Der Mann aus Teheran, Kopenhagen Flughafen/Greve … The man from Tehran, Copenhagen airport/ Greve

CoverDeutsch

Der Mann aus Teheran

Freitag, 10. Februar 2006

Flughafen Kopenhagen 11.55 Uhr

Lisbeth kam aus dem Fahrstuhl und ging in Richtung des Konferenzraums, den der Flughafen für das Informationsgespräch mit der Presse zur Verfügung gestellt hatte. Als Erstes sah sie Antonsen, der vor dem Zimmer hin und her ging. Er lächelte als er sie sah und warf einen kurzen Blick auf seine Uhr.
– Du bist früh dran, sagte er, das ist gut. Lisbeth nickte und erwiderte sein Lächeln.
– Wie sieht es aus? fragte sie, sind viele da? Er winkte ab und antwortete:
– Nein, überhaupt nicht. Ich fürchte, dass das Ereignis bei der Presse kein großes Interesse geweckt hat. Es gibt ein paar EB-Teams von den beiden großen Fernsehsendern und ein paar Journalisten und Fotografen von den Zeitungen. Es sind alles neue und unerfahrene Menschen, keine Stars, weißt du. Lisbeth nickte wiederum nur. Sie war sich noch nicht im Klaren darüber, wie sie ihre eigene Agenda für das Briefing in den Griff bekommen würde. Es war wirklich gut, dass das Ereignis nicht die erfahrenen Journalisten angelockt hatte. Je weniger wichtig die Presse die Veranstaltung nahm, desto besser. Sie würde versuchen, die gesamte Begebenheit herunterzuspielen. Aber sie musste natürlich vorsichtig sein. Es könnte einzelne Talente unter den Teilnehmern geben, die merken würden, wenn sie zu sehr übertrieb oder in diesem Fall untertrieb.
– Sollen wir reingehen? schlug Antonsen vor.

Kastrup (der Stadtteil Kopenhagens, zu dem der Flughafen gehört), 12.10 Uhr

Henning Nedergaard radelte über die Kreuzung am Saltværksvej und Amager Strandvej und weiter den Kastrup Strandpark entlang. Er fuhr in Richtung Jachthafen. Die Luft war kalt, aber klar. Er trat kräftig in die Pedalen, um sich warm zu halten. Henning war Mitglied des lokalen Rudervereins in dem relativ neuen Yachthafen in Kastrup am Ende des Kastrup Strandparks und er war an der Reihe, die bescheidenen Clubgebäude zu überwachen. Einige Minuten später kam er am Yachthafen an. Er lehnte sein Rad gegen eines der Gebäude, so wie er es immer tat. Henning war Ende zwanzig, unverheiratet und hatte vor Kurzem seine Ausbildung als Revisor erfolgreich abgeschlossen. Er wusste, dass er mehr aus dieser Überwachungsaufgabe machte als notwendig gewesen wäre, aber es entsprach nun einmal seiner Natur, Dinge ordentlich und gründlich zu tun.

Vielleicht hing es mit seiner Arbeit als Revisor zusammen. Ein Revisor konnte es sich nicht leisten, Details zu übersehen. Automatisch schaute er auf die Stelle, wo der Wagen mit dem französischen Kennzeichen letzte Nacht geparkt hatte. Der stand immer noch da. Es war eigentlich nicht sein Problem, wenn es überhaupt ein Problem war, aber es störte ihn irgendwie. Es war schließlich nicht erlaubt, im Hafen zu zelten oder zu übernachten. So etwas konnte leicht Überhand nehmen. Ein kleiner Kommafehler irgendwo konnte an anderer Stelle das reine Chaos bewirken. Er stand lange da und sah den Wagen an, während er darüber nachdachte, was er tun sollte. Es war wohl übertrieben, die Polizei zu rufen, dachte er, aber er konnte auf der anderen Seite auch nicht tatenlos zusehen oder? Vielleicht hatte der Fahrer Probleme mit dem Motor und wartete auf einen Mechaniker oder einen Abschleppwagen. Schließlich siegte sein Ordnungssinn. Er beschloss, sich den Wagen genauer anzusehen.

Wahil fühlte sich wie ein Löwe im Käfig. Es drängte ihn, seiner wachsenden Ungeduld freien Lauf zu geben, aber er beherrschte sich. Seitdem er das Auto zwischen all den Booten, die an Land gebracht worden waren, geparkt hatte, hatte er gegessen, gelesen und geschlafen. Es waren nicht viele Leute vorbeigekommen und er hatte sich bisher weder beobachtet noch in Gefahr gefühlt. Er hatte gerade hinter einem der Boote ein dringendes Geschäft erledigt, als ein Mann auf einem Fahrrad ankam. Wahil hatte den Eindruck, dass es derselbe Mann sein könnte, der bereits gestern Abend vorbeigekommen war, kurz nachdem er den Wagen geparkt hatte. Er hatte Schwierigkeiten, die Gesichtszüge der Menschen hier im Westen zu unterscheiden. Es waren mehr der zarte Körperbau des Mannes und die Tatsache, dass er auf einem Rad kam, die Wahil annehmen ließen, dass es sich um denselben Mann handelte. Der Mann schien nicht recht alt zu sein, aber Wahil wollte dennoch wachsam sein. Der junge Mann stand lange nur da und blickte direkt auf das Auto, nachdem er wie gestern das Fahrrad an eines der Gebäude gelehnt hatte. Wahil hielt sich zwischen zwei Booten versteckt und wartete darauf, dass der junge Mann wieder wegfahren würde. Aber zu seiner großen Überraschung ging er stattdessen auf das Auto zu. Das Intelligenteste, was Wahil jetzt tun konnte wäre, sich weiterhin zu verstecken. Die Tür zum Laderaum war abgeschlossen, und der junge Mann würde wahrscheinlich schnell das Interesse an dem Auto verlieren. Aber die lange Zeit der Langeweile bewirkte, dass Wahil jetzt jede auch nur geringste Ablenkung willkommen hieß. Sein Jagdinstinkt war erwacht, ähnlich wie der Jagdinstinkt einer Katze durch ein Insekt stimuliert werden kann, das über den Boden kriecht.

