Erinnerungen an den Harz

Die Harz-Berichte von der Klabauterfrau haben in mir alte Erinnerungen wachgerufen. Interessante und schöne Stunden, die ich dort verbrachte habe.

Ich war als kleines Mädchen mit meinen Eltern im Harz, als wir Freunde besuchten, die in Göttingen wohnten. An dem Tag passierten zwei merkwürdige Dinge. Zum Einen meinte ich auf einmal, mich an die Gegend zu erinnern. Ich konnte genau beschreiben, wie die Strasse verlaufen würde und wie das Haus hinter der Kurve aussah. Ich war aber nie vorher dort gewesen. Meine Eltern waren verblüfft und am rätseln ”vielleicht hat sie ein Bild gesehen …”. (Wo sollte ich wohl so ein Bild gesehen haben?)

Was wir den ganzen Tag gemacht haben und welche Orte wir besucht haben weiss ich dagegen überhaupt nicht mehr. Das war wohl kurz bevor ich in die Schule kam.

Jedenfalls fuhren wir gegen Abend verkehrt und landeten auf einer sehr engen Landstrasse des Genres einspurig. Es wurde immer dunkler und als ich nach rechts in den Graben guckte, lagen da Soldaten auf dem Bauch mit Gewehren im Anschlag. Die waren genauso verdutzt wie wir. Wir waren mitten in einem Manöver gelandet, hatten aber keine Hinweise darauf gesehen, dass wir uns auf Militärgelände befanden. Hatte ich einen Schiss! Und die Erwachsenen auch, das konnte man merken. Es ging aber gut aus, niemand schoss auf uns … 😉

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Die nächsten Harz-Erlebnisse kamen dann erst als ich 14 war. Eine Klassenkameradin und Freundin hatte einen Bruder, der Palaeontologie studierte und mit anderen Studenten eine Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Kalkhöhlen im Harz gegründet hatte. Mit der Gruppe sind wir so 4-5 Mal im Harz gewesen. ”Basecamp” war in einer Holzhütte in der Nähe von Wildemann, die mitten im Wald lag und einem Förster gehörte.

Die jungen Männer waren tagsüber in den Schächten unterwegs, da durften wir nicht mit hinein. Aber interessant war es trotzdem. In der Gruppe war ein älterer Herr (vielleicht um die 40, das kam uns damals ”älter” vor), der bei DESY (Deutsches Elektronen-Synchrotron, ein Forschungsinstitut) arbeitete und für die Telekommunikation zwischen dem jeweiligen Kletterer und dem Team oben sorgte. Er machte aus Spass bei der Gruppe mit. Wir oben schrieben auf, was der Höhlenerforscher von unten berichtete.

Manchmal gingen meine Freundin und ich auch allein auf Entdeckungsreise. Einmal kamen wir auf einem Spaziergang in die Dunkelheit hinein. Das war unangenehm, weil wir ein Stück auf der Landstrasse gehen mussten. Wir wollten schlau sein und zündeten die Karbidlampen an, die wir mitgenommen hatten (die wurden im Schacht benutzt), aber der Fahrtwind von den vorbeisausenden Autos löschte sie immer wieder. Wir waren froh, als wir an unserem Waldweg angekommen waren. Da war es allerdings bereits stockfinster. Auf halbem Wege hörten wir vor uns ein Schnaufen. Hilfe, ein grösseres Tier, wir konnten nichts sehen, aber auch gar nichts. ”Das riecht nach Wildschwein”, bemerkte ich klug, ”Scheisse!”. Meine Freundin und ich stellten uns hinter einen dicken Baum 😀  😀  und die Tiere stampften an uns vorüber. Sie kamen sehr dicht vorbei, so dass wir dann doch sehen konnten, dass es sich um die Kühe des Försters handelte. Der liess sie frei im Wald herumlaufen. Die rochen stark nach Wildschwein … 😉

Wir begegneten den Kühen dann auch noch einmal tagsüber; sie benutzten immer den Weg. Ich stellte mich auf die linke Seite, meine Freundin auf die rechte Seite, um sie vorbeizulassen, aber sie blieben stehen. Sie gingen erst weiter, als ich mich nach rechts zu meiner Freundin stellte. Die hatten noch richtig Instinkt die Viecher.

