Der Mann aus Teheran, Marseille/Hamburg/Kopenhagen … The man from Tehran, Marseille/Hamburg/Copenhagen

CoverDeutsch

Der Mann aus Teheran

Mittwoch, 8. Februar 2006

Marseille, 15.15 Uhr

Wahil war etwas weniger angespannt, nachdem der Tee serviert worden war. Er nahm das Glas mit dem heißen Getränk an den Mund und goss sich den Inhalt in den Hals. Sarkov starrte mit offenem Mund auf den großen Mann, der anscheinend völlig gefühllos im Mund war. Er hatte Lust, einen Kommentar abzugeben, entschied sich aber dagegen.
– So, wo ist … das Ding? fragte Wahil, als er das Glas geleert hatte. André Sarkov antwortete nicht sofort, sondern nippte vorsichtig an seinem eigenen Tee und stellte das Glas wieder auf den Tisch. ‚Das Ding‘, wiederholte er in Gedanken, das war doch ein ungewöhnlich anonymer Name für einen so hässlichen Gegenstand.
– Warum so eilig? antwortete er in einem ironischen Ton. Haben Sie es eilig? Unter Wahils einem Auge erschien ein Zittern. Ganz offensichtlich, hatte Sarkovs Frage ihn verärgert.
– Ja, ich habe es eilig, antwortete er unfreundlich. Lassen Sie uns unser Geschäft abschließen.
– Aber natürlich, wir wollen nicht mehr Zeit als unbedingt nötig verschwenden, antwortete Sarkov, um Wahil zu beruhigen. Sein Verstand sagte ihm, dass es klüger wäre, nichts mehr zu fragen, aber er war zu neugierig und tat es trotzdem.
– Und wo soll dieses … Ding zum Einsatz kommen? versuchte er vorsichtig. Wahils Augen wurden zu schmalen Schlitzen und Sarkov wusste, dass er zu weit gegangen war. Einen Moment lang sah es so aus, als ob der Riese über den Tisch springen würde, aber er beherrschte sich im letzten Augenblick. Die Wut kam jedoch in seiner Antwort zum Ausdruck:
– Ich dachte, wir hätten vereinbart, dass keine Fragen gestellt würden, sonst müssen wir uns andere Geschäftspartner suchen.
– Tut mir leid, tut mir leid, ich bitte um Verzeihung mein guter Freund, antwortete Sarkov mit einem schmierigen Lächeln. Das geht mich natürlich nichts an. Es war nur allgemeine Neugier meinerseits. Sarkov nahm an, dass es wahrscheinlich zu spät für Wahil war, sich an jemand anders zu wenden, aber warum ein unnötiges Risiko eingehen. Vielleicht würde der Mann den Handel aus purem Trotz auffliegen lassen. Der Vorteil mit dieser Art Kunden war, dass sie immer rechtzeitig bezahlten und den Preis nie in Frage stellten. Sarkov hatte das Gefühl, dass seine Neugier sowieso in Kürze gestillt werden würde. Die meisten Zeitungen und Nachrichtensender auf der Welt würden bald genug und im Detail beschreiben, wo ‚das Ding‘ angewendet worden war. Gott verhüte, dass es in seiner näheren Nachbarschaft passierte, aber aus irgendeinem Grund glaubte er es eigentlich nicht.
– Wir sind sicherlich auch beide so langsam mit unserem Tee fertig, sagte er, während er vor seinem inneren Auge Revue passieren ließ wie der Riese in einem kurzen Augenblick sein Glas geleert hatte.
– Lassen Sie uns einen kleinen Ausflug machen, bevor der Berufsverkehr in vollem Gange ist. Wahil nickte nur, und einen Augenblick später verließen sie die zwielichtige Kneipe. Dicht gefolgt von Wahil watschelte Sarkov über die Straße zu einem silbernen Mercedes 600SLE, der gegenüber der Kneipe geparkt war. Das Luxus-Fahrzeug schien in diesem Viertel völlig fehl am Platz, aber es war die ganze Zeit unter Aufsicht gewesen. Ein Fahrer saß hinter dem Steuer. Sarkov bugsierte sich trotz seines Leibesumfangs erstaunlich schnell auf den Rücksitz und gab dem Fahrer sofort eine Anweisung auf einer slawischen Sprache, die Wahil nicht verstand. Das Auto setzte sich fast lautlos in Bewegung. Sie verließen das Hafengebiet nicht, sondern fuhren weiter in Richtung Industriehafen.
Nach ein paar Minuten hielten sie vor einem abgelegenen Lagerhaus und Sarkov und Wahil stiegen aus dem Auto. Sarkov schlug trotz seines Gewichts ein relativ schnelles Tempo an, als er sie rund um das Gebäude zu einer Seitentür führte, wo er stehen blieb. Er schloss die Tür auf und sie traten in eine Halle, die so groß war wie ein Handballfeld. Wofür sie früher einmal benutzt worden war, konnte man nicht sehen, denn sie war leer, bis auf einen dunkelblauen Peugeot Boxer, der in der Mitte der Halle stand. Wahils Gesicht hellte sich beim Anblick des Autos auf, und er ging mit schnellen, schweren Schritten darauf zu. Er hatte erst die Hälfte der Strecke zurückgelegt, als ein Kommando von Sarkov ihn mitten in der Bewegung stoppte.
– Stopp! bellte Sarkov förmlich in einem unangenehmen, scharfen Ton. Wahil wirbelte herum wie eine Katze mit allen Muskeln angespannt, und die beiden Männer starrten einen Moment lang einander an.
– Es tut mir leid, es sagen zu müssen, sagte Sarkov und wirkte wie ein völlig veränderter Mensch, aber Sie fahren nirgendwohin mit dem Auto. Er lächelte hinterhältig und steckte die eine Hand in seine Jackentasche.