Henning war zum Fenster an der Fahrerseite gegangen. Er blickte sich über die Schulter, aber es war niemand zu sehen. Er drückte sein Gesicht an die Fensterscheibe und beschattete die Augen mit den Händen, um besser nach innen sehen zu können. Er blickte sich wieder über die Schulter und versuchte dann die Tür zu öffnen. Sie war nicht abgeschlossen. Aus irgendeinem Grund machte ihm das Angst, und er schloss sie schnell wieder und trat zurück. Er schüttelte den Kopf und sah sich um. Es war immer noch niemand zu sehen. Er entspannte sich wieder und ging um das Auto herum. Als er neben der Tür des Laderaums stand, schaute er zum dritten Mal über seine Schulter, bevor er seine Hand nach dem Türgriff ausstreckte.

Wahil hatte von seinem Versteck aus alles mit angesehen während der Adrenalinspiegel in seinem Blut immer mehr anstieg. Er hatte mit Erstaunen mit angesehen, wie der zerbrechliche Mann erschrak, als die vordere Tür aufging, und nun stand der Mann an der Tür des Laderaums. Er streckte die Hand nach dem Türgriff aus. Wahils Blut kochte. Er griff an.

Henning hörte ein Geräusch hinter sich und drehte sich erschrocken um. Sein Blut gefror bei dem Anblick, der ihn erwartete. Zwischen zwei Booten, weniger als fünf Meter vom Auto entfernt, kam ein Berg von einem Mann direkt auf ihn zugelaufen. Er sah furchterweckend aus. Er war mindestens einen Kopf größer als Henning und sein Körperbau ähnelte dem eines Gorillas. Das Gesicht des Mannes war mit einem großen buschigen Bart bedeckt und seine dunklen Augen waren wie die eines Raubtiers. Dieser grauenerregende Anblick lähmte Henning völlig. Er stand wie festgenagelt während der wenigen Sekunden, die es dauerte bevor der Riese ihn erreicht hatte. Mit all der Kraft seiner in den letzten mehr als 15 Stunden aufgestauten Unruhe schlug Wahil dem jungen Mann mit einem Faustschlag direkt auf den Unterkiefer. Wahils ganzes Körpergewicht und das Momentum von dem kurzen Sprint lagen hinter dem Schlag. Er war so heftig, dass er dem zarten Mann den Kiefer aus dem Gelenk riss und ihm direkt in die Kehle jagte, während sein Kopf mit solcher Wucht nach hinten geworfen wurde, dass sein Genick brach wie ein trockener Zweig. Der junge Mann war tot, bevor seine Beine unter dem bescheidenen Körpergewicht nachgaben. Der letzte Gedanke, den Henning Nedergaard in diesem Leben dachte und der seine generelle Lebenseinstellung widerspiegelte, war: Habe ich das Fahrrad abgeschlossen?

Wahils Augen hörten langsam auf zu glühen und sein Puls beruhigte sich. Er blickte sich um. Niemand war zu sehen. Er ding davon aus, dass seine ‚kleine Zerstreuung‘ unbemerkt geblieben war. Er hatte nicht das geringste Mitgefühl für den nichtsahnenden Mann, den er gerade so brutal ermordet hatte. Er hatte nicht mehr Mitleid für seine Opfer als der Löwe es für die Beute hat, die zwischen seinen Kiefern verreckt. Er bedauerte nur, dass der Mann so klein und zerbrechlich gewesen war. Das hatte ihm ein wenig die Freude am Angriff verdorben. Er blickte auf die Leiche des jungen Mannes. Der untere Teil seines Gesichts war ein einziger blutiger Kloß. Er würde schwer zu identifizieren sein. Nach und nach kamen Wahils Gedanken wieder in die Realität zurück. Ihm war klar, dass er die Leiche hier nicht einfach liegenlassen konnte. Er musste zusehen, alle seine Spuren zu löschen, so dass der Mann erst nach Beendigung seiner Mission gefunden wurde. Er schloss die Tür zum Laderaum auf und öffnete sie. Dann griff er den Toten mit einer Hand am Hosenbund und warf ihn in den Laderaum wie einen Sack Kartoffeln. Ohne Beschwer manövrierte er die Leiche in die vordere linke Ecke, wo er selbst die letzten beiden Nächte geschlafen hatte. Er deckte sie mit seinem Schlafsack zu, stieg aus, schloss die Tür ab und setzte sich in den vorderen Teil des Autos auf den Fahrersitz. Kurz darauf studierte er wieder die Zeichnung vom Flughafen. An die Leiche im Frachtraum verschwendete er keinen Gedanken mehr.

Flughafen Kopenhagen, 12.25 Uhr

– Das klingt aber reichlich fadenscheinig, bemerkte ein kleiner, temperamentvoll aussehender Journalist von einer der großen Tageszeitungen. Lisbeth hatte ihn scharf beobachtet. Ihn konnte man offensichtlich nicht so einfach an der Nase herumführen. Er könnte sich zu einem Problem entwickeln.
– Laut Außenministerium, war es sehr wichtig, dass die Nachrichtenagenturen hier erscheinen, versetzte er in einem scharfen Tonfall. Man hat sogar die neuen Sicherheitsvorschriften suspendiert. Da muss noch etwas anderes hinterstecken. Was verschweigen Sie uns? Lisbeth und Antonsen saßen nebeneinander an einem Tisch und die Presseleute waren ihnen gegenüber auf einigen Stuhlreihen versammelt. Antonsen setzte zu einer Antwort an, als Lisbeth ihm diskret den Ellbogen in die Seite stieß. Sie lächelte den Reporter an und zog unschuldig die Schultern hoch.
– Wir haben Ihnen leider nicht mehr zu bieten als das, was wir bereits gesagt haben, antwortete sie. Dass das Außenministerium besonders daran interessiert war, Sie anstelle der Sportjournalisten einzuladen, liegt wahrscheinlich daran, dass wir die guten Beziehungen mit unseren Freunden aus den USA aufrechterhalten wollen. Mehr steckt wohl nicht dahinter. Der Journalist sah alles andere als überzeugt aus, sagte aber nichts mehr. Es entstand eine kleine Pause. Antonsen sah sich in der Gruppe um. Keiner schien noch etwas sagen zu wollen.
– Nun, wenn es keine Fragen mehr gibt…, sagte er. Dann möchte ich abschließend nur noch erwähnen, dass die Presse von Terminal 3 aus Zugang zur Abflughalle bekommt. Vielen Dank und bis später.

