Der Mann aus Teheran … The man from Tehran

CoverDeutsch

Der Mann aus Teheran

Freitag,  10. Februar 2006

Flughafen Kopenhagen, 16.45 Uhr

Lisbeth sah sich aufmerksam um, während sie langsam den langen Gang entlangging, in die gleiche Richtung in die die beiden Männer aus den Waschräumen verschwunden waren. Der Lärm eines startenden Flugzeugs drang an ihr Ohr. Sie warf einen schnellen Blick auf die Uhr. Das konnte Flug SK779 sein, der sich zum Abflug bereit machte, dachte sie. Hoffentlich stimmte es. Je früher das verdammte Flugzeug aus dänischem Hoheitsgebiet verschwand, desto schneller würde dieser Alptraum zu Ende sein. Dann erblickte sie einen der beiden Männer. Er stand ungefähr 25 Meter weiter den Gang entlang. Er hatte lange ungepflegte Haare und trug einen Aktenkoffer in der Hand. Sie war plötzlich sicher, dass sie den Mann schon einmal gesehen hatte, aber wo?

Im Moment stand er an einem der Fenster und starrte konzentriert hinaus auf die Start- und Landebahnen. Lisbeth blieb stehen und versuchte herauszufinden, wo der andere Mann sich befand. Sie konnte ihn aber nirgendwo entdecken. Das intensive Starren des langhaarigen Mannes weckte Lisbeths Interesse. Ein schrecklicher Gedanke durchfuhr sie. Sie folgte seinem Blick und sah ein Flugzeug, das stark beschleunigte. Es hob mit der Spitze von der Startbahn ab und begann zu steigen. Das nächste Ereignis erschien ihr so unwirklich, dass sie ihren Augen nicht traute. Das Flugzeug war nicht mehr als vielleicht ein paar hundert Meter über dem Boden, als etwas mit enormer Geschwindigkeit an ihm vorbeiflog. Was auch immer es war, hinterließ es einen langen Rauchstreifen. Sie schreckte zusammen und hielt die Hand vor den Mund. Gott im Himmel, sagte sie fast laut. Das Flugzeug krängte fast sofort heftig nach rechts, während die Rakete über der Öresund-Brücke verschwand, wo sie einen großen Bogen machte und wieder auf den Flughafen zuflog.

Erst jetzt ging Lisbeth der volle Ernst der Lage auf. Verdammt, das Flugzeug wurde von irgendwoher aus dem östlichen Teil des Flughafens beschossen, und der Mann stand da und sah zu. Dann verschwand der Rauchstreifen aus ihrem Blickfeld hinter einem Gebäude und unmittelbar danach sah sie einen blendenden Lichtblitz, auf den ein paar Sekunden später ein Donnerschlag folgte. Sie sah wieder zum Flugzeug. Es war inzwischen am Horizont verschwunden. Wahrscheinlich befand es sich jetzt über Dragør, vermutete sie. Da fiel ihr der Mann wieder ein. Zu ihrem Leidwesen entdeckte sie, dass er weg war. Sie blickte sich schnell um und sah ihn, wie er den Gang weiter hinunterging. Eine Eingebung ließ sie über ihre Schulter sehen. Der andere Mann ungefähr dreißig Meter hinter ihr und beobachtete sie. Wer folgt jetzt wem, dachte sie.

Ein beunruhigendes Gefühl breitete sich in ihrem Körper aus. Ich muss Meldung machen, entschied sie. Sie funkte Zebra Basis an und ging dem Mann mit dem langen Haar nach.
– Zebra-Basis, Delta-09 hier, bitte kommen.
– Wir hören dich, Delta-09, antwortete Rolfs Stimme umgehend. Sie fand, dass er verpustet klang, aber sie war froh, seine Stimme zu hören.
– Ich verfolge jemanden in einem der langen Abflugkorridore. Vermutlich diejenigen, die Williams erwischt haben, sagte sie. Aber sage einmal, was zum Teufel ist da gerade auf der Startbahn passiert?
– Flug SK779 wurde vom Boden aus mit einer Rakete beschossen, sagte Rolf. Tom konnte den Abschuss scheinbar in allerletzter Minute verhindern. Wir gehen davon aus, dass mit dem Flugzeug alles in Ordnung ist. Ich warte auf Nachricht vom Kontrollturm, aber … Er hielt mitten im Satz, als ob er nach den richtigen Worten suchte.
– Pass auf, Lisbeth, fuhr er fort. Mit diesen Menschen ist nicht zu spaßen. Er klingt wirklich besorgt um mich, dachte sie. Das gab ihr neuen Mut. Sie beschloss zu warten und jetzt noch nicht um Hilfe zu bitten.

Akhmahels Enttäuschung war grenzenlos. Er wusste nicht, was fehlgeschlagen war, aber Wahil hatte die Rakete zu früh abgefeuert. Das war ganz offensichtlich. Das Flugzeug schien unbeschädigt zu sein. Die Rakete konnte natürlich etwas anderes getroffen haben, aber von dort wo er stand, war nichts zu sehen. Er musste unbedingt wissen, was passiert war. Er beschloss, bis zum Ende des Gangs zu gehen, vielleicht konnte er von dort aus etwas sehen.