Und dann erwischte ich ein paar Katzen, wie sie mit den Krallen unsere Milchschläuche anpieksten, um Milch zu klauen. Erinnert ihr euch noch an diese schlappen Plastiksäcke mit Milch die zeitweise so modern waren? (Wahrscheinlich nicht, denn das war vor 48 Jahren …) Man musste dann extra einen Halter dafür kaufen, damit man überhaupt richtig damit giessen konnte.

Ausser in den Schächten rumzukrabbeln wurde dann auch gemeinschaftlich gekocht. Einmal fanden wir eine Menge Fliederbeeren (Holunderbeeren) und kochten abends Saft daraus. Das war vielleicht eine Schweinerei! Wir hatten einen grossen Topf und dann wurde ein Betttuch geopfert, damals war das noch ein Bettuch, oben zugeknotet, ein dicker Ast durchgesteckt und dann wurde der Ast mehr und mehr gedreht und langsam der Saft aus den Beeren gepresst. Zwei hielten den Saftbeutel fest, einer drehte am Ast, so weit wie möglich über dem Topf. Schmeckte aber gut … 😉

Die Studenten schliefen auf dem Heuboden und meine Freundin und ich schliefen eine auf dem Tisch und eine auf der Sitzbank. Es war ein wenig hart, aber wir waren ja jung.

Das waren herrliche Wochenenden!

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Danach vergingen viele Jahre, bevor ich den Harz wiedersehen sollte und auch nur für ein paar Tage. Das war im Juni 2011 mit unserer Goldwing und einem befreundeten Ehepaar auf einer Kawasaki glaube ich.

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Der Harz ist ein Motorradparadies. Aber manche Kurven nahm mein Mann selbst für meinen Geschmack etwas zu tief-fliegend … einmal schlug mein Stiefelabsatz Funken auf dem Aspfalt. ”Das kann gar nicht sein”, war die Reaktion. Meine Mutter nannte das immer ”mit einem Ohr im Sand”. (Mein Vater war auch Motorrad-Fan. Nach dem Krieg hat er sich aus zwei kaputten ein funktionierendes Motorrad zusammengebaut. Er war ein ziemlich begabter Laien-Mechaniker und hat auch immer unsere Autos selber repariert, bis sie dann zu elektronisch wurden.)

Es kann einem passieren, dass man auf einmal in einer Gruppe von 40 Motorrädern fährt, wenn man um die Ecke biegt. 😀  Wir wohnten in Bad Sachsa in dem schön gelegenen Hotel ”Waldfrieden”, von wo aus man einen wunderschönen Ausblick hatte.

Der örtliche Italiener hatte so gutes Essen, dass wir dort jeden Abend hingingen.

Und jetzt hat mich die Klabauterfrau dazu stimuliert dort noch einmal hinzufahren, aber dann lieber eine ganze Woche. Und sogar wieder mit Motorrad!  😉

Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr seit 1993 verheiratet und in Dänemark lebend. Meine Beiträge erscheinen daher in deutscher Sprache (und nicht in dänischer) und seit 2018 auch in englischer Sprache. … I was born in Germany, have been married with a Dane since 1993 and are living in Denmark. Therefore, my posts are published in German (and not in Danish) and since 2018 in English as well.

10 Gedanken zu „Erinnerungen an den Harz“

  1. Wildtiere sehe ich faszinierenderweise fast ausschließlich in Städten. Klar, mal nen Reh oder Hasen auch im Feld oder Wald, aber Füchse, Wildschweine etc. bisher immer nur in der Stadt. Wildlebend wenigstens.
    (Schlauchmilch hatte übrigens vor etwa 20-15 Jahren noch einmal eine kleine Renaissance, darum kenne ich die trotzdem auch)

    Gefällt 3 Personen

      1. Naja man hatte halt die Hoffnung, weniger Verpackungsmüll zu haben. Insofern vielleicht nicht die schlechteste Idee, nur halt eher mäßig durchdacht.
        Ja, Berlin und Hamburg haben in ihren Vororten anscheinend seit einer Weile ziemliche Probleme mit den Fiechern. So ein Wildschwein lässt sich ja auch nicht gerne herum kommandieren.

        Gefällt 2 Personen

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