Kann ein Besuch beim Ohrenarzt unterhaltend sein? … Can a visit at an otologist be entertaining?

Foto: Pixabay

… The English text follows in one block after the German.

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Unter all der Krankenhausaufregung mit meinem Mann letzten Sommer, musste ich selber auch zum Arzt wegen eines Klumpens im Ohrläppchen. Erst war ich bei meiner Hausärztin, die mich umgehend zum Ohrenarzt schickte. Das war an einem Freitag. Am Montag darauf rief ich alle möglichen Ärzte in Aalborg an und kam schliesslich bei einem durch. Man stelle sich vor: ich bekam noch am selben Tag einen Termin … das hätte mich stutzig machen sollen, denn bei allen anderen waren zwischen 6 und 15 Wochen Wartezeit.

Ich kam dorthin, der Arzt ein Mitt- oder Enddreissiger, sonnengebräunt. Er schaute mein Ohrläppchen an, gnubbelte ein wenig und sagte: das ist ein Atherom, eine Talgansammlung. Ich war imponiert, dass er das so diagnostizieren konnte mit Gucken und Gnubbeln. Er fasste das aber als Zweifel auf und erzählte mir, dass er so etwas viermal in der Woche hätte. Das könnte man wegschneiden, würde er aber nicht machen, da das eine Narbe hinterliesse. Ich wollte anführen, dass es mich zeitweise genierte, wurde aber unterbrochen mit der patzigen (ja, patzig) Bemerkung, dass das käme weil ich zu viel daran herumfummeln würde. Der Mann kennt mich nicht, weiss also überhaupt nicht, wie gross meine Fummelneigung ist. Dann wiederholte er noch einmal das mit der Narbe. Ich habe eine grosse Narbe von einem Blutschwamm mehr oder weniger mitten im Gesicht. Eine kleine Narbe am Ohrläppchen würde mich nun nicht weiter schockieren, aber ich hatte begriffen, er wollte nicht.

Dann fragte ich ihn, ob er Ohrenwachs entferne, eine einfache Ja-Nein-Frage, denn nicht alle Ohrenärzte machen das. Anstelle eines Neins bekam ich einen Vortrag darüber, dass er seine teure Spezialarztausbildung nicht gemacht hätte, um Ohren zu reinigen. Damit könnte man zum Allgemeinmediziner gehen oder es selber zu Hause machen. Ich wollte dann erwähnen, dass ich die Gebrauchsanweisungen der Ohrenpräparate verwirrend finde, wurde aber wieder unterbrochen mit einer ebenso patzigen Bemerkung, dass das alles sehr gut erklärt wäre.

Dann fing er auf einmal an, meine Ohren zu reinigen. Öh, und seine teure Spezialarztausbildung??? Jedenfalls wurde er grob. Ich weiss nicht, was er gemacht hat, aber er zog und es schmerzte so sehr, dass ich aufschrie und mein Arm hochfuhr und ihm fast sein Instrument aus der Hand schlug. Dafür entschuldigte ich mich bei ihm. Irgendwie hatte meine Reaktion ihn schockiert, denn auf der anderen Seite war er dann vorsichtig. Warum hat er das überhaupt gemacht? Er wollte das doch gar nicht und dann war er irritiert und tat mir weh.

Dann bekam ich noch einen Vortrag darüber, wie schrecklich Q-Tips wären und er verstünde gar nicht, warum überhaupt jemand die benutzte, weil man das Ohrenwachs damit im Ohr feststampfte. Man sollte dieses Öl aus der Apotheke benutzen und dann das Ohr ausspülen. Ich wollte wieder etwas sagen und wurde wieder unterbrochen, weil ich ja anscheinend nur Unsinn von mir gebe, und gab dann auf. Meine Generation ist mit Q-Tips aufgewachsen. Und viele Ohrenärzte sind sich nicht zu fein zum Ohrenreinigen und akzeptieren, dass man einmal im Jahr dafür vorbeikommt.

Der Klumpen ist dann ziemlich gewachsen und wurde Ende Oktober von einem anderen Arzt herausgeschnitten. Ich hatte keine Lust, noch einmal zu dem ersten zu gehen. Ich bin selten (nur zweimal vorher) von einem Arzt so herablassend und respektlos behandelt worden. Aber irgendwie war es so extrem, dass es dann schon wieder lustig war.

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ENGLISH

Amid all the hospital excitement with my husband last summer, I also had to see the doctor myself for a lump in my earlobe. First I went to my family doctor, who immediately sent me to an ear specialist. That was on a Friday. The following Monday I called all sorts of doctors in Aalborg and finally got through to one. Just imagine: I got an appointment the same day … that should have made me suspicious, because everyone else had to wait between 6 and 15 weeks.

I got there, the doctor in his mid to late 30s, suntanned. He looked at my earlobe, fingered it a little and said: It’s an atheroma, a build-up of sebum. I was impressed that he could diagnose it like that by looking and fingering. But he took that as criticism and told me that he had something like this four times a week. You could cut it out, but he wouldn’t do it because it would leave a scar. I was about to state that I was bothered by it at times, but was cut off with the snotty (yes, snotty) comment that it was because I was fiddling with it too much. The man doesn’t know me, so he doesn’t know at all how great my tendency to fiddle is. Then he repeated the scar again. I have a big scar from a heamangioma more or less in the middle of my face. A small scar on the earlobe wouldn’t shock me, but I understood, he didn’t want to do it.

I then asked him if he removed earwax, a simple yes-no question because not all ear doctors do it. Instead of answering no, I got a lecture about how he didn’t do his expensive specialist training to clean ears. You could go to the general practitioner with this, or you could do it yourself at home. I then wanted to mention that I found the instructions for use of the ear preparations confusing but was interrupted again with an equally snotty remark that it was all explained very well.

Then he suddenly started cleaning my ears. Ahem, what about his expensive specialist training??? Anyway, he got rough. I don’t know what he did, but he pulled and it hurt so bad I cried out and my arm flew up almost knocking his instrument out of his hand. I apologized to him for that. Somehow my reaction had shocked him, because on the other side he was more cautious. Why did he even do that? He didn’t want to do it at all and then he got irritated and hurt me.

Then I got another lecture about how horrible Q-Tips were and he couldn’t understand why anyone would even use them because they tamped the earwax in their ears. One should use this oil from the pharmacy and then rinse the ear. I wanted to say something again and was interrupted again because I seem to be spouting nonsense, and then I gave up. My generation grew up with Q-Tips. And many ear doctors are not above cleaning wax from ears and accept that you come by once a year.

The lump then grew quite a bit and was cut out by another doctor at the end of October. I didn’t want to go back to the first one. I have rarely (only twice before) been treated so condescendingly and disrespectfully by a doctor. But somehow it was so extreme that it was funny.

Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr seit 1993 verheiratet und in Dänemark lebend. Meine Beiträge erscheinen daher in deutscher Sprache (und nicht in dänischer) und seit 2018 auch in englischer Sprache. … I was born in Germany, have been married with a Dane since 1993 and are living in Denmark. Therefore, my posts are published in German (and not in Danish) and since 2018 in English as well.

7 Gedanken zu „Kann ein Besuch beim Ohrenarzt unterhaltend sein? … Can a visit at an otologist be entertaining?“

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