Der Mann aus Teheran, Kopenhagen/ Hamburg … The man from Tehran, Copenhagen/Hamburg

CoverDeutsch

Der Mann aus Teheran

Mittwoch, 8. Februar 2006

Kopenhagen, 23.15 Uhr

Lisbeth fuhr in den Hof des bescheidenen EATO-Büros in Kopenhagen. Im Grunde war sie todmüde, aber sie musste das Stufe-Drei-Treffen für morgen früh einberufen und Jørgen über die Sachlage informieren. Als sie die Treppe hinaufging, schaute sie auf die Uhr. Sie hatte kaum mehr als vier Stunden von Hamburg nach Kopenhagen gebraucht, aber sie hatte auch ein wenig mehr Gas gegeben als in Dänemark erlaubt war. Zum Glück war nicht viel Verkehr gewesen, besonders jetzt, wo sie nicht gerade einen Überfluss an Geduld hatte. Sie fühlte immer noch, wie ihr Magen sich zusammenzog. Ob da wohl wirklich ein Angriff in Kopenhagen auf uns zu kommt? Es erschien ihr so unwirklich, aber sie hatte doch ein nagendes Gefühl, das etwas daran sein könnte. Es war eine Sache, zu recherchieren und zu überwachen, aber es war etwas ganz anderes, sich mitten im Geschehen zu befinden, sobald es losging. Sie war froh, dass sie Tom und Rolf an ihrer Seite haben würde. In Wirklichkeit waren sie es ja, die die Schlacht anführen sollten, wenn man einen solchen Ausdruck gebrauchen konnte.

In Jørgens Büro war Licht und sie ging sofort zu ihm.
– Hej, Jørgen, sagte sie. Du bist vor mir hier – wieder einmal. Sie lächelte ihm von der Tür aus zu.
– Hej Lisbeth, antwortete er. Ja, ich konnte genauso gut hier sitzen und warten, anstatt zu Hause vor dem Computer zu sitzen, jetzt, wo die Mädchen im Bett sind. Ich hatte sowieso noch Einiges zu erledigen. Nun, wie ist es gelaufen? Lass mich raten, da ist ein schweres Unwetter im Anzug, nicht wahr?
– Das kann man wohl sagen, wir sind jetzt auf Bereitschaftsstufe drei, sagte sie. Jørgen pfiff durch die Zähne.
– Du milder Satan, rief er. Lass mich hören. Lisbeth erzählte ihm alles von A bis Z und Jørgen unterbrach sie nicht ein einziges Mal.

–.. und Toms Kommandoeinheit ist in Alarmbereitschaft für Kopenhagen. Rolf und Tom kommen morgen früh hierher, schloss sie.
– Und was machen wir in der Zwischenzeit? fragte Jørgen.
– Nun, nicht so sehr viel vor morgen früh, antwortete sie. Gibt es etwas Neues von CP100?
– Nein, nichts, die sind wie im Boden versunken, antwortete er.
– Das dachte ich mir, sagte sie. Aber ich habe so eine schwache Ahnung, dass sie wieder auftauchen, sobald es losgeht. Alles, was wir jetzt tun können, ist, alle Mitarbeiter zu einer Stufe-Drei-Vorbereitung hier im Büro zusammenzutrommeln. Wir müssen alle Kräfte auf dieses eine erwartete Ereignis konzentrieren. Wir haben noch ein wenig Zeit, aber nicht mehr sehr viel. Morgen früh um 9.00 Uhr ist Bereitschaftstreffen. Ich benachrichtige alle, bevor ich nach Hause gehe. Matts und Pertti müssen ein Flugtaxi nehmen. Wir müssen so schnell wie möglich mit den Vorbereitungen beginnen. Und du musst dich bereithalten, uns Neues von CP100 zu melden, falls sie wieder auftauchen, o.k.?
– Du kannst fest auf mich zählen, antwortete er.
– Wir sehen uns morgen früh, sagte sie und ging in ihr eigenes Büro, um in Helsinki und Stockholm anzurufen. Eine halbe Stunde später hatte sie von beiden Mitarbeitern die Zusage, dass sie am nächsten Morgen zur Stelle sein würden. Sie schaute auf die Uhr, meine Güte, wie war es doch spät! Sie schaltete das Licht aus und verließ das Büro. Nun konnte sie nach Hause fahren und ein paar Stunden schlafen, bevor es weiterging. Der Gedanke an die kommenden Tage erfüllte sie mit bangen Vorahnungen.