Nachdem Sadou auf den aufdringlichen Mann im Waschraum geschossen hatte, hatte er sich in der Nähe des Eingangs postiert, während Akhmahel den Gang hinunter ging, um den Abschuss des Flugzeugs nach Budapest mitzuverfolgen. Sadou beobachtete, wie ein Mann unmittelbar nach ihm den Waschraum verließ und um Hilfe rief. Ein anderer Mann lief eilends in den Waschraum und kam gleich wieder heraus, wobei er buchstäblich einer Frau in die Arme lief, die dann auch in den Waschraum lief. Die Frau und der Mann sprachen miteinander und dann ging die Frau hinter Akhmahel her. Sie roch förmlich nach Polizei oder Sicherheitsbeamtin fand Sadou und folgte ihr. Ein Stück weiter stand Akhmahel und starrte aus einem der großen Fenster. Die Frau hatte ihn offenbar entdeckt und war stehen geblieben. Es sah so aus, als ob sie Akhmahels Blick folgte und reflexartig tat Sadou das Gleiche. Ohne sich von der Stelle zu rühren, beobachteten sie alle drei das Drama, das sich über dem östlichen Teil des Flughafens entfaltete. Sadou spürte einen Stich der Enttäuschung, als ihm klar wurde, dass der Anschlag gescheitert war. Was war falsch gelaufen? Dann ging Akhmahel weiter den Gang hinunter, und die Frau blickte sich um. Sie sah Sadou eine Sekunde lang direkt an, wendete sich aber sofort wieder weg. Er war nicht sicher, ob sie ihn bemerkt hatte oder nicht. Sie folgte wieder Akhmahel, und Sadou folgte ihr.

Lisbeth war zunehmend beunruhigt über die Situation, als sie den Gang weiter entlangging. Was jetzt? Sie musste um Hilfe bitten, zumindest in Bezug auf den Mann, der sie beschattete. Es war Wahnsinn, sich alleine gegen beide zu versuchen. Sie funkte noch einmal Zebra-Basis an.
– Wir hören dich, Delta-09, hörte sie Rolfs Stimme sagen.
– Ich habe einen Schatten, den ich gerne los wäre, sagte sie. Rolf suchte den Bildschirm ab und fand sofort eine Lösung. Er hatte einen Mann in ihrer Nähe, einen CIA-Agenten.
– O.k., Lisbeth, ich habe einen CIA-Agenten in deiner Nähe, antwortete er. Hast du eine Beschreibung? Lisbeth war erleichtert. Sie hatte befürchtet, dass alle Agenten irgendwo anders in Bereitschaft waren.
– Ein Mann, etwa 1,70 m groß, trägt eine grüne Windjacke, etwa 10 bis 15 Meter hinter mir, antwortete sie. Jedes Mal, wenn ich stehen bleibe, tut er es auch. In 30 Sekunden bleibe ich wieder stehen, dann könnt ihr ihn identifizieren.
– Gut, Lisbeth, bleib einen Moment dran, sagte Rolf. Er ließ sie mithören, während er den CIA-Agenten anfunkte und ihm erklärte, was von ihm erwartet wurde. Sie hörte, wie der CIA-Agent bestätigte, dass er sie gesehen habe. Er war bereit.  Bringen wir es hinter uns, dachte sie. Sie blieb stehen und blickte über ihre Schulter. Sadou stoppte ebenso unvermittelt und schaute plötzlich intensiv aus einem der Fenster.
– Ich habe ihn! hörte sie den Agenten sagen, und sie ging erleichtert weiter, ohne sich umzudrehen.
– Sei nun vorsichtig, wiederholte Rolf besorgt.
– Natürlich bin ich vorsichtig, antwortete sie. Ich wäre dankbar für ein wenig Verstärkung. Ist einer von Toms Leuten in der Nähe? Rolf schaute auf den Bildschirm. Das Abfeuern der Rakete hatte alle drei Kommandoeinheiten aus den Abflughallen abgezogen. Er hätte sie am liebsten alle zurückgerufen und zu Lisbeth abkommandiert, aber er wusste, dass er Tom jetzt keine Soldaten wegnehmen konnte. Er muss zunächst eine Klarmeldung von ihm bekommen. Er hätte sie am liebsten noch einmal zur Vorsicht gemahnt, unterließ es aber.
– Der Angriff auf Flug SK779 hat alle drei Einheiten abgezogen, sagte er stattdessen. Ich werde so schnell wie ich kann jemanden schicken.

 

Pete Holmes hatte einige Passagiere beobachtet, die ungeduldig auf einen Flug nach Pakistan warteten, als der Anruf von Lisbeth über Zebra-Basis kam. Er hatte Lisbeth von dem Briefing im Hangar wiedererkannt und hatte auch sofort ihren Schatten bemerkt, als stehen blieb. Jetzt ging Pete zwei Schritte hinter dem Mann mit der grünen Jacke und zog seine Waffe aus dem Schulterhalfter. Hier im letzten Drittel des Gangs befanden sich nicht viele Leute, und Pete bewegte sich schnell direkt hinter den Mann und steckte ihm die Pistole in den Rücken.
– Bitte bleiben Sie stehen, sagte er kühl. Sadou erstarrte. Er drehte sich langsam um und sah direkt in das Gesicht eines Mannes, der mindestens einen Kopf größer war als er.
– Was ist das Problem? fragte Sadou mit einem schiefen Lächeln. Der Mann hatte inzwischen seinen CIA-Ausweis aus der Tasche gezogen und hielt ihn so, dass Sadou ihn sehen konnte.
– Bitte bleiben Sie stehen, sagte der Agent.
– Worum geht es? versuchte Sadou es noch einmal. Der Agent steckte den Ausweis in die Tasche zurück, ohne zu antworten. Mit der Pistole in der einen Hand auf Sadou gerichtet, untersuchte er mit der anderen mit geübten Bewegungen, ob Sadou bewaffnet war. Dann packte er Sadou am Arm und zog ihn mit sich zurück den Gang entlang in Richtung Halle. Sadou fragte noch einige Male, worum es ging, bekam aber keine Antwort. Schließlich gab er auf zu fragen und beschloss, keinen Widerstand zu leisten oder den Helden zu spielen. Schließlich hatten sie nichts, was ihn belasten könnte, und würden ihn bald gehen lassen müssen.

