wanted to meet the Foreign Minister when he arrives. Can you see where he is now?

– Rolf is standing in front of the entrance to Terminal 3, where he is waiting for the minister, replied Tom. He and the athletes are the only ones who are still missing. They should be there shortly.

– Okay, answered Lisbeth.

– You’d better stay at the checkpoint, understand? said Tom.

– Got it, she replied.

Tom’s voice disappeared from Lisbeth’s earpiece and she felt alone again, even though she was surrounded by far more people than she really liked. The butterflies in her stomach were gone. Now it was time. The wait was over, and they would be put to the test.

Copenhagen Airport, 3.15 p.m.

A large touring coach maneouvred with difficulty to one side of Terminal 3. The doors opened. About fifty fans and curious bystanders were gathered to greet the basketball players as they got off the bus one by one. A small group of around 20 to 25 police officers had no trouble keeping the fans at a distance. A few of the athletes even took the opportunity to sign autographs before going to the entrance.

Rolf stood outside in the cold afternoon air and watched the athletes. It would be a good opportunity to strike here, he thought. Any of the fans present could be a terrorist. It was absolutely impossible to completely secure the airport without blocking it entirely for anyone other than those who were to be protected. But his sixth sense told him that the attack would not take place here. It would happen when the whole target group were in one place. Otherwise there was no point in planning a terrorist action at this particular time.

The athletes were led into the hall and up the stairs to the security check at the Karen Blixen café. All other passengers were redirected to Terminal 2 by two police officers. Most of them accepted the small detour with a shrug, but some complained about the ‚inconvenience‘ to which they were exposed. But they still weren’t let through. One by one, the athletes put their bags on the conveyor belt that ran through the scanner, and one by one they went through the metal detector. On the other side of the scanner, all of the bags were collected and placed on a trolley that immediately went to the plane.

The athletes continued to sign autographs as they worked their way toward the small grandstand that was set up in front of the cafe. The photographers followed closely. The entire surrounding area was brightly lit by strong spotlights.

The two ambassadors had just arrived in the stands, and athletes and ambassadors greeted each other warmly in honor of the press. Now all they had to do was wait for the Danish Foreign Minister. Williams watched the athletes‘ arrival from a shop opposite the cafe. This was so typical, he thought. Now they could all wait for the Foreign Minister. The least important participants often take an honor in being late. To hell with the Danish minister.

After Goldschmidt’s arrival, Williams had gone ahead, watching for Wahil and Akhmahel. He hadn’t seen either of them, but he sensed that they were nearby, both of them, somewhere nearby. He felt like a predator that had got wind of its prey. All of his senses were fully alert.

Jørgen Iversen stood not far from Williams and looked at the crowd. Rolf had asked him to stay close to Williams. He had been following him since he separated from the American ambassador. But at the moment he had lost sight of him in the large crowd in front of the Karen Blixen Café. Damn it, he thought. Where did he go?

He radioed the base:
– Zebra base, Delta-13, come in.

– Delta-13, Zebra base, Tom replied immediately.

– I’ve lost sight of Williams, Tom, can you help me? he asked.

Tom looked at the big screen and quickly found the two bright spots he was looking for. He could see that the two men weren’t very far apart.

– Go west a few yards, Delta-13, and you should be able to see him, he replied.

Go west? That must be in this direction, Jørgen thought and went to Terminal 2. He spotted Williams almost immediately. The American stood in a shop entrance and watched the ever-growing crowd. They had eye contact for a second, but Williams did not show any sign of recognizing him. This is where my lack of eye-catching features benefits me, thought Jørgen. He went near the store and started reading a newspaper. He turned his back on Williams because he could easily keep an eye on him through the reflection in the window of the neighboring shop.

At about the same time, Akhmahel left the cafe in Terminal 2, where he had been waiting. He took his briefcase and went to the stairs that led up to the security checkpoints. He had had to wait a long time, but now it was finally time to act. He walked slowly and constantly looking around the narrow passage that connected Terminal 2 with Terminal 3. Then he discovered what he was looking for and accelerated his steps.

Mohammad and Faroukh had come out of the cafe above the check-in desks in Terminal 3 a few minutes before Akhmahel and had just reached Terminal 2. They saw Akhmahel on the way to the stairs and had brief eye contact with him. A moment later they met on the stairs as if by chance, but they behaved as if they didn’t know each other. Shortly afterwards, all three men stood in line in the security check queue, Akhmahel first, Faroukh last.

(To be continued)

Der Mann aus Teheran, Paris/Bad Krozingen/Hamburg … The man from Tehran, Paris/Bad Krozingen/ Hamburg

CoverDeutsch

 

Der Mann aus Teheran

Donnerstag, 9. Februar 2006

Paris, 01.25 Uhr

Martine Sabattier hatte das Gefühl, etwas Wichtiges aufgefangen zu haben. Sie arbeitete für EATO in Frankreich, genauer gesagt in Paris. Ihre Aufgabe war es, aufzuzeichnen und abzuhören, was in den Polizeisendern der vier größten Städte Frankreichs vor sich ging. Eine der Städte war Lyon. Martine beurteilte, ob es etwas in dem umfangreichen, täglichen Funkverkehr gab, das Relevanz für EATO haben könnte. Die Hauptaufgabe bestand eigentlich mehr darin, all das, was keine Relevanz hatte, herauszufiltern, mit anderen Worten, mehr als 99 Prozent alles dessen, was sie abhörte. Sie war nicht die einzige, die diese Arbeit ausführte. Sie waren sechs Kollegen, die in Schichten Dienst taten. In einer Reihe anderer strategisch wichtiger Städte in Europa gab es ähnliche Einrichtungen.
Martine hörte die Bänder mit den Meldungen ab, eines nach dem anderen, und traf dann eine schnelle Entscheidung über die Relevanz der Inhalte. In den meisten Fällen konnte sie bereits nach den ersten zehn, fünfzehn Sekunden sagen, ob es sich lohnen würde, die gesamte Meldung anzuhören. Häusliche Gewalt, Verkehrsunfälle und Schlägereien in Kneipen hatten kein Interesse, aber Raubüberfälle, Morde und kleinere, Terror ähnelnde Vorfälle ganz bestimmt. Martine war ausgezeichnet in ihrem Job, fast am Rande des Übernatürlichen. Sie hatte ein treffsicheres Gespür, eine isolierte wichtige Information zu finden, selbst wenn sie in einer mehrere Stunden dauernden, gleichgültigen Kommunikation versteckt war.

Gerade jetzt sagte ihr ihr Instinkt, dass sie etwas Wichtiges gefunden hatte. Die Meldung war aus Lyon kommen, und war ein wenig kryptisch. Sie beschloss, sie noch einmal zu hören. Es war eine Frauenstimme, die sagte: „Nachforschung nach dunkelblauem Peugeot Boxer Kastenwagen mit Kennzeichen 124RDQ69 … wiederhole 124RDQ69. Das Auto wird im Zusammenhang mit dem Mord an einem deutschen Polizeibeamten an der Ausfahrt Châtillon sûr Chalaronne gesucht. Der Fahrer des Wagens ist höchst wahrscheinlich ein ungewöhnlich großer und gewalttätiger Mann. Er muss als extrem gefährlich angesehen werden und darf nur in Übereinstimmung mit allen vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen angehalten werden. Das Auto wird in allen Bezirken gesucht, aber mit besonderem Schwerpunkt auf die Gegend um Châtillon sûr Chalaronne und Lyon.“
Wie üblich, war Martine nicht in der Lage zu erklären, warum gerade diese Meldung ihr Interesse geweckt hatte. Zugegeben war es genau diese Art von Meldungen, die geprüft wurden, aber in den meisten Fällen erwiesen sie sich ohne Interesse. Aber gerade diese Meldung… Sie beschloss, die Angelegenheit sofort zu untersuchen und öffnete die EATO-Datenbank. Sie begann mit dem Besitzer des Autos, wurde aber in einer genialen Konstruktion von Holdinggesellschaften und Briefkastenfirmen herumgeschickt. Endlich erschien ein Name auf ihrem Bildschirm, André Sarkov. Sie wiederholte den Namen für sich selbst ein paar Mal. Sie war ziemlich sicher, dass sie ihn aus dem einen oder anderen Zusammenhang kannte, aber woher?
Sie fing an, Hintergrundinformationen über den Namen in der Datenbank zu suchen und fand bald, was sie suchte. Oben links auf dem Bildschirm konnte sie ein Bild von Sarkov sehen, vermutlich ohne sein Wissen gemacht, und rechts neben dem Bild stand: André Sarkov. Geboren: 1951 in Marokko von russischen Eltern. Beruf: Waffenhandel (legal und illegal). Sie sah das Bild genau an. Du bist sicherlich ein interessanter Typ, dachte sie, aber es kann nicht sein, dass du den gesuchten Peugeot fährst, denn du siehst nicht aus wie ein Mann, der größer als der Durchschnitt ist, zumindest nicht was die Höhe angeht.
Sie klickte auf ‚Dossier‘, woraufhin eine Reihe neuer Details auftauchte: Verbindungen zu Al-Qaida bekannt. Mehrmals verhaftet, aber keine Verurteilungen. Dreimal in Zusammenhang mit Terror verhört: Am 16. März 2002, im Zusammenhang mit der Entdeckung eines großen Waffenlagers in Athen. Keine Beweise. Am 31. Dezember 2003 im Zusammenhang mit der angeblichen Lieferung von Waffen an Al-Qaida. Keine Beweise. Am 4. Mai 2004; festgenommen im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen von Madrid im März. Anklagen abgewiesen wegen Mangel an Beweisen. Martines Herz schlug schneller. Das war interessanter Lesestoff, dachte sie, sehr interessant. Du bist ein ziemlich glatter Aal, was André? Aber vielleicht hast du hier eine Dummheit gemacht.

Bad Krozingen, 02.15 Uhr

Die Temperatur war während der letzten Stunden, die er nach Norden gefahren war, noch ein paar Grad gesunken und hatte nun fast den Gefrierpunkt erreicht. Seit der kleinen Episode nördlich von Lyon war die Reise reibungslos und ohne weitere Hindernisse für Wahil verlaufen. Vor einiger Zeit hatte er die französischdeutsche Grenze bei Mulhouse überschritten und wollte am nächsten Rastplatz Halt machen. Auf einem Schild sah er, dass er sich in der Nähe von Bad Krozingen befand. Bald darauf wurde ein Rastplatz angekündigt. Er fuhr ab und ein paar Minuten später hielt er unter einigen Bäumen, wo der Wagen von der Autobahn aus nicht zu sehen war. Er nahm den Schlafsack, den Sarkov mitgeliefert hatte und hoffte, dass er sich darin für die nächsten paar Stunden warm halten konnte. Er stieg aus dem Wagen und ging zur rechten Schiebetür.

Irgendwo schrie eine Eule, aber ansonsten war nur das Geräusch der relativ wenigen Autos zu hören, die noch auf der Autobahn unterwegs waren. Er kroch in den Laderaum und schloss die Tür hinter sich. Er schob mit Mühe die Holzkiste zur Seite, um für sich Platz zu machen, breitete den Schlafsack aus, kroch hinein und schaltete das Licht aus. In der Dunkelheit stellte er seine digitale Armbanduhr, denn er wollte um 05.00 Uhr geweckt werden. Knapp drei Stunden Schlaf, das musste für jetzt reichen. Bevor er in den Schlaf glitt, dachte er an den Inhalt der Kiste. Verdammt noch mal, wie würden die überrascht sein! Er lächelte in der Dunkelheit vor sich hin. Fünf Minuten später war er eingeschlafen.

Hamburg, 02.30 Uhr

Tom schaltete die Kamera aus. Er wusste, dass das, was er jetzt gleich tun würde, gegen die Regeln verstieß, aber er würde sich dieses eine Mal nicht darum scheren. Er blickte durch den Spionspiegel in den Verhörraum nebenan, die gleiche Richtung in die die Kamera zeigte. Der Kerl aus Gerhards und Karins Wohnung saß auf einem Stuhl im Zimmer und starrte böse auf den großen Spiegel an der Wand. Er wusste sicher, dass man von der anderen Seite durch den Spiegel hindurchsehen konnte und vermutete wohl auch, dass dort jemand stand. Aber das war Tom im Moment ziemlich egal. Er wollte so viele Informationen von dem Mann haben wie möglich, und es musste schnell gehen. Es war am besten, wenn die Befragung nicht gefilmt wurde.

Yemi war voller Trotz und Hass. Er ging davon aus, dass er sich auf einer Polizeistation irgendwo in Hamburg befand und erwartete, dass man ihn bald verhören würde. Aber das konnten sie sich sparen. Die Schweine würden nichts aus ihm herausbekommen, niemals! Er hatte immer noch Schmerzen in der Seite und in dem einen Arm nach seinem Kampf mit dem großen schwarzen Idioten, der hereingeplatzt war. „Du hast Glück gehabt, dass nichts gebrochen ist“, hatte der Arzt nach der Untersuchung gesagt. Glück? Ich? dachte Yemi trotzig. Das war doch der große Gorilla, der Glück gehabt hatte. Wenn ich ihn noch einmal treffe, schlage ich ihn zu Brei, ich breche jeden Knochen in seinem Körper. Wenn der schwarze Bastard glaubt, dass ich Angst vor ihm habe, liegt er falsch. Ich habe vor niemandem Angst. Er soll nur kommen – in einem richtigen Kampf werde ich es ihm verdammt noch mal zeigen.

Tom stand für ein paar Minuten und beobachtete den Mann durch den Spionspiegel. Man konnte fast die Gedanken des Mannes lesen allein auf Grund seiner Mimik. Tom war überzeugt, dass der Mann mehr oder weniger stark psychisch abweichend war und vielleicht nur drastische Maßnahmen seine Zunge lockern würden. Die Augen des Mannes waren tiefschwarz und finster, sein Gesicht von schwarzen Bartstoppeln bedeckt und er trug ein schwarzes Sweatshirt und schwarze Jeans. Er sah überhaupt nicht sympathisch aus, sondern glich dem, was er war, einem rabiaten Bandit ohne Gefühle für andere als sich selbst. Und selbst diese Gefühle waren gestört.