Wahil spannte sich an, er selbst war nicht bewaffnet, was zum Teufel sollte das jetzt bedeuten? Instinktiv entschied er sich dafür anzugreifen. Eine Kugel im Körper würde ihn nicht daran hindern, dem fetten, verräterischen Schwein den Hals zu brechen. Er wollte gerade losspringen, als Sarkovs Stimme ihn wieder zurückhielt.
– Zumindest nicht ohne diese hier, sagte Sarkov und warf die Autoschlüssel hin zu dem deutlich wütenden Riesen. Trotz des erneuten unerwarteten Stimmungswechsels, fing Wahil die Schlüssel mit sicherem Griff. Er wusste nicht, was er von Sarkov halten sollte. Versuchte der Mann absichtlich, ihn zu provozieren oder spielten seine eigenen Nerven ihm einen Streich? Nun, es spielte jetzt keine Rolle, er musste sich auf seine Aufgabe konzentrieren. Er drehte sich wieder um und ging die letzten Schritte zum Fahrzeug. Er riss die eine Tür zur Ladefläche auf und vergaß den Vorfall. Sein Herz schlug jetzt so schnell, dass er es fast hören konnte. Er starrte wie hypnotisiert auf den Inhalt des Laderaumes. Endlich … endlich, hallte es in seinem Kopf wider. In der Mitte stand eine große, solide Holzkiste. Sie war etwa zweieinhalb Meter lang, etwa einen Meter hoch und genauso breit. Die Kiste war zugenagelt, aber ein Brecheisen lag gleich daneben.
Wahil kletterte auf die Ladefläche, nahm resolut das Werkzeug und öffnete mit ein paar schnellen kraftvollen Bewegungen den Deckel. Der Anblick des ‚Dings‘ brachte ein groteskes Lächeln auf sein bärtiges Gesicht. So etwas hatte er lange nicht mehr gesehen und noch länger nicht mehr benutzt. Er ließ eine Hand fast liebevoll über das kühle Metall gleiten. Er fühlte Kampflust in sich aufsteigen, aber er musste sich beherrschen. Mit geschultem Blick untersuchte er, ob alle Teile vollzählig in der Kiste waren und klopfte dann den Deckel mit der Brechstange wieder fest. Zufrieden stieg er aus dem Kastenwagen.
– Ist alles so wie es sein soll? fragte Sarkov. Wahil nickte und fragte:
– Wo ist …? – Sie meinen das hier? unterbrach Sarkov und reichte ihm einen Umschlag. Wahil riss ihm den Umschlag aus der Hand und öffnete ihn. Er inspizierte den Inhalt schnell und nickte kurz, bevor er ihn in die Innentasche seiner Jacke steckte.
– Der Schlafsack liegt in der Kabine, sagte Sarkov. Und das ist dann wohl alles für dieses Mal, glaube ich. Er drehte sich um und ging zu einem großen Tor.
– Ich werde für Sie öffnen, mein Freund, sagte er mit dem Rücken zu Wahil. Und darf ich Ihnen die besten Wünsche mit auf die Reise geben, wo auch immer sie hinführt. Wahil wollte sich gerade ins Auto setzen, als Sarkov sich mit einer unerwartet schnellen Bewegung umdrehte und plötzlich den Lauf einer Pistole auf ihn gerichtet hielt. Wieder stand Wahil da wie gelähmt. Der Abstand zwischen ihnen war jetzt zu groß. Er konnte das Schwein nicht daran hindern, das gesamte Magazin gegen ihn abzufeuern. Sein Blut gefror zu Eis.

Sarkov stand nur da und grinste boshaft.
– Da kann man mal sehen, was? sagte er sarkastisch. Ich hätte fast vergessen, dass Sie dies hier auch mitnehmen sollen, nicht wahr? Mit einer schnellen Bewegung drehte er die Waffe in seiner Hand um und warf sie in hohem Bogen Wahil zu. Wahil fing mühelos die Pistole auf, war aber verwirrt und schämte sich über seine eigene Reaktion. Reflexmäßig und mit geübten Händen überprüfte er dennoch die Waffe, bevor er ins Auto stieg. Er legte die Waffe ins Handschuhfach und startete den Motor, während Sarkov das Tor öffnete. Einen Moment später fuhr der große bärtige Riese mit seiner ausgefallenen Ladung auf und davon. Sarkov sah dem Auto nach, bis es um eine Ecke verschwand. Mit einer hämischen Freude dachte er an die Reaktionen, zu denen er den großen Mann hatte provozieren können. Dann schüttelte er den Kopf und watschelte zum Mercedes.
– Nach Hause! sagte er zum Fahrer und lehnte sich in dem bequemen Sitz zurück. Ein paar Minuten später verließen sie das Hafengebiet.

