Italien mit dem Motorrad, Teil 6

19.5.2012

Eigentlich sollte der zweite Ausflug nach Portovenere in der Nähe von La Spezia gehen, nördlich von Lucca an der Küste. Doch das sollte nicht so ganz einfach sein. Wir fuhren über Camaiore, Pietrasanta (mit einem sauber geharkten Elitestrand, wo fast keine Leute waren), Marina, Marina di Massa, Massa, Castelnuovo Magra, Sarzana, wo wir hin und her und im Kreis geschickt wurden wegen Bauarbeiten. Die Strasse nach Portovenere sollten wir einfach nicht fahren. Nachdem wir das dritte Mal an derselben Stelle gelandet waren, gaben wir auf und assen zu Mittag in einem winzigen Grill in Romanito Magra. Wir bekamen eine wohlschmeckende Vegetarlasagne.

Karte1

MC_Ferie_Italien_MarinaDiPietrasanta01

Das exklusive Marina di Petrasanta, wo permanent Leute mit speziellen Strandharkern unterwegs waren (Maschinen), obwohl nur vereinzelt Leute am Strand waren. Dahinter die atemberaubenden Berge des Parco Alpi Apuane. Hier noch einmal eingezoomed:

MC_Ferie_Italien_MarinaDiPietrasanta02_ParcoAlpiApuane

Wir fuhren dann nach Lucca zurück und schauten etwas ausgiebiger auf die Stadt (die Bilder habt ihr alle in Teil 5 gesehen). Vor dem Hotel trafen wir ein sehr nettes Ehepaar aus Hamburg, mit denen wir uns fast eine Stunde lang unterhielten, als ob wir uns schon lange kannten. Sie reisten an dem Tag ab. Schade, dass wir uns nicht schon vorher getroffen hatten. Wir hielten jedoch die Verbindung mit ihnen, zumindest via E-Mail und Skype.

20.5.2012

Da das Wetter nicht berauschend war (gestern hatte es nachmittags angefangen zu regnen, und es sollte in den nächsten Tagen nicht besser werden), beschlossen wir, früher nach Hause zu fahren und buchten unsere Autozugplätze um. Wir bekamen kein Luxusabteil mit Bad mehr, aber das sollte sich als vorteilhaft erweisen.

Der Weg ging wieder über den Passo delle Radici von der Toskana in die Emilia Romagna hinein, aber wir fuhren eine etwas andere Strecke, und zwar über Pievepelago und dann ab Sassuolo wieder die schon bekannte Strasse nach Modena und Ponte Vettigano zurück, zum Hotel Santo Steffano. Das hatte uns ja gefallen und Disko war ja nur am Mittwoch. Eigentlich hatten wir geplant, in Bologna zu übernachten, aber dann hatten wir keine Lust auf Grossstadt, schon gar nicht bei Regen.

Das Wetter war gemischt. Auf dem Pass schien die Sonne, aber als wir dann in die Emilia Romagna hineinkamen, befanden wir uns im Nebel oder in tiefliegenden Wolken, ich konnte den Unterschied nicht feststellen. 

Unterwegs machten wir jedoch noch in einem winzigen Ort namens Barigazzo halt, in der Albergo San Giorgio, die von einem uralten Ehepaar geführt wurde. Ausser uns waren noch ein einzelner Herr, der sich mit dem Wirt unterhielt, und zwei ältere Männer am Nebentisch anwesend. Als diese beim Nachtisch angelangt waren, hatten sie rote Wangen und waren sehr guter Laune. Wir schoben das auf den Rotwein, den sie zum Essen getrunken hatten. Wir bekamen ein leckeres Pasta mit Funghi Gericht und einheimische Bohnen. Als Nachtisch bestellten wir dann das gleiche, wie die beiden älteren Herren. Es stellte sich heraus, dass er aus Eis mit Whiskey bestand. Aha! Die Wirtin war nicht geizig mit dem Whiskey und mein Mann bekam noch einen Schwupps extra aufs Eis.