Zwei Lebensretter kämpften damit, Williams auf eine Bahre zu legen. Sie hatten die Blutung seiner Wunde schnell stillen können und gingen davon aus, dass er nicht in Lebensgefahr war. Keiner von ihnen hatte jemals zuvor etwas von einer Schießerei im Kopenhagener Flughafen gehört. Beide spürten die angespannte Atmosphäre um sie herum. Williams kam langsam zu Bewusstsein, hatte aber keine Ahnung, wo er war. Die Unsicherheit machte ihn unruhig, und er griff nach einem der Lebensretter. Er bekam die schwere Jacke des Mannes in die Hände. Die Retter zwangen ihn auf die Bahre und legten seine Hände übereinander. Dann banden sie ihn fest, hoben die Bahre auf und trugen ihn weg. Williams war jetzt fast bei vollem Bewusstsein.

Er versuchte verzweifelt, sich zu befreien und warf seinen Kopf von der einen Seite zur anderen und versuchte, sich zu orientieren. Er war aber noch nicht klar genug im Kopf, um an den Ring an seiner rechten Hand zu denken und bemerkte nicht, dass der Ring wiederholt in die Oberseite seiner linken Hand stach und die Haut aufkratzte. Die beiden Retter trugen den Verwundeten in einen Aufzug, der sie zu einem wartenden Krankenwagen führte. Einige Minuten später waren sie mit Blaulicht auf dem Weg ins nächste Krankenhaus. Einer der Retter saß hinten im Wagen bei dem verletzten Mann.
– Ganz ruhig, Sie sind bald wieder auf den Beinen, versuchte er den Mann zu beruhigen. Er wirkte hart und fast gefährlich auf den Retter. War er überhaupt Däne? Hätte er verstanden, was er gerade gesagt hatte? Er war im Begriff, seine beruhigenden Worte auf Englisch zu wiederholen, als etwas ganz Unerwartetes geschah. Die Augen des Mannes wurden glasig und er begann zu zittern. Ein epileptischer Anfall, dachte der Retter. Meine Güte, der Mann ist Epileptiker. Ein Lächeln glitt über das Gesicht des Mannes, aber der Retter bemerkte es nicht, denn seine Aufmerksamkeit war auf ein Regal über der Bahre gerichtet. Er suchte nach etwas, das er dem Mann zwischen die Zähne stecken konnte, damit er sich nicht in die Zunge biss, aber er fand nichts. Williams wusste, was geschehen war. Er konnte auf einmal den brennenden Schmerz auf der Oberseite der linken Hand fühlen. Welche Ironie des Schicksals, dachte er. Hatten sie alle das Gleiche gespürt, nachdem er sie gestochen hatte? Ein groteskes Lächeln glitt über sein Gesicht, und einen Augenblick danach begannen die Krämpfe.

Rolf ging in der mobilen Kommandozentrale auf und ab, wie ein Tiger im Käfig. Alle Alarmglocken läuteten auf einmal in seinem Kopf. Er wusste, dass er sich

mehr Sorgen um Lisbeth machte, als man mit allgemeiner kollegialer Fürsorge erklären konnte. Sie befand sich allein in einem der langen Gänge des Flughafens auf den Fersen eines Terroristen – eines bewaffneten Terroristen. Verdammt, das ist nicht auszuhalten, dachte er. Dann beschloss er, nicht auf Toms Rückkehr zu warten und umgehend um Verstärkung zu bitten.

Akhmahel hatte das Ende des Ganges erreicht. Er wusste, dass er verfolgt wurde, und er wusste auch, von wem. In dem Moment, als Lisbeth stehen geblieben war um die Aufmerksamkeit des CIA-Agenten auf ihren Schatten zu lenken, war Akhmahel zufällig ebenfalls stehen geblieben und hatte zurückgeblickt. Die Frau war ihm sofort aufgefallen. Sie war kaum zu übersehen, denn es waren außer ihnen kaum Leute hier. Hinter ihr hatte er Sadou gesehen, der vorgab, aus dem Fenster zu schauen. War sie vielleicht eine Polizistin in Zivil? Oder war sie von der CIA oder EATO? Nun, er würde es bald wissen. Er griff nach der Waffe in seiner Tasche. Es beruhigte ihn, sie in seiner Hand zu fühlen. Aber zunächst musste er herausfinden, was die Rakete getroffen hatte. Hier ganz am Ende des Gangs, hatte er viel mehr Überblick als von dort, wo er gestanden hatte, als die Rakete einschlug. Zu seiner Enttäuschung musste er jedoch feststellen, dass er die Einschlagstelle auch von hier nicht sehen konnte. Verdammt, dachte er, jetzt konnte er nur hoffen, dass Wahil hatte flüchten können, damit er später erfahren konnte, warum der Angriff fehlgeschlagen war. Aber jetzt war es an der Zeit, wieder einmal die Identität zu wechseln. Und dann war da auch noch das kleine Problem mit seinem Schatten. Er ging nach rechts in einen menschenleeren Flugsteig und verschwand damit aus Lisbeths Blickfeld. Zum Glück gab es dort einen Waschraum.

