Eine neue Geschichte fand ihren Weg zu mir / … A new story found its way to me

Diese Geschichte „kam“ am letzten Sonntag zu mir, und ich schrieb sie sogleich nieder.

… This story „came“ to me last Sunday, and I wrote it down immediately.

Foto: Pixabay, Stefan Keller

… The English version follows in one block after the German.

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Ratsversammlung

Ba’choh und seine Frau Gaagé lebten im Fort-Apachee-Reservat an einem abgelegenen Ort. Ihr Haus lag nahe der Pinienwälder. Im Juni 2027 wachte Ba’choh eines nachts auf und stellte fest, dass der Platz neben ihm leer war. Wo war seine Frau? Er rief nach ihr, bekam aber keine Antwort. Er durchsuchte das Haus, aber sie war fort. Sein Herz erstarrte, als er sich die schlimmsten Dinge vorstellte, die geschehen sein konnten.

Gegen drei Uhr morgens hörte er Schritte, eilte zurück ins Bett und gab vor zu schlafen. Seine Frau zog sich ruhig aus und legte sich neben ihn. Er war sich sicher, dass sie nicht bemerkt hatte, dass er wach war.

Am Morgen machte sie wie immer Frühstück für ihn und war so freundlich und liebevoll wie immer. Das verwirrte ihn. Wenn sie einen Liebhaber hätte, wäre sie fähig so gekonnt zu schauspielern? Er ließ die Angelegenheit vorerst auf sich beruhen und sprach nicht mit seiner Frau darüber, und es schien, dass es eine einmalige Sache gewesen war. Soweit er es beurteilen konnte, verließ sie das Haus nachts nicht mehr.

Aber einen Monat später geschah es erneut. Diesmal bemerkte er, dass der Mond voll war. Hatte das etwas damit zu tun? Als er zurückdachte, erinnerte er sich daran, dass es auch das letzte Mal Vollmond gewesen war. Wandelte sie im Schlaf? Diesmal ging er nicht wieder ins Bett und konfrontierte seine Frau, als sie zurückkam. „Ich konnte nicht schlafen, also bin ich den Berg hinaufgegangen, der Mond war so schön“, erzählte sie ihm. Ba’choh hielt ihr vor Augen, wie gefährlich es sei, nachts allein durch den Wald zu laufen, während all die Raubtiere umherstreiften, und bat sie, es nicht noch einmal zu tun. Gaagé lächelte ihn nur an und sagte: „Mach dir keine Sorgen, mein Liebster, mir wird nichts geschehen.“ Die Art, wie sie ihn ansah und ihn „mein Liebster“ nannte, beruhigte ihn im Hinblick auf einen möglichen Liebhaber.

Aber er konnte es nicht auf sich beruhen lassen, er war zu sehr um ihre Sicherheit besorgt. Er sprach mit dreien seiner Brüder und bat sie, beim nächsten Vollmond zu ihm nach Hause zu kommen und ihn zu begleiten, wenn er ihr folgte.

Als die Zeit des nächsten Vollmonds kam, waren seine Brüder um Mitternacht bei seinem Haus und sahen, wie Gaagé fortging. Sie mussten Ba’choh wecken und dann folgten sie alle seiner Frau durch die Kiefern den Berg hinauf. Das Mondlicht war so hell, dass sie keine Taschenlampen brauchten. Sie blieben in sicherem Abstand, sodass sie nicht bemerkte, dass sie ihr folgten, aber irgendwann mussten sie sie verfehlt haben und landeten auf einem Hügel an einer steilen Klippe, von wo aus sie auf eine Lichtung zwischen den Kiefern direkt am Bach blickten .

Weit unten spielte sich eine beunruhigende, wenn auch faszinierende Szene ab. Gaagé stand am Bach und wandte den Männern auf der Klippe den Rücken zu. Alle Arten von Tieren zogen auf die Lichtung, zuerst die kleinen, dann die Elche, die Rehe und die Hirsche und schließlich die Raubtiere, die Bären, die Pumas und die Wölfe. Als Ba’choh das sah, machte er Anstalten, den Hügel hinunterzustürmen, aber seine Brüder hielten ihn zurück und flüsterten ihm zu, er solle ruhig bleiben. Wenn er jetzt etwas Unüberlegtes tat, könnte er seine Frau gefährden, und sie sah aus, als wüsste sie, was sie tat.

