Der Rassismus zeigt sein hässliches Antlitz ungeniert … Racism shows its ugly face unabashed

Foto: Gerd Altmann – Pixabay

Ich habe am Wochenende unsere Staatsministerin bei einer Pressekonferenz gehört: Liebe Ukrainer, ihr seid alle willkommen, wir sorgen für gratis Transport, Arbeitserlaubnis und Arbeitsplatz, so dass ihr alle schnell integriert werdet. Ich finde das ja toll für die ukrainischen Flüchtlinge, und ich gönne es ihnen wirklich.

Aber wie steht es mit den anderen Flüchtlingen, die im Moment in den Asylzentren herumsitzen? Die aus Syrien, Afghanistan und afrikanischen Ländern? In den letzten Jahren haben die Politiker in Dänemark alles daran gesetzt, dass es schwerer und schwerer wird, in Dänemark integriert zu werden. Man hat sogar die Sprachkurse reduziert, obwohl ein Abschluss in Dänisch Bedingung für den Antrag auf Staatbürgerschaft ist. Ferner wurde eine Prüfung mit 40 Fragen eingeführt, die viele Dänen selber nicht einmal zufriedenstellend beantworten können. Kinder von syrischen Eltern, die in Dänemark geboren wurden und dänische Staatsbürger sind, wollte man nicht einmal aus Syrien zurückholen mit der Begründung sie hätten ja nicht nach Syrien reisen brauchen. Kinder gehen normalerweise dorthin, wo ihre Eltern hingehen, was können die Kinder dafür, dass ihre Eltern Syrien wählten. Die Kinder sind sicherlich nicht dazu gefragt worden.

Bevor Corona einsetzte war es so weit gekommen, dass man Leute, die mit ihren Booten Flüchtlinge retteten und an Land brachten, inhaftierte und ihre Boote beschlagnahmte. Ja, man hat sogar von Fällen gehört, wo auf die Schlauchboote geschossen wurde. Diejenigen, die es in die dänischen Asylzentren geschafft haben, müssen sich jetzt erst recht wie Menschen zweiter Klasse fühlen, wenn sie mitansehen müssen, wie die  ukrainischen Flüchtlinge empfangen werden. Unsere Staatsministerin kam mit der klugen Aussage, dass allen Flüchtlingen geholfen werden muss, aber man sollte das in der näheren Umgebung hantieren, also den jeweilig umliegenden Ländern. Dieses Argument ist neu, und wir werden es in den nächsten Wochen und Monaten sicher noch öfter hören.

Ehemalige Integrationsministerin Inger Støjberg, die jetzt ihre 6 Monate Gefängnisstrafe zuhause mit einem Metallring am Fussgelenk absitzt, meinte dazu: „Keiner will das hören, aber der Grund dafür ist, das die Ukrainer uns ähnlicher und hauptsächlich Christen sind.“ Ich denke, dass die gute Inger hier den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Sie gibt wenigstens zu, dass sie so denkt.

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ENGLISH

I heard our Minister of State at a press conference over the weekend: Dear Ukrainians, you are all welcome, we provide free transport, work permits and a workplace so that everyone is quickly integrated. I think that’s great for the Ukrainian refugees, and I really don’t begrudge them.

But, what about the other refugees who are currently sitting around in the asylum centers? Those from Syria, Afghanistan and African countries? In recent years politicians in Denmark have done everything to make it harder and harder to be integrated in Denmark. Language courses have even been reduced, although a degree in Danish is a condition for applying for citizenship. A 40-question test was also introduced, which many Danes cannot even answer satisfactorily themselves. One did not even want to bring children of Syrian parents who were born in Denmark and have Danish citizenship back from Syria on the grounds that they did not have to travel to Syria, did they. Children usually go where their parents go, it is not their fault that their parents chose Syria. The children were certainly not asked for their opinion about this.

Before Corona set in, it had gotten to the point where people who rescued refugees with their boats and brought them ashore were arrested and their boats confiscated. Yes, one even heard of cases where the inflatable boats were shot at. Those who made it into the Danish asylum centers must now feel even more like second-class human beings, when watching how the Ukrainian refugees are being received. Our Minister of State came with the wise statement that all refugees must be helped, but that should be organized in the immediate vicinity, i.e. in the respective surrounding countries. This argument is new, and we will certainly hear it more often in the coming weeks and months.

Former integration minister Inger Støjberg, who is now serving her 6-month prison sentence at home with a metal ring on her ankle, said: „No one wants to hear that, but the reason is that Ukrainians are more like us and mainly Christian.“ I think that good old Inger hit the nail on the head here. At least she admits that she thinks that way.

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Ich finde es ja gut, dass man auf einmal Flüchtlinge so herzlich empfängt, aber könnte man nicht Flüchtlinge von anderen Kontinenten genauso behandeln? 

… I am all for receiving refugees all of a sudden in this hearty manner, but could we not treat refugees from other continents the same way? 

Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr seit 1993 verheiratet und in Dänemark lebend. Meine Beiträge erscheinen daher in deutscher Sprache (und nicht in dänischer) und seit 2018 auch in englischer Sprache. … I was born in Germany, have been married with a Dane since 1993 and are living in Denmark. Therefore, my posts are published in German (and not in Danish) and since 2018 in English as well.

9 Gedanken zu „Der Rassismus zeigt sein hässliches Antlitz ungeniert … Racism shows its ugly face unabashed“

  1. Moin Stella.
    Was du schreibst, das höre, lese ich hier auch in diversen Medien.
    Meine Wahrnehmung, subjektiv und genährt durch die Initiative der Lübecker Flüchtlingshilfe, ist hingegen, dass jeder Flüchtling gleich als Mensch behandelt wird und die Herkunft keine Rolle spielt. Vielleicht ist es nur ein Wunsch, dass das überall so wäre?
    Grüße aus Ostholstein!

    Gefällt 1 Person

    1. Nun, hier ist es jedenfalls nicht so. Als die Syrer über die Grenze gewandert kamen, hat Dänemark ja ganz gezielt „Werbung“ betrieben, dass es sich nicht lohnen würde, nach Dänemark zu kommen, denn dort würden sie wie Dreck behandelt werden (natürlich nicht so formuliert). Das wirkte, und alle wollten weiter nach Schweden. Es ist seltsam, in Dänemark ist die Regierung weniger fremdenfreundlich als die eigentlich Bevölkerung, und in Schweden ist es umgekehrt.

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