Hamburg, 16.50 Uhr

Die Kommandozentrale der EATO befand sich zwei Etagen unter der Erde und war in jeder Hinsicht etwas Besonderes. Sie war mit ihren 300 Quadratmetern verhältnismäßig groß. Aber bevor man überhaupt Zugang bekam, musste man zwei Kontrollpunkte passieren. Die erste Kontrolle bestand aus einer biometrischen Identifikation. Rolf und Lisbeth standen vor einer großen Schiebetür und Rolf machte sich bereit. Er stellte sich mit den Füßen auf zwei Markierungen auf dem Boden und richtete seinen Blick auf eine Glasplatte in der Wand. Er sagte seinen Namen, woraufhin ein optisches Gerät seine Iris abtastete. Er bestand die ‚Prüfung‘ ohne Probleme, und die Schiebetür glitt lautlos zur Seite. Sie hatten nun Zugang zu einem kleineren, quadratischen Vorzimmer, das ungefähr fünf mal fünf Meter maß. Zwei Sicherheitsbeamte saßen hinter einer Schranke an der einen Wand. In gewisser Weise bildeten sie einen dritten Kontrollpunkt. Anhand einer Anzahl von Flachbildschirmen konnten sie das gesamte Gebäude überwachen. Nur zwei Stellen wurden nicht überwacht: Rolfs Büro und die Kommandozentrale, zu der sie sich hier um Zugang bemühten. Rolf und Lisbeth gingen durch das Vorzimmer zu Kontrollpunkt Nummer zwei am entgegen gesetzten Ende. Rolf zog seine ID-Karte durch ein magnetisches Lesegerät und gab einen Code ein. Wieder glitt eine Schiebetür lautlos zur Seite, und sie konnten endlich in die Kommandozentrale eintreten.

Sie wirkte unterschiedlich auf Männer und Frauen, wenn sie sie zum ersten Mal sahen. Für Männer war sie ein technologisches Himmelreich, während viele Frauen eher das Gefühl hatten, dass sie in einem Spielzeugladen für große Jungs gelandet waren. Aber ganz gleich, wie die Kommandozentrale auf einen wirkte, wenn man sie das erste Mal betrat, so lernte man schnell die enormen Vorteile zu schätzen, die einem diese Ansammlung von Spitzentechnologie verschaffte. Ein großer, schwarzer Mann kam ihnen entgegen. Lisbeth hätte schwören können, dass er vollkommen rechteckig gebaut war. Er musste mindestens 1,90 Meter groß sein und war breit wie ein Ochse. Er hatte nicht ein einziges Haar auf dem Kopf. Sein ledriges Gesicht zeigte markante Züge, doch am meisten charakterisierte ihn sein dominierendes und hervorstechendes Kinn. Er trug eine Art militärischen Camouflage-Anzug und ein Paar robuste schwarze Stiefel.
– Hallo Rolf, sagte er mit einer tiefen, vollen Stimme und blieb drei Schritte vor ihnen stehen. Und Sie müssen dann Lisbeth Hasselbeck aus Kopenhagen sein. Ein sehr sympathisches Lächeln erhellte sein Gesicht. Er kam noch zwei Schritte näher und reichte ihr die größte Hand, die sie jemals im Leben gesehen hatte. Sie war sicher, dass sein Händedruck Knochen brach.
– Mein Name ist Tom, Tom Pettersson, stellte er sich vor, und ich bin der Führerhund für die Jungs des Einsatzkommandos. Lisbeth reichte ihm mutig die Hand und war erleichtert festzustellen, dass er seinen warmen, angenehmen Händedruck perfekt dosieren konnte.
– Willkommen in der Zentrale, fuhr er fort, und willkommen zu der obligatorischen Führung mit deutschsprachigem Fremdenführer hier beim Eisenhändler. Er wies mit einer einladenden Bewegung durch den Raum.
– Und lassen Sie mich gleich sagen, setzte er immer noch lächelnd fort, Widerstand ist nutzlos. In meinem Vertrag steht, dass ich alle, die zum ersten Mal die Zentrale besuchen, in Handschellen legen und an der Nase herumziehen darf, wenn sie, entgegen aller Vernunft, meine Begeisterung für diesen Ort nicht teilen. So, wie ist es Ihnen lieber, mit oder ohne Handschellen? Lisbeth ergab sich seinem offensichtlichen Charme und beschloss, mitzuspielen.
– Dann gehe ich besser freiwillig mit, antwortete sie. Es ist ja nicht sicher, dass Sie Ihren Vertrag für nächstes Jahr verlängert bekommen, wenn ich Ihnen die Handschellen aus den Händen reiße, Sie an den Heizkörper fessele und Sie dort liegen und zusehen müssen, wie ich herumgehe und die Schienen von Ihren feinen elektrischen Zügen zerbreche, nicht wahr? Sie lächelte verschmitzt. Tom hob eine Sekunde lang erstaunt die Augenbrauen, bevor er in ein hemmungsloses, schallendes Gelächter ausbrach.
– Wir werden uns gut verstehen, sagte er, lasst uns in Gang kommen.

Hamburg, 19.05 Uhr

Lisbeth fuhr auf die Autobahn in Richtung Puttgarden. Sie wollte die Fähre um viertel vor neun bekommen – vorausgesetzt, der Verkehr spielte mit. Sie dachte an die Begegnung mit Tom und Rolf. Die Führung war in der Tat lehrreich gewesen, zumindest der Teil, den sie verstanden hatte. Tom hatte ihnen in seiner charmanten, etwas jungenhaften Art demonstriert, wie der vierzig Quadratmeter große Flachbildschirm der Kommandozentrale bei Feldoperationen angewendet werden konnte. Er hatte erklärt, dass die Mitglieder seiner Mannschaft unter dem Namen F.O.C. liefen, Field Operations Combattant.