Lisbeth wusste nicht, ob der Mann sie bemerkt hatte oder nicht. Vielleicht standen die beiden Männer über ein Handy oder Ähnlichem in Verbindung. Der Mann wandte sich nach rechts und verschwand aus ihrem Blickfeld. Sie bemerkte, dass sie schwitzte und ihr Herz klopfte so stark, dass es fast wehtat. Aus irgendeinem Grund fühlte sie, dass es wichtig für sie war, sich daran zu erinnern, wo sie den Mann bereits gesehen hatte, aber ihr Gedächtnis ließ sie im Stich. Sollte sie ihm folgen oder sollte sie auf Hilfe warten? Sie konnte natürlich beides tun. Sie würde ihn beschatten, aber nicht mehr und warten bis Hilfe kam. Sie würde unter keinen Umständen versuchen, den Helden zu spielen. Helden sterben im Dienst, Feiglinge werden pensioniert.
– Zebra Base, Delta-09 hier, bitte kommen, funkte sie ein drittes Mal. Es dauerte eine Weile, bevor sie Rolfs Stimme hörte.
– Wir hören dich, Delta-09, wie ist die Lage? antwortete er.
– Ich bin jetzt am Ende des Gangs, antwortete sie. Ich brauche jetzt Verstärkung, sonst entwischt er mir.
– Verstanden, Delta-09, sagte Rolf. Charly-Team ist auf dem Weg. Sie sind jetzt am Anfang von deinem Gang. Bleib in Deckung bis sie bei dir sind, verstanden?

Sie fand, dass sein Befehl extra scharf klang. Sie beschloss, es als Besorgnis zu interpretieren.
– Verstanden, antwortete sie. Ich begnüge mich damit, ihn im Auge zu behalten. Es befanden sich nur sehr wenige Menschen auf dem Gang, und sie fragte sich, ob es vielleicht zu auffällig wäre, wenn sie dem langhaarigen Mann direkt folgte. Auf der anderen Seite musste sie aber wissen, wo er war. Vielleicht war er nach draußen entwichen und lief jetzt zwischen den parkenden Flugzeugen auf und davon. Sie ging langsam auf den Flugsteig zu, in den der Mann hineingegangen war. Dem Monitor über dem Eingang konnte sie entnehmen, dass vor einer halben Stunde ein Flugzeug von hier aus abgegangen war. Sie guckte vorsichtig um die Ecke. Es war niemand zu sehen. Nicht ein einziger Mensch befand sich in diesem Flugsteig. Sie schaute mehrmals zu beiden Seiten, aber hier war wirklich niemand. Dann sah sie die Tür zum Waschraum.

Rolf hatte Verbindung zum Anführer von Charly-Team und war im Begriff, ihm die erforderlichen Anweisungen zu geben, damit sie Lisbeth finden konnten.
– Ihr müsst ganz bis ans Ende des Ganges, erklärte Rolf. Aber der ist ziemlich lang. Ihr müsst euch beeilen. Sie ist allein mit ihm.
– Verstanden, sagte der Anführer. Wir sind auf dem Weg. Im selben Moment stürzte Tom in die Tür mit Kristian auf den Fersen.
– Das ist das Verrückteste, das ich bis heute freiwillig mitgemacht habe, sagte er, als er Rolf bemerkte. Was ist mit dem Flugzeug, alles in Ordnung? Tom sah schwer angeschlagen aus, aber Rolf wählte, das jetzt erst einmal zu ignorieren.
– Der Tower hat berichtet, dass mit dem Flugzeug nichts passiert ist, sagte Rolf. Es landet in Kürze wieder hier. Was zum Teufel ist da unten passiert? Tom schaute Kristian an.
– Vielleicht solltest du berichten, sagte er. Ich habe schließlich einen großen Teil der Zeit auf dem Boden rumgelegen. Kristian räusperte sich und erzählte, kurz und präzis, was geschehen war.
– Wir haben ein Schweineglück gehabt, sagte Rolf. Es hätte genauso gut mit einer Katastrophe enden können. Wir können dankbar sein, dass wir keine nennenswerten …
– Roter Alarm! rief einer der Techniker plötzlich. Delta-09 liegt am Boden, und im Moment zeigt der … Tom und Rolf drehten sich um zum Navigations-Bildschirm an der Wand. Die kleinen Bildschirme der Agenten-Kameras zeigten verschiedene Bereiche des Flughafens, je nachdem, wo sie waren. Aber Toms und Rolfs Blicke waren auf den Bildschirm mit der Überschrift „Delta-09“ fixiert. Es gab keinen Zweifel, Lisbeth lag auf dem Boden, und ihre kleine Kamera war direkt auf einen Mann gerichtet, der über ihr stand und eine Pistole auf ihren Kopf richtete.
– Verdammt! schrie Rolf. Er bringt sie um! Alle im Bus starrten wie hypnotisiert auf den Bildschirm. Niemand wagte zu atmen.

