Mein Vater der Entertainer …

Nach meinem Grossvater ist jetzt sein Sohn dran, mein Vater. Auch an ihn habe ich einige vergnügliche Erinnerungen, wenn es auch nicht viele sind,  und genau an diese möchte ich mich in dieser dunklen Jahreszeit erinnern.

***

An einem der Wochenenden, an denen wir mit unseren Eltern in den Sunder, ein Waldgebiet in der Nähe von Hittfeld, fuhren, sorgte mein Vater für Unterhaltung. Er lag auf der Campingliege und kam auf die wunderbare Idee dort Gymnastik zu machen. Unter anderem nahm er einen Ball zwischen die Füsse und brachte dieselben hinter seinen Kopf. Jeder der Campingliegen kennt weiss, dass das ein Fehler ist. Er lag also auf dem Rücken, die Liege und die Beine zeigten senkrecht nach oben und wir lachten uns schimmelig. Anstatt sich nun zur Seite zu rollen um aufzustehen, versuchte mein Vater, sich an der Liege wieder hochzuziehen, eine physische Unmöglichkeit. Er tat uns leid, aber wir wieherten ungehemmt und waren vor Lachen hilflos. Und das allerschärfste war, dass er genau dasselbe fünf Minuten später noch einmal machte!

***

Mein Vater war handwerklich sehr begabt. Ich habe von ihm richtiges, solides Tapezieren gelernt und auch das Malen von Türen und Fensterrahmen. Als mein älterer Bruder und ich zu alt wurden, um ein Zimmer zu teilen, zog er in das Elternschlafzimmer um und ich blieb in dem alten Kinderzimmer. Mein Vater baute im Wohnzimmer eine tolle Schrankwand mit einem Doppelbett zum herunterklappen. Aber machmal kam er auf Ideen, die ihm die Arbeit erleichtern sollten, die vielleicht nicht so ganz durchdacht waren. Einmal wollte er einen grossen Bottich Farbe umrühren und meinte, dass er das viel schneller und leichter erledigen könnte, wenn er seine so genannte ”Schwabbelscheibe” an den Hochpower-Mixer meiner Mutter anschliessen würde. Gesagt, getan und angestellt und huiiiii, wie die Farbe durch die ganze Küche spritzte. (Das war so ein altes Vorwerk-Gerät, eigentlich richtig gute Maschinen, aber es gab nur ”aus” oder ”full power”.)

***

Die Krönung der Medaille war aber seine Feuerwerkshow eines Silvesterabends. Es handelte sich um eine dieser wirklich kalten Nächte, -17 Grad oder so, und mein Vater dachte, man könnte ja die Feuerwerkskörper aus dem Küchenfenster auf die Strasse werfen, dann brauchte man nicht so lange in der Kälte zu stehen. Unsere Küche war ziemlich altmodisch ausgestattet. Unter dem Fenster befand sich ein breiter, ziemlich tiefer Einbauschrank, der gleichzeitig Arbeitsfläche war. Vor dem Fenster hang eine Nylongardine, damals der letzte Schrei, der Stolz meiner Mutter. Als es denn soweit war und wir angestossen hatten, schritt mein Vater zur Tat. Er legte alles schön säuberlich geordnet auf den Tisch am Fenster und begann zu knallen. Um die brennenden Feuerwerkskörper möglichst weit zu werfen und zu vermeiden, dass sie auf nicht so kälteempfindliche Nachbarn fielen, holte er weit nach hinten aus. Meine Mutter protestierte: ”Da fliegen Funken”. ”Aber ich muss doch …”, und weiter kam er nicht, dann ein Funke hatte bereits einen Knaller auf dem Tisch angezündet, der wiederum nacheinander alles andere anzündete, bis meinem Vater sämtliche Feuerwerkskörper um die Ohren flogen. Das Ergebnis war traurig. Die Nylongardinen waren geschmolzen und der Tisch war versaut. Meine Mutter war rasend! (Meinem Vater war zum Glück nichts passiert.)

***

 

Meine Grossmutter mütterlicherseits redete dauernd über ihre Krankheiten. Irgendwann hat mein Vater mal der Hafer gestochen (er war normalerweise nicht so ein Humorballon, nur unfreiwillig  😉  ) und er nahm sich vor, sie auf die Schippe zu nehmen.

Als sie mit der Aufzählung ihrer Krankheiten fertig war, begann er mit seiner. Eine Arthrose im Knie wurde mit Parkinsons gekontert, eine vergrösserte Schilddrüse mit Leberbeschwerden. Ihm ginge es ja viel schlechter als ihr.

Das wiederum wollte meine Oma nicht auf sich sitzen lassen und legte noch einen Zahn zu mit unzulässigen Bemerkungen unter der Gürtellinie über Organe, die mein Vater nicht besass und wo er unfairerweise ausgetrickst wurde. Ihm fiel dann auch nichts im selben Genre ein, denn er war eigentlich überhaupt kein Jammerer. Ich hab mich innerlich kaputtgelacht.

Meine Oma hat natürlich gar nicht gemerkt, dass sie veräppelt wurde.

***

Genug gelacht auf deine Kosten, du kannst dich ja nicht mehr wehren! 😉 Schade, dass wir uns nicht besser gekannt haben …