Tom wollte gerade zu ihm hineingehen, als Rolf kam.
– Hallo, Tom, sagte er. Ich habe gehört, dass du einen der Kerle in Gerhards Wohnung erwischt hast. Ich nehme an, dass ist der da? Er zeigte auf den Mann im Verhörraum.
– Stimmt, Rolf, sagte Tom mit einem schiefen Lächeln. Ich wollte gerade zu ihm hineingehen und einen kleinen Abendplausch mit ihm halten, so von Mann zu Mann. Er setzte sein strahlendstes Lächeln auf.
Rolf schaute auf die Kamera. Sie war nicht angestellt! Aha, dachte er, das war also eines dieser Gespräche, dass Tom im Sinn hatte. Er gestand sich ein, dass es eine verlockende Idee war, maximalen Druck auf den Mann auszuüben, aber er mochte es nicht, wenn die Regeln missachtet wurden.
– Stimmt etwas nicht mit der Kamera, Tom? fragte er und hob fragend die Augenbrauen. Tom lachte und antwortete:
– Nein, die funktioniert ausgezeichnet, aber ich hatte mir eigentlich gedacht, eine kleine Generalprobe zu halten, verstehst du. Es könnte ja sein, dass unser Freund da drin seinen Text noch gar nicht auswendig kann, also dachte ich, dass ein wenig Übung kaum schaden könnte, nicht wahr? Wenn wir beide dann richtig gut sind und das ganze Stück auswendig können, filmen wir die endgültige Fassung des Verhörs. Wir sparen uns damit eine Menge unnötige Arbeit, findest du nicht?
– Verdammt Tom, du weißt, dass das nicht geht, sagte Rolf in gereiztem Ton. Es ist gegen alles, für was wir hier in EATO einzustehen versuchen. Wir müssen uns in jeder Hinsicht verdammt anständig benehmen, und wir dürfen niemals die Menschenrechte von irgendjemandem missachten, und dies gilt unabhängig davon, dass wir es mit Banditen und Abschaum zu tun haben. Wenn wir erst einmal damit anfangen, sind wir nicht besser als sie. Das ist eine Gratwanderung, Tom, eine Gratwanderung, bei der man leicht im Abgrund landen kann. Tom lachte nicht mehr, sondern sah auf den Boden. Plötzlich blickte er Rolf direkt in die Augen und sagte:
– Wenn du mir den direkten Befehl gibst, die Kamera einzuschalten, bevor ich ihn interviewe, tue ich es, darauf kannst du dich verlassen, und dann gebe ich ihm eine Tour erster Klasse mit Kaffee, Zigarren und einem heißen Schaumbad. Aber bevor du den Befehl gibst, möchte ich etwas sagen. Wenn du glaubst, dass ich ihn hasse, weil er vielleicht Terrorist ist, irrst du dich, Rolf. Es kommt dir vielleicht merkwürdig vor, aber obwohl ich Amerikaner bin, verstehe ich die Frustrationen vieler dieser Bastarde sehr gut. Und ich bin auch nicht der einzige Amerikaner, dem das so geht. Offiziell sind wir ja die Guten und sie die Bösen, aber im Grunde kämpfen sie wohl auch nur für das, was sie für richtig halten. In ihren Augen sind wir sicherlich die Arschlöcher. Ein Ausdruck zeigte sich auf Toms Gesicht, den Rolf noch nie gesehen hatte.

– Aber obwohl ich hinter die Kulissen sehen kann, setzte Tom fort, bedeutet es nicht, dass ich meine, sie können sich alles erlauben. Und es bedeutet auch nicht, dass ich nicht alles in meiner Macht stehende tun werde um zu verhindern, dass unschuldige Menschen ihren wahnwitzigen Aktionen zum Opfer fallen. Er kratzte sich unter seinem großen Kinn und zuckte mit den Schultern, bevor er fortfuhr.
– Es gibt zwei Gründe, warum ich diesen Kerl ein wenig mehr unter Druck setzen möchte, als es in der Gebrauchsanweisung steht. Zum einen überraschte ich ihn mit einem Messer in der Hand, das er nur allzu gerne an Karin und Gerhard und ihrer Tochter ausprobiert hätte. Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen, und es ist eine verdammte Schweinerei, andere Menschen so zu behandeln. Und zweitens, was im Moment wahrscheinlich noch wichtiger ist, stehen wir vor einer aktuellen Bedrohung und brauchen Informationen. Der Mann kann uns vielleicht etwas erzählen, womit wir einen Angriff abwenden können, bei dem unter Umständen viele unschuldige Menschen sterben oder zu Schaden kommen könnten. Rolf wollte gerade antworten, aber Tom sprach weiter:
– Ich frage dich also, Rolf, hättest du nicht auch gerne so schnell wie möglich diese Informationen, wo er sie nun einmal hat? Rolf war hin- und hergerissen. Einerseits war er fest davon überzeugt, dass es wichtig war, sich nach den Vorschriften zu richten, aber auf der anderen Seite musste er zugeben, dass Tom recht hatte. Es war von entscheidender Bedeutung, so viele Informationen wie möglich zu beschaffen, die ihnen in der aktuellen Situation helfen konnten, und das so schnell wie möglich. Er ging einen Kompromiss mit sich selber ein.
– Gut, sprich mit ihm, sagte er. Aber geh nicht zu weit, hörst du? Du kannst versuchen, ihn zu erschrecken, aber er darf keine physischen Schäden erleiden. Wenn er nicht so leicht zu erschrecken ist, müssen wir uns damit abfinden. Tom war erleichtert.
– Ich gehe nicht zu weit, antwortete er. Es wird verdammt unangenehm für ihn werden, aber er wird nicht mehr leiden, als er problemlos ertragen kann.
– Gut, dann will ich jetzt nichts mehr davon hören, sagte Rolf. Eigentlich kam ich aus einem ganz anderen Grund. Wir müssen später noch miteinander reden. Bleibst du heute Nacht hier?
– Ja, es besteht leider nicht viel Zweifel daran, dass ich hierbleibe, antwortete Tom. Es lohnt sich nicht, jetzt nach Hause zu fahren. Ich werde mich im Büro hinlegen, wenn ich hier fertig bin. Du kannst ja mit frischen Croissants und heißem Kaffee vorbeikommen, wenn du zurückkommst.
Als Rolf ging, hatte er einen schlechten Geschmack im Mund. Er fühlte, dass er gerade eine Tür geöffnet hatte, die nie wieder ganz geschlossen werden konnte.

Yemi fuhr zusammen, als die Tür zum Verhörraum plötzlich aufgestoßen wurde und der große schwarze Mann sich durch die Tür klemmte. Yemis Herz begann zu klopfen.
– Guten Abend, guten Abend, alter Freund, grüßte Tom jovial. Es war wirklich nett von dir, so einfach hier bei uns vorbeizuschneien. Wir bekommen nicht so oft wichtigen Besuch hier im Keller.
Yemi starrte Tom nervös an, sagte aber nichts. Das Zimmer war so spartanisch wie möglich gehalten. In der Mitte des Raumes stand ein quadratischer Tisch, etwa einmal ein Meter groß, mit zwei einander gegenüber stehenden Stühlen; einer für den Verhörleiter und einer für die Person, die verhört wurde. Yemi saß bereits auf dem letzteren. Tom ging mit ein paar schweren Schritt auf Yemi zu und warf eine Rolle Klebeband, eine Plastiktüte und ein zwanzig Zentimeter langes Messer auf den Tisch direkt vor Yemi.
– Wie unhöflich von mir, sagte Tom. Ich habe doch tatsächlich vergessen, dass wir einander noch nicht richtig vorgestellt worden sind. Verzeihung, lass uns das sofort nachholen. Yemi war völlig desorientiert. Instinktiv wollte er das Messer ergreifen, aber der Mut, den er empfunden hatte, als er allein im Zimmer gewesen war, war verschwunden wie Schnee in der Sonne, jetzt, wo er sich wieder Angesicht zu Angesicht mit dem Mann befand, der ihn so mir nichts dir nichts besiegt hatte. Aber es verwirrte Yemi, dass der Mann so tat, als wären sie die besten Freunde in der Welt. Was zum Teufel ging hier vor?
– Nun, versetzte Tom. Mein Name ist Tom und ich bin dein absolut einziger Freund während der nächsten Stunde. Du heißt vorläufig ‚kleiner dummer Mustafa‘, bis ich dir erlaube, mir deinen richtigen Namen zu sagen. Yemi war wütend. Was zum Teufel bildete der sich ein? Plötzlich konnte er sich nicht mehr beherrschen. Hass stieg in ihm hoch. Schnell packte er das Messer und sprang von seinem Stuhl auf. Ohne die geringste Überlegung griff er an. Das hier ist fast schon zu einfach, dachte Tom, der bewusst versucht hatte, den Mann zu provozieren. Er hatte die eine oder andere Reaktion erwartet, aber dass sie so schnell kam, war wirklich ein gutes Zeichen. Der Kerl hatte offenbar keine große Selbstbeherrschung, wenn überhaupt welche. Tom parierte mit Leichtigkeit Yemis unkontrollierten Ausfall, packte die Hand, die das Messer hielt, und drückte zu. Yemi schnitt eine schmerzvolle Grimasse und ließ das Messer fallen. Zum zweiten Mal in dieser Nacht drehte Tom Yemi den Arm auf den Rücken, aber diesmal hielt er ihn fest wie in einer Schraubzwinge. Er stellte sich ganz dicht hinter Yemi und legte seinen Mund an Yemis Ohr.
– Nein, nein, nein, sagte er direkt in Yemis Ohr, der nicht einen einzigen Muskel rühren konnte. Du hast es völlig falsch verstanden, alter Freund. Das Messer ist doch nicht für dich, sondern für mich. Es scheint mir sogar, dass du einen Nachhilfekursus darin brauchst, wie man so ein spitzes kleines Ding überhaupt bedient, nicht wahr? Das könnte dir doch nützen, wenn du nächstes Mal losgehst und mit alten Damen kämpfst oder kleine Mädchen angreifst. Das ist doch deine Spezialität, nicht wahr? Tom verdreht den Arm ein paar Zentimeter mehr, und Yemi schrie vor Schmerzen auf. Mit einer schnellen Bewegung drehte Tom ihn um und schob ihn hart in den Stuhl. Er nahm das Klebeband und begann damit, Yemi auf dem Stuhl festzukleben. Yemi leistete keinen Widerstand und war in ein paar Sekunden er auf dem Stuhl fixiert.
Yemi bekam jetzt Angst, wirklich Angst. Sein Herz klopfte, und er atmete schwer. Aber trotz der Angst war er immer noch trotzig. Er hatte nicht vor, dem großen Rotzlümmel irgendetwas zu erzählen. Sie hatten nichts über ihn. Er trug nie Ausweispapiere bei sich, oder etwas anderes, was ihn verraten könnte. Tom hockte sich vor Yemi. Mit übermäßig einschmeichelnder Stimme sagte er:
– Jetzt hör mal, Mustafa, wir müssen einige Spielregeln haben, weißt du, sonst funktioniert es nämlich nicht. Also, wir machen es folgendermaßen: Tom, also ich, stellt eine Frage, und Mustafa, also du, antwortest ehrlich. Jedes Mal, wenn Mustafa ehrlich antwortet, ist Tom glücklich und geht sofort weiter zur nächsten Frage. Aber wenn die Antwort unehrlich ist, muss Mustafa seinen Kopf in die Plastiktüte stecken. Er hielt Yemi die Tüte hin.
– Aber wenn Mustafa lügt und Tom findet es später heraus, so ist die Strafe viel, viel schlimmer. Alles klar? Er setzte ein breites Lächeln auf.
– Das sind doch ganz einfache Regeln oder? fuhr er fort. Das wird schon gehen. Sollen wir nicht einfach anfangen? Yemi war wie betäubt, was meinte das Schwein? So verhielt sich die Polizei nicht. Wer zum Teufel war der Idiot?
– Warum fangen wir nicht mit einer kleinen, einfachen Frage an, nicht wahr? begann Tom. Lass uns diese nehmen, die kannst du auf jeden Fall beantworten. Also, wie ist dein richtiger Name? Und wo wohnst du? Tom schaute ihn unschuldig an. Yemi beantwortete sein Blick mit einer trotzigen Miene. Er hatte nicht vor, ihm auch nur das Geringste zu erzählen.
– Hör mal, das funktioniert ja überhaupt nicht, sagte Tom. Ich glaube, wir müssen den Kopf in die Tüte stecken. Mit einer schnellen Bewegung nahm Tom die Plastiktüte, zog sie über Yemis Kopf und blockierte die Luftzufuhr mit den Händen. Yemi bekam einen Schock, und Angst durchflutete seinen ganzen Körper. Er warf den Kopf hin und her und brüllte in der Plastiktüte wie ein Stier. Er versuchte verzweifelt, seine Arme frei zu bekommen, aber es war vergebens. Sein Puls war so hoch, und sein Sauerstoffbedarf so groß, dass seine Lungen schon nach 15 Sekunden vor Anstrengung fast am Platzen waren. Kurz bevor er das Bewusstsein verlor, riss Tom ihm die Tüte wieder vom Kopf.
Yemi schnappte nach Luft wie ein Blasebalg und zeigte bereits einen leichten bläulichen Farbton im Gesicht.
– So, so, alter Freund, lass uns mal nach Luft schnappen, nicht wahr? sagte Tom sarkastisch. Es ist immer schwer ein neues Spiel zum ersten Mal zu spielen, nimm’s mal nicht so schwer. Wir versuchen es einfach noch einmal, nicht wahr? Also, wie heißt du und wo wohnst du? Yemi war vollständig panisch und konnte nicht mehr klar denken. Der große Idiot wollte ihn töten, was zum Teufel sollte er tun?
– Was zum Teufel du machen da, Mann? stieß er heiser aus in seinem holperigen Deutsch. Du nicht können diese Scheiße mit mir, ich muss haben Anwalt, das sagen Gesetz.
– Du musst haben Anwalt, das sagen Gesetz? äffte Tom ihn nach. Aber ich Anwalt und einziger Freund für dich sein, das viel besser sein. Tom lachte schallend und höhnisch und fuhr fort:
– Hör zu, alter Freund, ein Rechtsanwalt gehört nicht zu den Spielregeln, die wir gerade abgesprochen haben, und Tom wird jetzt langsam so richtig sauer auf dich. Du hast die kleine, einfache Frage nicht beantwortet, und das ist das Gleiche wie falsch antworten! Jetzt muss Mustafa wieder den Kopf in die Tüte stecken. Bevor Yemi etwas sagen konnte, zog Tom ihm blitzschnell wieder die Plastiktüte über den Kopf und hielt die Öffnung zu. Die Reaktion war dieselbe wie beim ersten Mal; Yemi kämpfte und brüllte. Nach 15 Sekunden zog Tom ihm die Tüte wieder vom Kopf und Yemi zog in großen gierigen Zügen Luft in die Lungen. Er klang wie eine überanstrengte Lokomotive.
– Ist es nicht spaßig, wenn man darüber nachdenkt, sagte Tom in heiterem Ton. Da geht man tagein und tagaus herum, ohne darüber nachzudenken, wie abhängig man von dieser verdammten Luft ist, nicht wahr? Die ist ja einfach die ganze Zeit nur da, nicht wahr? Yemi war jetzt völlig fertig. In ihm war nicht einmal der Schatten von Widerstand übrig, nur Angst. Er war bereit, alles, was auch immer, zu gestehen. Mit heiserer, hustender Stimme sagte er:
– Nicht mehr, nicht mehr! Ich sagen, was mein Name, wo ich leben.
– Nein, also wirklich, sagte Tom, jetzt verdirbst du den ganzen Spaß. Ich hatte sehr viel mehr Widerstand von dir erwartet. Lass uns nicht so schnell aufgeben, nicht wahr? Sollten wir nicht vorher den Kopf noch einmal in die Tüte stecken? Er nahm die Plastiktüte und fing an, sie Yemi wieder über den Kopf zu ziehen.
– Nein, nein! schrie Yemi verzweifelt. Ich sage alles, was ich kann! Nicht mehr, nicht mehr! Tom hielt inne, als die Tüte über Yemis Augen saß.
– So, so, so, sagte er tröstend, nimm es nicht so schwer. Dann lass uns mit dem Fragespiel weitermachen. Weißt du, was ich glaube? Ich glaube, wir beide werden noch richtig gute Freunde, alter Junge. Er zog die Tüte von Yemis Kopf und nahm die Fernbedienung für die Kamera aus der anderen Brusttasche. Im Raum auf der anderen Seite des Spiegels schaltete sich eine kleine rotes Lampe an der Kamera an. Von jetzt ab würde sie alles aufzeichnen.