– Jeder F.O.C. hat eine Kamera im Helm eingebaut, hatte er an einer Stelle erklärt. Dadurch können wir hier auf dem Bildschirm das Gleiche sehen, wie der F.O.C., fast jedenfalls. Der Bildschirm kann in viele kleinere Bildschirme unterteilt werden, so viele wie wir brauchen, und wenn wir die Bilder mit einer Grafikkarte mit den GPS-Positionen der einzelnen F.O.C. kombinieren, haben wir von hier den optimalen Überblick. In der Praxis bedeutet das, dass ich eine Operation direkt hier von der Kommandozentrale aus leiten kann. Das mit den Kameras, konnte sie vor sich sehen, aber die GPS-Erklärung war an ihr vorbeigegangen. Technik und Elektronik war nicht ihr natürliches Metier, sie verstand sich viel besser auf Menschen. Wenn Tom sich von Zeit zu Zeit in zu vielen Details verlor, war ihre Aufmerksamkeit ganz von selbst in eine eigene Richtung gegangen.
– Aber! Und hier kommt der beste Teil, hörte sie ihn sagen, wir haben sogar eine mobile Kommandozentrale. Sein Gesichtsausdruck hatte verraten, dass dies etwas ganz Besonderes für ihn bedeutete, daher hatte sie sich zusammengerissen und ihm ihre volle Aufmerksamkeit geschenkt.
– Was die Größe angeht ähnelt sie einem großen Reisebus, hatte er erklärt. Sie ist mit nahezu dem gleichen technischen Spielzeug ausgestattet, wie wir sie hier im Keller haben, und ich verwende sie, wann immer ich eine Ausrede dafür finden kann. Ich bin am liebsten so nahe am Geschehen wie möglich. Sie hatte verständnisvoll genickt.
– Wir können alle möglichen Hilfsinformationen aufrufen, war er fortgefahren, sowohl hier auf dem Bildschirm als auch im Wagen. Wir haben also die besten Voraussetzungen für die Durchführung einer Operation. Die übrige Ausrüstung der Kommandozentrale bestand aus einer Reihe PCs und Kontrollstationen, die in einem Kreis in der Mitte des Raumes auf einer speziell angefertigten Konsole angebracht und mit sechs bis acht Operateuren bemannt waren. Nach der Führung hatten sie die Einzelheiten für die Zusammenarbeit vereinbart, und Rolf hatte Lisbeth gebeten, am nächsten Morgen ihre Gruppe in Kopenhagen zu briefen. Sie hatte das Gefühl, dass sie in Tom und seinem F.O.C.-Team eine sehr effektive Rückenstärkung bekam. Seltsam mit all diesen Abkürzungen, dachte sie und lächelte, als sie daran dachte, wie sorgfältig Tom vermieden hatte F.O.C als ein Wort zu sagen, sondern immer die drei Buchstaben einzeln genannt hatte. Sie hatte den Eindruck gehabt, dass er es aus Rü
cksicht auf sie getan hatte. Kurz bevor sie das Gebäude verließ, hatte Rolf fast beiläufig gesagt: – Lisbeth, wir müssen mit der dänischen Polizei koordinieren, kannst du nicht ihn hier anrufen? Er hatte ihr einen Zettel mit einem Namen und einer Telefonnummer gegeben, auf dem ganz unten Budapest stand.
– Sprich die üblichen Verfahren ab. Ich habe heute Morgen mit ihm telefoniert, und er wartet auf deinen Anruf. Sag einfach, es handelt sich um Budapest, dann weiß er Bescheid. Sie hatte den Namen auf dem Zettel sofort wiedererkannt. Sie wurde von einem schwarzen Porsche, der sie mit sehr hoher Geschwindigkeit überholte, mehr als 200 km/h, meinte sie, aus ihren Gedanken gerissen. Sie bezweifelte, dass man bei dieser Geschwindigkeit einen Unfall überleben konnte. Drei Kilometer weiter war ein Rastplatz angezeigt. Sie beschloss, eine Pause zu machen und parkte unter ein paar Bäumen. Weit und breit war kein anderes Auto zu sehen. Sie nahm ihr Handy heraus und wählte eine Nummer. Sie musste Jørgen zu fassen bekommen, selbst wenn sie ihn zu Hause bei seiner Familie stören sollte. Als ihr engster Mitarbeiter war er daran gewöhnt, zu ungewöhnlichen Tageszeiten angerufen zu werden. Sie bat ihn darum, sie kurz vor Mitternacht im Büro zu treffen, was er ohne Fragen zu stellen akzeptierte. Einen Augenblick später war sie wieder auf der Autobahn. Im Moment herrschte nicht viel Verkehr und sie trat etwas mehr auf das Gaspedal, bis sie etwa 150 Stundenkilometer fuhr, eine angenehme Geschwindigkeit für ihren Ford Mondeo 1.8.

