Der Mann aus Teheran … The Man from Tehran

CoverDeutsch

Der Mann aus Teheran

Freitag,  10. Februar 2006

Flughafen Kopenhagen, 17.15 Uhr

Akhmahel atmete erleichtert auf. Anscheinend hatte niemand den Vorfall am Flugsteig bemerkt und er trat unbemerkt wieder in den Gang. Er begann den langen Weg zu Fuß zurück zur Halle. Er wollte so weit wie möglich weg sein, wenn die bewusstlose Frau gefunden wurde. Er konnte Sadou nicht mehr entdecken, wollte ihn aber nicht suchen gehen. Die Aktion war vorbei. Von jetzt ab musste jeder für sich selbst sorgen. Ein paar Meter weiter strömten eine Menge Leute in den Gang. Dort musste gerade ein Flugzeug gelandet sein und alle Passagiere waren auf dem Weg nach draußen. Merkwürdig, dachte er, ich hätte erwartet, dass man im Moment alle ankommenden Flüge zu anderen Flughäfen umleiten würde. Aber vielleicht meinte das Schicksal es gut mit ihm. Er beeilte sich und mischte sich unter die anderen Reisenden. Jetzt war er nur einer von vielen Passagieren auf ihrem Weg zur Ankunftshalle.
– Das war das Schlimmste, was ich jemals mitgemacht habe, sagte ein Mann, der vor Akhmahel ging, zu seinem Nachbarn. Ich habe vor Angst fast in die Hosen gepisst. Glaubst du, dass wir was zu wissen bekommen? Akhmahel verstand auf einmal, wer diese Leute waren. Er blickte zu den anderen Passagieren. Dort, nur zehn Schritte vor ihm, ging der amerikanische Botschafter aus Stockholm mit seinen Sicherheitsbeamten und sprach mit dem dänischen Außenminister. Er sah sich um und bemerkte eine Gruppe Afro-Amerikaner, die fast alle einen Kopf über die anderen Passagiere hinausragten.
– Empörend, sowas, sagte eine Stimme zu Akhmahel auf Englisch. Solche Dinge sollten hier in Skandinavien nicht passieren oder?
– Nein, ich bin wirklich entrüstet, antwortete Akhmahel und schüttelte missbilligend den Kopf. Dann richteten sich die Blicke aller auf ein Team Kommandosoldaten in dunkelgrauen Uniformen mit automatischen Gewehren in den Händen. Die Soldaten liefen an ihnen vorbei in die entgegengesetzte Richtung. Akhmahel konnte sich vorstellen, wohin sie auf dem Weg waren.
– Was zum Teufel ist denn nun wieder los? fragte derselbe Mann Akhmahel.
– Ja, das sieht ernst aus, sagte Akhmahel und ging etwas langsamer, um Abstand von seinem redseligen Nebenmann zu bekommen. Einen Moment später kam ihnen ein großer Trupp Polizisten in Kampfausrüstung entgegen. Der Anführer des Trupps ging zum dänischen Außenminister und wechselte einige Worte mit ihm. Unmittelbar danach gab er den anderen Polizisten Befehle, die Akhmahel nicht verstand, die aber dazu führten, dass die Polizei einen schützenden Ring um die Passagiere von Flug SK779 bildeten. Sie gingen alle zusammen in Richtung Ausgang. Genial, dachte Akhmahel, gerade eben noch hat man mich als Terrorist verfolgt und jetzt stehe ich unter Polizeischutz. Er lächelte, als er sich daran erinnerte, dass der BMW immer noch in der Tiefgarage stand. Gut, dass er den Schlüssel und den Parkschein nicht weggeworfen hatte. Sie hatten fast das Ende des Gangs erreicht, als zwei Männer mit einer fahrbaren Krankentrage zwischen sich an der Gruppe vorbeiliefen. Ob sie wohl überlebt? dachte er. Er hatte ihr nicht das Genick gebrochen, da war er sich sicher. Frauen waren heutzutage schließlich stärker als man allgemein annahm. Aber er war ziemlich sicher, dass er für eine schwere Gehirnerschütterung gesorgt hatte. Sie hatten inzwischen die Halle erreicht. Ein großer schwarzer Mann in Camouflage-Anzug stampfte an ihnen vorbei. Akhmahel folgte dem Mann mit den Augen. Ohne Zweifel war er auf dem Weg zu derselben Stelle wie die Kampfsoldaten und die Männer mit der Bahre. Er war froh, dass es nicht der schwarze Mann gewesen war, den er vor dem Waschraum getroffen hatte, denn dann wäre vielleicht alles ganz anders ausgegangen.

Rolf ging unruhig in der mobilen Kommandozentrale hin und her. Schließlich kam eine Durchsage über den Lautsprecher: Zebra-Basis, Charly-09 hier, bitte kommen, sagte die Stimme des Anführers mit Knistern im Hintergrund.
– Bitte kommen, Charly-09, sagte Rolf. Sagen Sie mir bloß, dass sie am Leben ist.
– Ja, Sir, sagte Charly-09, ist sie. Sie wird sich berappeln. Sie kommt gerade langsam wieder zu Bewusstsein, spricht ein wenig konfus. Aber wo bleibt die Trage ab?
– Sie wird gleich bei Ihnen sein, sagte Rolf. Sorgen Sie dafür, dass jemand bei ihr bleibt. Und schicken sie Leute aus, um den Kerl zu finden, der sie niedergeschlagen hat.
– Würde ich ja gerne, aber wie sieht er aus? fragte Charly-09.
– Ach, zum Teufel! rief Rolf. Eine gute Frage. Die einzige Person, die ihn identifizieren könnte, liegt vor Ihnen auf dem Boden. Aber etwas kann ich Ihnen geben. Ich meine, er ist ein großer Mann, ungefähr einen Meter und achtzig. Er hat dunkle kurze Haare und einen buschigen Schnurrbart. Er trägt eine helle Windjacke. Mehr habe ich leider nicht.
– Verstanden, Sir, sagte Charly-09, aber mit dieser Beschreibung können wir etwa jeden zehnten Reisenden anhalten. Ich verspreche Ihnen, dass wir tun was wir können, Ende.