(Fortsetzung folgt)

 

ENGLISH

The Man from Tehran

Thursday, 9 February 2006

Paris, 1:25 p.m.

Martine Sabattier felt that she had caught on to something important. She worked for EATO in France, more precisely in Paris. It was her job to record and listen to what was going on in the police stations in the four largest cities in France. One of the cities was Lyon. Martine assessed whether there was anything in the extensive daily radio traffic that could be relevant to EATO. The main task was actually to filter out everything that wasn’t relevant, in other words, more than 99 percent of what she was listening to. She wasn’t the only one doing this work. They were six colleagues who worked in shifts. Similar facilities existed in a number of other strategically important cities in Europe.

Martine listened to the recordings one by one, then made a quick decision about the relevance of the content. In most cases, after just the first ten or fifteen seconds, she could tell if it was worth listening to the entire message. Domestic violence, traffic accidents, and bar fights were of no interest, but robberies, murders, and minor incidents similar to terror certainly were. Martine was excellent at her job, almost on the edge of the supernatural. She had a keen sense of finding isolated important information, even if it was hidden in seemingly indifferent communication.

Right now her instinct told her that she had found something important. The message had come from Lyon, and was a little cryptic. She decided to hear it again. It was a woman’s voice that said: „Search for dark blue Peugeot Boxer van with license plate 124RDQ69 … repeat 124RDQ69. The car is being searched in connection with the murder of a German police officer at the Châtillon sûr Chalaronne motorway exit. The driver of the car is most likely an unusually large and violent man. He must be regarded as extremely dangerous and may only be stopped in accordance with all prescribed safety precautions. The car is searched in all districts, but with a special focus on the area around Châtillon sûr Chalaronne and Lyon.”

As usual, Martine was unable to explain why the news had sparked her interest. Admittedly, it was exactly this type of reports that were checked, but in most cases they turned out to be of no interest. But just this message … She decided to investigate the matter immediately and opened the EATO database. She started with the owner of the car, but was sent around in an ingenious construction of holding companies and mailbox companies. Finally a name appeared on her screen, André Sarkov. She repeated the name for herself a few times. She was pretty sure she knew him from one context or another, but where from? She started looking for background information about the name in the database and soon found what she was looking for. At the top left of the screen she could see a picture of Sarkov, probably made without his knowledge, and to the right of the picture stood: André Sarkov. Born: 1951 in Morocco from Russian parents. Profession: Arms trade (legal and illegal). She looked at the picture closely. You’re certainly an interesting guy, she thought, but you can’t be driving the Peugeot they are looking for, because you don’t look like a man who is larger than average, at least not in height.

She clicked on ‚Dossier‘, whereupon a number of new details came up: Connections to Al Qaeda known. Arrested several times, but no convictions. Interrogated three times in connection with terror: On March 16, 2002, in connection with the discovery of a large arms store in Athens. No evidence. On December 31, 2003 in connection with the alleged delivery of weapons to Al Qaeda. No evidence. On May 4, 2004; arrested in connection with the Madrid bombings in March. Charges dismissed for lack of evidence. Martine’s heart started to beat faster. That was interesting reading, she thought, very interesting. You’re a pretty smooth eel, aren’t you André? But maybe you did something stupid here.

Bad Krozingen, 2:15 p.m.

The temperature had dropped a few degrees during the last few hours he had driven north and was almost freezing. Since the little episode north of Lyon, the trip had been smooth without any further obstacles for Wahil. Some time ago he had crossed the French-German border at Mulhouse and wanted to stop at the next resting area. On a sign he saw that he was near Bad Krozingen. A resting area was announced soon after. He left the motorway and a few minutes later he stopped under some trees where the car was invisible from the highway. He took the sleeping bag that Sarkov had provided and hoped that he could keep himself warm for the next few hours. He got out of the car and went to the right sliding door.

An owl screamed somewhere, but apart from that there was only the sound of the relatively few cars still on the motorway. He crawled into the hold and closed the door behind him. With difficulty, he pushed the wooden box aside to make room for himself, spread out the sleeping bag, crawled inside, and switched off the light. He set his digital wristwatch in the dark because he wanted to be woken up at 5 am. Almost three hours of sleep, that had to be enough for now. Before he went to sleep, he thought about the contents of the box. Damn it, how they would be surprised! He smiled to himself in the dark. Five minutes later he was asleep.

Hamburg, 2.30 a.m.

Tom turned off the camera. He knew that what he was going to do now was against the rules, but he was going to make an exception this once. He looked through the spy mirror into the interrogation room next door, in the same direction the camera was pointing. The guy from Gerhard and Karin’s apartment was sitting on a chair in the room, glaring at the large mirror on the wall. He knew for sure that you could see through the mirror from the other side and probably also suspected that someone was standing there. But Tom didn’t really care at the moment. He wanted as much information from the man as possible, and it had to be quick. It was best if the interview was not filmed.

Yemi was full of defiance and hatred. He assumed that he was at a police station somewhere in Hamburg and expected that he would be interrogated soon. But they could stuff that. The pigs would never get anything out of him! He still had pain in his side and in one arm after fighting the big black idiot who had burst in. „You are lucky that nothing broke,“ the doctor had said after the examination. Lucky? Me? Yemi thought defiantly. It was the big gorilla who had been lucky. If I meet him again, I’ll smash him, I’ll break every bone in his body. If that black bastard thinks I’m scared of him, he’s wrong. I’m not afraid of anyone. He should just come – in a real fight I’ll damn show him.

Tom stood for a few minutes and watched the man through the spy mirror. You could almost read the man’s thoughts simply because of his facial expressions. Tom was convinced that the man was more or less psychologically deviant and that perhaps only drastic measures would loosen his tongue. The man’s eyes were deep black and dark, his face was covered with black stubble, and he was wearing a black sweatshirt and black jeans. He didn’t look likable at all, but looked like what he was, a rabid bandit with no feelings for anyone other than himself. And even those feelings were disturbed.

Tom was about to go in to him when Rolf arrived.

– Hello, Tom, he said. I heard you caught one of the guys in Gerhard’s apartment. I assume this is the one? He pointed to the man in the interrogation room.

– Right, Rolf, said Tom with a wry smile. I was about to go in and have a little evening chat with him, man to man. He put on his brightest smile.

Rolf looked at the camera. It was switched off! Aha, he thought, so it was one of those conversations that Tom had in mind. He admitted that it was a tempting idea to use maximum pressure on this man, but he didn’t like it when the rules were broken.

– Is there something wrong with the camera, Tom? he asked, raising his eyebrows questioningly.

Tom laughed and replied:
– No, it works very well, but I thought I was going to do a little dress rehearsal first, you know. I’m guessing that our friend in there doesn’t know his lines yet, so I thought that a little practice could hardly hurt, right? If both of us – him and me – make an effort, we can memorize the whole piece, and then we film the final version of the interrogation. It would save us a lot of unnecessary work, don’t you think?

– Damn Tom, you know you can’t do that, said Rolf in an irritated tone. It’s against everything we try to stand up for here at EATO. We have to play by the book in every way, and we can’t disregard anyone’s human rights, regardless of whether we’re dealing with bandits and scum. Once we start going down that road, we’re no better than them. This is a tightrope walk, Tom, a tightrope walk where you can easily land in the abyss.

Tom stopped laughing and looked at the floor. Suddenly he looked Rolf straight in the eye and said:
– If you give me the direct order to turn the camera back on before I interview him, I will do it, you can rely on that, and then I’ll give him a first-class tour with coffee, cigars, and a hot bubble bath. But before you give the order, I want to say something. If you think I hate him because he may be a terrorist, you’re wrong, Rolf. It may seem strange to you, but even though I’m an American, I understand the frustrations of many of these bastards very well. And I’m not the only American who feels that way. Officially we are the good guys and they are the bad guys, but basically they only fight for what they think is right, I guess. In their eyes, we are surely the assholes.

An expression showed on Tom’s face that Rolf had never seen before.

– But although I can see behind the scenes, Tom continued, it doesn’t mean that I think they should be allowed do whatever they please. Nor does it mean that I will not do everything in my power to prevent innocent people from falling victim to their insane actions.

He scratched his big chin and shrugged before continuing.

– There are two reasons why I want to put this guy under a little more pressure than the instructions allow us. For one thing, I surprised him with a knife in his hand, which he would have loved to use on Karin and Gerhard and their daughter. I saw it with my own eyes, and it’s a hell of a mess to treat other people like that. Secondly, what is probably more important right now is that we are facing a current threat and need information. The man may be able to tell us something we can use to avert an attack that could cause innocent people to die or be harmed.

Rolf was about to answer, but Tom continued:

– So I ask you, Rolf, wouldn’t you like to have this information as quickly as possible, when we know that he has it?

Rolf was in two minds. On the one hand, he was firmly convinced that it was important to follow the rules, but on the other hand, he had to admit that Tom had a point. It was crucial to get as much information as possible that could help them in the current situation and as quickly as possible. He compromised with himself.

– Okay, talk to him, he said. But don’t go too far, do you hear? Try to scare him, but he can not be physically damaged. If he does not frighten, we have to put up with it.

Tom was relieved.
– I will not go too far, he replied. It will be damned uncomfortable for him, but he will not suffer more than he can bear without any problems.

– Well, then I don’t want to hear any more about it, said Rolf. I actually came for a completely different reason. We’ll have to talk to each other later. Will you stay here tonight?

– Yes, there is unfortunately not much doubt that I will stay here, replied Tom. It’s not worth driving home now. I’ll lie down in the office when I’m done here. You can come over with fresh croissants and hot coffee when you come back.

When Rolf left, he had a bad taste in his mouth. He felt that he had just opened a door that could never be closed completely again.

Yemi shrank when the interrogation room door was suddenly pushed open and the huge black man jammed himself through the opening. Yemi’s heart started pounding.

– Good evening, good evening, old friend, greeted Tom jovially. It was really nice of you to stop by. We don’t get important visitors here in the basement that often.

Yemi stared at Tom nervously but said nothing. The room was kept as Spartan as possible. In the middle of the room stood a square table, about three feet tall, with two chairs facing each other; one for the interrogator and one for the person who was being interrogated. Yemi was already sitting on the latter. Tom took a few heavy steps towards Yemi and threw a roll of duct tape, a plastic bag and a 20 cm knife on the table in front of Yemi.

– How rude of me, said Tom. I actually forgot that we have not yet been introduced to each other properly. I’m sorry, let’s do it properly right now.

Yemi was completely disoriented. He instinctively wanted to take the knife, but the courage he had felt when he was alone in the room had vanished like snow in the sun now that he was face to face with the man who had defeated him without the slightest problem. But it puzzled Yemi that the man pretended to be friendly. What the hell was going on here?

– So, my name is Tom and I am your only friend for the next hour or so. You will temporarily be called ‚little stupid Mustafa‘ until I allow you to tell me your real name, okay?

Yemi was angry. Who the hell did he think he was? Suddenly he could no longer control himself. Hatred rose in him. He quickly grabbed the knife and jumped up from his chair. He attacked without the slightest consideration.

This is almost too easy, thought Tom, who had deliberately tried to provoke the man. He had anticipated one or two different reactions, and it was a good sign that it was coming so quickly. The guy obviously didn’t have much self-control, if any.

Tom easily parried Yemi’s uncontrolled lunge, grabbed the hand that held the knife, and squeezed. Yemi grimaced painfully and dropped the knife. For the second time that night, Tom turned Yemi’s arm on his back, but this time he held it tight as in a screw clamp. He stood very close behind Yemi and put his mouth to Yemi’s ear.

– No, no, no, he said directly in Yemi’s ear, who couldn’t move a muscle. You got it completely wrong, old friend. The knife is not for you, it’s for me. It even seems to me that you need a lesson on how to use such a nifty little knife, don’t you? That might helpful to you the next time you are fighting with old women or attacking little girls. That’s your specialty, isn’t it?

Tom twisted his arm an inch more and Yemi cried out in pain. With a quick movement, Tom turned him over and shoved him hard into the chair. He took the tape and started sticking Yemi to the chair. Yemi showed no resistance and was fixed on the chair in a few seconds.

Yemi was getting scared now, really scared. His heart was pounding and he was breathing hard. But despite the fear, he was still defiant. He had no intention of saying anything to that big idiot. They had nothing on him. He never carried identification papers or anything else that could give him away.

Tom crouched in front of Yemi. In an exceedingly flattering voice, he said:
– Now listen, Mustafa, we have to have some rules in the game we’re about to play, you know, otherwise it won’t work. So, we do it like this: Tom, that’s me, asks a question, and Mustafa, that’s you, answers honestly. Every time Mustafa answers honestly, Tom is happy and immediately moves on to the next question. But if the answer is dishonest, Mustafa has to have his head in the plastic bag. He held the bag out to Yemi.

– But if Mustafa lies and Tom finds out later, the punishment is much, much worse. All clear? He put on a big smile.

– These are very simple rules, aren’t they? he continued. Now don’t worry, it’ll be fine. Shouldn’t we just start?

Yemi was stunned, what did the pig mean? The police didn’t act like this. Who the hell was this idiot?

– Why don’t we start with a small, simple question, don’t we? Tom began. Let’s take one, you can definitely answer. So what’s your real name? And where do you live?

Tom looked at him innocently. Yemi answered his look with a defiant expression. He had no intention of telling him the slightest thing.

– Look, this doesn’t work at all, said Tom. I think we have to put your head in the bag.

With a quick movement, Tom took the plastic bag, pulled it over Yemi’s head and blocked the air supply with his hands. Yemi got a shock and fear flooded his whole body. He tossed his head back and forth and roared in the plastic bag like a bull. He tried desperately to clear his arms, but it was in vain. His pulse was so high and his oxygen requirement so great that his lungs were almost burst after 15 seconds of exertion. Just before he passed out, Tom ripped the bag off his head. Yemi gasped like bellows and already showed a touch of a bluish tinge on his face.

– So, well, old friend, let’s all have a breath air, said Tom sarcastically. It’s always hard to play a new game for the first time, don’t take it too hard. We’ll just try again, won’t we? So what’s your name and where do you live?

Yemi was completely panicked and couldn’t think clearly. The great idiot wanted to kill him, what the hell should he do?