Flughafen Kopenhagen, 13.20 Uhr

Lisbeth verließ die Besprechung mit einem unsicheren Gefühl im Magen. Presseleute waren immer schwierig, vor allem die von der alten Garde. Im Laufe der Jahre erwarben die besten von ihnen eine Art Instinkt dafür, wenn etwas nicht so war wie es präsentiert wurde. Es tröstete sie aber, dass man jetzt keine anderen Reporter mehr für die eigentliche Pressekonferenz zulassen würde, als diejenigen, die an dem Informationsgespräch teilgenommen hatten. Nun war es zu spät dafür, die erfahrenen Leute einzusetzen. Sie trat aus dem Fahrstuhl und befand sich nun in Terminal 3, dem neuesten der Terminals am Kopenhagener Flughafen. Einen Moment später beobachtete sie die Reisenden, die ihr Handgepäck auf ein Förderband legten, das es durch den großen Scanner laufen ließ und wie sie selbst durch einen Metalldetektor gingen, bevor sie ihr Gepäck am anderen Ende des Förderbandes wieder in Empfang nahmen. Sie war sogar selber einige Male durch den gleichen Metalldetektor gegangen, als sie von Kopenhagen aus geflogen war. Aber nicht heute. Wenn ich jetzt durchgehe, flippt er aus, dachte sie ironisch.
Sie war sich der Waffe bewusst, die sich im Halfter unter ihrer Jacke befand. Sie trug nur sehr selten eine Waffe. Sie war eigentlich nicht sonderlich begeistert von Waffen, aber im Moment würde sie sich ohne ihre Pistole nackt fühlen. Sie hatte ein seltsames Gefühl im Bauch und plötzlich wurde ihr klar, dass sie nervös war. Schmetterlinge im Bauch hatten sie es daheim genannt. Natürlich trug sie die Verantwortung nicht allein, aber sie wollte ihren ‚Mann‘ stehen, wenn es losging. Sie ging in Richtung Terminal 2. Unterwegs, als sie die vielen verschiedenen Gesichter der Reisenden sah, ging ihr auf, dass ein Flughafen der ideale Ort für einen Terroristen ist, der sich verstecken will. Menschen aller Nationalitäten gingen entweder zwischen den Restaurants oder Läden umher oder eilten zu den wartenden Flugzeugen. Welche Auffassung man auch über das typische Aussehen eines Terroristen hatte, konnte man hier im Flughafen sicher einige finden, die zu den verschiedenen Vorurteilen passten. Alles hing von den Sicherheitskontrollen ab. Sobald man drinnen war, war man praktisch völlig anonym.
Sie kam bei der Sicherheitskontrolle in Terminal 2 an. Hier schien weniger Andrang zu den Scannern und den Metalldetektoren zu sein. Wie wird das Sicherheitspersonal hier in Terminal 2 reagieren, wenn die Polizei den Zugang durch Terminal 3 blockiert, dachte sie? Der Druck wird wahrscheinlich drastisch steigen und die Passagiere werden schnell ungeduldig werden. Würde das Sicherheitspersonal die Ruhe bewahren? Würden sie in ihrer Aufmerksamkeit nachlassen, nur ein kleines bisschen? Sind wir hier überhaupt an der richtigen Stelle? Würden sie hier angreifen? Sind sie vielleicht sogar schon da? Je mehr Fragen dieser Art in ihr aufstiegen, desto mehr Schmetterlinge flatterten in ihrem Magen. Sie überlegte, ob jemand wie Tom auf die gleiche Weise fühlte, bevor es losging oder ob er ein völlig anderes Reaktionsmuster hatte. Und wie stand es mit Rolf?
Sie verließ den Sicherheitscheck und ging durch eine Tür, die dem Flughafenpersonal vorbehalten war. Sie ging zur Gepäcksortierung. Sie wollte nicht noch mehr Zeit auf Spekulationen über die Sicherheit am Eingang zum zollfreien Bereich verschwenden.

Sie ging weiter in die Halle, von wo aus das Gepäck zu den wartenden Flugzeugen transportiert wurde. Wie steht es hiermit, dachte sie? Besteht die Gefahr, dass hier etwas schiefgeht? Sie war mit sich selbst einig, dass man hier wohl kaum einen Angriff zu erwarten brauchte. Sie hielt es für unwahrscheinlich, dass man von hier aus etwas an Bord eines Flugzeugs schmuggeln konnte. Vielleicht bei einem ganz alltäglichen Abgang, dachte sie, aber nicht bei diesem. Mindestens drei Männer der CIA würden in der Gepäcksortierung Posten stehen, und sie würden die Sicherheitskontrolle sicherlich nicht sorglos handhaben. Sie konnte jetzt nichts mehr tun, als die Daumen zu drücken. Das Glück durfte gerne auf ihrer Seite sein und nicht auf der der Angreifer. Sie fühlte zumindest, dass sie so gut vorbereitet waren wie nur irgend möglich. Sie ging zurück in Richtung Terminal 3.

