Eis – (Kurzgeschichte in drei Teilen) … Ice – (short story in three parts)

Psychologisch ist es vielleicht nicht so schlau, jetzt mit Eis zu kommen, wo wir alle Frühling haben wollen, aber die nachstehende Thematik beschäftigt mich schon seit einiger Zeit, und daher habe ich erst einmal alle anderen längeren Geschichten (z. B. Kater) zurückgestellt. Es ist keine lustige Geschichte; zarte Seelen sollten sie lieber nicht lesen.

… Maybe it is psychologically not so clever to write about ice, when we all want it to be spring, but the below topic has been on my mind for some time, and, therefore, I put all other longer stories on hold (e. g. my tomcat). It is not a funny story, so delicate souls should better not read it! (The English version is further down.)

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Eis (Teil 1 von 3)

Es war so weit … es passierte … schneller als je vorausgesehen … denn zwei der zu erwartenden, so genannten Naturkatastrophen waren gleichzeitig eingetreten: der Golfstrom war umgekippt und ein 2000 m grosser Meteor aus einem der Meteorringe, durch die die Erde zweimal im Jahr hindurchwandert, war auf das nördliche Australien gestürzt.

Alles ging so schnell jetzt, die Abkühlung, die Erdbeben als Folge des Meteors, die Welt war ins Chaos gestürzt. Auf einmal waren weder Zeit noch Mittel zur Verfügung, die laufenden Kriege weiterzuführen oder etwaige Freiheitskämpfer zu unterstützen. Keiner interessierte sich mehr dafür. Die Probleme waren jetzt global existenzieller Art. Ganz Amerika war in Panik, denn der Supervulkan ”Yellowstone Caldera” hatte angefangen ungewohnte Aktivitäten zu zeigen. War der lang überfällige Ausbruch jetzt zu erwarten? Hatte der Meteor das ausgelöst? Wenn ein Ausbruch eines Supervulkans noch dazu kam, dann würden nicht viele Menschen überleben. Ha, dachte ich, und was nützt dann all den “Elitisten” ihr Reichtum? Glaubten sie wirklich, dass ihre Bunker sie beschützen würden? Und für wie lange? Würde es ausreichen? Und in was für eine Welt würden sie dann eines Tages kommen, wenn sie überlebten und endlich ihre Bunker verliessen?

Das waren jedoch müssige Gedanken. Das Hier und Jetzt forderte uns voll und ganz. Aus Norwegen, Finnland und Schweden flüchteten Menschen und Tiere vor der Kälte nach Süden. Was auf den anderen Kontinenten passierte, konnten wir nicht nachvollziehen, aber höchstwahrscheinlich sah es dort ähnlich aus. Mein Mann und ich waren uns einig, dass wir das Theater nicht mitmachen würden. Wir waren alt und wollten lieber in Ruhe sterben, wenn man uns liess …  Auch hier in Dänemark wurde die Bevölkerung gewarnt, langsam nach Süden zu ziehen, weil es hier im Norden bald zu kalt sein würde. Glaubte man, dass man die Eis-Flüchtlinge in Südeuropa oder Nord-Afrika mit offenen Armen aufnehmen würde? So wie wir damals die Flüchtlinge liebevoll aufgenommen hatten? Der Gedanke daran brachte mich zum Lachen. Gott hilf uns, denn sie wissen nicht, was sie tun! Wir natürlich auch nicht.

Wir versuchten eine Liste zu erstellen mit all den Dingen, die uns für eine kurze Zeit am Leben erhalten konnten, wie z. B. Lebensmittel, Wasser, einen Generator, Benzin etc. Die Frage war, ob wir das alles jetzt schon stehlen mussten oder ob man genug für uns zurückliess. Sicherlich würde man so viel wie möglich auf die Flucht mitnehmen, aber wohl nicht alles oder? Lebensmittel und Wasser kauften wir noch einmal reichlich ein, hauptsächlich Konserven aller Art. Der Rest musste warten, denn so viel Geld hatten wir nicht mehr.

(Fortsetzung folgt)

 

Ice (part 1 of 3)

The time had come … it happened … quicker than ever expected … because two of the predicted, so called natural catastrophes had happened at the same time: the gulf stream had turned cold, and a size 2000 metres  (6561 feet) meteor from one of the two rings of meteors through which the earth moves twice a year had fallen on Northern Australia.