Als keine Tiere mehr kamen, breitete Gaagé ihre Arme aus. Ba’choh konnte sehen, dass sie den großen Schal trug, den er ihr zu ihrem letzten Geburtstag geschenkt hatte, mit einem wunderschönen Federmuster. Wenn sie ihre Arme so hielt, sah es aus, als würde sie ihre Flügel ausbreiten. Danach passierte nicht viel. Gaagé stand einfach da und die Tiere ruhten auf dem Boden. Niemand außer den Eichhörnchen und den Vögeln bewegte sich, sie können einfach nicht still sitzen, nicht wahr? Die einzigen Geräusche waren das gelegentliche leise Brummen der Bären und Wölfe und ein schüchternes Gezwitscher kleinerer Vögel; alle anderen Tiere, auch die Großkatzen, schwiegen.

Dies dauerte etwa drei Stunden und die vier Männer oben an der Klippe waren wie hypnotisiert. Ba’choh fragte sich, wie seine Frau ihre Arme so viele Stunden lang in dieser Position halten konnte. Sie musste sich in einem Trancezustand befinden, schlussfolgerte er.

Schließlich sah Ba’choh, wie seine Frau mit den Händen wedelte und die kleinen Tiere wie Eichhörnchen, Waschbären, Kaninchen und viele mehr, zusammen mit den Vögeln die Lichtung verließen. Zehn Minuten später erhoben sich Elche, Rehe und Hirsche und machten sich in verschiedene Richtungen auf den Weg. Die Raubtiere warteten noch etwa 20 Minuten, bevor sie ebenfalls in den Wald verschwanden. Gaagé senkte die Arme und drehte sich um, um nach Hause zu gehen. Die vier Männer trafen sie, als sie den Berg hinunterliefen. Sie war überrascht, sie zu sehen, lächelte sie aber an.

Als sie das Haus erreichten, dankte Ba’choh seinen Brüdern für ihre Hilfe und sie machten sich auf den Weg nach Hause. Dann ging er mit Gaagé hinein. Sie lächelte ihn an und sagte ihm, dass er sich keine Sorgen mehr machen müsse, denn heute Abend sei die letzte Ratsversammlung gewesen. „Lass uns jetzt schlafen gehen, und ich werde dir später alles berichten.“

XXX

  Am nächsten Morgen erzählte Gaagé Ba’choh beim Frühstück den Grund für ihre nächtlichen Ausflüge. Fast sechs Monate lang hatte sie einen Ruf aus dem Wald in ihrem Kopf gespürt, der in Vollmondnächten besonders stark gewesen war. Schließlich hatte sie nachgegeben und war den Berg hinauf und auf die Lichtung gegangen, von der der Ruf gekommen war. Das erste Mal hatte sie Angst gehabt, als alle Tiere kamen, aber sie hatten sie besänftigt. Sie kommunizierten telepathisch mit ihr.

„Was in aller Welt wollten sie von dir?“ Fragte Ba’choh seine Frau. „Was können sie von dir wollen?“

„Sie stellten mir Fragen über die Menschen. Alle möglichen Fragen. Wie sie wirklich wären, was ihre Pläne für die Zukunft wären. Sie waren besorgt, weil der Erdgeist erzürnt ist, und wenn der Erdgeist erzürnt ist, wird die Menschheit untergehen. Aber gleichzeitig werden auch die Tier- und Pflanzenreiche betroffen sein. Sie wollten wissen, ob sie etwas tun sollten, um uns Menschen in Schach zu halten, ob sie sich damit retten könnten. Aber was konnte ich ihnen sagen? Natürlich wollte ich nicht, dass sie alle Menschen hassen, es gibt viele gute Leute, aber ich wollte sie auch nicht anlügen. Ich musste ihnen sagen, dass sie immer den kürzesten Strohhalm ziehen würden, egal, was sie taten oder nicht taten, und das ist die Wahrheit.“

Ba’choh sagte seiner Frau, sie solle auf einer UN-Versammlung sprechen und ihre Geschichte erzählen. „Was hat das jemals verändert? Viele Menschen haben auf UN-Versammlungen gesprochen und ihre Warnungen vorgebracht. Indigene Völker aus aller Welt, Gregg Bradon und Bruce Lipton, und was hat sich geändert? Nichts!“ Antwortete sie.

„Aber was sollen wir tun?“ fragte Ba’choh sie.