Greve, 13.35 Uhr

Rina war mittlerweile fast 13 Jahre alt, ein hohes Alter für einen Hund. Sie würde aber trotzdem um nichts in der Welt ihren täglichen Spaziergang in den Dünen bei Greve Strand missen, genauso wenig wie Alma Birkelund. Nur ein Unwetter würde sie daran hindern. Alma Birkelund war die pensionierte Witwe des Fabrikanten Holger Birkelund, der vor fünf Jahren gestorben war. Rina hatte Holger Birkelund vergessen, aber Alma dachte immer noch und ständig an ihn. Sie fühlte manchmal, dass er auf irgendeine Weise in der Nähe war und führte oft ein gutes, langes Gespräch mit ihm, wenn sie ihren Nachmittagsspaziergang mit ihrem alten Labrador Retriever am Strand entlang ging. Im Moment stand Rina mit der Leine im Maul und wartete darauf, dass Alma Ihren Mantel anzog und ihre Strickmütze und ihr Halstuch korrekt anbrachte.
Kurz darauf verließen sie beide das Haus und gingen nach Osten in Richtung Strand. Die Villa lag in einer der Nebenstraßen von Greve Strandvej. Auf der richtigen Seite von Greve Strandvej, wie Alma stets betonte. Die richtige Seite war die, die einen direkten Zugang zum Strand hatte, ohne dass man die viel befahrene Hauptstraße zwischen Kopenhagen und Køge zu überqueren brauchte. In dieser Nebenstraße standen hauptsächlich Häuser, die ganzjährig bewohnt waren, aber es gab auch ein paar Ferienhäuser. Zum Beispiel das auf dem Nachbargrundstück zu Almas Haus, aber es stand meistens leer. Von Zeit zu Zeit war es vermietet, und Alma wusste, dass es im Moment bewohnt war. Sie hatte bereits gestern Abend ein dunkles Auto bemerkt. Später war dann noch eine Art Lieferwagen gekommen. Beide Autos hatten die Nacht über dort gestanden. Sie hatte keine Ahnung, wer die Gäste waren, obwohl sie versucht hatte, aus ihrem Schlafzimmer im ersten Stock zu spionieren. Pensionierte Witwen haben schließlich nicht mehr so viel Abwechslung. Sie war ziemlich sicher, dass sie ein Kind weinen gehört hatte, aber das war ja nur, was man erwarten konnte. Jetzt hoffte sie nur, dass die Kinder nicht zu laut waren, wenn sie draußen spielten.
Rina begann, sich entschlossen in Richtung Strand zu bewegen, kam aber nicht weit, da sie von einem Duft, der näher untersucht werden musste, abgelenkt wurde. Bald trottete sie weiter. Alma ging wie üblich ein paar Schritte hinter ihr mit der Leine in der Hand. Das Nachbargrundstück mit dem Ferienhaus gab ebenfalls einen Duft frei, der Rinas Aufmerksamkeit erweckte. Der Hund stellte sich völlig ungeniert in die Einfahrt des Hauses und folgte seiner Natur. Alma wollte sich auch ein wenig bei dem Ferienhaus aufhalten, so rein zufällig. Es war doch wohl auch eine Bürgerpflicht, sicherzustellen, dass alles in Ordnung war. Sie machte die Leine an Rinas Halsband fest, was den erfahrenen Hund überraschte. Das tat Alma normalerweise nie, nicht einmal, wenn andere Hunde in der Nähe waren. Derartigem war Rina längst entwachsen.
Alma bemerkte, dass der Lieferwagen fort war, aber der dunkle Wagen hielt noch in der Einfahrt. Er hatte ein ausländisches Kennzeichen, aber sie war nicht in der Lage zu beurteilen, aus welchem Land er stammte. Das sind sicher Deutsche, dachte sie indigniert. Da fehlen nur die Fahrräder auf dem Dach und der Kofferraum voller Lebensmittel. Als ob man in Dänemark nichts Vernünftiges kaufen könnte. Sie wollte gerade weitergehen, als die Tür aufging und ein Mann aus dem Haus kam. Er sah ganz bestimmt nicht aus wie ein Deutscher. Nein, er schien überhaupt nicht aus einem zivilisierten Land zu stammen. Sie eilte erschrocken weiter. Was war nur aus der Welt geworden? Sie fühlte sich keine Spur sicher mit Menschen aus einer fernen und geheimnisvollen Kultur im Haus nebenan. Zugegeben, es wohnten jetzt viele ‚solcher Leute‘ in der Umgebung, aber sie als nächste Nachbarn zu haben, davor war sie bis jetzt verschont geblieben. Sie fand allein den Gedanken an solche Art von Nachbarn ziemlich unangenehm.
Na ja, die Gäste in dem Haus waren selten mehr als eine oder höchstens zwei Wochen da. Aber wenn es auch nur den geringsten Ärger mit ihnen gäbe, würde sie sich sofort bei der Gemeinde beschweren. Man brauchte sich nicht mit solchen Menschen abzufinden. Während der nächsten Stunde, würden sie sie allerdings nicht stören. Das war die Zeit, die sie und Rina in der Regel für ihren Spaziergang brauchten. Sie machte Rinas Leine wieder los und kurz darauf waren sie am Strand.