Hamburg, 23.30 Uhr

Akhmahels Handy vibrierte; ein diskretes Zeichen dafür, dass jemand ihm eine SMS schickte. Er besaß ein Dutzend verschiedener SIM-Karten, aber es gab nicht viele, die die Nummer der Karte kannten, die sich momentan im Handy befand. Es konnte nur etwas mit der bevorstehenden Operation zu tun haben. Er nahm das Telefon aus der Tasche und las die kurze Nachricht: Auf dem Baum wachsen keine Datteln mehr. Habe versucht umzupflanzen, aber immer noch keine Datteln. Warten auf frische Feigen, aber noch nichts angekommen. Das war alles, aber es genügte, um Akhmahel zu beunruhigen. Seine Anweisungen an alle, die entweder anrufen oder SMS-Nachrichten schicken wollten, waren klar und unmissverständlich: alles musste in Code formuliert werden. Nichts, was ihren Gegnern in die Hände fallen konnte, durfte nützlich für sie sein. ‚Datteln‘ war das Code-Wort für chiffrierte Informationen aus dem EATO-Computer und ‚Feigen‘ war der Code-Name für die Codes zu den noch zusätzlich verschlüsselten Nachrichten, die EATO verwendete. Wenn sie die bekommen könnten, wären sie in der Lage, alle EATO Agenten zu identifizieren und sie ein für alle Mal unschädlich zu machen. Für Akhmahel bedeutete die Nachricht, dass die Verbindung zu dem Computer, in den sie sich hineingehackt hatten, abgebrochen worden war und vermutlich nicht wiederhergestellt werden konnte und, dass sie immer noch auf die Codes warteten. Hatte EATO herausgefunden, dass jemand in ihren Computer eingedrungen war? Das war natürlich möglich.
Aber es konnte keinen Einfluss auf die laufende Aktion haben, denn schließlich war er es, der wusste, welche Informationen sie besaßen und nicht EATO. Sie würden wahrscheinlich sowieso bald das Ziel des Anschlags erraten, wenn sie es nicht bereits getan hatten. Aber sie würden kaum in der Lage sein herauszufinden, auf welche Weise es geschehen sollte. Je mehr Agenten anwesend waren, desto besser wäre es eigentlich. Ihre totale Frustration darüber, mittendrin zu stehen und überhaupt nichts tun zu können, war fast mehr wert als der Angriff selbst. Letzten Endes bedeutete so ein Angriff nur einen kurzen Moment der Zerstörung und des Todes für einige wenige. Er war nicht dazu geeignet, viele zu terrorisieren. Der eigentliche Terror würde erst später beginnen, und er würde Wochen andauern, ja, Jahre, und er hatte nichts mit dem Attentat selbst zu tun. Die westliche Welt würde, wie gewohnt, sich selbst terrorisieren, wenn die sensationshungrigen Medien erst einmal richtig die Angst in der ganzen Welt verbreiteten. Die Nachwirkungen ihres Angriffs würden sich in einem unübertroffenen Maße verstärken. Politiker und Regierungen auf der ganzen Welt würden wie Marionetten tanzen und neue Sicherheitsmaßnahmen und verstärkte Überwachung einführen. Der Angriff war nur ein Zünder, den Sprengstoff lieferte das Opfer selber. Er erwartete eine fantastische Medien-Begebenheit. Aber wenn ihre Quelle ausgetrocknet war, konnten sie sie genauso gut aufgeben. Es war zu riskant weiterzumachen, wenn sie entdeckt worden waren. Er schrieb eine SMS-Nachricht und schickte sie ab.

Fünfzehn Kilometer entfernt, in einer Wohnung irgendwo in Hamburg, klingelte ein zweites Handy. Yemi Bazargan las sofort die kurze Botschaft: Datteln und Feigen dürfen nicht mehr gehandelt werden. Der Laden ist unsauber und darf nicht mehr aufgesucht werden. Yemi starrte lange auf die Nachricht und Trotz begann in ihm aufzusteigen. Verdammt, er war jetzt so nahe dran, dachte er. Er hoffte, die bescheuerten Codes spätestens morgen zu bekommen. Er wusste, dass er dem Befehl unbedingt gehorchen musste, aber es war ihm noch nie leicht gefallen, jemandem, wem auch immer, zu gehorchen. Er beschloss zu versuchen, die Codes sofort zu bekommen. Dann konnte er immer noch sagen, er hatte sie schon gehabt, bevor die SMS kam. Verdammt nochmal, mit den Codes konnten sie alle Agenten finden und sie einem nach dem anderen töten. Man würde ihn als Held betrachten und er würde weiter aufsteigen. Zur Hölle, dies war seine große Chance und sie sollte nicht verloren gehen.

Yemi war Palästinenser und von einem brennenden, fast universellen Hass durchdrungen. Er hasste Gerhard, und er hasste Gerhards Frau. Er hasste die deutschen Behörden und alle anderen Deutschen, mit denen er täglich zu tun hatte, aber ganz besonders hasste er Israel und die USA und alles, was die beiden verfluchten Länder repräsentierten. Er hatte nicht immer so gefühlt. Obwohl er nicht unbedingt positive Gedanken über seine beiden ärgsten Feinde gehegt hatte, so war es doch mehr eine Abneigung gegen sie gewesen. Der Hass war an einem Tag vor etwa sieben Jahren entzündet worden, als ein US-Apache Kampfhubschrauber mit einem israelischen Piloten im Cockpit das Feuer auf ihn und seine Familie vor ihrem Haus im Gazastreifen eröffnet hatte. Der Angriff, der eine Vergeltungsaktion von Seiten der Israelis gewesen war nach einem palästinensischen Selbstmordattentäter in einem jüdischen Einkaufszentrum ein paar Tage zuvor, tötete seine Eltern und riss seiner kleinen Schwester ein Bein ab. Man hatte sie bewusstlos in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Nach wenigen Tagen war sie gestorben, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Er selber war auf mirakulöse Weise nur oberflächlich in die Schulter getroffen worden. Weder Yemi noch einer seiner Familienangehörigen hatte etwas mit den Selbstmordattentaten zu tun gehabt. Sie waren nicht einmal Mitglieder einer militanten Widerstandsbewegung gewesen oder hatten auf andere Weise eine Bedrohung für Israel dargestellt. Ihr einziges Verbrechen war gewesen, dass sie in der Schusslinie gestanden hatten, als der israelische Soldat seinen Aggressionen in der Form eines unkontrollierten Geschossregens freien Lauf gelassen hatte. Am Tag nach der Eliminierung von Yemis Familie hatte Israel angekündigt, dass weitere Vergeltungsschläge stattfinden würden, wenn die Selbstmordattentate nicht aufhörten. Sowohl die UN, als auch der größte Teil der Weltgemeinschaft hatte den israelischen Angriff verurteilt. Nur Amerika hatte, der Gewohnheit getreu, auf eine Verurteilung verzichtet. Von israelischer Seite war nicht einmal ein Ausdruck des Bedauerns über die Ermordung von Yemis Familie gekommen. Yemi war zuerst wie gelähmt gewesen vor Frustration und Trauer, und seitdem brannte er nach Rache, gnadenloser Rache. Von dem Tag an war die Richtung in seinem Leben festgelegt gewesen. Ein Terrorist war geboren worden.

Yemi freute sich darauf, den EDV-Mann und seine kleine Hure von Frau wieder zu besuchen. Er war seltsam erregt durch das Gefühl der Macht, die er über sie hatte. Sie hatten von Anfang an beide eine Scheißangst vor ihm gehabt. Er würde so viel Druck auf sie auszuüben, dass der Kerl die Codes sofort beschaffen würde. Vielleicht sollte er sein Messer ein wenig in das Kind stechen oder in die Nutte, das würde sicherlich Feuer unter dem Kerl machen. Er machte sich bereit zu gehen. Das Messer war wie immer in seiner Jackentasche, leicht herauszuziehen. Ein paar Minuten später saß er in seinem alten BMW 320i.

