Freispruch im Südtiroler Pestizidprozess! …Acquittal in the South Tyrolean pesticide trial!


Mal ein Sieg für die Meinungsfreiheit …
… (The English version follows after the German in one block.)

Wir können es selbst noch kaum glauben: Nach zwei Jahren ist der Südtiroler Pestizidprozess endlich Geschichte! Denn am Freitag hat das Landesgericht Bozen unseren Mitarbeiter Karl Bär freigesprochen: Nachdem bereits im Januar der letzte der 1376 Kläger seinen Strafantrag zurückgezogen hatte, beantragte die Staatsanwaltschaft am Freitag eine Änderung der Anklage, durch die auch der noch im Raum stehende Vorwurf der Markenfälschung hinfällig wurde.

Mit dem Freispruch ist der Versuch der Südtiroler Landesregierung und der Obstlobby, Kritik am Pestizideinsatz juristisch zu unterbinden, endgültig gescheitert. Dass Südtirol ein Pestizidproblem hat, ist eine Wahrheit, die auszusprechen uns niemand verbieten kann. Damit ist das Urteil wegweisend für Menschen in ganz Europa, die sich für eine gesunde Umwelt einsetzen und dafür juristisch angegriffen werden. Erst vor zwei Wochen hat die EU-Kommission einen Vorschlag für ein weitreichendes Gesetz gegen Einschüchterungsklagen – sogenannte SLAPPs (strategic lawsuits aganst public participation) – vorgelegt. Jetzt können wir das Urteil als weiteren wichtigen Erfolg für die Meinungs- und Informationsfreiheit in Europa feiern!

Bis zu diesem Erfolg war es ein langer und mühsamer Weg, den wir nur dank der großartigen Hilfe unserer Unterstützer:innen meistern konnten. Vielen Dank an alle, die uns in den letzten Jahren mit Tatkraft, Solidarität und Geld unterstützt haben! Nur dank Ihnen war es uns möglich, die Klage so erfolgreich abzuwehren. 

In unserer aktuellen Meldung erfahren Sie mehr darüber, wie es überhaupt zum Prozess gekommen war und wie wir in den letzten Jahren gegen die juristische Attacke gekämpft haben.

ENGLISH

Freedom of speech won for once …

We can hardly believe it ourselves: After two years, the South Tyrolean pesticide process is finally history! Because on Friday the Bolzano regional court acquitted our employee Karl Bär: After the last of the 1376 plaintiffs had already withdrawn their criminal complaint in January, the public prosecutor’s office on Friday applied for a change in the indictment, which also made the allegation of counterfeiting, which was still pending, null and void .

With the acquittal, the attempt by the South Tyrolean state government and the fruit lobby to legally prevent criticism of the use of pesticides has finally failed. The fact that South Tyrol has a pesticide problem is a truth that no one can forbid us to speak out. The judgment is groundbreaking for people all over Europe who are committed to a healthy environment and are being legally attacked for it. Just two weeks ago, the EU Commission presented a proposal for a far-reaching law against intimidation lawsuits – so-called SLAPPs (strategic lawsuits against public participation). Now we can celebrate the judgment as another important success for freedom of expression and information in Europe!

It was a long and arduous path to this success, which we were only able to master thanks to the great help of our supporters. Many thanks to everyone who has supported us with energy, solidarity and money over the past few years! It was only thanks to you that we were able to defend against the lawsuit so successfully.

In our current report you can find out more about how the trial came about in the first place and how we have fought against the legal attack in recent years.

SLAPPs gefährden die Demokratie … SLAPPs endanger democracy


Jetzt mitmachen: Meinungsfreiheit ist nicht verhandelbar!

Join us now: freedom of speech is not negotiable! (The English text follows in one block after the German.)