Die Passagiergruppe von Flug SK779 begann sich aufzulösen. Der Botschafter, der Minister und die Sportler wurden von CIA-Agenten und der dänischen Polizei weggeführt. Unter den übrigen Passagieren machte sich eine allgemeine Verwirrung breit. Was sollten sie jetzt tun? Würde es bald einen neuen Abgang nach Budapest geben? Einige verlangten sogar nach psychologischer Krisenberatung. Die Leute stellten Fragen an die wenigen verbliebenen Polizisten, die selbst auch immer verwirrter und ungeduldiger wurden, weil sie nicht in der Lage waren, die Fragen zu beantworten. Akhmahel benutzte die Verwirrung und ging die Treppe hinunter zur Gepäckausgabe. Von dort ging er zielgerichtet weiter, ohne ein einziges Mal zur Seite zu blicken. Am Ausgang hing eine rotes und ein grünes Schild. Das grüne Schild gab bekannt, dass Reisende aus anderen EU-Ländern diesen Weg nehmen sollten. Akhmahel wählte den grünen Weg zum Ausgang. Ungefähr ein Dutzend Menschen gingen durch den grünen Ausgang, aber es schien sich niemand für sie zu interessieren. Akhmahel fühlte, wie sich Erleichterung in seinem Körper ausbreitete.

– Dürfte ich sehen, was Sie in Ihrem Handgepäck haben? sagte plötzlich eine Stimme zu ihm in englischer Sprache, als er halbwegs hindurch war und bereits die Ankunftshalle sehen konnte. Der Mann, der ihn angesprochen hatte, war Zollbeamter und war wie aus dem Nichts aufgetaucht. Akhmahel war einen Augenblick lang verwirrt.
– Ja, natürlich, antwortete er dann. Er stellte den Aktenkoffer auf den Tisch vor den Zollbeamten und öffnete ihn. Es wurde ihm plötzlich ganz heiß. Er hatte völlig vergessen, was sich in seinem Koffer befand. Jetzt lagen die Pläne für den Angriff auf den Flughafen und die zwei Briefe von Osama bin Laden offen vor dem Zollbeamten. Akhmahel ärgerte sich darüber, dass er die Pistole nicht behalten hatte, aber daran konnte er jetzt nichts mehr ändern. Er konnte nur noch die Daumen drücken. Der Zollbeamte nahm die Papiere in die Hand, um zu sehen, was sich darunter befand. Da war offensichtlich nichts, und er legte die Papiere wieder in den Koffer. Der Zollbeamte wollte den Koffer gerade wieder schließen, als sein Blick auf die Zeichnung des Flughafens fiel. Er kniff die Augen zusammen, nahm die Zeichnung in die Hand und betrachtete sie eingehend. Sämtliche handschriftlichen Anmerkungen und Namen waren auf Arabisch, was der Zollbeamte offensichtlich nicht verstand. Er war auch nicht sicher, was die Zeichnung eigentlich darstellte, sein sechster Sinn hatte ihn gewarnt.

Mehr Passagiere waren in den Ausgang gekommen, wollten hindurch und begannen zu drängeln. Da verlor der Zollbeamte das Interesse an der Zeichnung. Er legte sie in den Koffer zurück.
– Mit welchem Flugzeug sind Sie angereist? fragte er, als er den Koffer schloss.
– Ich wollte eigentlich abreisen, antwortete Akhmahel erleichtert. Ich wollte mit KLM nach Amsterdam fliegen, aber niemand kann mir etwas darüber sagen, wann der Flugverkehr wieder aufgenommen wird. Ich werde daher meine Abreise auf morgen verschieben. Der Zöllner nickte abwesend, denn seine Aufmerksamkeit war bereits auf die anderen Reisenden gerichtet. Dann schaute er Akhmahel wieder an.
– Ja, heute war ein ziemlich ungewöhnlicher Tag für den Kopenhagener Flughafen, sagte er. Morgen werden Sie wahrscheinlich mehr Glück mit Ihrer Abreise haben. Der Zollbeamte wandte sich weg. Akhmahel nahm seinen Aktenkoffer und ging erleichtert in die Ankunftshalle. Jetzt musste er nur noch für das Parkhaus bezahlen und dann das Auto holen. Fünfzehn Minuten später fuhr ein dunkelblauer BMW 325i, mit deutschem Kennzeichen aus der Tiefgarage von Terminal 3. Einen Moment später war er in dem dichten Nachmittagsverkehr verschwunden.

Man hatte Sadou in die mobile Kommandozentrale vor dem großen Hangar gebracht. Dort herrschte Geschäftigkeit wie in einem Bienenstock.

CIA-Agent Pete Holmes hielt Sadou eisern fest, wusste aber nicht, was er mit ihm anstellen sollte. Rolf kam auf sie zu.
– Was machen wir mit ihm hier? fragte Holmes.
– Ach, da ist er. Gute Arbeit, sagte Rolf. Nun müssen wir herausfinden, ob er etwas weiß. Setzen Sie ihn dort hin, bis Tom Pettersson zurückkommt. Er deutete auf einen Stuhl am anderen Ende des Wagens. Und halten Sie ein Auge auf ihn. Sadou war zunehmend darüber irritiert, wie ein lebloses Objekt behandelt zu werden und beschloss, sich bemerkbar zu machen.
– Hören Sie, was soll das hier bedeuten? fragte er ärgerlich. Welches Recht haben Sie, mich hier gegen meinen Willen zurückzuhalten? Wofür bin ich angeklagt? Pete schob ihn unsanft in Richtung des Stuhls.
– Du hältst den Mund und tust, was man dir sagt, verstanden? knurrte er Sadou an. In diesem Moment trat Antonsen in die Tür. Er sah sich um und sein Auge fiel auf Pete, der Sadou noch fest im Griff hatte. Er runzelte die Augenbrauen und fragte:
– Was macht ihr denn hier, wer ist der Gefangene? Rolf ging auf ihn zu.
– Wir haben ihn oben im zollfreien Bereich gefangen, antwortete er. Er hat Lisbeth beschattet.
– Ich protestiere! schrie Sadou fast. Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Ich bin französischer Staatsbürger und habe ein Ticket für einen KLM-Flug nach Amsterdam. Ich muss darauf bestehen, dass Sie mich sofort freilassen oder Sie informieren mich darüber, was man mir vorwirft. Gegebenenfalls wünsche ich mit einem Anwalt zu sprechen.
– Was liegt konkret gegen ihn vor? Fragte Antonsen.
– Wir glauben, dass er direkt an diesem Schlamassel beteiligt ist, sagte Rolf. Wir wollen ihn gleich näher befragen.
– Aber er behauptet doch, dass er französischer Staatsbürger ist, argumentierte Antonsen. Wenn nichts Konkretes gegen ihn vorliegt, dann müsst ihr die Polizei mit ihm reden lassen. Dann werden wir untersuchen, ob er der ist, für den er sich ausgibt. Wenn ja, dann müssen wir ihn gehen lassen. Es tut mir leid, meine Herren, aber wir spielen nach den Regeln hier in diesem Land. Im gleichen Moment kam Tom herein.
– Lisbeth geht es den Umständen nach gut, sagte er. Sie ist jetzt auf dem Weg zum … Er nahm einen Zettel aus der Tasche und las:
– Rigshospital, heißt das Krankenhaus. Der große Kerl vom Raketenangriff ist auch auf dem Weg dorthin, aber es ist zweifelhaft, ob er überleben wird. Auf dem Weg zurück hierher habe ich Jørgen in der Abflughalle getroffen. Williams hat anscheinend nicht überlebt. Jørgen fand das hier in seiner Hand.