 

Donnerstag, 9. Februar 2006

Hamburg, 00.50 Uhr

– Was tun wir? fragte Gerhard mit schwacher Stimme. Vor ihm ragte Tom empor wie ein Berg, und obwohl der große Mann lächelte so freundlich er nun konnte, war er immer noch ein bedrohlicher Anblick.

– Mach dir keine Sorgen, mein Junge, alles wird gut werden, sagte Tom. Alles ist mit Rolf abgesprochen. Du und deine geplagte Familie werdet an einen sicheren Ort gebracht, bis alles vorbei ist, hast du das verstanden? Er gab Gerhard einen väterlichen Klaps auf die Schulter.
– Komm schon, lass uns zu dir nach Hause rutschen und ein paar Kleidungsstücke für dich und deine Frau packen und für die Kleine … wie hieß sie noch? Er zog Gerhard aus dem Stuhl. – Sanja, sagte Gerhard und kam auf die Beine. Tom hatte etwas an sich, das Gerhard nicht mehr fragen ließ. Er gehorchte einfach. Er hatte das Gefühl, dass nichts wirklich misslingen konnte, wenn Tom dabei war. Einige Minuten später saßen sie beide in Toms großen Geländewagen auf dem Weg durch die Stadt.
– Eine schöne Scheiße, was Junge? versuchte Tom, ein Gespräch anzufangen. Das muss eine harte Zeit für euch alle gewesen sein. Gott allein weiß, wie ich mich gefühlt hätte, wenn es meine Familie gewesen wäre, also vorausgesetzt ich hätte eine Familie.
– Dir wäre das alles wahrscheinlich nicht passiert, sagte Gerhard mutlos. Ich meine, du bist stark und selbstbewusst … und du kannst alles Mögliche, … wenn ich nur ein bisschen mehr wie du gewesen wäre, so wäre das alles sicherlich nie passiert. Nein, also wirklich, hör auf, sagte Tom. Wenn du wärst wie ich, hättest du deine Frau und die kleine Sanja nicht. Und du hättest ganz sicher keine EDVAusbildung. Glaubst du, dass es einfach ist, mit diesen Pranken auf einer Tastatur zu klimpern? Er hielt eine Hand hoch.
– Tastaturen, die zu meinen Händen passen, werden überhaupt nicht hergestellt. Für mich ist es reine Glückssache, wenn ich nur zwei Tasten auf einmal drücke anstatt vier, mein Freund. Nein, sei du froh über dein Talent und lass dich nicht dadurch blenden, wie die Dinge an der Oberfläche aussehen. Gerhard fühlte sich von Toms Worten getröstet. Es stimmte, er hatte Karin und Sanja; und einen Job, den er normalerweise gerne tat. Er zweifelte jedoch plötzlich daran, dass er noch einen Job hatte. Würde Rolf ihn überhaupt behalten wollen nach all dem, was geschehen war? Kurz darauf kamen sie zu dem Wohnblock, wo sich Gerhards Wohnung befand und stiegen aus dem Auto. Gerhard wollte gerade auf die Treppe zugehen, als Tom um den Wagen herum kam und ihm eine Hand auf die Schulter legte.
– Lass uns erst einmal das Terrain ein wenig sondieren, sagte er ernst. Vielleicht können wir schon von hier aus etwas sehen. Wo ist eure Wohnung? Gerhard wies auf einige Fenster im zweiten Stock und war im Begriff zu sagen, dass es das Fenster mit Licht war, aber bevor er auch nur den Mund öffnete, war ihm klar, dass etwas nicht stimmte. Es war das Wohnzimmerfenster. Zu diesem Zeitpunkt sollte dort kein Licht an sein. Sanja hatte vor Kurzem angefangen durchzuschlafen, aber sie wachte immer noch so gegen 6.00 Uhr morgens auf, daher würde Karin jetzt sicherlich schlafen. Im selben Moment ging das Licht in der Küche an und Gerhard zuckte zusammen.
– Es sollte jetzt kein Licht an sein, sagte er.
– Nein, ich dachte es mir doch, antwortete Tom. Kann deine Frau aufgestanden sein um nach der Kleinen zu sehen oder um auf die Toilette zu gehen?
– Ja, aber das Licht im Wohnzimmer ist an … und jetzt auch in der Küche, sagte Gerhard. Das Schlafzimmer und Sanjas Zimmer liegen auf der anderen Seite.
– Aha, grollte Toms Bassstimme. Ich denke, wir müssen jetzt ein wenig vorsichtig sein. Er verstärkte seinen Griff um Gerhard Schulter und fuhr fort:
– Hör zu, mein Junge, jetzt spannen wir beide unsere Magenmuskeln so hart an wie wir können. Du musst als Erster zur Wohnung hochgehen, und wenn alles in Ordnung ist, winkst du mir sofort vom Fenster aus zu, verstanden? Also nicht gleich, sondern sofort!
– Ja, natürlich tu ich das, sagte Gerhard mit düsteren Vorahnungen, aber was passiert, wenn nicht alles in Ordnung ist?
– Nun, es kann sein, dass ihr ungebetene Gäste habt, sagte Tom, und versuchte unbekümmert zu klingen, und wenn ja, dann ist es sehr wichtig, dass du die Tür nicht abschließt. Und es wäre wirklich hilfreich, wenn du Karin, Sanja und dich selbst so anbringst, dass ihr nicht rumsteht und die Tür blockiert, wenn ich in einer Minute reinstürme, verstehst du, was ich sage? Gerhard fühlte Panik in sich aufsteigen, aber er riss sich zusammen und antwortete:
– Ja, ich werde es versuchen.
– Es wird schon gehen, beruhigte ihn Tom. Er lockerte seinen Griff und gab Gerhard einen leichten Schubs.
– Ab mit dir, mein Junge.

