Mein Kater (2) … My tomcat (2)

(English translation further down)

Puri war, wie gesagt, mein allererstes Katzentier. Man hatte mir gesagt, dass Katzen sooo selbständig wären, ganz anders als Hunde, Katzen brauchten nicht so viel Aufmerksamkeit. Was ich dabei aber nicht bedacht hatte war, dass Puri noch ein Baby war. Das heisst, er wollte überall mit dabei sein, lief mir den ganzen Tag hinterher, klebte förmlich an meinen Fersen und wollte alles begutachten. Ich war die ersten drei Wochen allein mit ihm zu Hause; das war sicherlich gut so. Selbst beim Abwaschen musste er sich an mir vorbeidrängeln und sehen, was ich da machte. Einmal fiel er dabei ins Wasser … 😀  😀

Wenn er mich nicht sehen konnte, gab er einen merkwürdigen Laut von sich, fast wie ein Gurren. Erst wusste ich nichts damit anzufangen, aber dann erinnerte ich mich an einen Bericht über Gänse, wo die Küken einen Laut machten und die Mutter antwortete, um sie zu beruhigen. Ich gab also auch ”Laut” wenn das Gurren ertönte und siehe da, Katerchen beruhigte sich.

Diese Wochen waren ein richtiger Lernprozess für uns beide.

Ich war sehr gespannt, wie er wohl auf einen Spiegel reagieren würde und stellte einen auf den Boden. Er guckte, berührte den Spiegel mit der Pfote, und dann guckte er hinter den Spiegel (!!). Da war ja nichts, und von da an waren Spiegel für ihn uninteressant. Das fand ich ziemlich beeindruckend.

Eines seiner Lieblingsspielzeuge war ein Fruchtkorb, so ein viereckiger mit Handgriff. Um diesen Handgriff herum schlug er Purzelbaum mit unermüdlicher Begeisterung. Als wir ein paar Jahre später mal wieder so einen Korb im Flur stehen hatten, wollte er wieder Purzelbaum schlagen. Nun war er ja aber in der Zwischenzeit um einiges gewachsen und endete auf dem Rücken, eingeklemmt im Korb, und ich musste ihn ”retten”. Hatte er sich daran erinnert?

Klettern war nicht seine Stärke. Aber ein kleiner Nachbarkater war darin Meister und kletterte die höchsten Bäume hinauf. Puri versuchte es auch, kam aber nur bis zur ersten Astgabel so in Mannshöhe und traute sich weder weiter nach oben oder wieder nach unten. Nun dachte ich, dass er schon herausfinden würde, wie er wieder runterkommt, aber das war nichts, sein Gejammer wurde immer schlimmer. Ich nahm mir daher einen grossen Korb, ging zu dem Baum und versuchte ihn dazu zu bewegen, in den Korb zu springen. Ich hielt ihn über meinen Kopf, Katerchen brauchte also nicht lang zu springen. Aber nein, jammer, jammer, fiep, klag. Mir blieb nichts anderes übrig, als eine Leiter zu holen. Da ging das Wimmern erst richtig los, denn er dachte sicher, ich würde ihn seinem Schicksal überlassen. Als ich dann mit der Leiter aus dem Keller kam, sprang Katerchen mir freudig entgegen. Da musste ich dann doch lachen.

Später kletterte er einmal einen lächerlich kleinen Baum hoch und hing dann mit dem Rücken nach unten an einem ebenso lächerlichen Ast. Ich habe mich halb totgelacht, dass sah so witzig aus. Ich glaube wirklich, dass er gemerkt hat, dass ich mich über ihn lustig machte, denn er guckte mich ziemlich giftig an, wie nur Katzen es können, und als ich ihm helfen wollte, langte er nach mir aus. Armer Katz!

Schon von klein auf haben wir ihn immer mitgenommen, wenn wir die Schwiegereltern auf dem Lande besuchten. Dort bekam er einen Karton mit Sand, und er benutzte den ganz natürlich als Toilette. Im Zug zu fahren machte ihm nichts aus, er schlief in seinem Korb. Aber später, als wir ein Auto hatten, war er nicht so begeistert. Wenn wir mehr als 100 km/h fuhren, fing er an sich zu beklagen. Ich finde dass heute noch unlogisch.

Einmal wären wir fast ohne ihn nach Hamburg zurückgefahren. Er kam und kam einfach nicht zurück von einem Streifzug. Da war er noch kein Jahr alt und ich heulte schon Rotz und Wasser. Ganz zum Schluss kam er dann doch angetrabt. War ich erleichtert! Meine Schwiegermutter hatte mir zwischenzeitlich eine Moralpredigt gehalten, dass er schliesslich und letztendlich nur ein Tier wäre und ähnliches. Daher hatte mein erster Mann diesen doofen Spruch “ein Tier ist ein Tier”.