Er nahm ein angegilbtes Stück Papier aus der Tasche und reichte es Rolf.
– Es scheint eine Liste mit Namen zu sein, fuhr er fort. Hast du eine Ahnung, worum es sich handelt? Rolf sah die Liste eingehend an und schüttelte dann den Kopf.
– Nein, unmittelbar sagt mir das nichts, antwortete er schließlich. Ich sehe es mir später an. Antonsen räusperte sich.
– Ich nehme den Gefangenen mit rüber zu unserem Auto, sagte er, nahm Sadou am Arm und zog ihn mit sich. Tom sah Rolf an als sich die Tür hinter Antonsen und Sadou geschlossen hatte.
– Worum ging das denn? fragte er.
– Der Mann hat Lisbeth beschattet. Da ist nur das kleine Problem, dass wir nichts Konkretes gegen ihn haben. Antonsen hat darauf bestanden, mit ihm zu sprechen.
– Ich verstehe, sagte Tom. Wir bekommen mit anderen Worten nicht die Gelegenheit zu einem kleinen Privatgespräch.
– Nein, sieht nicht so aus, sagte Rolf. Aber ich werde Jørgen bitten, ihm zu folgen, wenn die Polizei mit ihm fertig ist, nur als Vorsichtsmaßnahme. Jetzt müssen wir zusehen, wie wir die Angelegenheit hier abschließen. Durchsucht den Flughafen in den nächsten zwei Stunden nach dem Mann, der auf Lisbeth geschossen hat. Oder besser gesagt, der nicht auf Lisbeth geschossen hat. Wenn wir ihn in der Zeit nicht finden, dann müssen wir aufgeben. Der Flughafen muss unbedingt wieder geöffnet werden. Der Fall ist jetzt in den Händen der Polizei. Sie müssen gegen den Mann ermitteln, wie sie es für richtig halten.
– Die Suche auf dem Flughafen ist in vollem Gange, sagte Tom. Aber ich bezweifle, dass es etwas nützen wird. Ich gebe ihnen noch zwei Stunden, wie du sagst, dann rufe ich die Jungs zurück. Wir sehen uns später. Tom verließ die Kommandozentrale und Rolf funkte Jørgen an.

Karlslunde, 18.55 Uhr

Ein dunkelblauer BMW 325i verließ die große Shell-Tankstelle auf der Autobahn südlich von Kopenhagen. Jetzt war genug Benzin im Auto, dachte Akhmahel. Er konnte weit nach Deutschland hinein fahren, bevor er wieder tanken musste. Er beschloss, einen anderen Weg aus Dänemark heraus zu nehmen, als er gekommen war. Er wurde mit Sicherheit polizeilich gesucht, und obwohl man keine Beschreibung von ihm hatte, wollte er kein Risiko eingehen. Es konnte sich vielleicht doch jemand an ihn erinnern. Auf einer Straßenkarte über Dänemark, die er im Auto liegen hatte, konnte er sehen, dass es anscheinend eine Brücke gab, die von der Insel, auf der er sich befand auf und über eine kleinere Insel weiter westlich führte. Vermutlich brauchte er das Auto überhaupt nicht zu verlassen, wenn er die Route fuhr. Er konnte in weniger als drei Stunden in Deutschland sein. Es war an der Zeit, einen Ort zu finden, wo er seine Wunden lecken konnte. Die Schlacht war unleugbar verloren, aber der Krieg würde lange dauern … und konnte immer noch gewonnen werden.

 

* * *

Epilog

Sonnabend, 11. Februar 2006

Marriott Hotel, Kopenhagen, 09.55 Uhr

Sadou lag auf dem Bett in seinem Zimmer im Marriott Hotel. Das Gespräch mit den Polizisten war relativ reibungslos verlaufen. Er hatte seinen Pass und seine Bordkarte gezeigt und hatte auf die Fragen des Polizisten geantwortet. Diese Situation hatten sie im Sommerhaus geübt. Nach dem Gespräch hatten sie ihn zum Flughafen zurückgebracht und sich sogar für die Unannehmlichkeiten bei ihm entschuldigt. Er hatte den Flughafen ohne weitere Schwierigkeiten verlassen und sich ein Taxi genommen. Er hatte den Fahrer gebeten, ihm ein gutes Hotel zu empfehlen, und nun befand er sich hier in einen modernen Hotel mit Blick auf den Hafen. Er war im Grunde stolz auf sich. Er hatte wirklich gute Arbeit geleistet. Zugegeben, der Angriff war gescheitert, aber das konnte man nicht ihm anlasten. Wahil hatte die Rakete zu früh abgefeuert, deshalb war der Angriff gescheitert. Aber es gab einen sehr guten Grund dafür, dass Wahil so gehandelt hatte, und Sadou wusste warum. Es war wirklich sehr lehrreich gewesen, in dem Kommando-Fahrzeug zu sitzen, das die Schweine am Flughafen stehen hatten. Sadou wusste jetzt eine ganze Menge, und dieses Wissen musste genutzt werden. Der Mann, auf den er im Waschraum geschossen hatte, hieß offenbar Williams und gehörte zur CIA. Man vermutete, dass er während des Transports in die Notaufnahme gestorben war. Akhmahel hatte anscheinend die Frau erwischt, die ihm gefolgt war, aber er hatte sie nicht getötet, als er die Gelegenheit hatte. Sadou konnte das nicht verstehen. Sie war ein Feind. Sie waren, zum Teufel, im Krieg! Da hatte sich ganz klar eine Charakterschwäche bei Akhmahel gezeigt, dachte Sadou. Töten oder getötet werden, das war die einzige Regel, die im Krieg galt. Man hatte sie in ein Krankenhaus mit Namen „Rigshospitalet“ gebracht. Er hatte sich den Namen genau gemerkt. Er beschloss, Akhmahels Arbeit zu Ende zu bringen. Die Frau musste sterben. Er hatte lange an die Decke gestarrt und sich gefragt, wie er vorgehen sollte. Dann begann ein Plan langsam in seinem Kopf Gestalt anzunehmen, und kurz darauf wusste er genau, wie er es machen würde. Er hatte keine Zeit, sich eine Pistole zu beschaffen, aber er würde ein großes Messer kaufen und eine Schachtel Pralinen.