Kopenhagen, 19.15 Uhr

Jørgen Iversen legte sein Handy auf den Couchtisch zurück und sah vor sich hin. Es schien etwas Ernstes zu sein, wenn Lisbeth ihn so spät am Abend ins Büro bat, dachte er. Er hatte natürlich erwartet, dass man sehr bald etwas aus Hamburg hören würde, in Anbetracht der jüngsten Nachrichten, die er selber dorthin geschickt hatte, aber dass es bereits am Tag darauf geschah, war interessant, sehr interessant sogar. Es war ein ausgesprochener Husarenstreich für EATO gewesen, als es ihnen vor elf Monaten geglückt war, Jørgen aus dem Nachrichtendienst der Polizei zu rekrutieren. Er war hervorragend in seinem Bereich und wusste im Großen und Ganzen alles über die Etablierung von wirksamen Überwachungen jeglicher Art. Altersmäßig lag er ungefähr um die Mitte dreißig und mit seinen knapp 1, 65 Metern war er ein relativ kleiner Mann. Er hatte ein unauffälliges Äußeres, was er als großen Vorteil im Hinblick auf seine Arbeit ansah. Er war verheiratet und hatte zwei Töchter im Grundschulalter.
Jørgen hatte die Überwachung von CP100 vor etwa sechs Monaten etabliert, und die Mitglieder der Zelle konnten nicht einmal auf die Toilette gehen, ohne dass er mithören konnte. Die meisten von denen, die in der Wohnung in der Dannebrogsgade ein- und ausgingen, waren höchst wahrscheinlich illegal im Land, aber in die Angelegenheit mischte EATO sich nicht ein. Wenn einer von ihnen des Landes verwiesen wurde, kam schnell ein neuer und Jørgen war gezwungen, wieder ein Profil von dem Neuankömmling und dessen persönlichen Gewohnheiten anzufertigen. Nein, man wusste, was man hatte, es gab keinen Grund, daran etwas zu ändern. Meistens ergab eine Überwachung nicht viel Brauchbares. Meistens wurden alltägliche Dinge in der Wohnung besprochen, gewürzt mit einem stereotypen Austausch politischer und religiöser Art.
Aber in letzter Zeit schien es, als wären sie vorsichtiger, wenn sie in der Wohnung auf der zweiten Etage miteinander sprachen. Jørgen hatte ein instinktives Gefühl, dass die Zellenmitglieder wussten oder zumindest vermuteten, dass sie abgehört wurden. Der Verkehr in die und aus der Wohnung war wesentlich verstärkt, das war das Paradoxe. Mehrmals waren fünf oder sechs Leute im Wohnzimmer versammelt gewesen, und es gab natürlich angeregte Gespräche. Aber dann plötzlich konnte es völlig ruhig werden und man hörte nur noch ein undefinierbares Geräusch … Ja, es hatte geklungen wie … ja, als ob sie saßen und Karten spielten. Das war nicht normal, hatte er gedacht. Was hätte er nicht für die Errichtung einer visuellen Überwachung gegeben, aber die Gelegenheit hatte sich noch nicht geboten. Er hatte sich das Gehirn zermartert, um eine plausible Erklärung zu finden und dann hatte die Antwort ihn gestern Morgen wie ein Blitz getroffen, als er unter der Dusche stand. Verdammt noch mal, die spielten nicht Karten, nein, die saßen und kommunizierten schriftlich miteinander. Sie wussten mit anderen Worten, dass sie abgehört wurden. Wenn man dann noch in Betracht zog, dass die beiden ständigen Mitglieder der Zelle sich seit zwei Tagen nicht gezeigt hatten, war das Verhaltensmuster in der Zelle völlig unnormal.
Die beiden Männer waren ohne die geringste Vorwarnung wie in den Boden versunken. Vielleicht bedeutete das alles gar nichts, hatte er gedacht, aber sein Bauchgefühl hatte ihm etwas anderes vermittelt. Er hatte sofort eine Notiz nach Hamburg geschickt: „Kopenhagen, 7. Februar 2006. Allgemeine Zunahme der Aktivität in CP100 seit Montag. Abhörung unter Umständen aufgedeckt. Letzte Aktivität: Die zwei ständigen Mitglieder der Zelle sind seit zwei Tagen verschwunden. Es gibt keine Spuren, den man folgen könnte. Die Überwachung wird fortgesetzt.“ Kurz und bündig und lieber zwei Informationen zu viel als zu wenig. So wollte Hamburg es haben, und das passte ihm ausgezeichnet. Er schaute auf die Uhr – er hatte noch Zeit. Es war nicht immer einfach, einen Job mit unregelmäßigen Arbeitszeiten und ein gutes Familienleben miteinander zu verbinden, aber er bemühte sich, so oft wie möglich zum Abendessen zuhause zu sein – oder zumindest spätestens bevor die Mädchen schlafen gingen.

(Fortsetzung folgt)

 

ENGLISH

The Man from Tehran

Wednesday, 8 February 2006

Marseille, 3:15 p.m.

Wahil was a little less tense after the tea was served. He took the glass with the hot drink to his mouth and poured the contents down his throat. Sarkov stared open-mouthed at the huge man, who appeared to be completely numb in his gullet. He wanted to comment but decided against it.

– So where is … the thing? Wahil asked when he had emptied the glass.

André Sarkov did not answer immediately but sipped his own tea carefully and put the glass back on the table. ‚The thing‘, he repeated in his mind, that was an unusually anonymous name for such an ugly object.

– Why in such a hurry? he replied in an ironic tone. Are you in a hurry?

A tremor appeared under Wahil’s eye. Obviously, Sarkov’s question had annoyed him.