– What the hell you doing, man? he uttered hoarsely in his bumpy German. You can not this shit with me, I must have lawyer, that’s what law says.

– You must have lawyer, that’s what law says? Tom mimicked him. But I be lawyer and only friend for you, that much better. Tom laughed loudly and scornfully and continued:
– Listen up, old friend, a lawyer is not one of the rules of the game that we just discussed and Tom is getting really angry with you now. You didn’t answer the small, simple question, and that’s the same as answering wrong! Now Mustafa has to put his head back in the bag.

Before Yemi could say anything, Tom quickly pulled the plastic bag over his head again and closed the opening. The reaction was the same as the first time; Yemi fought and roared. After 15 seconds, Tom pulled the bag from his head again and Yemi drew air into his lungs in great greedy gasps. He sounded like an overworked locomotive.

– Isn’t it fun, when you think about it, said Tom cheerfully. You go around day in and day out without thinking about how dependent you are on this damn air, right? It’s just there all the time, isn’t it?

Yemi was now completely finished. There wasn’t even the shadow of resistance left in him, just fear. He was ready to confess whatever. In a hoarse, coughing voice, he said:

– No more, no more! I say what my name is, where I live.

– No, really, said Tom, now you’re spoiling all the fun. I expected a lot more resistance from you. Let’s not give up so quickly, right? Shouldn’t we put the head back in the bag first? He took the plastic bag and started pulling it over Yemi again.

– No, no! Yemi screamed desperately. I say everything I can! No more, no more! Tom paused as the bag sat over Yemi’s eyes.

– So, so, so, he said comfortingly, don’t take it so hard. Then let’s continue with the question game. Do you know what i think? I think you and I will become really good friends, old boy.

He pulled the bag from Yemi’s head and took the remote control for the camera out of the other breast pocket. In the room on the other side of the mirror, a small red lamp on the camera turned on. From now on everything would be recorded.

(To be continued)

 

Der Mann aus Teheran, Marseille/Hamburg/Kopenhagen … The man from Tehran, Marseille/Hamburg/Copenhagen

CoverDeutsch

Der Mann aus Teheran

Mittwoch, 8. Februar 2006

Marseille, 15.15 Uhr

Wahil war etwas weniger angespannt, nachdem der Tee serviert worden war. Er nahm das Glas mit dem heißen Getränk an den Mund und goss sich den Inhalt in den Hals. Sarkov starrte mit offenem Mund auf den großen Mann, der anscheinend völlig gefühllos im Mund war. Er hatte Lust, einen Kommentar abzugeben, entschied sich aber dagegen.
– So, wo ist … das Ding? fragte Wahil, als er das Glas geleert hatte. André Sarkov antwortete nicht sofort, sondern nippte vorsichtig an seinem eigenen Tee und stellte das Glas wieder auf den Tisch. ‚Das Ding‘, wiederholte er in Gedanken, das war doch ein ungewöhnlich anonymer Name für einen so hässlichen Gegenstand.
– Warum so eilig? antwortete er in einem ironischen Ton. Haben Sie es eilig? Unter Wahils einem Auge erschien ein Zittern. Ganz offensichtlich, hatte Sarkovs Frage ihn verärgert.
– Ja, ich habe es eilig, antwortete er unfreundlich. Lassen Sie uns unser Geschäft abschließen.
– Aber natürlich, wir wollen nicht mehr Zeit als unbedingt nötig verschwenden, antwortete Sarkov, um Wahil zu beruhigen. Sein Verstand sagte ihm, dass es klüger wäre, nichts mehr zu fragen, aber er war zu neugierig und tat es trotzdem.
– Und wo soll dieses … Ding zum Einsatz kommen? versuchte er vorsichtig. Wahils Augen wurden zu schmalen Schlitzen und Sarkov wusste, dass er zu weit gegangen war. Einen Moment lang sah es so aus, als ob der Riese über den Tisch springen würde, aber er beherrschte sich im letzten Augenblick. Die Wut kam jedoch in seiner Antwort zum Ausdruck:
– Ich dachte, wir hätten vereinbart, dass keine Fragen gestellt würden, sonst müssen wir uns andere Geschäftspartner suchen.
– Tut mir leid, tut mir leid, ich bitte um Verzeihung mein guter Freund, antwortete Sarkov mit einem schmierigen Lächeln. Das geht mich natürlich nichts an. Es war nur allgemeine Neugier meinerseits. Sarkov nahm an, dass es wahrscheinlich zu spät für Wahil war, sich an jemand anders zu wenden, aber warum ein unnötiges Risiko eingehen. Vielleicht würde der Mann den Handel aus purem Trotz auffliegen lassen. Der Vorteil mit dieser Art Kunden war, dass sie immer rechtzeitig bezahlten und den Preis nie in Frage stellten. Sarkov hatte das Gefühl, dass seine Neugier sowieso in Kürze gestillt werden würde. Die meisten Zeitungen und Nachrichtensender auf der Welt würden bald genug und im Detail beschreiben, wo ‚das Ding‘ angewendet worden war. Gott verhüte, dass es in seiner näheren Nachbarschaft passierte, aber aus irgendeinem Grund glaubte er es eigentlich nicht.
– Wir sind sicherlich auch beide so langsam mit unserem Tee fertig, sagte er, während er vor seinem inneren Auge Revue passieren ließ wie der Riese in einem kurzen Augenblick sein Glas geleert hatte.
– Lassen Sie uns einen kleinen Ausflug machen, bevor der Berufsverkehr in vollem Gange ist. Wahil nickte nur, und einen Augenblick später verließen sie die zwielichtige Kneipe. Dicht gefolgt von Wahil watschelte Sarkov über die Straße zu einem silbernen Mercedes 600SLE, der gegenüber der Kneipe geparkt war. Das Luxus-Fahrzeug schien in diesem Viertel völlig fehl am Platz, aber es war die ganze Zeit unter Aufsicht gewesen. Ein Fahrer saß hinter dem Steuer. Sarkov bugsierte sich trotz seines Leibesumfangs erstaunlich schnell auf den Rücksitz und gab dem Fahrer sofort eine Anweisung auf einer slawischen Sprache, die Wahil nicht verstand. Das Auto setzte sich fast lautlos in Bewegung. Sie verließen das Hafengebiet nicht, sondern fuhren weiter in Richtung Industriehafen.
Nach ein paar Minuten hielten sie vor einem abgelegenen Lagerhaus und Sarkov und Wahil stiegen aus dem Auto. Sarkov schlug trotz seines Gewichts ein relativ schnelles Tempo an, als er sie rund um das Gebäude zu einer Seitentür führte, wo er stehen blieb. Er schloss die Tür auf und sie traten in eine Halle, die so groß war wie ein Handballfeld. Wofür sie früher einmal benutzt worden war, konnte man nicht sehen, denn sie war leer, bis auf einen dunkelblauen Peugeot Boxer, der in der Mitte der Halle stand. Wahils Gesicht hellte sich beim Anblick des Autos auf, und er ging mit schnellen, schweren Schritten darauf zu. Er hatte erst die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als ein Kommando von Sarkov ihn mitten in der Bewegung stoppte.
– Stopp! bellte Sarkov förmlich in einem unangenehmen, scharfen Ton. Wahil wirbelte herum wie eine Katze mit allen Muskeln angespannt, und die beiden Männer starrten einen Moment lang einander an.
– Es tut mir leid, es sagen zu müssen, sagte Sarkov und wirkte wie ein völlig veränderter Mensch, aber Sie fahren nirgendwohin mit dem Auto. Er lächelte hinterhältig und steckte die eine Hand in seine Jackentasche.

Wahil spannte sich an, er selbst war nicht bewaffnet, was zum Teufel sollte das jetzt bedeuten? Instinktiv entschied er sich dafür anzugreifen. Eine Kugel im Körper würde ihn nicht daran hindern, dem fetten, verräterischen Schwein den Hals zu brechen. Er wollte gerade losspringen, als Sarkovs Stimme ihn wieder zurückhielt.
– Zumindest nicht ohne diese hier, sagte Sarkov und warf die Autoschlüssel hin zu dem deutlich wütenden Riesen. Trotz des erneuten unerwarteten Stimmungswechsels, fing Wahil die Schlüssel mit sicherem Griff. Er wusste nicht, was er von Sarkov halten sollte. Versuchte der Mann absichtlich, ihn zu provozieren oder spielten seine eigenen Nerven ihm einen Streich? Nun, es spielte jetzt keine Rolle, er musste sich auf seine Aufgabe konzentrieren. Er drehte sich wieder um und ging die letzten Schritte zum Fahrzeug. Er riss die eine Tür zur Ladefläche auf und vergaß den Vorfall. Sein Herz schlug jetzt so schnell, dass er es fast hören konnte. Er starrte wie hypnotisiert auf den Inhalt des Laderaumes. Endlich … endlich, hallte es in seinem Kopf wider. In der Mitte stand eine große, solide Holzkiste. Sie war etwa zweieinhalb Meter lang, etwa einen Meter hoch und genauso breit. Die Kiste war zugenagelt, aber ein Brecheisen lag gleich daneben.
Wahil kletterte auf die Ladefläche, nahm resolut das Werkzeug und öffnete mit ein paar schnellen kraftvollen Bewegungen den Deckel. Der Anblick des ‚Dings‘ brachte ein groteskes Lächeln auf sein bärtiges Gesicht. So etwas hatte er lange nicht mehr gesehen und noch länger nicht mehr benutzt. Er ließ eine Hand fast liebevoll über das kühle Metall gleiten. Er fühlte Kampflust in sich aufsteigen, aber er musste sich beherrschen. Mit geschultem Blick untersuchte er, ob alle Teile vollzählig in der Kiste waren und klopfte dann den Deckel mit der Brechstange wieder fest. Zufrieden stieg er aus dem Kastenwagen.
– Ist alles so wie es sein soll? fragte Sarkov. Wahil nickte und fragte:
– Wo ist …? – Sie meinen das hier? unterbrach Sarkov und reichte ihm einen Umschlag. Wahil riss ihm den Umschlag aus der Hand und öffnete ihn. Er inspizierte den Inhalt schnell und nickte kurz, bevor er ihn in die Innentasche seiner Jacke steckte.
– Der Schlafsack liegt in der Kabine, sagte Sarkov. Und das ist dann wohl alles für dieses Mal, glaube ich. Er drehte sich um und ging zu einem großen Tor.
– Ich werde für Sie öffnen, mein Freund, sagte er mit dem Rücken zu Wahil. Und darf ich Ihnen die besten Wünsche mit auf die Reise geben, wo auch immer sie hinführt. Wahil wollte sich gerade ins Auto setzen, als Sarkov sich mit einer unerwartet schnellen Bewegung umdrehte und plötzlich den Lauf einer Pistole auf ihn gerichtet hielt. Wieder stand Wahil da wie gelähmt. Der Abstand zwischen ihnen war jetzt zu groß. Er konnte das Schwein nicht daran hindern, das gesamte Magazin gegen ihn abzufeuern. Sein Blut gefror zu Eis.

Sarkov stand nur da und grinste boshaft.
– Da kann man mal sehen, was? sagte er sarkastisch. Ich hätte fast vergessen, dass Sie dies hier auch mitnehmen sollen, nicht wahr? Mit einer schnellen Bewegung drehte er die Waffe in seiner Hand um und warf sie in hohem Bogen Wahil zu. Wahil fing mühelos die Pistole auf, war aber verwirrt und schämte sich über seine eigene Reaktion. Reflexmäßig und mit geübten Händen überprüfte er dennoch die Waffe, bevor er ins Auto stieg. Er legte die Waffe ins Handschuhfach und startete den Motor, während Sarkov das Tor öffnete. Einen Moment später fuhr der große bärtige Riese mit seiner ausgefallenen Ladung auf und davon. Sarkov sah dem Auto nach, bis es um eine Ecke verschwand. Mit einer hämischen Freude dachte er an die Reaktionen, zu denen er den großen Mann hatte provozieren können. Dann schüttelte er den Kopf und watschelte zum Mercedes.
– Nach Hause! sagte er zum Fahrer und lehnte sich in dem bequemen Sitz zurück. Ein paar Minuten später verließen sie das Hafengebiet.

Hamburg, 16.50 Uhr

Die Kommandozentrale der EATO befand sich zwei Etagen unter der Erde und war in jeder Hinsicht etwas Besonderes. Sie war mit ihren 300 Quadratmetern verhältnismäßig groß. Aber bevor man überhaupt Zugang bekam, musste man zwei Kontrollpunkte passieren. Die erste Kontrolle bestand aus einer biometrischen Identifikation. Rolf und Lisbeth standen vor einer großen Schiebetür und Rolf machte sich bereit. Er stellte sich mit den Füßen auf zwei Markierungen auf dem Boden und richtete seinen Blick auf eine Glasplatte in der Wand. Er sagte seinen Namen, woraufhin ein optisches Gerät seine Iris abtastete. Er bestand die ‚Prüfung‘ ohne Probleme, und die Schiebetür glitt lautlos zur Seite. Sie hatten nun Zugang zu einem kleineren, quadratischen Vorzimmer, das ungefähr fünf mal fünf Meter maß. Zwei Sicherheitsbeamte saßen hinter einer Schranke an der einen Wand. In gewisser Weise bildeten sie einen dritten Kontrollpunkt. Anhand einer Anzahl von Flachbildschirmen konnten sie das gesamte Gebäude überwachen. Nur zwei Stellen wurden nicht überwacht: Rolfs Büro und die Kommandozentrale, zu der sie sich hier um Zugang bemühten. Rolf und Lisbeth gingen durch das Vorzimmer zu Kontrollpunkt Nummer zwei am entgegen gesetzten Ende. Rolf zog seine ID-Karte durch ein magnetisches Lesegerät und gab einen Code ein. Wieder glitt eine Schiebetür lautlos zur Seite, und sie konnten endlich in die Kommandozentrale eintreten.