Jørgen saß auf einem Sofa im Foyer des Marriott Hotels und gab vor, die Zeitung von gestern zu lesen. Rolf hatte ihn gebeten, einen der beiden Männer zu beschatten, die höchstwahrscheinlich bei dem Angriff im Waschraum beteiligt gewesen waren. Der Mann hatte sich am frühen Abend ein Zimmer in dem Hotel genommen, und Jørgen hatte das Gleiche getan. Er war um sechs Uhr aufgestanden und hatte sich mit seiner Zeitung ins Foyer gesetzt. Jetzt musste er nur warten. Er konnte natürlich nicht sicher sein, dass der Mann noch im Hotel war. Er konnte es während der Nacht verlassen haben, aber Jørgen bezweifelte das. Von dort, wo er saß, konnte er alle sehen, die kamen und gingen, und er hoffte, dass der Mann ihn gestern nicht bemerkt hatte. Der Portier sah einige Male neugierig zu ihm hinüber, sagte aber nichts. Jørgen beschloss, bis mittags zu warten. Dann würde er aufgeben und das Hotel verlassen.

Sadou machte sich bereit rauszugehen. Er lächelte sich selbst im Spiegel zu, zog seine Jacke an und verließ das Hotelzimmer. Er ging zum Fahrstuhl, der nicht weit von seinem Zimmer entfernt war. Die Türen des Aufzugs öffneten sich, gerade als er ankam, und ein lebhaft auf Französisch miteinander diskutierendes Ehepaar mittleren Alters kam heraus. Touristen, dachte Sadou mit Verachtung, als er in den Aufzug stieg und auf den Knopf für das Erdgeschoss drückte. Ein paar Sekunden später öffneten sich die Türen wieder, und er trat ins Foyer. Er wollte gerade in Richtung Ausgang gehen, als er einen Mann sah, der auf einem Sofa saß und Zeitung las. Sadou erkannte ihn sofort. Der Mann hatte zwar eines jener Gesichter, die unmöglich zu beschreiben und sehr leicht zu übersehen waren, aber Sadou wusste genau, dass es sich um denselben Mann handelte, der in den Waschraum geeilt war, nachdem er auf den CIA-Mann geschossen hatte. Das war ohne jeden Zweifel der Mann, der mit der Frau gesprochen hatte, die Akhmahel gefolgt war. Was jetzt?

Der Mann wendete Sadou die Seite zu und hatte ihn anscheinend nicht bemerkt. Sadou drehte sich schnell auf dem Absatz um und ging in die entgegengesetzte Richtung. Nach einigem Suchen fand er einen Hinterausgang und verließ das Hotel. Jetzt musste er nur seine Einkäufe erledigen und dann konnte ein Taxi ihn ins Krankenhaus fahren. Er ging zum Hauptbahnhof und weiter nach rechts in Richtung Rathausplatz. Er ging die protzige Fußgängerzone hinunter und fand einen Laden, der Küchenutensilien verkaufte. Nach einigem Suchen fand er ein 30 Zentimeter langes Fleischmesser. Er bezahlte es und verließ den Laden. In der Nähe fand er einen Süßwarenladen, wo er eine große Schachtel Pralinen kaufte, die er sich als Geschenk einpacken ließ. Dann ging er zurück zum Rathausplatz und nahm ein Taxi. Er gab dem Fahrer die Adresse.

Krankenhaus „Rigshospitalet“, 11.15 Uhr

Zwei Taxis kamen fast gleichzeitig am Haupteingang des Rigshospitals in Kopenhagen an. Aus dem ersten Taxi stieg Rolf Duvenhart mit einem riesigen Blumenstrauß im Arm. Die Blumen waren in exklusives grünes Papier eingepackt. Rolf sah auf das riesige Gebäude und ging zur Eingangstür. Der zweite Wagen hielt fast unmittelbar hinter dem ersten, und darin saß Sadou. Er schreckte zusammen, als er einen der Männer von der Kommandozentrale sah. Er wollte gerade sein Pech verfluchen, als ihm aufging, dass er vielleicht lieber sein Glück preisen sollte. Das Krankenhaus war wesentlich größer als er erwartet hatte. Er hatte nicht darüber nachgedacht, dass es schwierig sein könnte, wenn nicht gar unmöglich, eine bestimmte Patientin zu finden, wenn man weder wusste, wo sie lag noch ihren vollen Namen kannte. Allah allein wusste, wie viele Frauen mit Namen Lisbeth sich in dem großen Krankenhaus befanden. Aber vor ihm stand der perfekte Führer. Er musste nur darauf achten, nicht gesehen zu werden.
Er hatte eine Mütze, die er sich bis über die Ohren ziehen konnte, und ein kleines Risiko musste man schließlich bereit sein zu laufen, wenn man sich im Krieg befand. Er bezahlte das Taxi und folgte so unauffällig wie möglich dem Mann, den er in der Kommandozentrale gesehen hatte. Er sah zu seiner Erleichterung, dass die Größe des Bouquets, das der Mann mitbrachte, sowohl seine Bewegungsfreiheit als auch seinen Gesichtskreis einschränkte, so dass das Risiko, dass er sich umdrehte und ihn bemerkte, nicht sehr groß war. Im Gebäude ging der Mann direkt zu einem Informationsschalter und Sadou folgte ihm mit sicherem Abstand. Zwei Damen ging an Sadou vorbei und stellten sich hinter den Mann. Sadou stellte sich hinter die Damen. Er stand jetzt dicht genug, so dass er alles hören konnte, was gesagt wurde, aber ohne gesehen zu werden, selbst wenn der Mann sich umdrehen sollte. Sadou schnappte auf, dass Lisbeth Hasselbeck auf der vierten Etage lag, aber er hatte die Zimmernummer nicht mitbekommen. Der Mann bedankte sich beim Personal und ging zum Fahrstuhl. Sadou beschloss, ein wenig zu warten.