– Yes, I’m in a hurry, he replied unkindly. Let’s do our business.

– But of course, we don’t want to waste more time than absolutely necessary, Sarkov replied to calm Wahil. His mind told him it would be wiser not to ask, but he was too curious and did it anyway.

– And where should this … thing be used? he tried carefully.

Wahil’s eyes narrowed and Sarkov knew he had gone too far. For a moment it looked like the giant would jump over the table, but he controlled himself at the last moment. However, his fury expressed itself in his answer:

– I thought we had agreed that no questions would be asked, otherwise we would have to look for other business partners.

– I’m sorry, I’m sorry, my good friend, I beg your pardon, Sarkov replied with a greasy smile. Of course, that’s none of my business. It was just general curiosity on my part.

Sarkov assumed that it was probably too late for Wahil to turn to someone else, but why take an unnecessary risk. Perhaps the man would drop the deal out of sheer defiance. The advantage with this type of customer was that they always paid on time and never questioned the price. Sarkov had the feeling that his curiosity would soon be satisfied anyway. Most newspapers and news channels around the world would soon describe in detail where ‚the thing‘ had been used. God forbid it happened in his immediate neighborhood, but for some reason he didn’t really believe this.

– I think we are finished with our tea now, he said, visualizing how the giant had emptied his glass in the split of a moment.

– Let’s take a little trip before the rush hour is in full swing.

Wahil just nodded and a moment later they left the shady pub. Followed closely by Wahil, Sarkov waddled across the street to a silver Mercedes 600SLE, which was parked opposite the pub. The luxury vehicle seemed out of place in this neighborhood, but it had been under surveillance all the time. A driver sat behind the wheel. Despite his body size, Sarkov maneuvered into the back seat surprisingly quickly and immediately gave the driver an instruction in a Slavic language that Wahil did not understand. The car started to move almost silently. They did not leave the port area, but continued towards the industrial port. After a few minutes they stopped in front of a remote warehouse and Sarkov and Wahil got out of the car. Despite his weight, Sarkov set a relatively fast pace when he took the lead around the building to a side door, where he stopped. He unlocked the door and they entered a hall the size of a handball field. You couldn’t see what it formerly had been used for, because it was empty except for a dark blue Peugeot Boxer van parked in the middle of the hall. Wahil’s face brightened at the sight of the car and he walked towards it with quick, heavy steps. He had only covered half the distance when a command from Sarkov stopped him in the middle of the movement.

– Stop! Sarkov barked in an unpleasant, sharp tone.

Wahil whirled around like a cat with all his muscles tense, and the two men stared at each other for a moment.

– I’m sorry to have to say it, said Sarkov, looking like a completely different person, but you’re not going anywhere with this car. He smiled sneakily and put one hand in his jacket pocket.

Wahil tensed up, he wasn’t armed himself, what the hell was this supposed to mean? He instinctively decided to attack. A bullet in the body would not prevent him from breaking the neck of this fat, treacherous pig. He was about to start running, when Sarkov’s voice stopped him.

– At least not without these, said Sarkov and threw the car keys towards the clearly angry giant.

Despite the unexpected change of the situation again, Wahil caught the keys with a firm grip. He didn’t know what to think of Sarkov. Was the man deliberately trying to provoke him or was his own nerves playing tricks on him? Well, it didn’t matter now, he had to concentrate on his task. He turned back and took the last few steps to the vehicle. He tore open the door to the cargo compartment and immediately forgot about the incident. His heart was beating so fast now that he could almost hear it. He stared at the contents of the trunk as if mesmerized. Finally … finally, it echoed in his head. In the middle of the trunk was a large, solid wooden box. It was about two and a half meters long, about one meter high and just as wide. The box was nailed shut, but a crowbar was right next to it.

Wahil climbed inside, resolutely took the tool and opened the lid with a few quick, powerful movements. The sight of the ‚thing‘ brought a grotesque smile to his bearded face. He hadn’t seen anything like this in a long time and hadn’t used one in an even longer time. He ran his hand almost lovingly over the cool metal surface. He felt his fighting spirit rising, but he had to control himself. With a trained eye, he checked whether all the parts were in the box and then tapped the lid shut with the crowbar. Satisfied, he got out of the van.

– Is everything as it should be? Sarkov asked.

Wahil nodded and asked:
– Where is …?

– You mean this? Sarkov interrupted and handed him an envelope.

Wahil tore the envelope from his hand and opened it. He quickly inspected the contents and nodded briefly before putting it into the inside pocket of his jacket.

– The sleeping bag is in the cabin, said Sarkov. And that’s probably all for this time, I think. He turned and went to a large gate.

– I will open for you, my friend, he said with his back to Wahil. And may I give you the best wishes on the journey, wherever it leads.

Wahil was about to get into the car when Sarkov turned with an unexpectedly rapid movement and suddenly held a pistol pointed at him. Wahil stood paralyzed again. The distance between them was too big now. He couldn’t stop the pig from firing the entire magazine against him. His blood froze to ice.

Sarkov just stood there grinning maliciously.

– Well, well, what do you know? he said sarcastically. I almost forgot. I believe you’re supposed to take this with you, right? With a quick movement he turned the weapon in his hand and threw it in a high arc at Wahil.

Wahil caught the gun effortlessly but was confused and ashamed of his own reaction. He checked the weapon reflexively and with practiced hands before getting into the car. He put the gun in the glove compartment and started the engine while Sarkov opened the gate. A moment later the big bearded giant drove up and away with his unusual cargo.