Sie wirkte unterschiedlich auf Männer und Frauen, wenn sie sie zum ersten Mal sahen. Für Männer war sie ein technologisches Himmelreich, während viele Frauen eher das Gefühl hatten, dass sie in einem Spielzeugladen für große Jungs gelandet waren. Aber ganz gleich, wie die Kommandozentrale auf einen wirkte, wenn man sie das erste Mal betrat, so lernte man schnell die enormen Vorteile zu schätzen, die einem diese Ansammlung von Spitzentechnologie verschaffte. Ein großer, schwarzer Mann kam ihnen entgegen. Lisbeth hätte schwören können, dass er vollkommen rechteckig gebaut war. Er musste mindestens 1,90 Meter groß sein und war breit wie ein Ochse. Er hatte nicht ein einziges Haar auf dem Kopf. Sein ledriges Gesicht zeigte markante Züge, doch am meisten charakterisierte ihn sein dominierendes und hervorstechendes Kinn. Er trug eine Art militärischen Camouflage-Anzug und ein Paar robuste schwarze Stiefel.
– Hallo Rolf, sagte er mit einer tiefen, vollen Stimme und blieb drei Schritte vor ihnen stehen. Und Sie müssen dann Lisbeth Hasselbeck aus Kopenhagen sein. Ein sehr sympathisches Lächeln erhellte sein Gesicht. Er kam noch zwei Schritte näher und reichte ihr die größte Hand, die sie jemals im Leben gesehen hatte. Sie war sicher, dass sein Händedruck Knochen brach.
– Mein Name ist Tom, Tom Pettersson, stellte er sich vor, und ich bin der Führerhund für die Jungs des Einsatzkommandos. Lisbeth reichte ihm mutig die Hand und war erleichtert festzustellen, dass er seinen warmen, angenehmen Händedruck perfekt dosieren konnte.
– Willkommen in der Zentrale, fuhr er fort, und willkommen zu der obligatorischen Führung mit deutschsprachigem Fremdenführer hier beim Eisenhändler. Er wies mit einer einladenden Bewegung durch den Raum.
– Und lassen Sie mich gleich sagen, setzte er immer noch lächelnd fort, Widerstand ist nutzlos. In meinem Vertrag steht, dass ich alle, die zum ersten Mal die Zentrale besuchen, in Handschellen legen und an der Nase herumziehen darf, wenn sie, entgegen aller Vernunft, meine Begeisterung für diesen Ort nicht teilen. So, wie ist es Ihnen lieber, mit oder ohne Handschellen? Lisbeth ergab sich seinem offensichtlichen Charme und beschloss, mitzuspielen.
– Dann gehe ich besser freiwillig mit, antwortete sie. Es ist ja nicht sicher, dass Sie Ihren Vertrag für nächstes Jahr verlängert bekommen, wenn ich Ihnen die Handschellen aus den Händen reiße, Sie an den Heizkörper fessele und Sie dort liegen und zusehen müssen, wie ich herumgehe und die Schienen von Ihren feinen elektrischen Zügen zerbreche, nicht wahr? Sie lächelte verschmitzt. Tom hob eine Sekunde lang erstaunt die Augenbrauen, bevor er in ein hemmungsloses, schallendes Gelächter ausbrach.
– Wir werden uns gut verstehen, sagte er, lasst uns in Gang kommen.

Hamburg, 19.05 Uhr

Lisbeth fuhr auf die Autobahn in Richtung Puttgarden. Sie wollte die Fähre um viertel vor neun bekommen – vorausgesetzt, der Verkehr spielte mit. Sie dachte an die Begegnung mit Tom und Rolf. Die Führung war in der Tat lehrreich gewesen, zumindest der Teil, den sie verstanden hatte. Tom hatte ihnen in seiner charmanten, etwas jungenhaften Art demonstriert, wie der vierzig Quadratmeter große Flachbildschirm der Kommandozentrale bei Feldoperationen angewendet werden konnte. Er hatte erklärt, dass die Mitglieder seiner Mannschaft unter dem Namen F.O.C. liefen, Field Operations Combattant.

– Jeder F.O.C. hat eine Kamera im Helm eingebaut, hatte er an einer Stelle erklärt. Dadurch können wir hier auf dem Bildschirm das Gleiche sehen, wie der F.O.C., fast jedenfalls. Der Bildschirm kann in viele kleinere Bildschirme unterteilt werden, so viele wie wir brauchen, und wenn wir die Bilder mit einer Grafikkarte mit den GPS-Positionen der einzelnen F.O.C. kombinieren, haben wir von hier den optimalen Überblick. In der Praxis bedeutet das, dass ich eine Operation direkt hier von der Kommandozentrale aus leiten kann. Das mit den Kameras, konnte sie vor sich sehen, aber die GPS-Erklärung war an ihr vorbeigegangen. Technik und Elektronik war nicht ihr natürliches Metier, sie verstand sich viel besser auf Menschen. Wenn Tom sich von Zeit zu Zeit in zu vielen Details verlor, war ihre Aufmerksamkeit ganz von selbst in eine eigene Richtung gegangen.
– Aber! Und hier kommt der beste Teil, hörte sie ihn sagen, wir haben sogar eine mobile Kommandozentrale. Sein Gesichtsausdruck hatte verraten, dass dies etwas ganz Besonderes für ihn bedeutete, daher hatte sie sich zusammengerissen und ihm ihre volle Aufmerksamkeit geschenkt.
– Was die Größe angeht ähnelt sie einem großen Reisebus, hatte er erklärt. Sie ist mit nahezu dem gleichen technischen Spielzeug ausgestattet, wie wir sie hier im Keller haben, und ich verwende sie, wann immer ich eine Ausrede dafür finden kann. Ich bin am liebsten so nahe am Geschehen wie möglich. Sie hatte verständnisvoll genickt.
– Wir können alle möglichen Hilfsinformationen aufrufen, war er fortgefahren, sowohl hier auf dem Bildschirm als auch im Wagen. Wir haben also die besten Voraussetzungen für die Durchführung einer Operation. Die übrige Ausrüstung der Kommandozentrale bestand aus einer Reihe PCs und Kontrollstationen, die in einem Kreis in der Mitte des Raumes auf einer speziell angefertigten Konsole angebracht und mit sechs bis acht Operateuren bemannt waren. Nach der Führung hatten sie die Einzelheiten für die Zusammenarbeit vereinbart, und Rolf hatte Lisbeth gebeten, am nächsten Morgen ihre Gruppe in Kopenhagen zu briefen. Sie hatte das Gefühl, dass sie in Tom und seinem F.O.C.-Team eine sehr effektive Rückenstärkung bekam. Seltsam mit all diesen Abkürzungen, dachte sie und lächelte, als sie daran dachte, wie sorgfältig Tom vermieden hatte F.O.C als ein Wort zu sagen, sondern immer die drei Buchstaben einzeln genannt hatte. Sie hatte den Eindruck gehabt, dass er es aus Rü
cksicht auf sie getan hatte. Kurz bevor sie das Gebäude verließ, hatte Rolf fast beiläufig gesagt: – Lisbeth, wir müssen mit der dänischen Polizei koordinieren, kannst du nicht ihn hier anrufen? Er hatte ihr einen Zettel mit einem Namen und einer Telefonnummer gegeben, auf dem ganz unten Budapest stand.
– Sprich die üblichen Verfahren ab. Ich habe heute Morgen mit ihm telefoniert, und er wartet auf deinen Anruf. Sag einfach, es handelt sich um Budapest, dann weiß er Bescheid. Sie hatte den Namen auf dem Zettel sofort wiedererkannt. Sie wurde von einem schwarzen Porsche, der sie mit sehr hoher Geschwindigkeit überholte, mehr als 200 km/h, meinte sie, aus ihren Gedanken gerissen. Sie bezweifelte, dass man bei dieser Geschwindigkeit einen Unfall überleben konnte. Drei Kilometer weiter war ein Rastplatz angezeigt. Sie beschloss, eine Pause zu machen und parkte unter ein paar Bäumen. Weit und breit war kein anderes Auto zu sehen. Sie nahm ihr Handy heraus und wählte eine Nummer. Sie musste Jørgen zu fassen bekommen, selbst wenn sie ihn zu Hause bei seiner Familie stören sollte. Als ihr engster Mitarbeiter war er daran gewöhnt, zu ungewöhnlichen Tageszeiten angerufen zu werden. Sie bat ihn darum, sie kurz vor Mitternacht im Büro zu treffen, was er ohne Fragen zu stellen akzeptierte. Einen Augenblick später war sie wieder auf der Autobahn. Im Moment herrschte nicht viel Verkehr und sie trat etwas mehr auf das Gaspedal, bis sie etwa 150 Stundenkilometer fuhr, eine angenehme Geschwindigkeit für ihren Ford Mondeo 1.8.

Kopenhagen, 19.15 Uhr

Jørgen Iversen legte sein Handy auf den Couchtisch zurück und sah vor sich hin. Es schien etwas Ernstes zu sein, wenn Lisbeth ihn so spät am Abend ins Büro bat, dachte er. Er hatte natürlich erwartet, dass man sehr bald etwas aus Hamburg hören würde, in Anbetracht der jüngsten Nachrichten, die er selber dorthin geschickt hatte, aber dass es bereits am Tag darauf geschah, war interessant, sehr interessant sogar. Es war ein ausgesprochener Husarenstreich für EATO gewesen, als es ihnen vor elf Monaten geglückt war, Jørgen aus dem Nachrichtendienst der Polizei zu rekrutieren. Er war hervorragend in seinem Bereich und wusste im Großen und Ganzen alles über die Etablierung von wirksamen Überwachungen jeglicher Art. Altersmäßig lag er ungefähr um die Mitte dreißig und mit seinen knapp 1, 65 Metern war er ein relativ kleiner Mann. Er hatte ein unauffälliges Äußeres, was er als großen Vorteil im Hinblick auf seine Arbeit ansah. Er war verheiratet und hatte zwei Töchter im Grundschulalter.
Jørgen hatte die Überwachung von CP100 vor etwa sechs Monaten etabliert, und die Mitglieder der Zelle konnten nicht einmal auf die Toilette gehen, ohne dass er mithören konnte. Die meisten von denen, die in der Wohnung in der Dannebrogsgade ein- und ausgingen, waren höchst wahrscheinlich illegal im Land, aber in die Angelegenheit mischte EATO sich nicht ein. Wenn einer von ihnen des Landes verwiesen wurde, kam schnell ein neuer und Jørgen war gezwungen, wieder ein Profil von dem Neuankömmling und dessen persönlichen Gewohnheiten anzufertigen. Nein, man wusste, was man hatte, es gab keinen Grund, daran etwas zu ändern. Meistens ergab eine Überwachung nicht viel Brauchbares. Meistens wurden alltägliche Dinge in der Wohnung besprochen, gewürzt mit einem stereotypen Austausch politischer und religiöser Art.
Aber in letzter Zeit schien es, als wären sie vorsichtiger, wenn sie in der Wohnung auf der zweiten Etage miteinander sprachen. Jørgen hatte ein instinktives Gefühl, dass die Zellenmitglieder wussten oder zumindest vermuteten, dass sie abgehört wurden. Der Verkehr in die und aus der Wohnung war wesentlich verstärkt, das war das Paradoxe. Mehrmals waren fünf oder sechs Leute im Wohnzimmer versammelt gewesen, und es gab natürlich angeregte Gespräche. Aber dann plötzlich konnte es völlig ruhig werden und man hörte nur noch ein undefinierbares Geräusch … Ja, es hatte geklungen wie … ja, als ob sie saßen und Karten spielten. Das war nicht normal, hatte er gedacht. Was hätte er nicht für die Errichtung einer visuellen Überwachung gegeben, aber die Gelegenheit hatte sich noch nicht geboten. Er hatte sich das Gehirn zermartert, um eine plausible Erklärung zu finden und dann hatte die Antwort ihn gestern Morgen wie ein Blitz getroffen, als er unter der Dusche stand. Verdammt noch mal, die spielten nicht Karten, nein, die saßen und kommunizierten schriftlich miteinander. Sie wussten mit anderen Worten, dass sie abgehört wurden. Wenn man dann noch in Betracht zog, dass die beiden ständigen Mitglieder der Zelle sich seit zwei Tagen nicht gezeigt hatten, war das Verhaltensmuster in der Zelle völlig unnormal.
Die beiden Männer waren ohne die geringste Vorwarnung wie in den Boden versunken. Vielleicht bedeutete das alles gar nichts, hatte er gedacht, aber sein Bauchgefühl hatte ihm etwas anderes vermittelt. Er hatte sofort eine Notiz nach Hamburg geschickt: „Kopenhagen, 7. Februar 2006. Allgemeine Zunahme der Aktivität in CP100 seit Montag. Abhörung unter Umständen aufgedeckt. Letzte Aktivität: Die zwei ständigen Mitglieder der Zelle sind seit zwei Tagen verschwunden. Es gibt keine Spuren, den man folgen könnte. Die Überwachung wird fortgesetzt.“ Kurz und bündig und lieber zwei Informationen zu viel als zu wenig. So wollte Hamburg es haben, und das passte ihm ausgezeichnet. Er schaute auf die Uhr – er hatte noch Zeit. Es war nicht immer einfach, einen Job mit unregelmäßigen Arbeitszeiten und ein gutes Familienleben miteinander zu verbinden, aber er bemühte sich, so oft wie möglich zum Abendessen zuhause zu sein – oder zumindest spätestens bevor die Mädchen schlafen gingen.

(Fortsetzung folgt)

 

ENGLISH

The Man from Tehran

Wednesday, 8 February 2006

Marseille, 3:15 p.m.

Wahil was a little less tense after the tea was served. He took the glass with the hot drink to his mouth and poured the contents down his throat. Sarkov stared open-mouthed at the huge man, who appeared to be completely numb in his gullet. He wanted to comment but decided against it.

– So where is … the thing? Wahil asked when he had emptied the glass.

André Sarkov did not answer immediately but sipped his own tea carefully and put the glass back on the table. ‚The thing‘, he repeated in his mind, that was an unusually anonymous name for such an ugly object.

– Why in such a hurry? he replied in an ironic tone. Are you in a hurry?

A tremor appeared under Wahil’s eye. Obviously, Sarkov’s question had annoyed him.

– Yes, I’m in a hurry, he replied unkindly. Let’s do our business.

– But of course, we don’t want to waste more time than absolutely necessary, Sarkov replied to calm Wahil. His mind told him it would be wiser not to ask, but he was too curious and did it anyway.

– And where should this … thing be used? he tried carefully.

Wahil’s eyes narrowed and Sarkov knew he had gone too far. For a moment it looked like the giant would jump over the table, but he controlled himself at the last moment. However, his fury expressed itself in his answer:

– I thought we had agreed that no questions would be asked, otherwise we would have to look for other business partners.

– I’m sorry, I’m sorry, my good friend, I beg your pardon, Sarkov replied with a greasy smile. Of course, that’s none of my business. It was just general curiosity on my part.

Sarkov assumed that it was probably too late for Wahil to turn to someone else, but why take an unnecessary risk. Perhaps the man would drop the deal out of sheer defiance. The advantage with this type of customer was that they always paid on time and never questioned the price. Sarkov had the feeling that his curiosity would soon be satisfied anyway. Most newspapers and news channels around the world would soon describe in detail where ‚the thing‘ had been used. God forbid it happened in his immediate neighborhood, but for some reason he didn’t really believe this.

– I think we are finished with our tea now, he said, visualizing how the giant had emptied his glass in the split of a moment.

– Let’s take a little trip before the rush hour is in full swing.

Wahil just nodded and a moment later they left the shady pub. Followed closely by Wahil, Sarkov waddled across the street to a silver Mercedes 600SLE, which was parked opposite the pub. The luxury vehicle seemed out of place in this neighborhood, but it had been under surveillance all the time. A driver sat behind the wheel. Despite his body size, Sarkov maneuvered into the back seat surprisingly quickly and immediately gave the driver an instruction in a Slavic language that Wahil did not understand. The car started to move almost silently. They did not leave the port area, but continued towards the industrial port. After a few minutes they stopped in front of a remote warehouse and Sarkov and Wahil got out of the car. Despite his weight, Sarkov set a relatively fast pace when he took the lead around the building to a side door, where he stopped. He unlocked the door and they entered a hall the size of a handball field. You couldn’t see what it formerly had been used for, because it was empty except for a dark blue Peugeot Boxer van parked in the middle of the hall. Wahil’s face brightened at the sight of the car and he walked towards it with quick, heavy steps. He had only covered half the distance when a command from Sarkov stopped him in the middle of the movement.