„Nichts, wir werden unser Leben in Würde und im Einklang mit Mensch und Natur zuende leben, so gut wir können. Dies sind Endzeiten; Die letzte Stunde der Menschheit ist gekommen. Der Planet wird uns wie Ameisen abschütteln, und dann wird alles von vorne beginnen.“

Ba’choh war traurig, aber Gaagé sagte ihm, er brauchte es nicht zu sein, da das Leben woanders weitergehen würde, auf einer anderen Schwingungsebene, zusammen mit den Tieren und Pflanzen, die ebenfalls gehen mussten. Sie standen auf und umarmten sich lange Zeit ganz fest.

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ENGLISH

Council  meeting      

Ba’choh and his wife Gaagé lived at the Fort Apachee reservation in an isolated spot with their house close to the pinewoods. In June 2027, Ba’choh woke up in the middle of one night and found the place beside him empty. Where was his wife? He called out for her but didn’t get any answer. He searched the house, but she was gone. His heart froze when he started to imagine the worst things possible.

At around 3 a.m. he heard steps, hurried back to bed, and pretended to be asleep. His wife calmly undressed and lay down beside him. He was certain that she hadn’t noticed that he was awake.

In the morning, she made his breakfast as always and was as kind and loving to him as she usually was. That confused him. If she had a lover, could she be such an accomplished actress? He left it for the time being and didn’t bring the matter up with his wife, and it seemed that this had been a one-off affair. As far as he could tell, she didn’t leave the house at night anymore.

But, one month later it happened again. This time he noticed that it the moon was full. Did that have anything to do with it? Thinking back, he remembered that last time it had been a full moon as well. Was she walking in her sleep? This time he didn’t go back to bed and confronted his wife when she returned. “I couldn’t sleep, so I walked up the mountain, the moon was so beautiful”, she told him. Ba’choh reminded her how dangerous it was to walk alone in the woods at night with all the predators prowling about and asked her not to do it again. Gaagé just smiled at him and said: “Don’t worry, my love, no harm will come to me”. The way she looked at him and called him ‘my love’ put his mind at ease with regard to a possible lover.

But he couldn’t let it rest, he was too concerned for her safety. He spoke with three of his brothers and asked them to come to his house at the next full moon and accompany him when he followed her.

When the time of the next full moon arrived, his brothers came to his house at midnight and saw Gaagé leave. They had to wake Ba’choh up and then they all followed his wife up the mountain through the pines. The moonlight was so bright that they didn’t need any torches. They stayed at a safe distance so that she didn’t notice them following, but at one point they must have missed her and ended up on top of a hill at a steep cliff, looking down on a clearing among the pines directly at the creek.

Far down there, a disquieting if fascinating scene played out. Gaagé was standing at the creek with her back to the men on the cliff. All kinds of animals were moving into the clearing, first the small ones, then the elk, the moose and the deer, and finally the predators, the bears, the cougars and the wolves. When Ba’choh saw that, he made move to rush down the hill, but his brothers held him back and whispered to him to keep quiet. If he did something rash now, he could endanger his wife, and she looked as if she knew what she was doing.

When no more animals were coming, Gaagé spread out her arms. Ba’choh could see that she wore the large shawl he had given her for her last birthday with a beautiful feather design. When she held her arms like that she looked as if she was spreading her wings. Nothing much happened afterwards. Gaagé just stood there, and the animals were resting on the floor. No one but the squirrels and the birds were moving around; they aren’t able to sit still, are they? The only sounds were the occasional low growls of the bears and the wolves and some shy tweets of small birds; all the other animals, including the big cats, stayed silent.

This went on for about three hours, and the four men up at the cliff were mesmerized. Ba’choh was wondering how his wife could hold her arms in that position for so many hours. She must be in a state of trance, he concluded.

Finally, Ba’choh saw his wife waving her hands, and the small animals, squirrels, raccoons, rabbits, and many more left the clearing together with the birds. Ten minutes later, the moose, elk and deer rose and went on their way in different directions. The predators waited for about 20 minutes more before they as well disappeared into the woods. Gaagé lowered her arms and turned around to go home. The four men met her when they ran down the mountain. She was surprised to see them but smiled at them.

When they reached the house, Ba’choh thanked his brothers for their help, and they left for their homes. Then he went inside with Gaagé. She smiled at him and told him that he need not worry anymore because tonight had been the last council meeting. “Let us go to bed now, and I will tell you everything later.”