Sarkov watched the car until it disappeared around the corner. With a malicious smile he thought of the reactions to which he had been able to provoke the huge man. Then he shook his head and waddled to the Mercedes.

– Home! he said to the driver and leaned back in the comfortable seat. A few minutes later they left the port area.

 

Hamburg, 4:50 p.m.

The EATO command center was two floors underground and was special in every respect. With its 300 square meters, it was relatively large. But before you could get in, you had to go through two checkpoints. The first control consisted of biometric identification. Rolf and Lisbeth stood in front of a large sliding door and Rolf got ready. He put his feet on two markings on the floor and looked at a glass plate in the wall. He said his name, whereupon an optical device scanned his iris. He passed the ‚test‘ without any problems and the door silently slid aside. They now had access to a smaller, square anteroom measuring approximately five by five meters. Two security guards were sitting behind a barrier at one wall. In a way, they formed a third checkpoint. They were able to monitor the entire building using a series of flat screens. Only two locations were not monitored: Rolf’s office and the command center, to which they were trying to get access. Rolf and Lisbeth went through the anteroom to checkpoint number two at the opposite end. Rolf swiped his ID card through a magnetic reader and entered a code. Another sliding door silently opened, and they were finally able to enter the command center.

The room had in general a different effect on men and women, when they saw it for the first time. For men it was a technological heaven, while many women felt that they had ended up in a toy shop for big boys. But no matter how the command center appeared to you when you first entered it, you quickly learned to appreciate the tremendous benefits this accumulation of cutting-edge technology gave you. A large, black man came towards them. Lisbeth could have sworn that he was built completely rectangular. He had to be at least 6 foot 3 tall and was as broad as an ox. He didn’t have a single hair on his head. His leathery face showed distinctive features, but what characterized him most was his dominant and prominent chin. He was wearing some kind of military camouflage suit and a pair of sturdy black boots.

– Hello Rolf, he said in a deep, full voice and stopped three steps in front of them. And then you must be Lisbeth Hasselbeck from Copenhagen. A very sympathetic smile lit up his face. He came two steps closer and held out the largest hand she had ever seen in her life. She was sure that his handshake could brake bones.

– My name is Tom, Tom Pettersson, he introduced himself, and I am the top dog for the boys of the task force.

Lisbeth bravely shook his hand and was relieved to see that he could dose a warm, pleasant handshake perfectly.

– Welcome to headquarters, he continued, and welcome to the mandatory tour of the hardware store.

He gestured across the room with an inviting movement.

– And let me say it right away, he continued smiling, resistance is futile. In my contract it says that I may handcuff anyone who visits the headquarters for the first time and tug them at their nose if, contrary to common sense, they do not share my enthusiasm for this place. So how do you prefer, with or without handcuffs?

Lisbeth surrendered to his obvious charm and decided to play along.

– Then I’d better come voluntarily, she replied. It is not likely that you will get your contract extended for another year if I tear the handcuffs out of your hands and chain you to the radiator. If so you will have to lie there and watch me walk around and break the rails of your fine electric trains, right? She smiled slyly.

Tom raised his eyebrows in astonishment for a second before breaking out into an unrestrained, roaring laugh.

– We’ll get along just fine, he said, let’s get going.

 

Hamburg, 7:05 p.m.

Lisbeth took the motorway towards Puttgarden. She wanted to reach the ferry at a quarter to nine – assuming the traffic played along. In her mind she went through the meeting winth Tom and Rolf. The tour had indeed been instructive, at least the part that she understood. Tom had shown them in his charming, somewhat boyish way how the command center’s forty-square-meter flat screen could be used in field operations. He had declared that the members of his team were known as F.O.C., Field Operations Combatants.

– Every F.O.C. had a camera built into the helmet, he had explained at one point. This allows us to see the same thing on screen as the F.O.C., almost anyway. The huge screen can be divided into many smaller screens, as many as we need, and if we look at the pictures with a graphics card with the GPS positions of each F.O.C. combined, we have the optimal overview from here. In practice, this means that I can direct an operation right here from the command center. She could follow the use of the cameras, but the GPS explanation had passed her by. Technology and electronics were not her natural habitat, she was much better with people. When Tom got lost in too many details from time to time, her attention automatically would stray somewhere else.

– But! And here comes the best part, she heard him say, we even have a mobile command center.

The look on his face had revealed that this meant something very special to him, so she pulled herself together and paid him full attention.

– In terms of size, it resembles a large bus, he had explained. It is equipped with almost the same technical toys as we have here in the basement, and I use it whenever I can find an excuse to. I prefer to be as close to the action as possible.

She had nodded understandingly.

– We can access all sorts of help information, he went on, both here on the screen and in the bus. Thus we have the best conditions for performing an operation.

The rest of the command center’s equipment consisted of a series of PCs and control stations mounted in a circle in the middle of the room on a custom console and manned by six to eight operators. After the tour, they had agreed on the details for their collaboration, and Rolf had asked Lisbeth to brief her group in Copenhagen the next morning. She felt that she had very effective backup in Tom and his F.O.C. team. Strange with all of these abbreviations, she thought, and smiled as she thought about how carefully Tom had avoided saying F.O.C as a word, but always naming the three letters individually. She had the impression that it was out of consideration for her. Shortly before she left the building, Rolf had said almost casually:

– Lisbeth, we have to coordinate with the Danish police, can you call this guy?