Akhmahel hatte gerade noch ein letztes Mal in den Spiegel geschaut und sein Aussehen mit dem Bild in dem Pass verglichen, den er am Flughafen benutzen wollte. Zufrieden mit dem Ergebnis, verließ er das Bad und ging ins Wohnzimmer, wo er Mohammad jemandem die Adresse des Ferienhauses in seinem Handy bekräftigen hörte.
– Gut, sagte Mohammad in einer Sprache, die Akhmahel für Dänisch hielt. Mohammad steckte das Telefon in die Tasche.
– Nun? Akhmahel sah ihn fragend an.
– Es ist unterwegs, sagte Mohammad.
– Gut. Dann ist es so weit, sagte Akhmahel. Allah sei mit uns. Er blickte zu den anderen Männern hinüber. Während der letzten Stunde hatte Faroukh sein Verhalten geändert. Er war mehr und mehr unruhig geworden und war rastlos hin- und hergegangen. Akhmahel hatte gefragt, ob sein Mut ihn im Stich ließ, aber Faroukh hatte zu seiner Überraschung geantwortet, dass das Gegenteil der Fall war. Er freute sich darauf, bereits in ein paar Stunden mit all den großen islamischen Märtyrern vereint zu sein, und er hoffte nur, dass sie sein Opfer nicht zu klein finden würden. Akhmahel hatte ihm versichert, dass sein heutiges Opfer genauso wertvoll war wie das der islamischen Brüder, die beim Überfall auf das World Trade Center umgekommen waren. Diese Worte hatten Faroukh gestärkt und er wurde etwas ruhiger.
Vor weniger als zehn Minuten waren sie damit fertig geworden, ihn in Sprengstoff einzupacken. Er hatte seine Jacke darüber angezogen, so dass man von außen nichts sehen konnte. Tine und die Kinder hatten vor ein paar Stunden Beruhigungsspritzen bekommen. Die würden noch mindestens ein paar Stunden länger wirken. Sadou hatte sich vor ungefähr einer halben Stunde mit dem Lieferwagen auf den Weg gemacht. Er würde sich telefonisch melden, wenn er etwas bemerkte, das ihre Aktion in Gefahr bringen konnte. Die letzten drei Männer waren jetzt bereit zu gehen. Akhmahel verließ als Erster das Haus und trat aus der Tür gerade als eine alte Dame mit ihrem Hund an der Einfahrt stand. Die Dame ging jedoch weiter und Akhmahel stieg in den BMW und startete den Motor. Mohammad hatte ihm erklärt, wie er zur Autobahn kam und von dort sollte er nach Norden bis zum Flughafen fahren. Er legte den Gang ein, fuhr aus der Einfahrt heraus und die kleine Seitenstraße hinauf. Kurz bevor er die Hauptstraße erreichte, bog ein Taxi in die Seitenstraße ein und fuhr an ihm vorbei. Akhmahel ging davon aus, dass es sich um das Taxi handelte, das Mohammad gerade bestellt hatte. Als er in die Hauptstraße einbog, beschleunigte er. Kurz danach fuhr er auf die Autobahn. Ab hier war es einfach.

Flughafen Kopenhagen, 13.45 Uhr

Rolf verließ die mobile Kommandozentrale. Alles war bereit. Sie konnten jetzt nichts mehr tun. Tom war mit seinen Leuten im Hangar, wo sie ihre Taktik ausfeilten und noch ein wenig trainierten. Das überließ er getrost in Toms erfahrenen Händen. Er ging in Richtung Terminal 3, nicht, weil er glaubte, dass es etwas nützen würde, sondern weil er Bewegung brauchte. Ein paar Minuten später befand er sich vor dem Karen-Blixen-Café. Alles sah ganz normal aus, dachte er. Normal! Was ist normal? Er wollte gerade weitergehen, als er Lisbeth bemerkte. Sie kam direkt auf ihn zu, hatte ihn aber anscheinend noch nicht gesehen. Es sind so viele Menschen hier, dass es schwierig ist, die einzelnen voneinander zu unterscheiden, dachte er. Er stellte sich ihr direkt in den Weg. Einen Bruchteil einer Sekunde lang sah Sie ihn an, ohne ihn wiederzuerkennen, aber dann lächelte sie.
– Rolf? sagte sie überrascht. Wo kommst du denn her? Er erwiderte ihr Lächeln.
– Du hast mich tatsächlich ein paar Mal direkt angeguckt, ohne mich zu erkennen, sagte er. Sie zuckte mit den Schultern.
– Hier sind eine ganze Menge Menschen, antwortete sie. Und es werden zur Pressekonferenz noch mehr werden. Wir werden Probleme damit bekommen, alles zu überblicken. Er nickte.
– Aber auf der anderen Seite, sind da auch viele von uns, antwortete er. Einer von uns wird sicherlich bemerken, wenn sich etwas anbahnt. Es wird schon gut gehen. Sie antwortete nicht, sondern blickte in die Menge.
– Wie steht es mit dem Pressegespräch? fragte er. Ist es gut gelaufen? Sie schnitt eine Grimasse.
– Ja, ich glaube schon, antwortete sie. Die meisten sind unerfahrene Reporter, die es am liebsten hinter sich bringen möchten, um nach Hause gehen zu können. Einer von ihnen, ein Berichterstatter von einer unserer großen Zeitungen, war ein wenig skeptisch. Er hat vielleicht den Verdacht, dass mehr dahintersteckt als eine Pressekonferenz mit Botschaftern und Sportlern, aber ich glaube nicht, dass er beabsichtigt, etwas zu tun, was über seine Einladung hinausgeht. Rolf reagierte nicht. Reporter waren für ihn nichts Ungewöhnliches, obwohl er bisher keine direkte Erfahrung mit den dänischen gemacht hatte.
– Wie wäre es mit etwas Essbarem? fragte sie. Ich habe Unruhe im Magen. Vielleicht kann ich das Gefühl mit Nahrungsmitteln betäuben. Bist du hungrig?
– Nun, warum nicht, antwortete er. Ist das Essen hier im Café etwas wert? Sie zuckte mit den Schultern.
– Sie haben eine sehr annehmbare Auswahl an guten Dingen. Bezahlst du? Sie lächelte verschmitzt.
– Gut, gut, ich bezahle, seufzte er, und gab vor, sich ausgenutzt zu fühlen.

(Fortsetzung folgt)

 

ENGLISH

The man from Tehran

Friday, 10 February 2006

Copenhagen Airport 11.55 a.m.

Lisbeth left the elevator and headed for the conference room that the airport had made available for the information meeting with the press. The first thing she saw was Antonsen walking back and forth across the room. He smiled when he saw her and glanced at his watch.

– You’re early, he said, that’s good.

Lisbeth nodded and returned his smile.

– What does it look like? she asked, are there many?

– No not at all, he replied. I am afraid that the event did not arouse much interest in the press. There are a couple of ENG-teams from the two major TV stations and a few journalists and photographers from the newspapers. They’re all new and inexperienced people. None of the stars, if you know if you know what I mean.