Das neue Jahr startet für uns mit der Aussicht auf einen weiteren Gerichtstermin: Bereits in wenigen Wochen müssen wir erneut nach Italien reisen, um uns wegen unserer Kritik am hohen Pestizideinsatz im Südtiroler Apfelanbau vor dem Landesgericht Bozen zu verteidigen. Mittlerweile beschäftigt uns der sogenannte Pestizidprozess damit nun im vierten Jahr. Doch wir sind nur ein Beispiel für eine von vielen Organisationen, die von einer SLAPP-Klage betroffen sind. Europaweit werden jedes Jahr hunderte Menschen vor Gericht gezerrt, weil sie im Interesse der Öffentlichkeit auf Missstände aufmerksam gemacht haben.

SLAPP steht für Strategic Lawsuits against Public Participation: Mit solchen strategischen Einschüchterungsklagen missbrauchen Regierungen, Unternehmen oder auch Einzelpersonen unser Rechtssystem, um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die den Mächtigen auf die Finger schauen. Betroffen sind NGOs, die auf Umweltverschmutzungen hinweisen genauso wie Journalist:innen, die Korruptionsskandale enthüllen oder Gewerkschaftler:innen, die Menschenrechtsverletzungen anprangern.

Doch unsere Demokratie ist auf kritische Berichterstattung und die Möglichkeit, sich angstfrei öffentlich einzubringen, angewiesen. Unterschreiben Sie daher jetzt unseren Appell an die EU-Kommission, SLAPPs in Europa den Riegel vorzuschieben.

Rund 100.000 Menschen aus ganz Europa haben sich bereits unserem Aufruf angeschlossen und von der EU ein wirksames Anti-SLAPP-Gesetz gefordert. Und der Druck zeigt bereits Wirkung: Nachdem sich im November das EU-Parlament mit großer Mehrheit für ein solches Gesetz ausgesprochen hat, erarbeitet die EU-Kommission nun einen Entwurf dafür.

Um herauszufinden, was es braucht, um kritische Stimmen besser vor SLAPPs zu schützen, hat die Kommission eine öffentliche Befragung gestartet, die in wenigen Tagen enden wird. Als Organisation, die selbst mit einer Einschüchterungsklage konfrontiert ist, haben wir uns daran beteiligt. Doch SLAPPs bedrohen nicht nur diejenigen, die direkt betroffen sind, sondern greifen Grundrechte wie Meinungs- und Informationsfreiheit von uns allen an: Deswegen müssen wir den zuständigen Politiker:innen in Brüssel jetzt klar machen: Das Anti-SLAPP-Gesetz muss auf ein breites Fundament gestellt sein und wirklich alle Betroffenen schützen, ganz gleich in welchem EU-Land sie vor Gericht gezerrt werden!

Schon in den nächsten Wochen wollen wir die EU-Kommission mit dieser Forderung und möglichst vielen Unterschriften im Rücken konfrontieren. Bitte stellen Sie sich jetzt an unsere Seite, indem auch Sie unseren Appell unterschreiben.

ENGLISH

The new year starts for us with the prospect of another court appointment: in a few weeks we will have to travel to Italy again to defend ourselves at the Bolzano Regional Court because of our criticism of the high use of pesticides in South Tyrolean apple cultivation. We are now in the fourth year of the so-called pesticide process. But we are just one example of one of many organizations that have been affected by a SLAPP lawsuit. Every year hundreds of people across Europe are dragged to court because they have drawn attention to grievances of public interest.

SLAPP stands for Strategic Lawsuits against Public Participation: With such strategic lawsuits meant to intimidate governments, companies or even individuals, abuse our legal system to silence those who are watching the powerful. Affected are NGOs who point out environmental pollution as well as journalists who expose corruption scandals or trade unionists who denounce human rights violations.

But our democracy depends on critical reporting and the opportunity to contribute publicly without fear. Therefore, please sign our appeal to the EU Commission to put a stop to SLAPPs in Europe.

Around 100,000 people from all over Europe have already joined our call and demanded an effective anti-SLAPP law from the EU. And the pressure is already having an effect: after the EU Parliament voted with a large majority in favor of such a law in November, the EU Commission is now working on a draft text.