Rolf war in guter Stimmung, als er zum Aufzug ging. Er freute sich darauf, Lisbeth zu sehen. Zu seiner großen Erleichterung hatte sie ihn vom Krankenhaus aus angerufen und ihm mitgeteilt, dass es ihr den Umständen entsprechend gut ging. Er trat in einen Aufzug und drückte auf den Knopf zur vierten Etage. Die Türen schlossen sich und der Aufzug bewegte sich fast lautlos nach oben. Kurz darauf hielt er an und die Türen öffneten sich wieder. Rolf trat auf den Korridor mit seinem großen Blumenstrauß im Arm. Gerade in dem Moment kam eine Krankenschwester vorbei. Er hielt sie an und fragte:

– Wären Sie so freundlich, mir zu sagen, wo ich Zimmer sechzehn finde? Die Krankenschwester zog die Augenbrauen hoch beim Anblick der Blumen und antwortete mit einem Lächeln:
– Natürlich! Gehen Sie diesen Gang entlang, Zimmer sechzehn liegt auf der rechten Seite.
– Danke, sagte Rolf und ging in die angewiesene Richtung. Er blieb einen Moment vor der Tür stehen, räusperte sich, klopfte vorsichtig an und öffnete die Tür. Lisbeth stützte sich im Bett auf ihre Ellenbogen. Ein Lächeln erhellte ihr Gesicht.
– Bleib liegen, bleib liegen, sagte er, und erwiderte ihr Lächeln. Wie ist das gut, dich zu sehen.
– Danke, gleichfalls, Rolf, antwortete sie verlegen. Ich gehe davon aus, dass das Rolf ist, der sich hinter der kleinen Plantage versteckt, die da gerade in die Tür gekommen ist. Sie lächelte noch mehr.
– Ja, die sind für dich, sagte er, und versuchte, sie ihr zu überreichen. Ich habe sie in der Stadt gekauft und … Er unterbrach sich, als ihm klar wurde, dass sie nicht in der Lage, die Blumen entgegenzunehmen.
– Vielleicht sollte ich besser eine Krankenschwester um eine Vase bitten, versetzte er kleinlaut, es sei denn, du ziehst es vor, dass ich sie zurückgebe und dir stattdessen das Geld gebe. Der Betrag sollte als Anzahlung für den Kauf eines kleinen Hauses auf dem Lande ausreichen.
– Ich möchte sie eigentlich lieber behalten, antwortete sie mit einem verschmitzten Lächeln. Aber es ist nicht sicher, dass die Krankenschwester Blumensträuße in dieser Größe hantieren kann. Vielleicht sollten wir nach einem Gärtner fragen.
– Gib mir einen Moment, sagte er, ich löse eben das Problem. Er verschwand wieder mit den Blumen und kam kurz darauf mit leeren Händen zurück.
– Ich habe eine neue Freundin hier im Krankenhaus, lachte er. Die Krankenschwester hat versprochen, die Blumen für mich zu ordnen. Er setzte sich auf die Bettkante.
– Ich haben übrigens Grüße von Tom und Jørgen mit für dich, ja, und von einer ganzen Menge anderer, fuhr er fort. Tom ist mit seinen Leuten nach Hause gefahren, aber ich soll dir ausrichten, dass er sich auf ein Wiedersehen freut.
– Danke, grüß ihn von mir zurück, sagte sie aufrichtig erfreut. Rolf sah sich im Raum um.
– Du liegst alleine, das ist zumindest ein Vorteil, sagte er. Plötzlich wurde er ernst.
– Sag mir, wie geht es mit dir? fragte er.
– Besser, Rolf, besser, antwortete sie. Aber ich habe keine besonders gute Nacht verbracht. Der Kerl von gestern hat mir eine waschechte Gehirnerschütterung verpasst, und ich habe mich in der Nacht mehrmals übergeben müssen. Aber es geht mir jetzt viel besser. Er nickte ihr zu, aber sein Gesichtsausdruck blieb ernst.
– Wie lange wollen sie dich hierbehalten? Haben sie dir etwas gesagt? fragte er. Sie drehte sich ein wenig zur Seite und stützte ihren Kopf auf den rechten Arm.
– Der Arzt sagte, höchstens ein paar Tage, antwortete sie. Aber nun haben wir genug über mich gesprochen. Erzähl mir, was geschehen ist, nachdem ich zu Boden ging! Haben wir den Kerl zu fassen bekommen? Spann mich nicht auf die Folter!

Die Tür des Aufzugs öffnete sich, und Sadou trat in den Korridor. Er schaute zu beiden Seiten und wusste nicht, in welche Richtung er gehen sollte. Er wusste oder nahm zumindest an, dass dies die richtige Etage war, aber wie sollte er herausfinden, in welchem Zimmer sie war? Die Antwort auf seine Frage tauchte plötzlich ganz von selbst auf. Eine Krankenschwester ging in eine kleine Kaffeeküche nicht weit von ihm mit einem Armvoll Blumen. Er wusste, für wen diese Blumen waren. Jetzt brauchte er nur diskret herauszufinden, wo die Schwester sie hinbrachte. Dann konnte er sich zurückziehen und warten bis der Mann wieder weg war. Er war sicher, dass die Frau leicht zu überwältigen wäre. Er blieb in der Nähe der Kaffeeküche und wartete auf die Krankenschwester. Diese kam kurz darauf mit den Blumen in einem großen Eimer wieder heraus. Sie ging den Gang hinunter und in ein bestimmtes Zimmer. Sadou hatte genug gesehen und nahm den Aufzug nach unten in die Eingangshalle.

(Fortsetzung folgt)

 

ENGLISH

The Man from Tehran

Freitag,  10. Februar 2006

Copenhagen Airport, 5:15 p.m.