– Stop! Sarkov barked in an unpleasant, sharp tone.

Wahil whirled around like a cat with all his muscles tense, and the two men stared at each other for a moment.

– I’m sorry to have to say it, said Sarkov, looking like a completely different person, but you’re not going anywhere with this car. He smiled sneakily and put one hand in his jacket pocket.

Wahil tensed up, he wasn’t armed himself, what the hell was this supposed to mean? He instinctively decided to attack. A bullet in the body would not prevent him from breaking the neck of this fat, treacherous pig. He was about to start running, when Sarkov’s voice stopped him.

– At least not without these, said Sarkov and threw the car keys towards the clearly angry giant.

Despite the unexpected change of the situation again, Wahil caught the keys with a firm grip. He didn’t know what to think of Sarkov. Was the man deliberately trying to provoke him or was his own nerves playing tricks on him? Well, it didn’t matter now, he had to concentrate on his task. He turned back and took the last few steps to the vehicle. He tore open the door to the cargo compartment and immediately forgot about the incident. His heart was beating so fast now that he could almost hear it. He stared at the contents of the trunk as if mesmerized. Finally … finally, it echoed in his head. In the middle of the trunk was a large, solid wooden box. It was about two and a half meters long, about one meter high and just as wide. The box was nailed shut, but a crowbar was right next to it.

Wahil climbed inside, resolutely took the tool and opened the lid with a few quick, powerful movements. The sight of the ‚thing‘ brought a grotesque smile to his bearded face. He hadn’t seen anything like this in a long time and hadn’t used one in an even longer time. He ran his hand almost lovingly over the cool metal surface. He felt his fighting spirit rising, but he had to control himself. With a trained eye, he checked whether all the parts were in the box and then tapped the lid shut with the crowbar. Satisfied, he got out of the van.

– Is everything as it should be? Sarkov asked.

Wahil nodded and asked:
– Where is …?

– You mean this? Sarkov interrupted and handed him an envelope.

Wahil tore the envelope from his hand and opened it. He quickly inspected the contents and nodded briefly before putting it into the inside pocket of his jacket.

– The sleeping bag is in the cabin, said Sarkov. And that’s probably all for this time, I think. He turned and went to a large gate.

– I will open for you, my friend, he said with his back to Wahil. And may I give you the best wishes on the journey, wherever it leads.

Wahil was about to get into the car when Sarkov turned with an unexpectedly rapid movement and suddenly held a pistol pointed at him. Wahil stood paralyzed again. The distance between them was too big now. He couldn’t stop the pig from firing the entire magazine against him. His blood froze to ice.

Sarkov just stood there grinning maliciously.

– Well, well, what do you know? he said sarcastically. I almost forgot. I believe you’re supposed to take this with you, right? With a quick movement he turned the weapon in his hand and threw it in a high arc at Wahil.

Wahil caught the gun effortlessly but was confused and ashamed of his own reaction. He checked the weapon reflexively and with practiced hands before getting into the car. He put the gun in the glove compartment and started the engine while Sarkov opened the gate. A moment later the big bearded giant drove up and away with his unusual cargo.

Sarkov watched the car until it disappeared around the corner. With a malicious smile he thought of the reactions to which he had been able to provoke the huge man. Then he shook his head and waddled to the Mercedes.

– Home! he said to the driver and leaned back in the comfortable seat. A few minutes later they left the port area.

 

Hamburg, 4:50 p.m.

The EATO command center was two floors underground and was special in every respect. With its 300 square meters, it was relatively large. But before you could get in, you had to go through two checkpoints. The first control consisted of biometric identification. Rolf and Lisbeth stood in front of a large sliding door and Rolf got ready. He put his feet on two markings on the floor and looked at a glass plate in the wall. He said his name, whereupon an optical device scanned his iris. He passed the ‚test‘ without any problems and the door silently slid aside. They now had access to a smaller, square anteroom measuring approximately five by five meters. Two security guards were sitting behind a barrier at one wall. In a way, they formed a third checkpoint. They were able to monitor the entire building using a series of flat screens. Only two locations were not monitored: Rolf’s office and the command center, to which they were trying to get access. Rolf and Lisbeth went through the anteroom to checkpoint number two at the opposite end. Rolf swiped his ID card through a magnetic reader and entered a code. Another sliding door silently opened, and they were finally able to enter the command center.

The room had in general a different effect on men and women, when they saw it for the first time. For men it was a technological heaven, while many women felt that they had ended up in a toy shop for big boys. But no matter how the command center appeared to you when you first entered it, you quickly learned to appreciate the tremendous benefits this accumulation of cutting-edge technology gave you. A large, black man came towards them. Lisbeth could have sworn that he was built completely rectangular. He had to be at least 6 foot 3 tall and was as broad as an ox. He didn’t have a single hair on his head. His leathery face showed distinctive features, but what characterized him most was his dominant and prominent chin. He was wearing some kind of military camouflage suit and a pair of sturdy black boots.

– Hello Rolf, he said in a deep, full voice and stopped three steps in front of them. And then you must be Lisbeth Hasselbeck from Copenhagen. A very sympathetic smile lit up his face. He came two steps closer and held out the largest hand she had ever seen in her life. She was sure that his handshake could brake bones.

– My name is Tom, Tom Pettersson, he introduced himself, and I am the top dog for the boys of the task force.

Lisbeth bravely shook his hand and was relieved to see that he could dose a warm, pleasant handshake perfectly.

– Welcome to headquarters, he continued, and welcome to the mandatory tour of the hardware store.

He gestured across the room with an inviting movement.

– And let me say it right away, he continued smiling, resistance is futile. In my contract it says that I may handcuff anyone who visits the headquarters for the first time and tug them at their nose if, contrary to common sense, they do not share my enthusiasm for this place. So how do you prefer, with or without handcuffs?

Lisbeth surrendered to his obvious charm and decided to play along.

– Then I’d better come voluntarily, she replied. It is not likely that you will get your contract extended for another year if I tear the handcuffs out of your hands and chain you to the radiator. If so you will have to lie there and watch me walk around and break the rails of your fine electric trains, right? She smiled slyly.

Tom raised his eyebrows in astonishment for a second before breaking out into an unrestrained, roaring laugh.

– We’ll get along just fine, he said, let’s get going.

 

Hamburg, 7:05 p.m.

Lisbeth took the motorway towards Puttgarden. She wanted to reach the ferry at a quarter to nine – assuming the traffic played along. In her mind she went through the meeting winth Tom and Rolf. The tour had indeed been instructive, at least the part that she understood. Tom had shown them in his charming, somewhat boyish way how the command center’s forty-square-meter flat screen could be used in field operations. He had declared that the members of his team were known as F.O.C., Field Operations Combatants.

– Every F.O.C. had a camera built into the helmet, he had explained at one point. This allows us to see the same thing on screen as the F.O.C., almost anyway. The huge screen can be divided into many smaller screens, as many as we need, and if we look at the pictures with a graphics card with the GPS positions of each F.O.C. combined, we have the optimal overview from here. In practice, this means that I can direct an operation right here from the command center. She could follow the use of the cameras, but the GPS explanation had passed her by. Technology and electronics were not her natural habitat, she was much better with people. When Tom got lost in too many details from time to time, her attention automatically would stray somewhere else.

– But! And here comes the best part, she heard him say, we even have a mobile command center.

The look on his face had revealed that this meant something very special to him, so she pulled herself together and paid him full attention.

– In terms of size, it resembles a large bus, he had explained. It is equipped with almost the same technical toys as we have here in the basement, and I use it whenever I can find an excuse to. I prefer to be as close to the action as possible.

She had nodded understandingly.

– We can access all sorts of help information, he went on, both here on the screen and in the bus. Thus we have the best conditions for performing an operation.

The rest of the command center’s equipment consisted of a series of PCs and control stations mounted in a circle in the middle of the room on a custom console and manned by six to eight operators. After the tour, they had agreed on the details for their collaboration, and Rolf had asked Lisbeth to brief her group in Copenhagen the next morning. She felt that she had very effective backup in Tom and his F.O.C. team. Strange with all of these abbreviations, she thought, and smiled as she thought about how carefully Tom had avoided saying F.O.C as a word, but always naming the three letters individually. She had the impression that it was out of consideration for her. Shortly before she left the building, Rolf had said almost casually:

– Lisbeth, we have to coordinate with the Danish police, can you call this guy?

He had given her a piece of paper with a name and a phone number. At the bottom was written ‘Budapest’.

– Clear the usual procedures with him. I talked to him this morning and he’s waiting for your call. Just say it’s Budapest and he’ll know.

She had recognized the name on the slip of paper immediately.

She was torn from her thoughts by a black Porsche, which overtook her at a very high speed, more than 130 mph, she guessed. She doubted that one could survive an accident at this speed. A rest stop was indicated three kilometers away. She decided to take a break and parked under a few trees. There was no other car in sight. She took out her cell phone and dialed a number. She had to get hold of Jorgen, even if she bothered him at home with his family. As her closest colleague, he was used to being called at unusual hours. She asked him to meet her at the office just before midnight, which he agreed to without asking questions. A moment later she was back on the motorway. There was not much traffic at the moment and she stepped on the accelerator a little more until she drove about 95 mph, a comfortable speed for her Ford Mondeo 1.8.

 

Copenhagen, 7:15 p.m.

Jorgen Iversen put his cell phone back on the coffee table and looked at the wall. Something serious seemed to be underfoot, if Lisbeth asked him to come to the office so late at night, he thought. Of course, he had expected to hear something from Hamburg very soon, considering the recent news he had sent there himself, but it was interesting, very interesting, that it happened already the next day.

It had been a huge coup de main for EATO when they succeeded in recruiting Jorgen from the police intelligence service eleven months ago. He was excellent in his field and, on the whole, knew everything about establishing effective surveillance of any kind. He was in his mid-thirties and at just under 4 foot 9 he was a relatively small man. He had an unobtrusive appearance, which he saw as a great advantage in connection with his work. He was married and had two daughters at primary school age.

Jorgen had established the monitoring of CP100 about six months ago, and the members of the cell couldn’t even go to the bathroom without him listening in. Most of those who walked in and out of the apartment in Dannebrogsgade near the center of Copenhagen were most likely illegally in the country, but EATO did not interfere. If one of them was expelled from the country, a new one quickly came and Jorgen was forced to profile the newcomer and his personal habits again. No, you knew what you had, there was no reason to change it. Most of the time, surveillance did not reveal much useful information. Mostly everyday things were discussed in the apartment, seasoned with a stereotypical exchange of political and religious nature.

But lately it seemed like they were being more careful when talking to each other in the second-floor apartment. Jorgen had an instinctive feeling that the cell members knew, or at least suspected, that they were being bugged. The traffic in and out of the apartment had increased significantly. This was the paradox. Five or six people had gathered in the living room several times, and of course there were lively conversations. But then suddenly it could get completely quiet and you only heard an indefinable sound … Yes, it had sounded like … yes, as if they were sitting and playing cards. It wasn’t normal, he had thought. What would he not have given for the establishment of visual surveillance, but the opportunity had not yet arisen. He had tortured his brain to find a plausible explanation, and then the answer hit him like a flash yesterday morning when he was in the shower. Damn it, they didn’t play cards, no, they sat and communicated with each other in writing. In other words, they knew they were being bugged. If one then considered that the two permanent members of the cell had not shown up for two days, the behavior pattern in the cell was completely abnormal.

The two permanent members had completely vanished from one day to the other without the slightest warning. Maybe it didn’t mean anything, he had thought, but his gut instinct had told him something else. He immediately sent a note to Hamburg: “Copenhagen, February 7, 2006. General increase in activity in CP100 since Monday. Interception may be exposed. Last activity: The two permanent members of the cell have been missing for two days. There are no traces to follow. Monitoring continues.” Short and concise, but still – rather two pieces of information too many than too little. This is how Hamburg wanted it to be, and that suited him perfectly. He checked his watch – he still had time. It was not always easy to combine a job with irregular hours and a normal family life, but he tried to be home for dinner as often as possible – or at least before the girls went to bed.

(To be continued)

 