To find out what it takes to better protect critical voices from SLAPPs, the Commission has launched a public consultation that will end in a few days. As an organization that has faced an intimidation lawsuit itself, we participated. But SLAPPs not only threaten those who are directly affected, they attack fundamental rights such as freedom of expression and information for all of us: That is why we must now make it clear to the responsible politicians in Brussels: The anti-SLAPP law must be based on a broad foundation, and really protect all those affected, no matter in which EU country they are dragged to court!

We want to confront the EU Commission with this demand, and as many signatures as possible backing it, within the next few weeks. Please stand by our side now and sign our appeal.

Europa wehrt sich gegen die Unterdrückung von Meinungsfreiheit … Europe stands out against the repression of free speech

… The English text follows in one block after the German.

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Anklagen schüchtern uns nicht ein!

Dass Menschen vor Gericht gezerrt werden, weil sie unbequeme Wahrheiten ausgesprochen haben, kennen wir eigentlich aus autoritären Staaten. Doch auch bei uns wird diese Methode, unerwünschte Kritik auszubremsen, unter Unternehmen, Regierungen und mächtigen Einzelpersonen immer beliebter. So werden Gesetze und Gerichte vor den Karren gespannt, um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die im öffentlichen Interesse Missstände anprangern – ein Schlag ins Gesicht sowohl für die Betroffenen als auch für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie selbst.

Auch in Europa hat der Einsatz dieser Einschüchterungsklagen in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Erst kürzlich wurde die französische Pestizidkritikerin Valérie Murat zu Schadensersatzzahlungen von 125.000 Euro verurteilt, weil ihre Veröffentlichung über Pestizidrückstände in Bordeaux-Weinen der mächtigen Wein-Lobby ein Dorn im Auge war. In einem ähnlichen Prozess steht unser Agrarreferent Karl Bär in Südtirol vor Gericht.

Doch nicht nur Menschen, die für eine giftfreie Landwirtschaft kämpfen, sollen mit solchen Klagen eingeschüchtert werden. Auch andere Aktivist:innen sowie Journalist:innen und Wissenschaftler:innen werden immer wieder Opfer sogenannter SLAPPs (strategic lawsuits against public participation). Jetzt haben sich Organisationen aus ganz Europa in der „Coalition against SLAPPs in Europe“ (CASE) zusammengeschlossen, um diesen Angriffen auf die Meinungsfreiheit ein Ende zu setzen. Auch das Umweltinstitut ist dem Bündnis beigetreten, um gegen den Rechtsmissbrauch durch Knebelklagen zu kämpfen und Betroffene zu unterstützen.

Mehr über CASE und unseren europaweiten Kampf gegen SLAPPs lesen Sie in unserer aktuellen Meldung.

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… Accusations don’t intimidate us!

We actually know from authoritarian states that people are dragged to court for speaking out uncomfortable truths. But even here, this method of curbing unwanted criticism is becoming increasingly popular among companies, governments and powerful individuals. Laws and courts are tied up in front of the cart to silence those who denounce grievances in the public interest – a slap in the face for those affected as well as for the rule of law and democracy itself.

In Europe, too, the use of these intimidation suits has increased massively in recent years. Only recently, the French pesticide critic Valérie Murat was sentenced to pay compensation of 125,000 euros because her publication on pesticide residues in Bordeaux wines was a thorn in the side of the powerful wine lobby. Our agricultural officer Karl Bär (German only) is on trial in South Tyrol in a similar process.

But not only people who fight for poison-free agriculture are supposed to be intimidated with such law suits. Other activists as well as journalists and scientists are repeatedly victims of so-called SLAPPs (strategic lawsuits against public participation). Now organizations from all over Europe have come together in the „Coalition against SLAPPs in Europe“ (CASE) to put an end to these attacks on freedom of expression. The environmental institute (Umweltinstitut München)  has also joined the alliance in order to fight the abuse of rights through gag action and to support those affected.

You can read more about CASE and our Europe-wide fight against SLAPPs in our current press release.

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Ja, der Kapitalfaschismus ist global im Vormarsch.

… Yes, fascism of the capital is on the rise globally.