Wir dachten natürlich, Katerchen hätte sich blendend amüsiert. Wir erfuhren aber am nächsten Tag, dass er die ganze Zeit auf einem Baum zubracht hatte. Unten liefen nämlich zwei Hunde und bellten ihn an. Der Hundebesitzer fühlte sich nicht bemüssigt, seine Hunde zurückzurufen, weil Puris Baum ausserhalb der Umzäunung stand! Das hatte er in seiner Angst und weil er noch so klein und unerfahren war nicht bemerkt. Er traute sich erst nach Hause, als die Hunde im Haus gefüttert wurden. Armes Katerchen …

 

… As already mentioned, Puri was my first cat. I had been told that cats are so very independent, not like dogs, they didn’t need so much attention. What I hadn’t taken into account was that Puri still was a baby. It meant that he wanted to participate in everything, ran after me all day long, glued to my heels, and wanted to look at everything. The first three weeks I was alone at home with him, which I think was good. Even when I was washing the dishes, kitty had to push past me to have a look at what I was doing. One day he fell into the water … 😀  😀 

When he couldn’t see me, he would make a funny sound, a kind of cooing. At first I didn’t know what to make of it, but then I remembered a report about geese, where the goslings would make a sound, and the mother answered to calm them down. So I also ”cooed” when he did, and indeed, kitty quietened down.  

Both of us went through an intense learning process during these weeks.  

I was curious about how he would react to a mirror, so I put one on the floor. He looked at it, touched it with a paw, and then he looked behind it (!!) There was nothing, of course, and from then on mirrors held no interest for him. I was quite impressed.

One of his favourite toys was a fruit basket, this longish kind with a handle in the middle. Around this handle he would do somersaults with untiring enthusiasm. A few years later we had a similar basket standing in the corridor, and he tried to somersault again. In the meantime, however, he had grown quite a bit, so he ended up trapped in the basket on his back, and I had to “save” him. Had he remembered?

Climbing was not his strong side. But one little neighbour tomcat was a champion and climbed the highest trees. Puri tried to climb after him, but only reached the first branches in about a person’s height, and he did neither dare to climb higher nor to come down again. I thought that he would find out, how to get down, but he didn’t, and his complaining got worse. So I took a big basket, went to the tree and tried to make him jump into it. I held it over my head, so kitty really didn’t have to jump very far. But no, whine, whine, complain. I didn’t have any other choice but to get a ladder. Then the whining started in earnest, because he must have thought that I would leave him to his fate. When I came from the cellar with the ladder, kitty was merrily running towards me. It really made me laugh!

When he was a bit older, he climbed a ridiculously small tree and hung back downwards on a likewise small branch. I laughed so much; it looked so funny. I believe he noticed that I made fun of him, because he gave me a very dirty look, as only cats can, and when I tried to help him he hit me. Poor cat!

From the start we took him along when visiting the in-laws in the country. We gave him a carton filled with sand, and he used it quite naturally as a toilet. He didn’t mind travelling by train; he slept most of the way in his basket. But later when we had a car, he was not amused. When we went more than a 100 km/h (62 miles per hour), he started to whine. I still find that illogical.

One time we nearly went home to Hamburg without him. He didn’t come back from one of his excursions. He wasn’t even a year old then, and I was crying my heart out. In the last moment he came back. I was so relieved! My mother in law had in the meantime given me a sermon that Puri in the end just was an animal and similar remarks of high moral value.  That is where my first husband’s stupid expression “an animal is an animal” originated from, I am sure.  

We thought, of course, that kitty had a ball on his outing. But the next day we learned that he had been sitting in a tree all day. Below had been two dogs barking at him. The owner of the dogs didn’t feel the need to call the dogs off, because Puri’s tree was outside of the fence! Because he was so terrified and still so young and inexperienced, he hadn’t noticed that. He had first dared to go home when the dogs had gone inside to be fed. Poor little kitten …

Hier wieder zwei Bilder von unserem ersten Jahr in Dänemark mit meinem jetzigen Mann, dem gemütlichen Gentleman. Sieht es nicht aus, als ob Puri im Buch mitliest?  😀  😀

… Here again two fotos from out first year in Denmark with my second husband, the cosy gentleman. Does it not look like Puri is reading along?

2014-06-26 20.49.55 BLOG

Diesen Sessel teilten die beiden sich oft. Den hatte ich von meiner Grossmutter geerbt. Es war so ein gefährlicher, wenn man erst einmal sass, fühlte man sich so wohl, dass man nicht wieder aufstehen wollte.

… The two of them often shared that chair. I had inherited it from my grandmother. It was a real chair “Danger”, the danger being that once in it, one didn’t want to get out of it again.

2014-06-26 20.46.37 (2)

Er war schon ein hübscher Kerl … also Katerchen … der gemütliche Gentleman ist immer noch ein hübscher Kerl … 😉

… He was quite a handsome guy … the cat that is … the cosy gentleman still is a handsome guy … 😉