Der Mann aus Teheran, Brüssel … The man from Tehran, Brussels

CoverDeutsch

Der Mann aus Teheran

6. Oktober 2004

Brüssel

Ein Handy begann Beethovens 4. Symphonie zu spielen. Die Töne waren mit dem auf die Nerven gehenden Brummton von dem in Mobiltelefone eingebauten Vibrator vermischt. Die unverwechselbare Musik kam aus dem geschmackvoll eingerichteten Schlafzimmer in einer der Mini-Suiten im Hotel Le Plaza. Rolf Duvenhart stand unter der Dusche, als sein Handy auf dem Nachttisch neben dem Bett auf seiner Aufmerksamkeit bestand. Der leistungsfähige Vibrator brachte das Telefon auf dem Nachttisch zum Tanzen, und schließlich fiel es auf das Bett und glitt von dort weiter auf den dicken Teppich. Das Brummen verschwand sofort, aber Beethoven spielte ungestört weiter.
Rolf überlegte einen Moment, ob er antworten sollte, entschied sich aber dagegen. Wenn man mit einer Zahnbürste im Mund unter der Dusche steht, darf man gerne die Versuche der Umwelt, einen zu erreichen, ignorieren.
Außerdem wusste er, wer da anrief, und er wusste auch, was man ihm zu sagen hatte. Es war eine Art Höflichkeitsanruf, statt des obligaten Standardbriefes: „Wir danken Ihnen für Ihr Interesse, aber leider ist die Stelle an einen der anderen Bewerber vergeben worden“, usw., usw. Beethoven stoppte abrupt, mitten im Takt, und Rolf spülte seinen Mund in dem warmen Wasser, das aus der Dusche kam und über seinen Körper lief. Er drehte den Hahn zu, griff nach dem großen Frottee-Handtuch und begann sich abzutrocknen.
Rolf Duvenhart war ein großer Mann. Nicht wie ein Bodybuilder, sondern von Natur aus groß und kräftig gebaut. Mit seinen mehr als 1,90 Metern, und seinen 100 Kilo, war er ein Mann, den man nicht so leicht übersah. Er hatte ordentlich und kurz geschnittene, dunkelblonde Haare, und in seinem relativ großen, aber harmonischen Gesicht leuchteten ein paar intelligente und freundliche blaue Augen. Er war ein Mann, den die meisten Frauen attraktiv fanden, und er war den meisten Männern sympathisch. Aber Rolfs beste Eigenschaft war, dass er bei näherer Bekanntschaft sogar noch gewann. Obwohl es eine ganze Menge Frauen in seinem Leben gegeben hatte, war er im Alter von 43 Jahren noch unverheiratet. Die richtige Frau war noch nicht aufgetaucht, und er hatte sich seit Langem an den Gedanken gewöhnt, den Rest seines Lebens als Junggeselle zu verbringen. Rolf war Rechtsanwalt mit Völkerrecht als Speziale. Er bekleidete zurzeit eine wichtige Position innerhalb des deutschen Geheimdienstes.
Beethoven kehrte mit erneuter Kraft zurück. Rolf zögerte ein paar Sekunden, entschied sich dann aber, den Anruf anzunehmen. Ich kann die Sache genauso gut hinter mich bringen, dachte er. Er wickelte das Handtuch um die Hüften und trat aus dem Bad und in das komfortable Schlafzimmer. Das Telefon war halb unter das Bett gerutscht, und er fühlte es vibrieren, als er es aufhob.
– Duvenhart, sagte er kurz, als die Verbindung hergestellt war.
– Ah, sehr gut, Sie sind noch da, hier spricht Axelsson, war die Antwort. Ich hatte schon befürchtet, dass ich Sie vor Ihrer Abreise nicht mehr erreichen würde, Duvenhart. Sie sind doch noch in Brüssel, nicht wahr?
– Ich war in der Dusche, sagte Rolf kurz angebunden. Er war nicht in der Stimmung, sich eine lange Erklärung, warum er den Job nicht bekommen hatte, anzuhören. Er wollte das Gespräch so kurz wie möglich halten.
– Ich verstehe, sagte Axelsson. Aber wir haben leider keine Zeit zu verlieren. Sie sind für die Position ausgewählt worden, und man erwartet Sie in einer Stunde zu einem Einstellungsgespräch. So angesichts des dichten morgendlichen Berufsverkehrs, sollten wir umgehend aufbrechen. Ich hole Sie in ca. 5 Minuten vom Hotel ab, können Sie das schaffen? Rolf antwortete nicht sofort. Er versuchte, mit sich selbst darüber einig zu werden, ob Axelsson gerade gesagt hatte, „Sie sind für die Position ausgewählt worden“. Das kam völlig unerwartet. Es konnte doch nicht wahr sein. Es musste sich um einen Fehler handeln. Man hatte die Kandidaten verwechselt.
Er versuchte, sich das Gespräch ins Gedächtnis zu rufen. Der Widerstand gegen seine Kandidatur, nicht zuletzt von britischer und spanischer Seite, war nicht zu übersehen gewesen, und schon gar nicht der der Amerikaner. Der Vertreter der USA war ziemlich arrogant und direkt unverschämt gewesen, woraufhin Rolf den Mann einfach ignoriert hatte. Die USA hatte zwar nicht wirklich etwas zu sagen, wenn es um die Besetzung der neu geschaffenen Position ging – es handelte sich hier immerhin um eine europäische Angelegenheit – aber es musste ja einen Grund dafür geben, dass ein amerikanischer Repräsentant bei dem Gespräch zugegen war.
– Sind Sie noch da, Duvenhart? unterbrach Axelsson seine Gedanken.
– Ja, ich bin noch hier, sagte Rolf. Ich bin nur ein wenig überrascht zu hören, dass ich eingestellt werden soll. Sie waren selbst bei dem Gespräch dabei, Axelsson, Sie müssen doch bemerkt haben, dass es nicht besonders gut ablief. Ich hatte nicht den Eindruck, dass man zu einer Einigung über meine Kandidatur kommen würde.
– Nicht alles ist so, wie es auf der Oberfläche zu sein scheint, Duvenhart, sagte Axelsson diplomatisch. Aber das kann ich Ihnen unterwegs erklären. Sie müssen sich beeilen. Ich bin in ein paar Minuten vor dem Hotel. Die Verbindung wurde unterbrochen und Rolf legte das Telefon auf den Nachttisch. Er ging zum Fenster und blickte geistesabwesend auf die Straße hinunter. Er versuchte, sich die Ereignisse der letzten zwei Tage ins Gedächtnis zurückzurufen. Der erste Kontakt hatte mit Axelsson stattgefunden. Der schwedische Diplomat aus dem EU-Hauptquartier in Brüssel hatte angeblich als Headhunter fungiert. – Ich bin gebeten worden, vorsichtig einen Fühler auszustrecken, hatte Axelsson gesagt. Man ist nicht daran interessiert, dass mehr Leute als höchst notwendig die Pläne kennen, wenn Sie verstehen was ich meine. Rolf hatte absolut nicht verstanden, was Axelsson meinte, und hatte daher gefragt:
– Einen vorsichtigen Fühler für was? Von welchen Plänen sprechen Sie? Und wer ist ‚man‘?
– Die Angelegenheit ist ein wenig speziell, hatte Axelsson geantwortet. Ich repräsentiere eine neu gegründete Sonderkommission innerhalb der EU, mit voller Unterstützung der meisten Mitgliedsländer, natürlich. Er hatte das nicht weiter vertieft, hatte aber auf einem Treffen bestanden.
– Ich würde gerne mit Ihnen reden, hatte er gesagt. Haben Sie die Möglichkeit nach Brüssel zu kommen, umgehend? Rolf hatte gespürt, dass er am Telefon nicht mehr erfahren würde, und größtenteils aus purer Neugier stimmte er zu, sofort zu kommen. Axelsson hatte bereits ein Flug-Ticket in Rolfs Namen am Flughafen in Hamburg hinterlegen lassen, und noch am selben Abend trafen sich die beiden Männer in einem Büro in der Innenstadt von Brüssel. Axelsson war ein gut aussehender Mann in den Sechzigern. Sein Haaransatz war stark zurückgewichen und das Haar, das ihm geblieben war, war mit grauen Strähnen durchzogen. Er hatte ruhige, intelligente Augen und einen milden Gesichtsausdruck, der nichts über seinen inneren Zustand verriet. Er trug einen dunkelblauen Anzug und eine dezente Krawatte, die mit einer goldenen Schlipsnadel geschmückt war.

– Was ich Ihnen jetzt erzählen will, ist vertraulich, hatte Axelsson die Sitzung eingeleitet. Als langjähriges Mitglied des deutschen Geheimdienstes sind Sie natürlich bestens mit Diskretion vertraut, Duvenhart, aber ich erwähne es trotzdem, damit allen Formalitäten genüge getan wird. Rolf war überrascht gewesen, dass Axelsson von seiner Arbeit für den deutschen Geheimdienst wusste, aber er hatte geantwortet, als ob er nicht verstand, worum es ging:
– Ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor. Warum in aller Welt glauben sie, dass ich für den deutschen Geheimdienst arbeite? Axelsson hatte Rolf einen Moment mit einem enttäuschten Blick auf seinem Gesicht angesehen. Dann hatte er eine Schublade geöffnet, einen Ordner herausgenommen und ihn auf den Tisch vor Rolf geworfen.
– Ich denke, wir können eine Menge Zeit sparen, wenn Sie sich den Inhalt dieses Ordners ansehen, hatte er gesagt. Rolf hatte den Ordner geöffnet und seine Verblüffung kaum verbergen können. Vor ihm hatte eine komplette Sammlung aller seiner persönlichen Daten gelegen. Nichts hatte gefehlt, weder eine Kopie seiner Geburtsurkunde, noch seine Diplome oder die Papiere aus seiner Militärzeit oder sein laufender Arbeitsvertrag mit dem Geheimdienst. Axelsson wusste scheinbar alles über ihn, was wissenswert war. Er hatte nicht recht gewusst, was er sagen sollte, aber dann legte er die Papiere mit einem schiefen Lächeln wieder in den Ordner.
– Ich bin wirklich beeindruckt, Axelsson, hatte er schließlich gesagt. Lassen Sie uns alle weiteren Formalitäten vergessen. Worum geht es hier?
– Danke, Duvenhart, hatte Axelsson erleichtert geantwortet. Es geht ganz einfach um Terrorismus. Oder besser gesagt, um den Kampf gegen Terrorismus. Rolfs Interesse war sofort aufgeflammt und Axelsson war fortgefahren:
– Eine repräsentative Anzahl der Mitgliedsländer der EU hat ihren Wunsch nach der Gründung eines neuen Organs in Europa ausgedrückt. Eines Organs, das für die Koordinierung der Terrorbekämpfung zwischen den betreffenden Mitgliedsländern zuständig ist. Rolf hatte sich gefragt, was sich wohl hinter dem Ausdruck ‚eine repräsentative Anzahl‘ verbergen mochte, hatte aber nichts gesagt, und Axelsson hatte weiter erklärt:
– Man war sich darüber einig, dass das Organ oder die Organisation, Europäische Anti-Terror Organisation, EATO, heißen sollte, und man hatte beschlossen, dass sie ihren Sitz in Deutschland haben sollte, genauer gesagt in Hamburg. Rolf hatte die Augenbrauen hochgezogen.
– In Hamburg? Warum ausgerechnet da? Hatte er gefragt. Axelsson hatte schief gelächelt.
– Aus sentimentalen Gründen, glaube ich, hatte er geantwortet. Rolf hatte ihn mit zusammengekniffenen Augen angesehen.
– Aus sentimentalen Gründen? hatte er nachgefragt.
– Ja, aus sentimentalen Gründen, hatte Axelsson wiederholt. Schließlich war in Hamburg ein erheblicher Teil des Anschlags vom 11. September geplant worden, und daher hat man sich wahrscheinlich gedacht, es wäre eine passende Geste gegenüber unseren besorgten Freunden auf der anderen Seite des Atlantiks. Rolf war sich nicht sicher gewesen, dass er richtig verstanden hatte, worum es eigentlich ging. – Wo komme ich ins Bild? hatte er gefragt.
– Dazu komme ich gleich, hatte Axelsson geantwortet. Aber lassen Sie mich zuerst einmal erwähnen, dass die notwendigen Bewilligungen gesichert sind. Mit anderen Worten, man hat die notwendigen finanziellen Mittel für die Realisierung der EATO. Das, was fehlt, ist die richtige Person, die die Organisation leitet, eine Person mit der richtigen Einstellung, wenn ich mal so sagen darf. Wie ich am Telefon erwähnte, ist es meine Aufgabe, einige Fühler auszustrecken. Man hätte gerne eine Reihe von Kandidaten zur Auswahl, und es ist meine feste Überzeugung, dass Sie ausgezeichnet zu dem gewünschten Profil passen. Die Frage ist, ob Sie sich überhaupt vorstellen können, sich um den Posten zu bewerben? Rolf hatte bemerkt, wie sein Herz schneller zu schlagen begann.
– Die Frage kann ich fast bedingungslos mit „Ja“ beantworten, hatte er erwidert. Aber kennt man meine persönliche Haltung zu Terrorismus und nicht zuletzt zu den Ursachen, die zum Terrorismus führen? Ich bin nicht der Meinung, dass Terrorismus oder dessen Ursachen einzig und allein von außen auf uns zukommen. Diese Ansicht habe ich öffentlich zum Ausdruck gebracht.
– Ja, natürlich, Ihre Haltung ist uns nicht fremd, hatte Axelsson mit einem fast nicht wahrnehmbaren Lächeln auf den Lippen gesagt, und vielleicht ist ein wenig Selbstkritik gar nicht so ungesund im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf der anderen Seite des Atlantiks.

Rolf wurde aus seinen Gedanken gerissen, als jemand an die Tür klopfte. Er hatte völlig vergessen, sich zu beeilen, und stand immer noch am Fenster mit dem Handtuch um die Hüften. Er ging zur Tür und öffnete sie einen Spalt, nur so weit, dass er auf den Flur sehen konnte. Ein Mann in Chauffeur-Uniform stand vor der Tür.
– Herr Axelsson wartet auf Sie, sagte der Fahrer in ausgezeichnetem Englisch.
– Vielen Dank! Sagen Sie ihm, dass ich in fünf Minuten unten bin, sagte Rolf. Der Fahrer verneigte sich diskret und ging, und Rolf beeilte sich mit dem Anziehen. Sieben Minuten später stand Rolf auf dem Boulevard Adolphe Max, wo das Luxus-Hotel Le Plaza sich befindet. Hier entdeckte er sofort den Chauffeur, der an seine Zimmertür geklopft hatte. Er stand neben einem dunkelblauen Jaguar, der vor dem Hotel hielt. Rolf ging zum Auto und nickte dem Fahrer zu, der sich beeilte, die Tür für ihn zu öffnen.
– Guten Morgen, Duvenhart, begrüßte ihn Axelsson, wir müssen uns beeilen. Es wäre nicht gut, zu spät zu kommen.

Rolf fühlte sich durch die Bemerkung getroffen, sagte aber nichts. Einen schlechteren Start für eine neue Karriere konnte man sich wohl kaum vorstellen. Zuerst ein einleitendes Gespräch, das zweifelhaft verlief, und jetzt ein unterschwelliger Vorwurf vom Headhunter, dass er zu spät zu seinem Einstellungsgespräch kam. Man musste wirklich großes Interesse daran haben, ihn einzustellen.
– Nun müssen Sie mir aber erzählen, was da gestern gut gelaufen ist, sagte er zu Axelsson. Ich bin wirklich erstaunt über die Anstellung. Amerika war ja kurz davor, Veto gegen mich einzulegen. Was passiert hier, Axelsson? Das Auto setzte sich in Bewegung.
– Wie ich bereits erwähnte, sagte Axelsson in gedämpftem Tonfall, ist nicht alles unbedingt so, wie es scheint. Er hielt inne und blickte nachdenklich vor sich hin.
– Sie müssen mir einen Augenblick Zeit geben, sagte er, denn es ist sehr wichtig, dass ich das nächste auf die richtige Weise sage. Eine falsche Formulierung meinerseits könnte Sie vielleicht dazu veranlassen, Ihre Meinung in Bezug auf Ihre Bewerbung zu ändern. Daran möchte ich nicht schuld sein, wie Sie wahrscheinlich verstehen können. Rolf sah Axelsson fragend an. Wozu dieses Theater? dachte er, warum sagt er nicht einfach die Dinge geradeheraus?
– Sehen Sie, Duvenhart, fuhr Axelsson fort, es gibt einen gewissen Mangel an Übereinstimmung zwischen den einzelnen EU-Ländern, was Prioritäten angeht, und nicht zuletzt in Bezug auf den Umgang mit der Problematik der Terrorismusbekämpfung. Einige Länder priorisieren dieses Thema sehr hoch, während andere lieber sähen, dass man es unter den Teppich kehrt, bis es hoffentlich irgendwann von selbst verschwindet. Duvenhart, ich bin sicher, all das ist ihnen nicht fremd. Wenn wir täten, was die USA gerne hätte, würden wir einen steinharten Militärmann anstellen und ihm freie Hand geben, um alle wahrscheinlichen oder sogar nur möglichen Terroristen in ganz Europa einzukreisen und sie nach Guantánamo zu schicken. Es gibt sogar Mitgliedstaaten, die mit einer solchen Lösung einverstanden wären.