Yemi war etwa zehn Minuten vor ihnen angekommen. Mit dem Finger auf der Klingel hatte er Karin geweckt, und sie hatte ihn schlaftrunken hereingelassen.
– Wo Gehar‘? fragte er mit lauter Stimme und in schlechtem Deutsch. Er packte Karin am Arm und drückte zu, bis es ihr offensichtlich Schmerzen bereitete. Angst zeigte sich auf ihrem Gesicht und Yemi genoss seine Macht in vollen Zügen.
– Er … er ist bei der Arbeit. Bitte gehen Sie doch! Wir werden tun, was Sie wollen. Können Sie nicht bitte gehen? flehte sie.
– Ihr geben mir Code jetzt. Ich kann nicht warten. Ich muss haben jetzt! schnappte er und verstärkte seinen Griff weiter. Karin traten Tränen in die Augen in einer Mischung aus Schmerz, Angst und Wut.
– O.k., o.k.! schrie sie. Dann lassen Sie mich meinen Mann anrufen. Lassen Sie mich doch los! Er ließ sie mit einem triumphierenden Grinsen los.

– Ja, du anrufen Gehar‘ jetzt, sagte er. Karin massierte ihren Arm, bevor sie das Licht im Wohnzimmer einschaltete und zum Telefon ging. Es gab eine Nummer, die sie anrufen konnte, wenn es absolut notwendig war, Gerhard zu erreichen. Es war nicht möglich, ihn direkt anzurufen. Sie fing an, die Nummer zu wählen, aber ihre Hände zitterten so sehr, dass zweimal falsch wählte. Erst beim dritten Versuch gelang. Es klingelte zweimal, bevor eine Stimme antwortete:
– Zentrale, wen möchten Sie sprechen?
– Hier ist Karin, Karin Müller, sagte sie und versuchte ruhig zu klingen. Ich möchte gerne mit meinem Mann Gerhard Müller, sprechen.
– Einen Moment, erwiderte die Stimme, und Karin musste warten. Sie zitterte am ganzen Körper. Einige Sekunden später kam die Stimme wieder:
– Gerhard Müller ist für heute nicht mehr im Büro, Karin, gibt es etwas, womit wir Ihnen helfen können? Ist etwas passiert? Einen Moment war sie still, aber dann antwortete sie:
– Nein, nein, danke, nein. Sie legte auf. Sie war völlig ratlos und wusste nicht, was sie sagen sollte. Wenn er nur Sanja nichts antat. Wo war er denn jetzt? Panik ergriff sie. War er zu Sanja gegangen? Sie wollte gerade in das Zimmer ihrer Tochter laufen, als sie hörte, wie die Tür aufgeschlossen wurde.

Yemi war in die Küche gegangen, während die Nutte ihren Mann anrief. Er schaltete das Licht an und sah sich um. Alles war ordentlich und sauber, was aus irgendeinem Grund eine Welle des Hasses in ihm hochspülte. Für sie war das Leben so einfach und sorglos, und alles sollte so sauber und hübsch aussehen. Was wussten sie von Leid und Not? Nichts, absolut nichts! Aber das würden sie bald, ja, das würden sie bald. Er fing an, Schubladen und Schränke zu öffnen, um zu sehen, was darin war. Auch hier war alles so ordentlich und er unterdrückte den heftigen Drang, alles kaputt zu schlagen. In diesem Moment wurde die Tür aufgeschlossen. Yemi packte ein großes Küchenmesser und rannte in den Flur.

Gerhard ging halb in Trance die Treppe hinauf. Lange Perioden mit Angst haben eine besondere Wirkung auf Menschen, und er hatte längst die Grenze überschritten, wo der gesunde Menschenverstand ausgeblendet wird und der Wahnsinn beginnt. Alles in ihm schrie danach, umzudrehen und so schnell er konnte zu fliehen, aber er wusste, dass er es nicht tun würde. Er würde niemals Karin im Stich lassen. Stattdessen ging er die Treppe hinauf. Nun musste Schluss sein! Er blieb vor der Tür stehen und nahm den Schlüssel heraus. Er versuchte, sich zusammenzureißen. Der Gedanke daran, dass Tom sich bereithielt, um die Wohnung stürmen, gab ihm etwas Mut. Aber was war, wenn es schon zu spät war, wenn Karin oder Sanja etwas passiert war? Er schob den Gedanken beiseite, steckte den Schlüssel in die Tür, öffnete und trat in den Flur.

Das nächste, was passierte war wie ein Albtraum. Yemi kam mit einem wilden Blick in den Augen und einem Messer in der Hand aus der Küche gelaufen und gleichzeitig schrie Karin von der Wohnzimmertür aus hinter Yemi her. Karins Geschrei stoppte Yemi abrupt. Er wirbelte herum und schrie:
– Halten Schnauze, kleine Hure! Halten verdammte Schnauze! Karins Schreie hatten Gerhard aus seinem Schockzustand gerissen, und er reagierte jetzt sehr schnell. In dem Moment, wo Yemi mit dem Rücken zu ihm stand, entriegelte er die Tür und machte sie zu. Als Yemi die Tür hörte, drehte er sich wieder um und starrte Gerhard mit einem Blick an, der nun mit einer Mischung aus Angst und Hass gefüllt war.
– Du hier kommen, zum Teufel! rief er, du kommen hier jetzt! Er schwang das Messer in der Luft herum, und Gerhard ging mit unsicheren Schritten auf ihn zu, und dieses eine Mal hatte er Glück: Yemi packte ihn am Arm und schob ihn zu Karin hinüber. Yemi stand nun mit dem Rücken gegen die Tür und blickte auf Karin und Gerhard. Gerhard wusste, dass er Zeit gewinnen musste.
– Warum kommst du zu uns nach Hause? fragte er gepresst.
– Codes! Ich muss haben Codes, jetzt! schrie Yemi. Er schwang wieder mit dem Messer.
– Du hast sie, ja?
– Ja, ja, ich habe sie, ich habe sie, log Gerhard. Aber die liegen auf dem Internet. Ich kann sie aber von hier, mit meinem privaten Computer herunterladen. Yemis stechende schwarze Augen schossen Blitze, und er schrie:
– Wenn du lügen, ich schneiden Hals von kleine Frau! Er rannte nach vorne, packte Karin wieder grob am Arm und stieß sie gegen die Wand.
– Du von Internet holen, jetzt! schrie er.