Lisbeth just nodded again. She was still unsure how to get her own agenda for the briefing under control. It was really good that the event hadn’t drawn the seasoned journalists. The less important the press took the event, the better. She would try to downplay the whole matter. But, of course, she had to be careful. There could be individual talents among the participants who would notice if she overstated or, in this case, understated.

– Shall we go in? Antonsen suggested.

Kastrup (the district of Copenhagen to which the airport belongs), 12.10 p.m.

Henning Nedergaard cycled over the intersection at Saltværksvej and Amager Strandvej and further along the Kastrup Strandpark. He went towards the marina. The air was cold but clear. He pedaled hard to keep warm. Henning was a member of the local rowing club in the relatively new marina in Kastrup at the end of the Kastrup beach park and it was his turn to oversee the modest club buildings. A few minutes later he arrived at the marina. He leaned his bike against one of the buildings, as he always did.

Henning was in his late twenties, unmarried and had recently successfully completed his education as an auditor. He knew he was doing more of this surveillance than was necessary, but it was his nature to do things properly and thoroughly. Maybe it had to do with his work as an auditor. An auditor couldn’t afford to overlook details.

He automatically looked at the spot where the car with the French registration had parked last night. It was still there. It wasn’t actually his problem, if it was a problem at all, but it bothered him somehow. After all, it was not allowed to camp or sleep at the harbor. Something like that could easily get out of hand. A small comma mistake somewhere could cause chaos elsewhere.

He stood there looking at the car for a long time, thinking about what to do. It would be exaggerated to call the police, he thought, but he couldn’t just not do anything, could he? Maybe the driver was having trouble with the engine and was waiting for a mechanic or a tow truck. Finally, his sense of order prevailed. He decided to take a closer look at the car.

Wahil felt like a lion in a cage. He felt the urge to give free rein to his growing impatience, but he controlled himself. Since having parked the car between all the boats that had been brought ashore, he had eaten, read, and slept. Not many people had come by and he hadn’t observed or felt in danger until now.

He was following the call of nature behind one of the boats, when a man on a bike arrived. Wahil had the impression that it might be the same man who had come by last night shortly after he had parked the car. He had trouble distinguishing the features of people here in the West. It was more the man’s delicate build and the fact that he came on a bike that made Wahil assume that he was the same man.

The man didn’t seem to be very old, but Wahil still wanted to be vigilant. The young man just stood there for a long time and looked directly at the car, after leaning the bike against one of the buildings, just as he had done yesterday. Wahil hid between two boats and waited for the young man to drive away. But to his great surprise, he headed toward the car instead.

The smartest thing Wahil could do now was to stay hidden. The door to the hold was locked, and the young man would probably quickly lose interest in the car. But the long period of boredom made Wahil welcome even the slightest distraction. His hunting instinct had awakened, much like a cat’s hunting instinct can be stimulated by an insect that crawls across the floor.

Henning had gone to the driver’s window. He looked over his shoulder, but there was no one to be seen. He pressed his face to the window pane and shaded his eyes with his hands so that he could better look inside. He looked over his shoulder again and then tried to open the door. It was not locked. For some reason that frightened him, and he quickly closed it and stepped back. He shook his head and looked around. There was still no one to be seen. He relaxed again and went around the car. When he was standing by the door of the hold, he looked over his shoulder a third time before reaching for the door handle.

Wahil had watched everything from his hiding place as the level of adrenaline in his blood increased. He had watched with astonishment how the fragile man was startled when the front door opened, and now the man was standing at the door of the hold. He reached for the door handle. Wahil’s blood boiled. He attacked.

Henning heard a noise behind him and turned around, startled. His blood froze at the sight that met him. Between two boats, less than five meters from the car, a man came running straight towards him. The man looked scary. He was at least a head taller than Henning and his physique was similar to that of a gorilla. The man’s face was covered with a large bushy beard and his dark eyes were like those of a predator. This horrifying sight completely paralyzed Henning. He stood pinned down during the few seconds it took for the giant to reach him.

With all the strength of his restlessness, which had been pent up in the past 15 hours, Wahil struck the young man directly on the lower jaw with a punch. Wahil’s whole body weight and the momentum from the short sprint were behind the stroke. It was so violent that it tore the man’s jaw out of its joint and drove it straight into his throat while his head was thrown back with such force that his neck broke like a dry branch. The young man was dead before his legs gave way under the modest body weight. The last thought that Henning Nedergaard thought in this life and that reflected his general outlook on life was: Did I lock the bike?

Wahil’s eyes slowly stopped glowing and his pulse slowed. He looked around. There was no one to be seen. He assumed that his ‚little distraction‘ had gone unnoticed. He had no sympathy for the unsuspecting man, whom he had just brutally murdered. He had no more pity for his victims than the lion had for the prey that died between his jaws. He only regretted that the man had been so small and fragile. That had spoiled his joy of attacking a little. He looked at the young man’s body. The lower part of his face was a bloody lump. He would be difficult to identify.

Gradually, Wahil’s thoughts came back to reality. It was clear to him that he couldn’t just leave the body here. He had to make sure to erase all the traces so that the man would not be found until his mission was over. He unlocked the door to the hold and opened it. Then he grabbed the dead man with one hand on the waistband and threw him into the hold like a sack of potatoes. He easily maneuvered the body into the front left corner, where he had slept the past two nights. He covered him with his sleeping bag, got out, locked the door, and sat in the driver’s seat in the front of the car. Shortly thereafter, he studied the drawing of the airport again. He no longer thought about the body in the cargo hold.

Copenhagen Airport, 12.25 p.m.

– That sounds rather flimsy, a small, spirited-looking journalist from one of the big daily newspapers said.

Lisbeth had been watching him closely. Obviously, you couldn’t fool him easily. He might become a problem.

– According to the State Department, it is supposed to be very important that the news agencies appear here, he claimed in a sharp tone. The new safety regulations have even been suspended. There must be something else behind it. What are you hiding from us?