Kurz zuvor war Akhmahel unbemerkt in den Waschraum geschlichen. Er hatte den Aktenkoffer zwischen die Beine gestellt und sich mit einem Griff die Perücke vom Kopf gezogen. Aus seiner Brusttasche hatte er einen buschigen Schnurrbart genommen und ihn mit geübten Händen an der Oberlippe befestigt. Er hatte die Perücke und die Waffe in einen Abfallbehälter geworfen und unter weggeworfenen Papierhandtüchern versteckt. Dann hatte er mit einer schnellen Bewegung seine Jacke ausgezogen und umgedreht. Seine graue Jacke hatte sich in eine beigefarbige Jacke verwandelt. Er hatte sein jetzt kurzes Haar glattgestrichen und in den Spiegel geschaut. Ja, das war definitiv nicht derselbe Mann, der eben in den Waschraum gekommen war. Er hatte sich selbst im Spiegel zugelächelt, den Aktenkoffer genommen und den Waschraum wieder verlassen.

Lisbeth war langsam auf den Waschraum zugegangen. Sie musste sich Gewissheit darüber verschaffen, ob der Langhaarige dort war oder nicht. Ihr Herz hatte geklopft, als ob sie an einem Marathon teilgenommen hätte, und sie hatte am ganzen Körper kalt geschwitzt. Ihr Instinkt hatte ihr geraten, so schnell wie nur irgend möglich von hier zu verschwinden, aber sie hatte sich geweigert, der nagenden Angst nachzugeben. Sie hatte ihre Pistole gezogen, sie aber hinter ihrem Rücken versteckt gehalten, um nicht zufällige andere Reisende zu erschrecken. Sie war in den kurzen Durchgang zwischen Herrentoilette auf der einen und Damentoilette auf der anderen Seite hineingegangen. Ihre Augen waren auf die Herrentoilette auf der linken Seite fixiert gewesen. Plötzlich war ein Mann herausgekommen. Sie war zusammengezuckt und hatte für den Bruchteil einer Sekunde Blickkontakt mit dem Mann gehabt. Sie hatte sofort gewusst, dass es nicht der Mann war, den sie suchte und hatte ihn angelächelt. Er trug eine beigefarbige Jacke, hatte sie bemerkt. Dann hatte es in ihr wie ein Blitz eingeschlagen: das war derselbe Mann, er hatte sein Aussehen verändert. Und da hatte sie auch gewusst, warum sie meinte, ihn schon einmal gesehen zu haben. Dies war der Mann aus ihrem Traum, der mit dem buschigen Schnurrbart, der Traum, in dem sie starb. Der Schock hatte sie für einige Bruchteile einer Sekunde gelähmt, aber dann hatte sie reflexmäßig reagiert. Sie hatte schnell die Waffe hinter ihrem Rücken hervorgezogen.

Akhmahel war seinem Schatten fast in die Arme gelaufen. Sie hatte ihn erschrocken angesehen, aber er hätte schwören können, dass sie sich wieder entspannt hatte. Sie hatte ihn angelächelt und er hatte gedacht, er würde davonkommen. Aber im nächsten Augenblick hatte sich der Ausdruck in ihren Augen wieder verändert, und er war sich darüber im Klaren gewesen, dass sie ihn erkannt hatte. Sie hatte den Bruchteil einer Sekunde gezögert. Das war mehr als genug für Akhmahel gewesen. Sie hatte eine plötzliche Bewegung mit der Hand gemacht, die sie hinter ihrem Rücken hielt, aber es war zu spät gewesen. Akhmahel hatte die Frau mit einem heftigen Schlag in den Magen getroffen, der ihr die Luft raubte. Ihre Beine hatten nachgegeben, und sie war schon in Ohnmacht gefallen, als Akhmahel ihr mit großer Präzision einen Schlag auf den Unterkiefer gab. Der Schlag hatte ihren Kopf nach hinten und zur Seite geworden. Sie war buchstäblich wie ein Licht ausgegangen und auf dem Boden zusammengesunken. Die Waffe war aus ihrer Hand gefallen und über den Boden geglitten. Akhmahel war der Waffe mit den Augen gefolgt. Er hatte sie aufgehoben. Er hatte auf die bewusstlose Frau gesehen, die Pistole gehoben und sie auf einen Punkt in der Mitte ihrer Stirn zwischen den Augen gerichtet.
– Bang, du bist tot, sagte er leise und warf die Pistole neben sie. Aus irgendeinem Grund konnte er es nicht über sich bringen, sie kaltblütig zu erschießen. Er wusste schließlich mit Sicherheit, dass sie für mindestens zwei Stunden außer Gefecht gesetzt war. Er ging davon.

In der mobilen Kommandozentrale brach Jubel aus. Alle hatten das Drama auf dem kleinen Bildschirm wie gebannt verfolgt.
– Er hat sie nicht erschossen! rief Rolf mit einer Erleichterung, dass ihm fast die Tränen kamen. Halleluja, Hosianna und Amen! Er hat sie nicht erschossen, sie lebt, sie lebt! Tom packte ihn grob am Arm und blickte ihn ernst an.
– Vielleicht war es nur nicht nötig, sie zu erschießen, Rolf. Vielleicht ist sie schon tot. Es tut mir leid, aber das kann durchaus der Fall sein. Tom drehte sich um zu den Technikern und sagte:
– Könnt ihr einen Krankenwagen …
– Ist schon auf dem Weg, Tom, wurde er unterbrochen. Ist schon auf dem Weg.
– Gut, sagte er und sprang in drei Schritten zur Tür. Ich gehe zu Lisbeth.