Tom hatte beschlossen, nicht allzu lange zu warten. Gerhard war jetzt seit etwa einer Minute in der Wohnung und hatte noch kein Zeichen gegeben. Tom lief zur Tür zum Treppenaufgang und sprang schnell und lautlos die Treppe hinauf, bis er vor Gerhards Tür stand. Er legte sein Ohr an die Tür und lauschte. Es waren schnelle Schritte aus dem Inneren der Wohnung zu hören und dann eine aufgeregte Stimme, die schrie: „du von Internet holen, jetzt!“ Tom machte sich bereit. Er hoffte nur, dass Gerhard die Tür entriegelt hatte. Er packte den Türgriff, riss die Tür auf und sprang in die Wohnung. In der Mitte des Korridors standen Gerhard und Karin mit einem fremden, dunkelhäutigen Mann. Der Fremde hielt Karin hart am Arm und drückte sie gegen die Wand. Auf den Lärm von der brutal aufgerissenen Tür hin ließ der Fremde Karins Arm los und drehte sich um. Karins Nerven waren am Ende und sie schrie wieder, aber Gerhard packte sie entschlossen um die Taille und warf sich zusammen mit ihr auf den Boden.

Yemi starrte versteinert auf den kolossalen schwarzen Mann, der plötzlich dastand und die ganze Tür ausfüllte. Jegliche Vernunft war jedoch längst außer Kraft gesetzt. Hass schoss in ihm hoch und sein Gesicht verzerrte sich zu einer knurrenden Fratze. Er stürzte sich furchtlos auf den Riesen, das Messer stoßbereit.

Tom hatte zufrieden gesehen, wie Gerhard Karin umstieß und sie jetzt beide auf dem Boden lagen. Guter Junge, dachte er, und machte sich bereit. Seine unmittelbare Reaktion war, auf den verrückten Mann zuzulaufen und ihn unschädlich zu machen, aber ein plötzlicher Impuls ließ ihn zögern. Es wäre vielleicht besser, wenn es so weit weg von Karin und Gerhard wie möglich vorging. Er blieb daher stehen, als der Verrückte mit einem wahnsinnigen Gesichtsausdruck und einem großen Messer in der Hand auf ihn zugestürmt kam. Tom war in höchster Alarmbereitschaft, und obwohl alles schnell vor sich ging, erschien es ihm fast wie Zeitlupe. Ja, so soll es sein, mein Freund, dachte er, komm nur näher. Als Yemi nur noch zwei Schritte von ihm entfernt war, ging Tom in Aktion. Er setzte schnell ein Bein nach vorne, behielt aber das Körpergewicht auf dem hinteren Bein. Er stand perfekt in Balance. Yemi machte einen verzweifelten Ausfall mit dem Messer nach Toms Kehle, aber Tom war vorbereitet. Er parierte den Angriff, indem er den Arm mit dem Messer griff und ihn in die Richtung zog, in die er bereits auf dem Weg war, während er mit dem hinteren Fuß den Körper einen Schritt nach vorn schob. Es sah so aus, als ob die beiden Männer einige geübte Tanzbewegungen ausführten, aber es war ganz offensichtlich Tom, der den Ton angab. Aber dann ging der Tanz schief. Yemi hing neben Tom und war eindeutig aus dem Gleichgewicht. Tom konnte die Sache jetzt abschließen und mit einer schnellen mühelosen Bewegung drehte er Yemi auf den Rücken und versetzte ihm einen heftigen Schlag in die Niere. Das Messer fiel mit einem dumpfen Geräusch zu Boden, und dann war alles vorbei. Yemi heulte vor Schmerzen auf und Tom ließ ihn los und auf dem Boden zusammenklappen. Tom sammelte das Messer auf, griff Yemi einfach am Kragen und stellte ihn auf die Beine. Yemi jammerte und stöhnte und rieb seine Niere. Im gleichen Moment stürmten zwei Männer in grauen Kampfanzügen in die Wohnung, mit entsicherten automatischen Gewehren in den Händen. Tom drehte den Kopf und hob erstaunt die Augenbrauen.
– Ruhig, Jungs, immer mit der Ruhe! sagte er. Ihr kommt viel zu spät, der Spaß ist schon lange vorbei! Warum in aller Welt hat man euch aus den warmen Betten gezerrt? Wer hat euch alarmiert?
– Rolf Duvenhart, Sir, antwortete einer der Männer. Da kam offenbar ein roter Alarm hier von der Wohnung. Gerhards Frau klang, als ob sie in Schwierigkeiten war. Herr Duvenhart wollte, dass wir den Fall korrekt hantieren, Sir.
– Na dann, antwortete Tom. Aber dann könnt ihr euch auch ein wenig nützlich machen, Jungs. Nehmt diesen Kerl mit zurück und lasst ihn von einem Arzt untersuchen. Er wies in Yemis Richtung, der noch aufrecht stand wenn auch schwankend.
– Und sorgt dafür, dass er mit niemandem spricht, verstanden?
– Jawohl, Sir! antwortete der Mann und griff sich den zerschlagenen Yemi. Tom wandte sich zu Karin und Gerhard und fragte:
– Nun, wo waren wir eigentlich stehengeblieben? Ach, ja, wir wollten auf eine kleine Reise gehen, so war es. Warum erklärst du nicht alles deiner Frau, Gerhard, während ich gehe und mir die Hände wasche? Eine Stunde später befanden Karin und Gerhard sich zusammen mit ihrer Tochter Sanja an einem sicheren Ort in einem ganz anderen Stadtteil in Hamburg. Und zum ersten Mal seit langer Zeit fühlten sie sich sicher, so sicher, wie man sich in dieser Welt fühlen kann.

(Fortsetzung folgt)

 

ENGLISH

The man from Tehran

Wednesday, 8 February 2006

Copenhagen, 11:15 p.m.

Lisbeth drove into the courtyard of the modest EATO office in Copenhagen. She was basically dead tired, but she had to call up the level three meeting for tomorrow morning and inform Jørgen of the situation. As she went up the stairs, she looked at her watch. It had taken her barely more than four hours from Hamburg to Copenhagen, but she had also been speeding a little more than was allowed in Denmark. Fortunately, there hadn’t been much traffic, especially now that she wasn’t overly patient. She still felt her stomach contract. Will there really be an attack in Copenhagen? It seemed so unreal to her, but she had a gnawing feeling that there might be something to it. It was one thing to research and monitor, but it was quite another to be in the middle of the action as soon as it started. She was glad that she would have Tom and Rolf by her side. In fact, it was they who were to lead the battle if one could use such an expression.