Akhmahel let out a sigh of relief. Apparently, nobody had noticed the incident at the gate and he stepped back into the corridor unnoticed. He started the long walk back to the hall. He wanted to be as far away as possible when the unconscious woman was found. He could no longer see Sadou, but decided not to go looking for him. The action was over. From now on everyone had to take care of themselves. A few yards away, a group of people poured into the corridor. A plane must have just landed, and the passengers were on their way out. Strange, he thought, I would have expected that all incoming flights would be rerouted to other airports at the moment. But maybe fate was kind to him. He hurried and mingled with the other travelers. Now he was just one of many passengers on their way to the arrival hall.

– That was the worst thing I have ever been through, said a man who walked in front of Akhmahel to his neighbor. I almost pissed in my pants for fear. Do you think we’ll get any information at all?

Akhmahel suddenly realized who these people were. He looked at the other passengers. There, just ten paces ahead of him, the American ambassador from Stockholm went with his security officers and spoke to the Danish foreign minister. He looked around and saw a group of African Americans, almost all of whom were at least one foot taller than the other passengers.

– Outrageous, this is, said a voice to Akhmahel in English. Things like this shouldn’t happen here in Scandinavia, should they?

– No, I’m really choked, Akhmahel replied, shaking his head disapprovingly.

Then everyone’s eyes turned to a team of commandos in dark gray uniforms with automatic rifles in their hands. The soldiers ran past them in the opposite direction. Akhmahel could imagine where they were going.

– What the hell is going on now? the same man asked Akhmahel.

– Yes, that looked serious, said Akhmahel and walked a little slower to get some distance from his talkative neighbor.
A moment later they met a large group of police in riot gear. The leader of the squad went to the Danish Foreign Minister and exchanged a few words with him. Immediately afterwards, he gave the other police officers orders that Akhmahel did not understand, but which resulted in the police forming a protective ring around the passengers from flight SK779. They all went towards the exit together. Brilliant, thought Akhmahel, a moment ago I was chased as a terrorist and now I’m under police protection. He smiled as he remembered that the BMW was still in the underground car park. Good thing he hadn’t thrown away the key and the parking ticket.

They were almost at the end of the corridor when two men with a wheeled stretcher between them ran past the group. Will she survive? he thought. He hadn’t broken her neck; he was sure of that. After all, women these days were stronger than most people thought. But he was pretty sure he had caused a severe concussion. Meanwhile, they had reached the hall. A big black man in a camouflage suit stomped past them. Akhmahel followed the man with his eyes. No doubt he was heading for the same spot as the combat soldiers and the men with the stretcher. He was glad it hadn’t been the black man he’d met outside the washroom, because then everything might have turned out very differently.

Rolf paced restlessly to and fro in the mobile command center. Finally, an announcement came over the loudspeaker:

– Zebra base, Charly-09 here, please come, said the leader’s voice with a crackle in the background.

– Come in, Charly-09, said Rolf. Just tell me she’s alive.

– Yes, sir, said Charly-09, she is. She’ll get over it. She is slowly coming back to consciousness, speaking a little confused. But where is the stretcher?

– It will be with you in a moment, said Rolf. Make sure someone stays with her. And send people out to find the guy who knocked her down.

– I would like to, but what does he look like? asked Charly-09.

– Oh, damn it! called Rolf. A good question. The only person who could identify him is on the floor in front of you. But I can give you something. As far as I know, he’s a tall man, about six feet four. He has dark short hair and a bushy mustache. He’s wearing a light-colored windbreaker. Unfortunately, I do not have any more information.

– Understood, sir, said Charly-09, but we can stop about one in ten travelers with this description. I promise we will do what we can, over.

Flight SK779’s passenger group began to dissolve. The ambassador, the minister and the athletes were taken away by CIA agents and the Danish police. There was general confusion among the other passengers. What should they do now? Would there be another departure to Budapest soon? Some even asked for psychological crisis counseling. People asked questions to the few remaining policemen, who also became more and more confused and impatient because they were unable to answer the questions. Akhmahel took advantage of the confusion and went down the stairs to the baggage claim. From there he continued purposefully without looking to the side once. At the exit there was a red and a green sign. The green sign announced that travelers from other EU countries should take this route. Akhmahel chose the green route to the exit. About a dozen people walked through the green exit, but no one seemed interested in them. Akhmahel felt relief spread through his body.

– May I have a look at your hand luggage? a voice said suddenly to him in English, when he was halfway through the exit and could already see the arrival hall. The man who spoke to him was a customs officer and had appeared out of nowhere. Akhmahel was confused for a moment.

– Yes, of course, he answered then. He put the briefcase on the table in front of the customs officer and opened it. He suddenly felt very hot. He had completely forgotten what was in his briefcase. The plans for the attack on the airport and the two letters from Osama bin Laden were now openly lying in front of the customs officer. Akhmahel was annoyed that he hadn’t kept the gun, but there was nothing he could do about it now. He could only keep his fingers crossed. The customs officer picked up the papers to see what was underneath. There was obviously nothing there, and he put the papers back in the suitcase. The customs officer was just about to close the suitcase when his eyes fell on the drawing of the airport. He screwed up his eyes, picked up the drawing and examined it carefully. All of the handwritten notes and names were in Arabic, which the customs officer evidently did not understand. He wasn’t sure what the drawing actually represented either; his sixth sense had warned him.

More passengers had come into the exit, wanted to get through and began to push. Then the customs officer lost interest in the drawing. He put it back in the suitcase.

– With which plane did you arrive? he asked as he closed the suitcase.

– I actually wanted to leave, Akhmahel replied, relieved. I wanted to fly to Amsterdam with KLM, but no one can tell me when air traffic will resume. I will therefore postpone my departure until tomorrow.

The customs officer nodded absently because his attention was already focused on the other travelers. Then he looked back at Akhmahel.

– Yes, today was a pretty unusual day for Copenhagen Airport, he said. Tomorrow you will probably have better luck with your departure.

The customs officer turned away. Akhmahel took his briefcase and went into the arrival hall, relieved. Now all he had to do was pay for the parking and then get the car. Fifteen minutes later, a dark blue BMW 325i with a German registration number drove out of the underground car park of Terminal 3. A few moments later, it had merged into the heavy afternoon traffic.

Sadou had been taken to the mobile command center in front of the large hangar. There was activity there like in a beehive.

CIA agent Pete Holmes held Sadou tight but didn’t know what to do with him. Rolf came up to him.

– What are we supposed to do with this guy? asked Holmes.

