Gedanken zu den Geschichten aus 1001 Nacht

Ich habe mich jetzt fast durch den ersten Band hindurchgelesen. Bei dieser originalnahen Version treten die kulturellen Unterschiede ziemlich deutlich hervor. Ich finde sowas immer interessant.

Auch historisch lernt man dies und das, so z. B., dass damals in der Gegend wo das Ganze sich angeblich abspielt, durchaus nicht alle Moslems waren, nicht einmal alle Herrscherfamilien, obwohl der Islam sehr gepriesen wird.

Der Schahriar und sein Bruder stammten ja „von den Inseln Indiens und Chinas“, waren also selbst höchstwahrscheinlich ursprünglich keine Moslems. Obwohl ich nicht umhin kann, die Ähnlichkeit des Namens mit dem islamischen Shariah-Gesetz zu bemerken und mich über die Herkunft zu wundern. (Habe nachgeforscht, shari’a bedeutet anscheinend „der rechte Weg“ oder so, also im Sinne von richtiger Weg … 😉  😀 ) Schahriar erbte den Thron und müsste daher eigentlich König über Indien und China gewesen sein, während er seinen Bruder zum König über „Samarkand im Berberreich“ machte. Das ist im heutigen Usbekistan und gehörte anscheinend irgendwann einmal zum persischen Grossreich. Die waren Anhänger des Zoroastrismus. Persien wurde erst im 7. Jahrhundert islamisch.

Ferner wird von Juden, Nazarenern und Heiden berichtet. Auf den Glauben der Heiden wird nicht näher eingegangen, aber Nazarener und Juden sah man anscheinend nicht als Heiden an. Ich denke daher mal, dass die Geschichten aus dem 5./6. Jahrhundert stammen. Die Geschichten von Harun al Raschid sind aus dem 8. Jahrhundert, das ist eine historische Person.

Auch ist es interessant zu lesen, dass bei Feiern durchaus Wein getrunken wurde und das nicht zu knapp, und man nur abstinent war, wenn man sich auf Pilgerfahrt befand.

Beide Brüder wurden ja von ihren Ehefrauen mit grossen, hässlichen Mohren betrogen. (!) Warum nun die gute Scheherezade in ihren Geschichten dauernd Frauen mit ebensolchen Mohren fremdgehen lässt, verstehe ich nicht so ganz. Müsste das den Schahriar nicht jedes Mal wieder aufbringen? Männer sind in den Geschichten bis jetzt jedenfalls nicht fremdgegangen… 😉 … vielleicht hat sie ihm ja auch nur erzählt, was er hören wollte … 😉 … ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Männer alle so moralisch hochstehend waren … 😉 … ah, aber sie bringen durch aufbrausendes Temperament und unüberlegtes Handeln öfter mal Leute in Lebensgefahr, also die Männer. (Scheherezade, ich hör dir trapsen … 😉 )

Ihr könnt sehen, die Lektüre ist recht lehrreich … 😉

Also, immer mit der Ruhe …

BuddhaBlog

Ich wünsche euch allen einen friedvollen Abend!

Übrigens … Versprechen halten können beide Geschlechter nicht … 😉

Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr seit 1993 verheiratet und in Dänemark lebend. Meine Beiträge erscheinen daher in deutscher Sprache (und nicht in dänischer) und seit 2018 auch in englischer Sprache. … I was born in Germany, have been married with a Dane since 1993 and are living in Denmark. Therefore, my posts are published in German (and not in Danish) and since 2018 in English as well.

2 Gedanken zu „Gedanken zu den Geschichten aus 1001 Nacht“

    1. Die Bücher, die ich da gekauft habe, sind ja keine moderne Version, sondern eine Übersetzung von dem indischen (!) Original. Davon wurde dann ins Farsi und dann später erst ins Arabische übersetzt.
      Mir sind da manchmal zuviel „Verse“ im Text, die hat man ja bei den späteren Versionen weggelassen. Alle Handlenden brechen von Zeit zu Zeit in Verse aus. Aber das war damals wohl sehr hoch angesehen, auch das Geschichten erzählen. Mit einer guten Geschichte konnte man sich Straffreiheit erkaufen, jedenfalls gemäss Scheherazade (haha, die Frau war genial …).

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