There was light in Jørgen’s office, and she immediately went to see him.

– Hey, Jørgen, she said. You got here before me – again. She smiled at him from the door.

– Hey Lisbeth, he replied. Yes, I could just as well sit and wait here instead of sitting in front of the computer at home now that the girls are in bed. I still had a few things to do anyway. Now, how did it go? Let me guess; something serious is coming up, isn’t it?

– You can say that again. We are on standby level three now, she said.

Jørgen whistled through his teeth.

– Holyshmoly, he exclaimed. Let me hear!

Lisbeth told him everything from A to Z and Jørgen did not interrupt her a single time.

– .. and Tom’s command unit is on alert for Copenhagen. Rolf and Tom are coming here tomorrow morning, she closed.

– And what do we do in the meantime? asked Jørgen.

– Well, not that much before tomorrow morning, she replied. Is there anything new from CP100?

– No, nothing, they seem to have vanished from the face of earth, he replied.

– I thought so, she said. But I have a vague felling that they will reappear as soon as the shit hits the fan. All we can do now is to get the staff together for a level three preparation here in the office. We have to concentrate all our energies on this one expected event. We still have a little time, but not very much anymore. There is a standby meeting tomorrow morning at 9:00 a.m. I’ll notify everyone before I go home. Matts and Pertti must take an air taxi. We have to start preparing as soon as possible. And you have to be ready to let us know about CP100 in case its members reappear, ok?

– You can count on me, he replied.

– See you tomorrow morning, she said, and went to her own office to call Helsinki and Stockholm. Half an hour later, she got the confirmation from both employees that they would be there the next morning. She looked at the clock, gosh, how late it was! She turned off the lights and left the office. Now she could go home and sleep a few hours before the show moved on. The thought of the coming days filled her with fearful premonitions.

 

Hamburg, 11.30 p.m.

Akhmahel’s cell phone vibrated; a discreet sign that someone was texting him. He had a dozen different SIM cards, but there weren’t many people, who knew the number of the one that was currently in the phone. It could only have something to do with the upcoming operation. He took the phone out of his pocket and read the short message: “Dates no longer grow on the tree. Tried to replant, but still no dates. Waiting for fresh figs, but nothing has arrived yet.”
That was all it said, but it was enough to trouble Akhmahel. His instructions to anyone who wanted to either call or send text messages were clear and unambiguous: everything had to be written in code. Nothing that could fall into the hands of their opponents could be useful to them. „Dates“ was the code word for encrypted information from the EATO computer and „Figs“ was the code name for the codes for the additionally encrypted messages that EATO used. If they could get them, they would be able to identify all EATO agents and render them harmless once and for all. For Akhmahel, the news meant that the connection to the computer they had hacked into had been broken and probably could not be restored, and that they were still waiting for the codes. Had EATO found out someone had broken into their computer? That was, of course, a possibility.

But it shouldn’t affect the ongoing action, because after all, it was he who knew what information they had and not EATO. They would probably guess the target of the attack soon anyway, if they hadn’t already. But they would hardly be able to figure out how it was going to be done. The more agents there were, the better it would be. Their total frustration at standing in the middle of it and being unable to do anything was almost worth more than the attack itself. Ultimately, such an attack meant only a brief moment of destruction and death to a few. It was not designed to terrorize many. The real terror would only start later, and it would go on for weeks, yes, years, and had nothing to do with the assassination itself. The western world would, as usual, terrorize itself once the sensation-hungry media really spread fear across the world. The aftermath of their attack would increase to an unmatched degree. Politicians and governments around the world would dance like puppets and introduce new security measures and increased surveillance. The attack was only a detonator, the explosives were supplied by the victim himself. He was expecting a fantastic media event. But if their source was dry, they might as well give it up. It was too risky to go on if they had been found out. He wrote a text message and sent it.

Another cell phone rang fifteen kilometers away, in an apartment somewhere in Hamburg. Yemi Bazargan immediately read the short message: “Dates and figs may no longer be traded. The shop is dirty and may no longer be visited.”

Yemi stared at the news for a long time and defiance began to rise in him. Damn it, he was so close now, he thought. He hoped to get the stupid codes tomorrow at the latest. He knew he had to obey the command, but it had never been easy for him to obey anyone, whoever. He decided to try to get the codes right away. Then he could still say he had had it before the text message came. Damn it, with the codes, they could find all the agents and kill them one by one. He would be considered a hero and he would continue to rise in the ranks. Hell, this was his big chance and it shouldn’t be wasted.

Yemi was a Palestinian and a burning, almost universal hate permeated him. He hated Gerhard and he hated Gerhard’s wife. He hated the German authorities and all the other Germans he dealt with every day, but he especially hated Israel and the United States and everything that represented those two cursed countries. He hadn’t always felt that way. Although he had not necessarily had positive thoughts about his two worst enemies, it had been more of an aversion towards them. The hatred had been ignited one day about seven years ago when a US Apache attack helicopter with an Israeli pilot in the cockpit opened fire on him and his family outside their home in the Gaza Strip. The attack, which had been retaliatory action on the part of the Israelis after a Palestinian suicide bomber in a Jewish shopping mall a few days earlier, had killed his parents and torn a leg off his little sister. She had been taken to a nearby hospital unconscious. After a few days, she died without regaining consciousness. He had miraculously only been hit on the shoulder. Neither Yemi nor any of his family members had anything to do with the suicide bombings. They had not even been members of a militant resistance movement or otherwise posed a threat to Israel. Their only crime was that they had been in the line of fire when the Israeli soldier had let loose his aggression in the form of an uncontrolled bullet rain. The day after Yemi’s family was eliminated, Israel had announced that further retaliatory strikes would take place if the suicide bombings would not stop. Both the UN and most of the world community had condemned the Israeli attack. Only America, as always, had refrained from any judgment. Not even an expression of regret at the murder of Yemi’s family had come from the Israeli side. Yemi had been paralyzed with frustration and grief at first, and ever since he was burning for revenge, merciless revenge. From that day on, the direction of his life had been set. A terrorist was born.