– Oh, there he is. Good job, said Rolf. Now we have to find out if he knows anything. Put him there until Tom Pettersson gets back. He pointed to a chair at the far end of the car. And keep an eye on him.

Sadou became increasingly irritated at being treated like an inanimate object and decided to make himself felt.

– Look, what’s this supposed to mean? he asked angrily. What right do you have to hold me back here against my will? What am I charged with?

Pete pushed him roughly towards the chair.

– You just keep your mouth shut and do what you are told, understand? he growled at Sadou.

At that moment Antonsen stepped through the door. He looked around and his eye fell on Pete, who still had a firm grip on Sadou. He furrowed his eyebrows and asked:

– What are you doing here, who is the prisoner?

Rolf went up to him.

– We caught him up in the duty free area, he replied. He was tailing Lisbeth.

– I protest! Sadou almost yelled. I have no idea what you’re talking about. I am a French citizen and have a ticket for a KLM flight to Amsterdam. I have to insist that you release me immediately or that you inform me of what I’m being accused of. If necessary, I would like to speak to a lawyer.

– What is there specifically against him? Asked Antonsen.

– We believe he is directly involved in this mess, said Rolf. We want to interrogate him some more in a moment.

– But he claims to be a French citizen, argued Antonsen. If there is nothing concrete against him, then you have to let the police talk to him. Then we will examine whether he is who he claims to be. If so, we will have to let him go. I’m sorry gentlemen, but we play by the rules here in this country.

At the same moment Tom came in.

– According to circumstances, Lisbeth is fine, he said. She is now on her way to … He took a piece of paper out of his pocket and read:

– Rigshospital, is the name of the hospital. The big guy from the missile attack is on the way too, but it’s doubtful he’ll survive. On the way back here, I met Jørgen in the departure lounge. Williams apparently did not survive. Jørgen found this in his hand.

He took a yellowed piece of paper out of his pocket and handed it to Rolf.

– It appears to be a list of names, he continued. Do you have any idea what it might be? Rolf looked at the list carefully and then shook his head.

– No, that doesn’t mean anything to me right now, he finally answered. I’ll check it out later.

Antonsen cleared his throat.

– I’ll take the prisoner over to our car, he said, took Sadou by the arm and pulled him with him.

Tom looked at Rolf when the door had closed behind Antonsen and Sadou.

– What was that all about? he asked.

– The man was tailing Lisbeth. The only problem is that we have nothing specific against him. Antonsen insisted on speaking to him.

– I see, said Tom. In other words, we don’t get the chance to have a little private talk.

– No, it doesn’t look like it, said Rolf. But I’ll ask Jørgen to follow him when the police have finished with him, just as a precaution. Now we have to see how we can close the matter here. Search the airport for the man who shot Lisbeth, or rather, who didn’t shoot Lisbeth, in the next two hours. If we don’t find him in that time, we have to give up. The airport must definitely be reopened. The case is now in the hands of the police. They must investigate the man as they see fit.

– The search at the airport is in full swing, said Tom. But I doubt it’ll do any good. I’ll give them two more hours like you say, then I’ll call the boys back. See you later.

Tom left the command center and Rolf called Jørgen.

Karlslunde, 6:55 p.m.

A dark blue BMW 325i left the large Shell petrol station on the motorway south of Copenhagen. There is enough gas in the car now, Akhmahel thought. He could drive far into Germany before he had to refuel. He decided to take a different route out of Denmark than the way he came. He was definitely wanted by the police, and although no description of him was available, he didn’t want to take any chances. Maybe someone could remember him after all. On a road map of Denmark that he had in the car, he could see that there was apparently a bridge that led from the island he was on to and across a smaller island further west. He probably didn’t need to get out of the car at all while driving the route. He could be in Germany in less than three hours. It was time to find a place to lick his wounds. The battle was undeniably lost, but the war would be long … and could still be won.

 

 * * *

Epilogue

Saturday, February 11, 2006

Marriott Hotel, Copenhagen, 9:55 a.m.

Sadou was lying on the bed in his room at the Marriott Hotel. The conversation with the police had gone relatively smoothly. He had shown his passport and boarding card and answered the policeman’s questions. They had practiced this situation in the summer house. After the conversation, they had taken him back to the airport and even apologized for the inconvenience to him. He had left the airport with no further difficulty and taken a taxi. He’d asked the driver to recommend a good hotel, and here he was in a modern hotel overlooking the harbor. He was basically proud of himself. He had done a really good job. Admittedly, the attack had failed, but that couldn’t be blamed on him. Wahil had fired the missile too early, so the attack had failed. But there was a very good reason Wahil had acted that way, and Sadou knew why. It was really very instructive to sit in the command vehicle that the pigs had parked at the airport. Sadou knew a lot now, and that knowledge had to be used. The man he shot in the washroom was apparently called Williams and was part of the CIA. It was believed that he died while being transported to the emergency room. Akhmahel had apparently caught the woman who had followed him, but he hadn’t killed her when he had the opportunity. Sadou couldn’t understand that. She was an enemy. They were, goddammit, at war! It was clear that Akhmahel had a weakness in character, thought Sadou. Kill or be killed, that was the only rule that applied in war. She had been taken to a hospital called Rigshospitalet. He had made a careful note of the name. He decided to finish Akhmahel’s work. The woman had to die. He had stared at the ceiling for a long time, wondering how to proceed. Then a plan slowly began to take shape in his head, and soon he knew exactly how to do it. He didn’t have time to get a gun, but he would buy a large knife and a box of chocolates.

Jørgen was sitting on a sofa in the foyer of the Marriott Hotel, pretending to read yesterday’s newspaper. Rolf had asked him to shadow one of the two men who were most likely involved in the attack in the washroom. The man had taken a room in the hotel early that evening, and Jørgen had done the same. He got up at six o’clock and sat in the foyer with his newspaper. Now he just had to wait. Of course, he couldn’t be sure that the man was still in the hotel. He could have left it during the night, but Jørgen doubted it. From where he was sitting he could see everyone coming and going, and he hoped that the man hadn’t noticed him yesterday. The doorman glanced at him curiously a few times but said nothing. Jørgen decided to wait until noon. Then he would give up and leave the hotel.