He had given her a piece of paper with a name and a phone number. At the bottom was written ‘Budapest’.

– Clear the usual procedures with him. I talked to him this morning and he’s waiting for your call. Just say it’s Budapest and he’ll know.

She had recognized the name on the slip of paper immediately.

She was torn from her thoughts by a black Porsche, which overtook her at a very high speed, more than 130 mph, she guessed. She doubted that one could survive an accident at this speed. A rest stop was indicated three kilometers away. She decided to take a break and parked under a few trees. There was no other car in sight. She took out her cell phone and dialed a number. She had to get hold of Jorgen, even if she bothered him at home with his family. As her closest colleague, he was used to being called at unusual hours. She asked him to meet her at the office just before midnight, which he agreed to without asking questions. A moment later she was back on the motorway. There was not much traffic at the moment and she stepped on the accelerator a little more until she drove about 95 mph, a comfortable speed for her Ford Mondeo 1.8.

 

Copenhagen, 7:15 p.m.

Jorgen Iversen put his cell phone back on the coffee table and looked at the wall. Something serious seemed to be underfoot, if Lisbeth asked him to come to the office so late at night, he thought. Of course, he had expected to hear something from Hamburg very soon, considering the recent news he had sent there himself, but it was interesting, very interesting, that it happened already the next day.

It had been a huge coup de main for EATO when they succeeded in recruiting Jorgen from the police intelligence service eleven months ago. He was excellent in his field and, on the whole, knew everything about establishing effective surveillance of any kind. He was in his mid-thirties and at just under 4 foot 9 he was a relatively small man. He had an unobtrusive appearance, which he saw as a great advantage in connection with his work. He was married and had two daughters at primary school age.

Jorgen had established the monitoring of CP100 about six months ago, and the members of the cell couldn’t even go to the bathroom without him listening in. Most of those who walked in and out of the apartment in Dannebrogsgade near the center of Copenhagen were most likely illegally in the country, but EATO did not interfere. If one of them was expelled from the country, a new one quickly came and Jorgen was forced to profile the newcomer and his personal habits again. No, you knew what you had, there was no reason to change it. Most of the time, surveillance did not reveal much useful information. Mostly everyday things were discussed in the apartment, seasoned with a stereotypical exchange of political and religious nature.

But lately it seemed like they were being more careful when talking to each other in the second-floor apartment. Jorgen had an instinctive feeling that the cell members knew, or at least suspected, that they were being bugged. The traffic in and out of the apartment had increased significantly. This was the paradox. Five or six people had gathered in the living room several times, and of course there were lively conversations. But then suddenly it could get completely quiet and you only heard an indefinable sound … Yes, it had sounded like … yes, as if they were sitting and playing cards. It wasn’t normal, he had thought. What would he not have given for the establishment of visual surveillance, but the opportunity had not yet arisen. He had tortured his brain to find a plausible explanation, and then the answer hit him like a flash yesterday morning when he was in the shower. Damn it, they didn’t play cards, no, they sat and communicated with each other in writing. In other words, they knew they were being bugged. If one then considered that the two permanent members of the cell had not shown up for two days, the behavior pattern in the cell was completely abnormal.

The two permanent members had completely vanished from one day to the other without the slightest warning. Maybe it didn’t mean anything, he had thought, but his gut instinct had told him something else. He immediately sent a note to Hamburg: “Copenhagen, February 7, 2006. General increase in activity in CP100 since Monday. Interception may be exposed. Last activity: The two permanent members of the cell have been missing for two days. There are no traces to follow. Monitoring continues.” Short and concise, but still – rather two pieces of information too many than too little. This is how Hamburg wanted it to be, and that suited him perfectly. He checked his watch – he still had time. It was not always easy to combine a job with irregular hours and a normal family life, but he tried to be home for dinner as often as possible – or at least before the girls went to bed.

(To be continued)

 

Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr seit 1993 verheiratet und in Dänemark lebend. Meine Beiträge erscheinen daher in deutscher Sprache (und nicht in dänischer) und seit 2018 auch in englischer Sprache. … I was born in Germany, have been married with a Dane since 1993 and are living in Denmark. Therefore, my posts are published in German (and not in Danish) and since 2018 in English as well.

5 Gedanken zu „Der Mann aus Teheran, Marseille/Hamburg/Kopenhagen … The man from Tehran, Marseille/Hamburg/Copenhagen“

    1. Mein Mann hat ganz rote Ohren bekommen … 😉 … er liest die Übersetzung übrigens auch noch mal durch. Ich habe ja British English gelernt und er seines hauptsächlich in Kanada, eine interessante Mischung …
      Hier hat es heute Nachmittag geregnet, sanft und andauernd, genau wie ein Garten es liebt. Das war sehr nötig. Nach all den Überschwemmungen war alles nach zwei Wochen Sonne und viel Wind total ausgetrocknet. Verrückt.

      Wir wünschen euch auch noch schöne Ostertage mit hoffentlich Frühlingstemperaturen!

      Gefällt 1 Person

    1. I will tell my husband, he is so glad when people like his story. Who wouldn’t be … 😉
      It is so funny; I know the story, have read it many times, but when I translated into English I thought: „What is the Russian doing, is he mad to provoke this giant psychopath?“ 😀 😀 😀

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