Lisbeth and Antonsen sat side by side at a table and the press people were gathered in a row of chairs opposite them. Antonsen started to answer when Lisbeth discreetly pushed her elbow into his side. She smiled at the reporter and innocently shrugged.

– Unfortunately, we have nothing more to offer than what we have already said, she replied. That the State Department is particularly interested in inviting you instead of the sports journalists is probably because we want to maintain good relationships with our friends from the United States. There is probably nothing more behind it.

The journalist looked anything but convinced but said nothing more. There was a little pause. Antonsen looked around the group. Nobody seemed to want to say anything else.

– Well, if there are no more questions …, he said. Then I just want to mention that the press has access to the departure hall from Terminal 3. Thank you very much and see you later.

Copenhagen Airport, 1:20 p.m.

Lisbeth left the meeting with an uneasy feeling. Press people have always been difficult, especially those from the old guard. Over the years, the best of them acquired an instinct for when something wasn’t as it was presented. However, she was comforted that no other reporters would be allowed to attend the actual press conference than those who had taken part in the information meeting. Now it was too late to send in the experienced journalists.

She stepped out of the elevator and was now in Terminal 3, the newest of the terminals at Copenhagen Airport. A few moments later she was at the security area. She watched the travelers put their hand luggage on a conveyor belt that ran through the large scanner and as they went through a metal detector themselves before picking up their luggage at the other end of the conveyor belt. She had even walked through the same metal detector a few times herself when she flew from Copenhagen. But not today. If I went through now, it would freak out, she thought ironically.

She was aware of the weapon that was in the holster under her jacket. She rarely carried a gun, and wasn’t actually too fond of weapons, but at the moment she would feel naked without it. She had a strange feeling in her stomach and suddenly she realized that she was nervous. Of course, she was not solely responsible, but she wanted to stand her ground when it started. She headed for Terminal 2. On the way, as she looked at the many different faces of the travelers, she realized that an airport is the ideal place for a terrorist who wants to hide. People of all nationalities either walked between restaurants or shops or hurried to their gates. Whatever conception one might have about the typical appearance of a terrorist, you could certainly find someone here at the airport that matched the various prejudices. Everything depended on security controls. As soon as you were inside, you were practically completely anonymous.

She arrived at the security check at Terminal 2. Here seemed to be less rush on the scanners and metal detectors. How will security personnel here at Terminal 2 react, when the police blocks access through Terminal 3, she thought? The pressure is likely to increase drastically and passengers will quickly become impatient. Would the security staff keep calm? Would they let up in their attention, just a little bit? Are we even in the right place here? Would they attack here? Could they maybe even be here already?

The more questions of this kind came up in her, the more butterflies fluttered in her stomach. She wondered if someone like Tom felt the same way before it started, or if he had a completely different reaction pattern. And what about Rolf?

She left the security check and went through a door reserved for the airport staff. She went to the baggage sorting. She didn’t want to waste any more time speculating about security at the entrance to the duty-free area.
She continued into the hall, from where the luggage was transported to the waiting aircrafts. How about this place, she thought? Is there a risk that something will go wrong here? She agreed with herself that one would hardly have to expect an attack here. She thought it was unlikely that something could be smuggled on board an airplane from here. Perhaps with an everyday departure, she thought, but not on this day. At least three CIA men would be in the baggage sorting area, and they would certainly not handle the security check carelessly. All she could do now was keep her fingers crossed. She wouldn’t mind, if luck was on their side and not the attacker’s. At least she felt that they were as well prepared as possible. She went back towards Terminal 3.

Greve, 1:35 p.m.

Rina was almost 13 years old now, an old age for a dog. But she would not miss her daily walk in the dunes at Greve Strand for the world, any more than Alma Birkelund would. Only a storm could stop them. Alma Birkelund was the retired widow of the manufacturer Holger Birkelund, who died five years ago. Rina had forgotten Holger Birkelund, but Alma was still thinking about him. She sometimes felt that he was somehow around and often had a good, long conversation with him when she walked her afternoon walk along the beach with her old Labrador Retriever. At the moment Rina was standing with the leash in her mouth, waiting for Alma to put on her coat and to put on her knitted hat and scarf correctly. Shortly thereafter, they both left the house and headed east towards the beach.

The villa was on one of the side streets of Greve Strandvej. On the good side of Greve Strandvej, as Alma always emphasized. The good side was the one that had direct access to the beach without having to cross the busy main road between Copenhagen and Køge. In this side street there were mainly houses that were occupied all year round, but there were also a few holiday homes. For example, that on the neighboring property to Alma’s house, but it was mostly empty. It was rented from time to time, and Alma knew it was currently occupied. She had noticed a dark car last night. Then a kind of delivery van came later. Both cars had been there overnight. She had no idea who the guests were, even though she had tried to spy from her bedroom on the first floor. After all, retired widows don’t have that much diversion anymore.

She was pretty sure she heard a child cry, but that was only what you could expect. Now she just hoped the kids weren’t too loud when they played outside.

Rina began to move decisively towards the beach but didn’t get far because she was distracted by a scent that needed further investigation. Soon she trotted on. As usual, Alma walked a few steps behind her with the line in hand. The neighboring property with the holiday home also released a fragrance that caught Rina’s attention. The dog stood unabashed in the driveway of the house and followed its nature. Alma also wanted to spend a little time near the holiday home, completely coincidentally, of course. It was also a civic duty to make sure everything was fine, was it not? She tied the leash to Rina’s collar, which surprised the experienced dog. Alma usually never did, not even when there were other dogs around. Rina had long since outgrown the leash.

Alma noticed that the van was gone, but the dark car was parked in the driveway. It had a foreign license plate, but she was unable to judge which country it was from. Probably Germans, she thought indignantly. Only the bicycles on the roof and the trunk full of groceries were missing. As if you couldn’t buy anything decent in Denmark. She was about to go on when the door opened and a man came out. He certainly didn’t look like a German. No, he didn’t appear to be from a civilized country at all. Startled, she hurried on. What had happened to the world? She didn’t feel a trace safe with people from a distant and mysterious culture in the house next door. Admittedly, there were a lot of ‚people like that‘ living in the area now, but having them as direct neighbors, she had been untroubled by until now. The thought alone of such neighbors made her uncomfortable.