Yemi was looking forward to visiting the IT man and his little whore of a wife again. He was strangely excited by the feeling of power he had over them. They had both been scared shitless of him from the start. He would put so much pressure on them that the guy would get the codes immediately. Maybe he should stick his knife a little into the child or into the whore, that would certainly get some action out of the guy. He got ready to go. As always, the knife was in his jacket pocket, easy to pull out. A few minutes later, he was sitting in his old BMW 320i.

 

Thursday February 9, 2006

Hamburg, 00.50 a.m.

– What are we going to do? Gerhard asked in a weak voice. Tom towered in front of him like a mountain, and although the huge man smiled as friendly as he could now, he was still a menacing sight.

– Don’t worry, my boy, everything will be just fine, said Tom. It’s been cleared with Rolf. You and your troubled family will be taken to a safe place until everything is over, do you understand?
He gave Gerhard a pat on the shoulder.

– Come on, let’s scoot over to your house and pack some clothes for you and your wife and for the little one … what’s her name?
He pulled Gerhard out of the chair.

– Sanja, said Gerhard, and got on his feet.
There was something about Tom that made Gerhard ask no more. He just obeyed. He felt that nothing could really fail when Tom was there. A few minutes later, they were both sitting in Tom’s large SUV on their way through town.

– What a shitstorm, right my boy? Tom tried to start a conversation. It must have been a tough time for all of you. God only knows how I would have felt if it had been my family, assuming I had a family.

– Probably none of this would have happened to you, said Gerhard despondently. I mean, you are strong and confident … and you have so many abilities … if I were just a little bit more like you, it would certainly never have happened.

– No, really, stop it, said Tom. If you were like me, you wouldn’t have your wife and little Sanja. And you would definitely not have any It-capabilities. Do you think it’s easy to get anything done on a keyboard with these paws? He held up a hand.
– Keyboards that fit my hands are not made at all. For me it is a matter of luck if I only press two buttons at a time instead of four, my friend. No, be happy with your talent and don’t be blinded by how things look on the surface.

Gerhard felt comforted by Tom’s words. It was true that he had Karin and Sanja; and a job that he usually liked to do. However, he suddenly doubted that he still had a job. Would Rolf want to keep him after all that had happened? Shortly afterwards they came to the block where Gerhard’s apartment was and got out of the car. Gerhard was about to walk up the stairs when Tom came around the car and put a hand on his shoulder.

– First, let’s probe the terrain a little, he said seriously. Maybe we can see something from here. Where is your apartment?

Gerhard pointed to a few windows on the second floor and was about to say that it was the window with light, but before he even opened his mouth he knew that something was wrong. It was the living room window. At this point, there should be no lights on. Sanja had recently started to sleep through the night, but she still woke up around 6:00 in the morning, so Karin would surely sleep now. At the same moment the light in the kitchen came on and Gerhard winced.

– There shouldn’t be any lights on now, he said.

– No, I thought so, replied Tom. Can your wife have got up to check on the little one or go to the bathroom?

– Yes, but the light in the living room is on … and now in the kitchen too, said Gerhard. The bedroom and Sanja’s room are on the other side.

– Aha, growled Tom’s bass voice. I think we have to be a little careful now. He tightened his grip on Gerhard’s shoulder and continued:
– Listen, my boy, let’s both tense our stomach muscles as hard as we can. You have to be the first to go up to the apartment, and if everything is OK, you wave to me immediately from the window, understand? Not in a moment, but immediately! Okay?

– Yes, of course I will, said Gerhard with gloomy forebodings, but what happens if everything is not right?

– Well, you may have uninvited guests, said Tom, trying to sound carefree, and if so, it’s very important that you don’t lock the door. And it would be really helpful if you put Karin, Sanja and yourself in such a position that you don’t block the door when I storm inside in a minute, do you understand what I’m saying?

Gerhard felt panic rising, but he pulled himself together and replied:
– Yes, I will do my best.

– It’ll be fine, Tom reassured him. He loosened his grip and gave Gerhard a slight push.
– Off you go, my boy.

Yemi had arrived about ten minutes ahead of them. He had woken Karin with the finger on the bell and she had let him in, drowsy.

– Where Gehar? he asked in a loud voice and in bad German.

He grabbed Karin’s arm and squeezed until it obviously hurt her. Fear showed on her face and Yemi enjoyed his power to the fullest.

– He … he’s at work. Please go! We will do what you want. Can’t you please go? she pleaded.

– You give code now. I cannot wait. I must have now!

He tightened his grip. Tears came to Karin’s eyes in a mixture of pain, fear and anger.

– OK, OK! she screamed. Then let me call my husband. Let me go! He released her with a triumphant grin.

– Yes, you call Gehar ’now, he said.

Karin massaged her arm before turning on the light in the living room and going to the phone. There was a number she could call when it was absolutely urgent to reach Gerhard. It was not possible to call him directly. She started dialing the number, but her hands trembled so much that she dialed wrong twice, and only succeeded on the third attempt. It rang twice before a voice answered:

– Headquarters, who do you want to speak to?

– This is Karin, Karin Müller, she said, trying to sound calm. I would like to speak to my husband Gerhard Müller.

– Just a moment, the voice replied, and Karin had to wait. Her whole body trembled. The voice came back a few seconds later:

– Gerhard Müller is no longer at the office for today, Karin, is there anything we can help you with? Has something happened?

For a moment she was silent, but then she replied:
– No, no, thank you, no. She hung up. She was completely at a loss and didn’t know what to say. If only he didn’t do anything to Sanja. Where was he now? Panic seized her. Had he gone to Sanja? She was about to run into her daughter’s room when she heard the door unlock.

Yemi had gone into the kitchen while the whore called her husband. He turned on the light and looked around. Everything was neat and clean, which for some reason washed up a wave of hatred in him. Life was so easy and carefree for them, and everything was supposed to look so clean and pretty. What did they know about suffering and need? Nothing, absolutely nothing! But they would soon, yes, they would soon. He started opening drawers and cabinets to see what was inside. Here, too, everything was so neat, and he suppressed a violent urge to break everything. At that moment, the door was unlocked. Yemi grabbed a large kitchen knife and ran into the hall.