(Fortsetzung folgt)

 

ENGLISH

The Man from Tehran

Friday, 10 February 2006

Copenhagen Airport, 4.45 p.m.

Lisbeth looked around attentively as she slowly walked down the long corridor, in the same direction in which the two men had disappeared from the washrooms. The noise of a plane taking off reached her ear. She took a quick look at the clock. That could be flight SK779 getting ready to take off, she thought. Hopefully, it was true. The sooner the damn plane disappeared from Danish territory, the sooner this nightmare would end. Then she saw one of the two men. He was standing about twenty feet down the aisle. He had long, unkempt hair and was carrying a briefcase in one hand. Suddenly she was sure that she had seen the man before, but where?

At the moment he was standing at one of the windows, staring intensively out at the runways. Lisbeth stopped and tried to find out where the other man was. But she couldn’t see him anywhere. The long-haired man’s intense stare caught Lisbeth’s interest. A terrible thought struck her. She followed his gaze and saw an airplane accelerating rapidly. Its tip took off from the runway and began to rise. The next event seemed so unreal to her that she couldn’t believe her eyes. The plane was no more than a few hundred meters off the ground when something passed it at tremendous speed. Whatever it was, it left a long streak of smoke. She winced and put her hand over her mouth. God in heaven, she said almost aloud. The plane heeled violently to the right almost immediately as the thing disappeared over the Øresund Bridge, where it made a wide arc and headed back towards the airport.

Only then did Lisbeth realize the seriousness of the situation. Hell, the plane was being shot at from somewhere in the eastern part of the airport and the man was standing there and watching. Then the streak of smoke disappeared from her field of vision behind a building and immediately afterwards she saw a blinding flash of light, which was followed a few seconds later by a clap of thunder. She looked back at the plane. It was now gone on the horizon. It was probably above Dragør now, she guessed. Then she remembered the man again. To her chagrin, she discovered that he was gone. She looked around quickly and saw him walking further down the hall. An instinct made her look over her shoulder. The other man was about thirty yards behind her, watching her. Who is following whom now, she thought.

An unsettling feeling spread through her body. I have to report this, she decided. She called Zebra Base and followed the man with the long hair.

– Zebra Base, Delta-09 here, please come in.

– We hear you, Delta-09, answered Rolf’s voice immediately.

She thought he sounded out of breath, but she was glad to hear his voice.

– I’m chasing someone in one of the long departure corridors. Probably the ones who got Williams, she said. But tell me what the hell just happened on the runway?

– Flight SK779 was shot at with a missile from the ground, said Rolf. Tom was apparently able to divert the launch at the very last minute. We assume everything is fine with the plane. I’m waiting for a message from the control tower, but …
He stopped in mid-sentence as if trying to find the right words.
– … be careful, Lisbeth, he continued. These people are not to be trifled with.

He sounds really worried about me, she thought. That gave her new courage. She decided to wait and not ask for help just yet.

Akhmahel’s disappointment was limitless. He didn’t know what had gone wrong, but Wahil had fired the missile too early. That was very obvious. The plane appeared to be undamaged. The missile could have hit something else, of course, but nothing could be seen from where he was standing. He needed to know what had happened. He decided to go to the end of the hallway, maybe he could see something from there.

After shooting the intrusive man in the washroom, Sadou positioned himself near the entrance while Akhmahel walked down the aisle to watch the plane to Budapest be shot down. Sadou watched a man leave the washroom immediately after him and call for help. Another man hurried into the washroom and came out again, literally running into a woman who then ran into the washroom. The woman and the man talked to each other, and then the woman followed Akhmahel. She literally smelled of police or security guard Sadou thought and decided to follow her. Akhmahel stood a little further away, staring out one of the large windows. The woman had apparently spotted him and had stopped. It looked like she was following Akhmahel’s gaze and, reflexively, Sadou did the same. Without moving, all three of them watched the drama unfold over the eastern part of the airport. Sadou felt a twinge of disappointment when he realized that the attack had failed. What went wrong? Then Akhmahel continued down the hall and the woman looked around. She looked directly at Sadou for a second, but immediately turned away again. He wasn’t sure if she had noticed him or not. She followed Akhmahel again, and Sadou followed her.

Lisbeth was increasingly concerned about the situation as she continued down the aisle. What now? She had to ask for help, at least with regard to the man who was tailing her. It was insane to try anything alone against both of them. She radioed Zebra Base again.

– We hear you, Delta-09, she heard Rolf’s voice say.

– I have a shadow that I would like to be rid of, she said.

Rolf searched the screen and immediately found a solution. He had a man close by, a CIA agent.

– OK, Lisbeth, I have a CIA agent near you, he replied. Do you have a description?

Lisbeth was relieved. She had feared that all agents were on standby somewhere else.

– A man, about 5 feet tall, wearing a green windbreaker, about 10 to 15 meters behind me, she replied. Every time I stop, he does too. I’ll stop again in 30 seconds, then you can identify him.

– Fine, Lisbeth, hold on a moment, said Rolf.

He let her listen in while he called the CIA agent and explained what was expected of him. She heard the CIA agent confirm that he had seen her. He was ready.

Let’s get it over with, she thought. She stopped and looked over her shoulder. Sadou stopped just as suddenly and suddenly looked intensely out of one of the windows.

– I got him! she heard the agent say, and she walked on, relieved, without turning around.

– Be careful now, repeated Rolf worriedly.