Die alte Dame suchte das Gespräch, sprach aber nur Italienisch, und ich stellte fest, dass ich vieles verstehen konnte, nicht wegen Spanisch, nein, wegen des so unnützen Lateins, dass ich im Gymnasium lernen musste. Wir bekamen die Geschichten ihrer Söhne, aber hauptsächlich ihrer Enkel (Nepote) erzählt, von denen der eine Arzt in Paris war, während der andere in Rom wohnte. Ich habe vergessen, was er beruflich machte. Sie bedauerte sehr, dass sie sie nicht so oft sah, weil sie so weit weg wohnten. Sowohl Söhne als auch Enkel waren musikalisch begabt und spielten Instrumente. Wir bekamen viele Bilder gezeigt. Gleichzeitig versuchte sie uns zu überreden über Nacht zu bleiben, aber das konnten wir ja nicht, wir hatten ja den Autozug gerade umgebucht, und das Wetter war nicht so toll.

Wir bekamen noch diverse Visitenkarten für unsere Amici in die Hand gedrückt, denn das Geschäft war wohl nicht mehr, was es mal war. Wie man auf den Bildern sehen kann, liegt Barigazzo wunderbar, auf jeden Fall für Wanderer und Fahrradfahrer. Aber es liegt eben nicht direkt neben einem Skilift.

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Nach dem Passo delle Radici mussten wir unser Regenzeug anziehen. Auf dem Weg ins Tal hob sich der Nebel (oder die Wolken), und als wir unten ankamen, konnten dir das Regenzeug wieder ausziehen. Aus diesem Grunde habe ich von den Regentagen auch nicht so viele Fotos, weil ich nicht wollte, dass die Kamera nass wird.

Im Tal hatten wir noch ein unschönes Verkehrserlebnis. Wir fuhren auf der Landstrasse, hinter uns einige Autos, und plötzlich biegt von links ein Wohnmobil oder Campingbus oder sowas in der Art von links ein. Selbst wenn er uns nicht gesehen hat, hätte er doch eigentlich all die Autos direkt hinter uns sehen müssen. Wahrscheinlich hat er nur zu einer Seite geguckt. Jedenfalls war da auf einmal ein grosses Auto nur einen halben Meter von meinem Bein entfernt. Mein Mann konnte zum Glück nach rechts ausweichen. Der offensichtlich total verwirrte CampingMobilBusfahrer fuhr dann einfach auf der Gegenspur weiter, also in die falsche Richtung, Schockschwerenot, glücklicherweise kamen aus der Gegenrichtung keine Autos. Etwas weiter weg konnte er dann von der Strasse wegkommen und sich erst einmal sortieren. Das war allerdings unsere einzige gefährliche Verkehrssituation auf der ganzen Fahrt, denn mein Mann fährt sehr defensiv. Es ist ein eigenartiges Phänomen, aber Autofahrer scheinen Motorradfahrer entweder gar nicht zu sehen oder deren Geschwindigkeit falsch einzuschätzen. Da wir immer die Schwächeren sind, geht mein Mann kein Risiko ein.

Karte

Als wir in Ponte Vettigano ankamen, erfuhren wir von der Wirtin, dass man gerade schlimme Erdbeben erlebt hatte. Ponte Vettigano war ca. 65 Kilometer vom Epicenter entfernt gewesen (nordöstlich von San Felice sul Panaro). Das ganze Haus hätte sich seitlich hin und her bewegt. Das muss man wohl nicht unbedingt erleben. Dann lieber Disko. (https://de.wikipedia.org/wiki/Erdbeben_in_Norditalien_2012) Wir hatten jedenfalls wieder einmal Glück gehabt, dass wir nicht noch einen Tag früher zurückgefahren sind.

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Das dämpfte die Stimmung, aber wir waren müde und schliefen trotzdem gut.

 

 

Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr seit 1993 verheiratet und in Dänemark lebend. Meine Beiträge erscheinen daher in deutscher Sprache (und nicht in dänischer) und seit 2018 auch in englischer Sprache. … I was born in Germany, have been married with a Dane since 1993 and are living in Denmark. Therefore, my posts are published in German (and not in Danish) and since 2018 in English as well.

8 Gedanken zu „Italien mit dem Motorrad, Teil 6“

      1. Statistisch gesehen sind die Nachbeben eh bei weitem das Gefährlichste. Und historische Bausubstanz mag 500 Jahre gehalten haben, aber erdbebensicher ist sie deswegen leider noch lange nicht. Vor ein paar Jahren konnte man das in Tibet leider auch sehen.

        Gefällt 1 Person

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