XXX

 Next morning at breakfast, Gaagé told Ba’choh the reason for her nightly excursions. For nearly six months she had felt a calling from the woods inside her head, which had been especially strong on full moon nights. Finally, she had given in and walked up the mountain and into the clearing from where the call had been coming. The first time she had been scared when all the animals arrived, but they had appeased her. They communicated with her by telepathy.

“What on earth did they want from you?” Ba’choh asked his wife. “What could they possibly want from you?”

“They asked me questions about human beings. All kinds of questions. What they were really like, what their plans for the future were. They were concerned because the earth spirit is angry, and when the earth spirit is angry, mankind will not prevail. But at the same time the animal and plant realms will be affected. They wanted to know, if they should do something to keep us humans in check, if that would save them. But what could I tell them? Of course, I didn’t want them to hate all humans, there are many good ones among them, but I didn’t want to lie to them either. I had to tell them that they would always draw the shortest straw, whatever they did or not did, and that is the truth.”

Ba’choh told his wife that she should speak at an UN assembly and tell her story. “What did that ever change? Many people have spoken at UN assemblies and presented their warnings. Indigenous people from all over the world, Gregg Bradon and Bruce Lipton, and what has changed? Nothing!” She replied.

“But what are we going to do?” Ba’choh asked her.

“Nothing, we will live our life out in dignity and in harmony with people and nature as good as we can. These are end times; mankind’s last hour has come. The planet will shake us off like ants, and then it will all begin again.”

Ba’choh was sad, but Gaagé told him not to be, as life would go on somewhere else, at another vibrational level together with the animals and the plants that had to leave as well. They got up and hugged each other firmly for a long time.

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Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr seit 1993 verheiratet und in Dänemark lebend. Meine Beiträge erscheinen daher in deutscher Sprache (und nicht in dänischer) und seit 2018 auch in englischer Sprache. … I was born in Germany, have been married with a Dane since 1993 and are living in Denmark. Therefore, my posts are published in German (and not in Danish) and since 2018 in English as well.

15 Gedanken zu „Eine neue Geschichte fand ihren Weg zu mir / … A new story found its way to me“

  1. I have stayed in that area many times. One time I stayed at my Father’s mobile home for several weeks. A young Apache ‘befriended’ and we fished together in the pines. There is quite the protest going on right now because the Government agreed to trade some of the Apache sacred lands to a mining concern who will strip the land for copper. You can research this, the land is called Oak Flat. I have signed petitions and written my congressmen, but the land swap is moving forward. A sad moment for Apaches and naturalist supporters alike. Which makes your tale all the more sad. But, I appreciate you sharing!

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    1. I have read about this and had planned to write a post about it on Facebook and also here, but the interest in Native Americans is scaringly little. My stories about the reservations got 0 likes on Facebook and not many on WordPress. It is sad. Some have this attitude „they are rich now with their casinos“. Maybe the casinos keep them afloat, but rich? They sustain the entire tribe with it. They had to struggle, and still have, so hard. Now they finally have a small advantage to keep them alive, and, of course, the white are envying them. That is so irrational. And, as in Fort Apache, the land grabbing continues as soon as something valuable is found in the reservation. I am surprised that they didn’t want to snatch the gas from the Mescalero.
      I was supposed to write my story in that setting, even if that might sound strange.

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  2. Auch eine Ansichtssache der 5 Dimension. Katastrophen werden mit Sicherheit kommen, irgendwie absehbar..Ob es für uns eine wirkliche Katastrophe wird oder ob sich eine Parallel Welt anbiete, ich weiß es nicht.Wur haben wirklich einige zerstörerische Individuen unter uns und noch viele , wie auch mich, die noch verbesserungs bedürftig sind. Mittlerweile ist sogar die Esoterik mit korrupten Menschen unterwandert.Jeder ( nicht alle) versuchen aus der Situation noch was raus zu holen.Schon interessant.

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      1. Gefühlt denke ich, bist Du doch gar nicht so weit weg von der Realität. Gefühlt denke auch ich, dass sie sich schüttelt. Eigentlich traurig, so viel Gehirn und so wenig Genie

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  3. Thanks for your great story.
    This narrative must be the story you mentioned in your comment on my blog. There is indeed a similarity with my poem. I believe this is because many people, at least subconsciously, see the end approaching. People live in a wasteful way that is impossible to continue. Nature must eliminate humans and their irrational life course, or humans will destroy nature.

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