– Of course, I’m careful, she replied. And I would appreciate a little reinforcement. Are any of Tom’s people around?

Rolf looked at the screen. The firing of the missile had withdrawn all three commandos from the departure halls. He would have loved to call them all back and send them off to Lisbeth, but he knew that he couldn’t take any men from Tom now. He wanted to warn her to be careful again, but didn’t.

– The attack on flight SK779 withdrew all three units, he said instead. I’ll send someone as soon as I can.

Pete Holmes had been watching some passengers impatiently waiting for a flight to Pakistan when the call from Lisbeth came through Zebra Base. He had recognized Lisbeth from the briefing in the hangar and had immediately noticed her shadow when he stopped. Now Pete walked two steps behind the man in the green jacket and drew his gun from the shoulder holster. There weren’t many people here in the last third of the aisle, and Pete moved quickly right behind the man and stuck the gun in his back.

– Please stop, he said coldly.

Sadou froze. He turned slowly and looked straight into the face of a man who was at least a head taller than him.

– What is the problem? Sadou asked with a wry smile.

The man had pulled his CIA ID out of his pocket and was holding it so that Sadou could see it.

– Please stand still, said the agent.

– Why, what is the problem? Sadou tried again.

The agent put the ID back in his pocket without answering. With the pistol in one hand pointed at Sadou, he used the other to examine with practiced movements whether Sadou was armed or not. Then he grabbed Sadou by the arm and pulled him back down the aisle towards the hall. Sadou asked a few more times what this was about but got no answer. Eventually he gave up asking and decided not to resist or play a hero. After all, they had nothing on him and would soon have to let him go.

Two paramedics struggled to put Williams on a stretcher. They had been able to stop the bleeding from his wound quickly and assumed that his life was not in danger. Neither of them had ever heard of a shooting at Copenhagen Airport before, and both felt the tense atmosphere around them.
Williams was slowly regaining consciousness but had no idea where he was. The insecurity made him uneasy and he reached for one of the paramedics. He got hold of the man’s heavy jacket. The paramedic forced him onto the stretcher and clasped his hands. Then they tied him up, picked up the stretcher, and carried him away.
Williams was almost fully conscious now. Desperately trying to free himself, he tossed his head from side to side, trying to orientate himself. He wasn’t clear enough in his head to think about the ring on his right hand, however, and didn’t notice that the ring repeatedly stabbed the top of his left hand and scratched the skin. The two paramedics carried the wounded man into an elevator that led them to a waiting ambulance. A few minutes later they were on their way to the nearest hospital with flashing lights. One of the paramedics was sitting in the back of the ambulance with the injured man.

– Take it easy, you’ll be back on your feet soon, he tried to calm the man down.
He looked tough and almost dangerous to the paramedic. Was he even a Dane? Would he have understood what he had just said? He was about to repeat his reassuring words in English when something very unexpected happened. The man’s eyes glazed over, and he began to tremble. An epileptic fit, the paramedic thought. Gosh, the man is an epileptic. A smile slipped across the man’s face, but the paramedic did not notice, for his attention was focused on a shelf above the stretcher. He looked for something to stick between the man’s teeth so he wouldn’t bite his tongue, but he found nothing.

Williams knew what had happened. He could suddenly feel the burning pain on the top of his left hand. What an irony of fate, he thought. Had they all felt the same thing after he stung them? A grotesque smile slipped across his face, and a moment later the cramps started.

Rolf paced up and down the mobile command center like a tiger in a cage. All the alarm bells rang in his head at once. He knew he was worried about Lisbeth more than could be explained by general collegial care. She was alone in one of the long corridors of the airport at the heels of a terrorist – an armed terrorist. Damn it, it’s unbearable, he thought. He decided to call for backup right away.

Akhmahel had reached the end of the corridor. He knew he was being followed and he knew by whom. The moment Lisbeth had stopped to draw the CIA agent’s attention to her shadow, Akhmahel happened to have stopped too and looked back. He had noticed the woman immediately. She was hard to miss, because there were hardly any people here besides them. Behind her he saw Sadou pretending to be looking out of the window. Was she a plainclothes policewoman? Or was she from the CIA or EATO? Well, he would know soon. He reached for the gun in his pocket. It calmed him to feel it in his hand. But first he had to find out what the missile had hit. Here at the very end of the corridor, he had a lot more overview than from where he had been when the missile was launched. To his disappointment, however, he found that he could not see the impact site from here either. Damn it, he thought, now all he could do was hope that Wahil had escaped so he could find out later why the attack had failed. But now it was time to change identity again. And then there was the little problem with his shadow. He went right into a deserted gate and disappeared from Lisbeth’s field of vision. Luckily there was a washroom there.

Lisbeth didn’t know whether the man had noticed her or not. Perhaps the two men were in contact via a cell phone or something similar. The man turned to the right and disappeared from her view. She noticed that she was sweating, and her heart was pounding so hard it almost hurt. For some reason, she felt it was important for her to remember where she had seen the man before, but her memory failed her. Should she follow him, or should she wait for help? She could do both, of course. She would follow him, but nothing more, and wait for help to come. Under no circumstances would she try to play the hero. Heroes die on duty, cowards retire.

– Zebra Base, Delta-09 here, please come, she radioed a third time. It took a while before she heard Rolf’s voice.

– We hear you, Delta-09, what’s the situation? he answered.

– I’m at the end of the hall now, she replied. I need reinforcements now or he’ll get away from me.