Well, the guests in the house were rarely there for more than one or at most two weeks. But if there was even the slightest trouble with them, she would complain to city hall immediately. One didn’t have to put up with people like that. For the next hour, however, they would not bother her. That was the time she and Rina usually needed for their walk. She released Rina’s leash and a moment later they were at the beach.

Akhmahel had just looked in the mirror for one last time and compared his appearance to the picture in the passport he wanted to use at the airport. Satisfied with the result, he left the bathroom and went into the living room, where he heard Mohammad confirming the address of the holiday home on his cell phone.

– Good, said Mohammad in a language Akhmahel presumed was Danish.

Mohammad put the phone in his pocket.

– Well? Akhmahel looked at him questioningly.

– It’s on it’s way, said Mohammad.

– Good. Then the time has come, said Akhmahel. Allah be with us.

He looked over at the other men. Faroukh had changed his behavior in the past hour. He had become more and more restless and had been pacing back and forth. Akhmahel had asked if his courage was failing him, but Faroukh, to his surprise, had replied that the opposite was the case. He was looking forward to being reunited with all the great Islamic martyrs in a few hours, and he just hoped they wouldn’t find his sacrifice too small. Akhmahel had assured him that his sacrifice today was as valuable as that of the Islamic brothers who died in the raid on the World Trade Center. These words had strengthened Faroukh and he calmed down a bit.

They had finished packing him in explosives less than ten minutes ago. He had put his jacket on so that you couldn’t see anything from the outside.

Tine and the children had been given soothing injections a few hours ago. They would have effect at least a few hours longer. Sadou had taken the van about half an hour ago. He would call if he saw anything that could jeopardize their plans. The last three men were now ready to go.

Akhmahel was the first to leave the house and stepped out of the door when he saw an old lady and her dog standing at the driveway. However, the lady went on and Akhmahel got into the BMW and started the engine. Mohammad had told him how to get to the motorway and from there he should drive north to the airport. He put the car in gear, drove out of the driveway and up the small side street. Just before he reached the main street, a taxi turned into the side street and drove past him. Akhmahel assumed that it was the taxi that Mohammad had just ordered. When he turned into the main street, he accelerated. Shortly afterwards he drove onto the motorway. From here on it was easy.

Copenhagen Airport, 1.45 p.m.

Rolf left the mobile command center. Everything was ready. There was nothing more they could do now. Tom was in the hangar with his people, where they refined their tactics and trained a little. He confidently left all that in Tom’s experienced hands. He went towards Terminal 3, not because he thought it would help, but because he needed exercise. A few minutes later he was in front of the Karen Blixen café. Everything looked normal, he thought. Normal! What is normal? He was about to go on when he saw Lisbeth. She came right up to him, but apparently hadn’t seen him yet. There are so many people here that it is difficult to distinguish between them, he thought. He stood right in her way. She looked at him for a fraction of a second without recognizing him, but then she smiled.

– Rolf? she said in surprise. So, where did you come from?

He returned her smile.

– You actually looked at me directly a few times without recognizing me, he said.

She shrugged her shoulders.

– There are a lot of people here, she replied. And there will be more to the press conference. We’re going to have trouble keeping track of everything.

He nodded.

– But on the other hand, there are many of us too, he replied. One of us will surely notice when something is happening. It will be fine.

She didn’t answer but looked at the crowd.

– What about the press conference? he asked. Did it go well?

She grimaced.

– Yes, I think so, she replied. Most of them are inexperienced reporters who want to get it over with and go home. One of them, a reporter for one of our major newspapers, was a little skeptical. He may suspect that there is more to it than a press conference with ambassadors and athletes, but I don’t think he intends to do anything beyond his invitation.

Rolf didn’t react. Reporters were nothing unfamiliar to him, although he had never had a direct experience with the Danish ones.

– How about something edible? she asked. I have a restless stomach. Maybe I can numb the feeling with food. Are you hungry?

– Well, why not, he replied. Is the food here in the cafe worth anything? She shrugged her shoulders.

– They have a very acceptable range of good things. Do you pay? She smiled slyly.

– O.k., o.k., I’m paying, he sighed, pretending to feel exploited.

(To be continued)

 

 

Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr seit 1993 verheiratet und in Dänemark lebend. Meine Beiträge erscheinen daher in deutscher Sprache (und nicht in dänischer) und seit 2018 auch in englischer Sprache. … I was born in Germany, have been married with a Dane since 1993 and are living in Denmark. Therefore, my posts are published in German (and not in Danish) and since 2018 in English as well.

4 Gedanken zu „Der Mann aus Teheran, Kopenhagen Flughafen/Greve … The man from Tehran, Copenhagen airport/ Greve“

    1. Ja, Wahil ist ein ziemlich derber Zeitgenosse … irgendwie das Gegenstück zu Williams.

      Was mir an den Personen in diesem Buch gefällt, ist, dass eigentlich kaum jemand nur gut oder nur schlecht ist. Selbst Tom war mir nach der Plastiktütenszene nicht mehr so sympathisch … was Lisbeth wohl dazu sagen würde, wenn sie das wüsste? Und sogar Rolf mit seiner angeblich so hohen Ethik sieht durch die Finger … ich kann deren Argumentation ja gut verstehen, aber sie können jedenfalls nicht den Anspruch stellen, bessere Menschen zu sein.
      Ich kann ja irgendwie auch Yemi verstehen, der mitansehen musste, wie seine Familie getötet wurde für etwas, womit sie gar nichts zu tun hatten. Aber er geht dann so weit, dass er dasselbe tun will. Alle setzen sich dauernd ins Unrecht, dass ist wirklich ein Teufelskreis. Aber sehr realistisch.

      Gefällt 2 Personen

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