Aber es gibt ganz bestimmt auch Länder, die sich mit Händen und Füssen gegen eine solche Entwicklung wehren werden. Unter den letzteren kann ich insbesondere Deutschland, Frankreich und Schweden nennen. Die Situation ist natürlich äußerst delikat, und man benötigt daher eine charismatische Person, die mit Intelligenz, und nicht zuletzt mit diplomatischem Einfühlungsvermögen, die Länder um EATO sammelt. Eine Person, die ganz gewiss ihr Möglichstes tun wird, um das Problem zufriedenstellend zu lösen, aber doch nicht unkritisch bei dem amerikanischen Modell mitspielt. Duvenhart, als Sie ins Auto stiegen sagten Sie zu mir, dass die USA gegen Sie Veto einlegen wollte, das heißt, wenn sie eine Stimme in dieser Angelegenheit besäße. Aber die Wahrheit ist tatsächlich ein wenig anders. Deutschland, Frankreich und Schweden haben bereits damit gedroht, gegen die Gründung von EATO Veto einzulegen, wenn Sie nicht eingestellt werden, um die Organisation aufzubauen. Das Risiko wollen die Amerikaner nun doch nicht laufen, so dass Ihre Kandidatur unter diesen Umständen die volle Unterstützung der Vereinigten Staaten hat. Ich hoffe, ich habe mich so vorsichtig wie möglich ausgedrückt, und dass Sie erkennen, dass Sie eine einmalige Gelegenheit bekommen, um einen Unterschied im Kampf gegen den Terrorismus zu machen, wenn Sie also das Angebot annehmen sollten, das man Ihnen heute unterbreiten wird.

Rolf schwieg; er musste Axelssons Worte erst einmal verdauen. Das Auto hielt vor dem EU-Parlament. Beide Männer blieben im Auto sitzen. Axelsson betrachtete Rolf eingehend, aber es war ihm unmöglich herauszufinden was er dachte.
– Gut, Axelsson, sagte Rolf schließlich. Ich habe das Gefühl, dass Sie offen und ehrlich mit mir sind, und ich denke, ich kann mir ein gutes Bild von dem machen, was mich erwartet, wenn ich das Angebot akzeptiere, das man mir, wie Sie sagen, unterbreiten wird. Er blickte auf das eindrucksvolle Parlamentsgebäude.
– Ich kann nur sagen, dass ich mich darauf freue, meine Kräfte mit der Aufgabe zu messen, fuhr er fort und hielt Axelsson die Hand hin, der sie mit einem breiten Lächeln schüttelte.
– Sollen wir hineingehen? sagte Axelsson.

Zwei Stunden später verließ Rolf Duvenhart das EU-Parlamentsgebäude in Brüssel als Leiter der neuen Organisation, die den Terrorismus in Europa bekämpfen sollte, der Europäischen Anti-Terror Organisation, EATO. Er war mit voller Zustimmung des Deutschen Nachrichtendienstes und mit sofortiger Wirkung freigestellt worden und würde den Aufbau der neuen Organisation bereits am nächsten Tag beginnen.

(Fortsetzung folgt)

 

ENGLISH

The Man from Tehran

6 October 2004

Brussels

A cell phone started playing Beethoven’s 4th Symphony. The sounds were mixed with the annoying humming sound from the vibrator built into cell phones. The unmistakable music came from the tastefully furnished bedroom in one of the mini suites in the Hotel Le Plaza. Rolf Duvenhart was in the bathroom taking a shower when he heard his phone ringing, which he had left on the bedside table. The powerful vibrator made the phone dance on the shiny surface, and finally it fell onto the bed and continued to slide down from there onto the thick carpet. The hum disappeared immediately, but Beethoven continued to play undisturbed. Rolf considered for a moment whether he should answer or not, but decided against it. If you stand in the shower with a toothbrush in your mouth, you can safely ignore the attempts of anybody trying to reach you. Anyway, he knew who was calling, and he also knew what the caller would say. It would be a courtesy call, instead of an obligatory standard letter: „Thank you for your interest, but unfortunately the position has been given to one of the other applicants“, etc., etc.

Beethoven stopped abruptly, in the middle of the beat, and Rolf flushed his mouth in the warm water that came out of the shower and ran over his body. He turned off the tap, grabbed the big terry towel, and started drying himself. Rolf Duvenhart was a big man. Not like a bodybuilder, but naturally built big and strong. With his more than 1.90 meters, and his 100 kilos, he was a man that was not easily overlooked. He had neat, short cut, dark blonde hair, and a pair of intelligent and friendly blue eyes shone in his relatively large but harmonious face. He was a man most women found attractive and the type that most men found sympathetic. But Rolf’s best feature was that he even grew on people on closer acquaintance. Although there had been a lot of women in his life, he was still unmarried at the age of 43. The right woman hadn’t shown up, and he had long been used to the idea of spending the rest of his life as a bachelor. Rolf was a lawyer specializing in international law. He currently held an important position within the German secret service.

Beethoven returned with renewed strength. Rolf hesitated for a few seconds, but then decided to answer the call. I might as well get this over with, he thought. He wrapped the towel around his waist and stepped out of the bathroom and into the comfortable bedroom. The phone had slipped halfway under the bed and he felt it vibrate as he picked it up.
– Duvenhart, he said briefly when the connection was made.
– Ah, very good, you are still there, this is Axelsson, was the answer. I was afraid I wouldn’t be able to reach you before you left, Duvenhart. You’re still in Brussels, aren’t you?
– I was in the shower, said Rolf shortly. He was in no mood to listen to a long explanation of why he hadn’t got the job. He wanted to keep the conversation as short as possible.
– I understand, said Axelsson. But unfortunately we have no time to waste. You have been selected for the position and they expect you for signing the contract in an hour. So given the heavy morning traffic, we should leave immediately. I will pick you up from the hotel in about 5 minutes, can you make that?
Rolf didn’t answer immediately. He tried to wrap his head around that Axelsson had just said, „You have been selected for the position.“ That was totally unexpected. It couldn’t be true. It had to be a mistake. The candidates must have been mixed up. He tried to recall the interview. The opposition to his candidacy, not least from British and Spanish sides, could not have been mistaken, and certainly not that of the Americans. The representative of the United States had been pretty arrogant and outrageous, and Rolf had simply ignored the man. The US didn’t really have a say when it came to filling the newly created position – after all, it was a European issue – but there had to be a reason that an American representative was present at the interview.
– Are you still there, Duvenhart? Axelsson interrupted his thoughts.
– Yes, I’m still here, said Rolf. I’m just a little surprised to hear that I have been selected. You were there yourself, Axelsson, you must have noticed that things weren’t going all that well. I did not have the impression that an agreement would be reached on my candidacy.
– Not everything is what it seems to be on the surface, Duvenhart, said Axelsson diplomatically. But I can explain that to you on the way. You must hurry up. I’ll be in front of the hotel in a few minutes.
The call was disconnected, and Rolf put the phone back on the bedside table. He went to the window and gazed absently down at the street. He tried to recall the events of the past two days. The first contact had been with Axelsson. The Swedish diplomat from the EU headquarters in Brussels allegedly acted as headhunter.
– I have been asked to make discrete inquiries, Axelsson had said. It is a general expectation that not more people than essentially necessary know about the plans, if you understand what I mean.
Rolf had absolutely not understood what Axelsson meant and therefore asked:
– Discrete inquiries about what? What plans are you talking about? And who has these general expectations?
– The matter is a little bit delicate, Axelsson had answered. I represent a newly founded special commission within the EU, with the full support of most member countries, of course. He hadn’t gone into it further but had insisted on a meeting.
– I would like to talk to you, he had said. Do you have the opportunity to come to Brussels immediately?
Rolf had sensed that he would not find out anything more on the phone, and largely out of sheer curiosity, he agreed to travel immediately. Axelsson had already deposited a flight ticket in Rolf’s name at the Hamburg airport, and the same evening the two men met in an office in downtown Brussels.
Axelsson was a handsome man in his sixties. His hairline had receded, and what was left was streaked with gray. He had calm, intelligent eyes and a mild expression that revealed nothing about his inner state. He was wearing a dark blue suit and a subtle tie adorned with a gold tie pin.

– What I want to tell you now is confidential, Axelsson had started the meeting. As a long-time member of the German secret service, you are of course very familiar with discretion, Duvenhart, but I mention it anyway so that all the formalities are met. Rolf had been surprised that Axelsson knew about his work for German intelligence, but he replied as if he didn’t understand what it was about:
– I think there is a misunderstanding here. Why in the world do you think that I work for German intelligence?
Axelsson had looked at Rolf for a moment with a disappointed look on his face. Then he opened a drawer, took out a folder and laid it on the table in front of Rolf.
– I think we can save a lot of time if you look at the contents of this folder, he had said.
Rolf had opened the folder and could hardly hide his amazement. In front of him was a complete collection of all his personal information. Nothing was missing, neither a copy of his birth certificate, his diplomas, military papers, nor his current employment contract with the secret service. Axelsson apparently knew everything about him that was worth knowing. He hadn’t really known what to say, so he just put the papers back into the folder with a wry smile.
– I’m really impressed, Axelsson, he had finally said. Let us by all means forget all the other formalities. What is this about?
– Thank you, Duvenhart, Axelsson had answered with relief. It’s simply about terrorism. Or rather, the fight against terrorism. Rolf’s interest immediately flared up and Axelsson continued:
– A representative number of EU member states have expressed their desire to establish a new organ in Europe. An institution responsible for coordinating the fight against terrorism between the member countries concerned.
Rolf had wondered what the expression ‚a representative number‘ might be, but had said nothing, and Axelsson continued:
– It was agreed upon that the organ or organization should be called European Anti-Terror Organization, EATO, and it was decided that it should be based in Germany, more precisely in Hamburg.
Rolf had raised his eyebrows.
– In Hamburg? Why there of all places? He had asked.
Axelsson had smiled wryly.
– For sentimental reasons, I think, he had answered.
Rolf had narrowed his eyes at him.
– For sentimental reasons? he had echoed.
– Yes, for sentimental reasons, Axelsson had repeated. After all, a significant part of the 9/11 attack had been planned in Hamburg, so it was probably thought that it would be a fitting gesture with regard to our concerned friends on the other side of the Atlantic.
Rolf hadn’t been sure that he had understood what it was all about.
– Where do I fit into the picture? he had asked.
– I will get to that in a moment, Axelsson had answered. But first let me mention that the necessary permits have been secured. In other words, the necessary financial means to implement EATO exist. What is missing is the right person to head the organization. A person with the right attitude, if I may say so. As I mentioned on the phone, I have been asked to make some discrete inquiries. One would like to have a number of candidates to choose from, and it is my firm belief that you are an excellent match for the desired profile. The question is, if you would be interested at all in applying for the post?
Rolf had noticed how his heart started to beat faster.
– I can answer the question almost unconditionally with „Yes“, he had replied. But is my personal attitude to terrorism and not least the causes that lead to terrorism known? I do not believe that terrorism or its causes come to us solely from the outside. I have expressed this view publicly.
– Yes, of course, your attitude is not unknown to us, Axelsson had said with an almost imperceptible smile on his face, and maybe a little self-criticism is not so unhealthy when it comes to cooperation with our partners on the other side of the Atlantic.

Rolf was pulled out of his thoughts when someone knocked on the door. He had completely forgotten to hurry and was still standing by the window with the towel around his waist. He went to the door and opened it a crack just enough to see the hallway. A man in a chauffeur’s uniform stood at the door.
– Mr. Axelsson is waiting for you, Sir, the driver said in excellent English.
– Thank you very much! Tell him I’ll be down in five minutes, said Rolf. The driver bowed discreetly and left, and Rolf hurried to get dressed. Seven minutes later, Rolf stood outside on the Boulevard Adolphe Max, where the luxury hotel Le Plaza is located. Here he immediately discovered the chauffeur who had knocked on his door. He was standing next to a dark blue jaguar parked in front of the hotel. Rolf went to the car and nodded to the driver, who hurried to open the door for him.
– Good morning, Duvenhart, Axelsson greeted him inside the car, we have to hurry. It would not be good to be late.
Rolf felt bad about the remark but said nothing. He could hardly imagine a worse start for a new career. First an introductory interview, which was doubtful, and now an underlying accusation from the headhunter that he was late for his interview. They had to be really interested in hiring him.
– Now you must tell me what went so well yesterday, he said to Axelsson. I am really amazed that I got the job. America was on the verge of vetoing me. What is happening here, Axelsson?
The car started to move.
– As I mentioned before, Axelsson said in a subdued tone, not everything is exactly as it seems. He paused and looked thoughtfully in front of himself.
– You must give me a moment, he said, because it is very important that I say the next thing in the right way. Wrong wording on my part could possibly cause you to change your mind about your application. I don’t want to be blamed for that, as you can probably understand.
Rolf looked questioningly at Axelsson. Why all this drama? he thought, why doesn’t he just say things straightforward?
– Look, Duvenhart, Axelsson went on, there is a certain lack of consistency between EU countries in terms of priorities, and last but not least, how to deal with counter-terrorism issues. Some countries give this issue a very high priority, while others would rather see it swept under the carpet until hopefully it will disappear on its own at some point. Duvenhart, I’m sure none of this is new to you. If we did what the United States would like, we would hire a rock-hard military man and give him a free hand to round up all likely or even possible terrorists across Europe and send them to Guantánamo. There are even Member States that would agree to such a solution. But there are definitely also countries that will fight such a development with tooth and nail. Among the latter, I can mention Germany, France and Sweden in particular. The situation is extremely delicate, of course, so we need a charismatic person who can gather the countries around EATO with intelligence, and not least with diplomatic empathy. A person who will certainly do everything possible to solve the problem satisfactorily, but who does not uncritically play the American game. Duvenhart, when you got in the car, you told me that the United States wanted to veto you, that is, if they had a voice on the matter. But the truth is actually a little different. Germany, France and Sweden have already threatened to veto the creation of EATO if you are not hired to establish the organization. The Americans don’t actually want to take this risk, so your candidacy has the full support of the United States under these circumstances. I hope that I have expressed myself as carefully as possible and that you recognize that you will have a unique opportunity to make a difference in the fight against terrorism, that is, if you accept the offer that will be made to you today.

Rolf remained silent; he had to digest Axelsson’s words first. The car stopped in front of the EU Parliament. Both men stayed in the car. Axelsson looked closely at Rolf, as if he was trying to figure out what he was thinking.
– Good, Axelsson, said Rolf finally. I feel that you are open and honest with me and I think I have a fair idea of what to expect – if I accept the offer that they are going to make, as you mentioned.
He looked at the impressive parliament building.
– I can only say that I am looking forward to pitting my strength against the task, he continued, holding out his hand to Axelsson, who shook it with a big smile.
– Should we go inside? said Axelsson.

Two hours later, Rolf Duvenhart left the EU Parliament building in Brussels as head of the new organization to fight terrorism in Europe, the European Anti-Terror Organization, EATO. The German Intelligence Service had released him from duties with immediate effect, and he would start the building of the new organization already the next day.

(To be continued)