– Understood, Delta-09, said Rolf. Charly team is on the way. They are now at the other end of your corridor. Stay under cover until they’re arrive, understand?

She thought his command sounded extra sharp. She decided to interpret it as a concern.

– Got it, she replied. I am content to keep an eye on him.

There were very few people in the hallway, and she wondered if it would be too conspicuous if she followed the long-haired man directly. On the other hand, she had to know where he was. Perhaps he had escaped outside and was now pacing between the parked planes. She walked slowly towards the gate the man had entered. She could see from the monitor above the entrance that a plane had departed from here half an hour ago. She looked carefully around the corner. There was no one to be seen. Not a single person was in this gate. She looked to both sides several times, but there was really no one here. Then she saw the door to the washroom.

Rolf was in touch with the leader of Charly’s team and was about to give him the necessary instructions so they could find Lisbeth.

– You have to go all the way to the end of the corridor, he explained. But it’s pretty long. You have to hurry. She is alone with him.

– I understand, said the leader. We are on our way.

At the same moment Tom rushed into the door with Kristian on his heels.

– That’s the craziest thing I’ve been through voluntarily to this day, he said when he noticed Rolf. What about the plane, everything okay?

Tom looked badly battered, but Rolf chose to ignore that for now.

– The tower reported that nothing happened to the plane, said Rolf. It will land here again shortly. What the hell happened down there?

Tom looked at Kristian.

– Maybe you should report, he said. I ended up lying around on the ground most of the time.

Kristian cleared her throat and told, briefly and precisely, what had happened.

– We were incredibly lucky, said Rolf. It could just as easily have ended in disaster. We can be grateful that we have not suffered any significant …

– Red alert! one of the technicians suddenly called. Delta-09 is on the floor, and at the moment it shows …

Tom and Rolf turned to the navigation screen on the wall. The agent cameras‘ tiny screens showed different areas of the airport depending on where they were. But Tom and Rolf’s eyes were fixed on the screen with the heading „Delta-09“. There was no doubt about it, Lisbeth was lying on the floor and her little camera was aimed straight at a man standing over her, pointing a gun at her head.

– Damn it! shouted Rolf. He’s killing her! Everyone on the bus stared at the screen as if hypnotized. Nobody dared to breathe.

Shortly before, Akhmahel had sneaked into the washroom unnoticed. He had put the briefcase between his legs and pulled the wig off his head with one quick movement. He had taken a bushy mustache from his breast pocket and fastened it to his upper lip with practiced hands. He had thrown the wig and gun in a bin and hidden them under discarded paper towels. Then with another swift movement he had taken off his jacket and turned it around. His gray jacket had turned into a beige jacket. He had straightened his now short hair and looked into the mirror. Yes, that was definitely not the same man who had just walked into the washroom. He’d smiled at himself in the mirror, picked up the briefcase, and left the washroom.

Lisbeth had walked slowly towards the washroom. She needed to be certain whether the long-haired man was in there or not. Her heart was pounding as if she was running a marathon and she was sweating all over her body. Her instinct had told her to get out of here as soon as possible, but she had refused to give in to the nagging fear. She had drawn her pistol but kept it hidden behind her back so as not to frighten random travelers. She had stepped into the short passage between the men’s room on one side and the women’s room on the other. Her eyes were fixed on the men’s room on the left. Suddenly a man had come out. She had flinched and had eye contact with the man for a split second. She had known immediately that it was not the man she was looking for and smiled at him. He was wearing a beige jacket, she had noticed. Then it had struck her like lightning: that was the same man, he had changed his appearance. And that’s when she knew why she thought she’d seen him before. This was the man from her dream, the one with the bushy mustache, the dream in which she died. The shock paralyzed her for a split second, but then she reacted reflexively. She quickly pulled the gun from behind her back.

Akhmahel almost ran into his shadow. She looked at him, startled, but he could have sworn that she relaxed again. She smiled at him and he thought he would get away with it. But in the next instant the expression in her eyes changed again and he knew that she had recognized him. She hesitated for a split second, and that was enough for Akhmahel. She made a sudden movement of the hand she was holding behind her back, but it was too late. Akhmahel hit the woman with a sharp blow in the stomach that made her breathless. Her legs gav way and she went completely out when Akhmahel hit her lower jaw with great precision. The blow turned her head back and to the side. She literally went out like a light and slumped on the floor. The gun fell from her hand and slid across the floor. Akhmahel followed the gun with his eyes. He picked it up, looked at the unconscious woman, raised the gun, and aimed it at a point in the center of her forehead between her eyes.

– Bang! You’re dead, he said softly, and threw the gun next to her. For some reason he couldn’t bring himself to shoot her in cold blood. After all, he knew for sure that she would be incapacitated for at least two hours. He walked away.

Cheers broke out in the mobile command center. Everyone had watched the drama on the small screen as if spellbound.

– He didn’t shoot her! Rolf exclaimed with a relief that almost brought tears to his head. Hallelujah, Hosanna and Amen! He didn’t shoot her, she lives, she lives!

Tom roughly grabbed his arm and looked at him seriously.

– Maybe it just wasn’t necessary to shoot her, Rolf. Maybe she’s already dead. I’m sorry, but that may well be the case.

He turned to the technicians and said:

– Can you get an ambulance …

– It’s on its way, Tom, he was interrupted. It’s already on the way.

– Fine, he said, and took three steps to the door. I’m going to Lisbeth.

(To be continued)