Sadou got ready to go outside. He smiled at himself in the mirror, put on his jacket and left the hotel room. He went to the elevator not far from his room. The elevator doors opened just as he was arriving and a middle-aged couple, arguing lively in French, emerged. Tourists, Sadou thought with contempt as he climbed into the elevator and pressed the button for the first floor. A few seconds later the doors opened again and he stepped into the foyer. He was about to head towards the exit when he saw a man sitting on a sofa reading the newspaper. Sadou recognized him immediately. The man had one of those faces that were impossible to describe and very easy to miss, but Sadou knew very well that it was the same man who had rushed into the washroom after he had shot the CIA man. This was without a doubt the man who had spoken to the woman who had followed Akhmahel. What now?

The man turned his side to Sadou and apparently hadn’t noticed him. Sadou quickly turned on his heel and walked in the opposite direction. After some searching, he found a back exit and left the hotel. Now he just had to do his shopping and then a taxi could take him to the hospital. He went to the main train station and continued to the right in the direction of Rådhuspladsen. He walked down the swanky pedestrian street and found a shop selling kitchen utensils. After some searching, he found a carving knife, 30 centimeters long. He paid for it and left the shop. He found a candy store nearby, where he bought a large box of chocolates that he got gift wrapped. Then he went back to the Town Hall Square and took a taxi. He gave the driver the address.

Rigshospitalet hospital, 11:15 a.m.

Two taxis arrived almost simultaneously at the main entrance of Rigshospitalet in Copenhagen.  Rolf Duvenhart got out of the first taxi with a voluminous bouquet of flowers in his arms. The flowers were wrapped in exclusive green paper. Rolf looked at the huge building and went to the front door. The second car stopped almost immediately behind the first, and Sadou got out. He winced when he saw one of the men from the command center. He was about to curse his bad luck when it occurred to him that maybe he should rather praise his luck. The hospital was much bigger than he had expected. He hadn’t thought about the fact that it could be difficult, if not impossible, to find a particular patient if you didn’t know in which room she was or her full name. Allah only knew how many women named Lisbeth were in the large hospital. But before him stood the perfect guide. He just had to be careful not to be seen.

He had a hat that he could pull down over his ears, and a small risk one had to be prepared to take when war. He paid for the taxi and followed the man as unobtrusively as possible. He was relieved to see that the size of the bouquet the man was carrying, restricted both, his freedom of movement and his field of vision, so the risk of him turning around and noticing him was not very big.

Inside the building, the man went straight to an information desk and Sadou followed him at a safe distance. Two women passed Sadou and stood behind the man. Sadou placed himself behind the ladies. He was now close enough that he could hear everything that was said, but without being seen, even if the man turned around. Sadou noticed that Lisbeth Hasselbeck was on the fourth floor, but he hadn’t heard the room number. The man thanked the staff and went to the elevator. Sadou decided to wait a little.

Rolf was in a good mood when he went to the elevator. He was looking forward to seeing Lisbeth. To his great relief, she had called him from the hospital and told him that given the circumstances, she was fine. He stepped into an elevator and pressed the button to the fourth floor. The doors closed and the elevator went up almost silently. A moment later it stopped, and the doors opened again. Rolf stepped into the corridor with his large bouquet of flowers in his arms. At that moment a nurse came by. He stopped her and asked:

– Would you be so kind as to tell me where to find room sixteen? The nurse raised her eyebrows at the sight of the flowers and replied with a smile:

– Of course! Walk down this corridor, room sixteen is on the right.

– Thank you, said Rolf and went in the direction instructed. He paused in front of the door for a moment, cleared his throat, knocked carefully and opened the door.

Lisbeth propped herself up on her elbows in bed. A smile lit her face.

– Lie down, lie down, he said, and returned her smile. It’s good to see you.

– Thank you, same here, Rolf, she replied, embarrassed. I assume that it is Rolf, who is hiding behind the small plantation that just walked into the room. She smiled even more.

– Yes, they are for you, he said, and tried to hand them to her. I bought them in town and … He paused when he realized she would not be able to take the flowers.

– Maybe I’d better ask a nurse for a vase, he replied meekly, unless you prefer me to return them and give you the money instead. The amount should be enough for a down payment to buy a small house in the countryside.

– I’d rather keep the flowers, she replied with an impish smile. But it is not certain that the nurse will be able to handle bouquets of this size. Maybe we should ask for a gardener.

– Give me a moment, he said, I’ll solve the problem.

He disappeared again with the flowers and shortly after came back empty-handed.

– I have a new friend here in the hospital, he laughed. The nurse promised to arrange the flowers for me. He sat on the edge of the bed.

– By the way, I have greetings from Tom and Jørgen for you, yes, and from a lot of others, he continued. Tom went home with his men, but I should tell you that he’s looking forward to seeing you again.

– Thank you, give him my regards, she said, genuinely pleased.

Rolf looked around the room.

– You’re alone, that’s at least an advantage, he said.
Suddenly he got serious.
– Tell me how are you doing? he asked.

– Better, Rolf, better, she answered. But I didn’t have a particularly good night. The bloke yesterday gave me a real concussion, and I had to throw up several times during the night. But I’m much better now. He nodded to her, but his expression was serious.

– How long are they going to keep you here? Have they told you anything? asked he.

She turned a little to the side and propped her head on her right arm.

– The doctor said a few days at the most, she replied. But now we’ve talked enough about me. Tell me what happened after I went down! Did we get hold of the guy? Don’t keep me in suspense!

The elevator door opened and Sadou stepped into the corridor. He looked to both sides and didn’t know which way to go. He knew, or at least assumed, this was the right floor, but how was he going to find out which room she was in? The answer to his question suddenly appeared by itself. A nurse went into a small coffee kitchen not far from him with an armful of flowers. He knew who these flowers were for. Now all he had to do was discreetly find out where the nurse was taking them. Then he could withdraw and wait until the man was gone again. He was sure he could overpower the woman easily.

He stayed near the coffee kitchen and waited for the nurse. She came out shortly afterwards with the flowers in a large bucket. She went down the hall and into a certain room. Sadou had seen enough and took the elevator down to the entrance hall.

(To be continued)

 

 

Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr seit 1993 verheiratet und in Dänemark lebend. Meine Beiträge erscheinen daher in deutscher Sprache (und nicht in dänischer) und seit 2018 auch in englischer Sprache. … I was born in Germany, have been married with a Dane since 1993 and are living in Denmark. Therefore, my posts are published in German (and not in Danish) and since 2018 in English as well.

4 Gedanken zu „Der Mann aus Teheran … The Man from Tehran“

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