Everything was moving so fast now, the cooling, the earthquakes after the meteor strike, the world had fallen into chaos. All of a sudden there was neither time nor money to fight all the current wars or to support freedom fighters. Nobody seemed to be interested anymore. The problems were now globally existential. The whole of America was in panic, because the super volcano ”Yellowstone Caldera” had started to show unusual activities. Should we expect its long overdue eruption now? Had the meteor triggered that? If the eruption of a super volcano came on top of it all, not many people would survive. Ha, I thought, of what use would all their wealth be to the so-called elite? Did they really believe that their bunkers would protect them? And for how long? Would it suffice? And into what kind of world would they one day emerge, if they survived and finally left their bunkers? 

But these thoughts were useless. The here and now demanded our full attention. People and animals from Norway, Finland and Sweden fled south from the cold. We didn’t know what happened on the other continents, but most probably it was similar to Europe. My husband and I agreed that we didn’t want to be part of the drama. We were old and preferred to die in peace, if they let us … Also here in Denmark people were warned and urged to go south, because it soon would be too cold here up north. Did they think that the ice refugees would be welcomed with open arms in the south of Europe or in North Africa? Just as we before had caringly received the refugees, who came to us? That thought made me laugh. God help us, because they don’t know what they are doing! Us included, of course.

We tried to make a list with all the things that could keep us alive for a short while, as for example food, water, a generator, petrol etc. The question was, if we had to steal everything already now or if people would leave enough for us behind. They would certainly take as much as possible along on their flight, but not everything, right? For a last time we bought a lot of food and water, mainly preserves. The rest had to wait, we didn’t have so much money left.

(to be continued)

Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr seit 1993 verheiratet und in Dänemark lebend. Meine Beiträge erscheinen daher in deutscher Sprache (und nicht in dänischer) und seit 2018 auch in englischer Sprache. … I was born in Germany, have been married with a Dane since 1993 and are living in Denmark. Therefore, my posts are published in German (and not in Danish) and since 2018 in English as well.

7 Gedanken zu „Eis – (Kurzgeschichte in drei Teilen) … Ice – (short story in three parts)“

  1. Ich finde es sehr kreativ, dass du deiner Geschichte von der Flucht in den wärmeren Süden eine persönliche Note aufgeprägt hast und dir vorstellst, wie es wäre, wenn ihr all das mitmachen müsstest. Ich bin schon gespannt auf den zweiten Teil. Hab noch ein schönes Wochenende, Brigit!

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    1. Danke, das wünsche ich euch auch! Ich habe heute übrigens bis einschliesslich Kapitel 32 gelesen (ab 28 erst einmal), denn ich konnte sehen, dass mir für 36 zu viel dazwischen fehlte. Es ist schon einfacher als Einwanderer, wenn man bereits jemandem im Land kennt, wie deine Brüder, nicht wahr?

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      1. Oh Brigit, da hast du mir eine große Freude bereitet. Dass du bis Kapitel 28 zurückgewandert bist, um die ganze Geschichte besser zu verstehen, ist eine große Ehre für mich. Vielen Dank für deine lieben Worte! Gewiss hat es geholfen, dass meine Brüder schon vor mir ausgewandert sind. Hab noch eine schönes Wochenende! Vielleicht gibt es wieder eine Fahrt auf dem tollen Motorrad.

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        1. Kapitel 28 hatte ich ja gelesen, wo du und dein Bruder quer durch Kanada gereist seid. Es schien mir am besten dort anzuknüpfen. Der Kampf eine Arbeit zu finden, die andere Mentalität der Leute … ich kann mich da schon reinversetzen, obwohl die Dänen nicht sooo viel anders sind als die Deutschen (obwohl sie das gar nicht gerne hören … 😉 ).

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          1. Das finde ich einfach toll, dass du soweit bis Kapitel 28 zurückgegriffen hast. Da wirst die neueste Situation viel besser verstehen. Vielen herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar, den ich sehr zu schätzen weiss. Hab noch ein schönes Wochenende, Brigit!

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