Gerhard had gone up the stairs half in a trance. Long periods of fear have a special effect on people, and he had long since crossed the line where common sense fades out and insanity begins. Everything inside him cried out to turn and run as fast as he could, but he knew he wouldn’t. He would never let Karin down. Instead, he went up the stairs. Now it had to be over with! He stopped at the door and took out the key. He tried to pull himself together. The thought that Tom was ready to storm the apartment gave him some courage. But what if it was too late, if something had happened to Karin or Sanja? He pushed the thought aside, put the key in the door, opened it, and stepped into the hall.

The next thing that happened was like a nightmare. Yemi came out of the kitchen with a wild look in his eyes and a knife in his hand, and at the same time Karin screamed after Yemi from the living room door. Karin’s screaming stopped Yemi abruptly. He whirled around and shouted:
– Shut up, little whore! Shut damn mouth! Karin’s screams had jolted Gerhard out of shock and he was reacting very quickly now. The moment Yemi stood with his back to him, he unbolted the door and closed it. When Yemi heard the door, he turned again and stared at Gerhard with a look that was now filled with a mixture of fear and hate.

– You come here, damn it! he cried, you come now!

He swung the knife around in the air and Gerhard walked towards him with uncertain steps, and this time he was lucky: Yemi grabbed his arm and pushed him over to Karin. Yemi now stood with his back against the door and looked at Karin and Gerhard. Gerhard knew that he had to gain time.

– Why are you coming to our house? he asked tightly.

– Codes! I must have codes now! Yemi yelled. He swung the knife again.
– You have them, yes?

– Yes, yes, I have them, I have them, Gerhard lied. But they are on the internet. But I can download them from here with my private computer.

Yemi’s piercing black eyes flashed and he shouted:
– If you lie, I cut the neck of the little woman! He ran forward, grabbed Karin’s arm roughly, and pushed her against the wall again.

– You get from internet, now! he screamed.

Tom had decided not to wait too long. Gerhard had been in the apartment for about a minute now and hadn’t given a sign. Tom ran to the door to the staircase and jumped quickly and silently up the stairs until he was standing in front of Gerhard’s door. He put his ear to the door and listened. There were quick steps from inside the apartment and then an excited voice shouting, „You get from internet, now!“ Tom got ready. He only hoped that Gerhard had unbolted the door. He grabbed the door handle, opened the door and jumped into the apartment.

Gerhard and Karin stood in the middle of the corridor with a strange, dark-skinned man. The stranger held Karin by the arm and pressed her against the wall. At the noise from the door brutally torn open, the stranger let go of Karin’s arm and turned around. Karin’s nerves were shattered now, and she screamed again, but Gerhard firmly grabbed her around the waist and threw himself on the floor with her.

Yemi stared petrified at the colossal black man who suddenly stood and filled the entire door. Any reasoning, however, had long since ceased to exist in him. Hate shot up in him and his face twisted into a growling grimace. He pounced fearlessly on the giant, with the knife ready to strike.

Tom had been pleased to see Gerhard knocking Karin over and that they were both lying on the floor now. Good boy, he thought, and got ready. His immediate reaction was to run up to the mad man and to incapacitate him, but a sudden impulse made him hesitate. It might be better if it happened as far away from Karin and Gerhard as possible. So he stopped when the madman came rushing towards him with an insane expression on his face and a big knife in his hand. Tom was on high alert, and although everything was happening quickly, it almost seemed like slow motion to him. Yes, that’s right, my friend, he thought, just come closer. When Yemi was only two steps away, Tom went into action. He quickly put one leg forward keeping his body weight on the back leg. He was in perfect balance. Yemi desperately flailed with the knife at Tom’s throat, but Tom was prepared. He parried the attack by grasping the arm with the knife and pulling it in the direction it was already going, moving his body one step forward with his back foot. It looked like the two men were doing some practiced dance moves, but it was obviously Tom who set the tone. But then the dance went wrong. Yemi was hanging next to Tom and was clearly out of balance. Tom was now able to complete the matter and with a quick effortless movement he turned Yemi on his back and gave him a hard punch in the kidney. The knife fell to the floor with a thud, and then it was all over.

Yemi howled in pain and Tom released him and let him collapse on the floor. He picked up the knife, and then simply grabbed Yemi by the collar and pulled him to his feet. Yemi whined and moaned and rubbed his kidney. At the same moment, two men in gray combat suits burst into the apartment with automatic rifles in their hands. Tom turned his head and raised his eyebrows in surprise.

– Hey, hey, keep calm, guys, don’t panic! he said. You are way too late; the fun is already over! Why in the world has anybody dragged you guys out of your warm beds? Who alarmed you?

– Rolf Duvenhart, Sir, answered one of the men. Apparently, there was a red alarm here from the apartment. Gerhard’s wife sounded as if she was in trouble. Mr. Duvenhart wanted us to handle the case correctly, Sir.

– Well then, replied Tom. Then you can just as well make yourself a little useful, boys. Take this guy back and have a doctor examine him. He pointed in Yemi’s direction, who was still standing upright, albeit swaying.

– And make sure that he doesn’t speak to anyone, understood?

– Yes, Sir! the man replied, grabbing the battered Yemi.

Tom turned to Karin and Gerhard and asked:
– Well, where were we? Oh, yes, we wanted to go on a little trip, that’s what it was. Why don’t you explain everything to your wife, Gerhard, while I go and wash my hands?

An hour later, Karin, Gerhard and their daughter Sanja were in a safe place in a completely different part of Hamburg. And for the first time in a long period, they felt safe, as safe as one can feel in this world.

(To be continued)

 

Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr seit 1993 verheiratet und in Dänemark lebend. Meine Beiträge erscheinen daher in deutscher Sprache (und nicht in dänischer) und seit 2018 auch in englischer Sprache. … I was born in Germany, have been married with a Dane since 1993 and are living in Denmark. Therefore, my posts are published in German (and not in Danish) and since 2018 in English as well.

3 Gedanken zu „Der Mann aus Teheran, Kopenhagen/ Hamburg … The man from Tehran, Copenhagen/Hamburg“

  1. Nun können Gerhard und Karin endlich aufatmen und haben eine sichere Bleibe. Ich war ganz erleichtert, als diese dramatische Szene mit dem hasserfüllten Mann aus Palestina vorbei war. Ich bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht!

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