Alles rächt sich … früher oder später

Bevor ich damals mit meinem dreijährigen, nicht abgeschlossenen Studium der Austronesistik anfing, arbeitete ich in einer Export-Import-Firma in der Rothenbaumchaussee in Hamburg.

Von meinem Schreibtisch aus schaute ich nach draussen auf die Strasse (Erdgeschoss). Nach einiger Zeit fiel mir ein Mann auf, der immer mittags vorbeiging und mich ziemlich aufdringlich anstarrte, und zwar finster. Er war ein grosser, schlanker Mann mit welligem Haar und einem langen, wehenden Mantel. Letztendlich wurde mir das zu dumm und als er wieder vorbeiging, streckte ich ihm sehr unladylike die Zunge heraus. Von da an guckte er mich nicht mehr an.

Einige Wochen später treffe ich den Mann doch tatsächlich in der U-Bahn. Es waren kaum andere Leute im Abteil und er wanderte mit grossen Schritten den Gang auf und ab, auf und ab, ohne Pause, wie ein gefangener Tiger im Käfig (mit diesem wehenden Mantel). Wenn der Zug hielt, öffnete er alle Türen, die er konnte bevor der Zug wieder weiterfuhr (Klaustrophobie?). Dann marschierte er wieder. Und dann natürlich dieser finstere Blick, den ich ja schon kannte. Der wirkte von Nahem nicht anheimelnder als auf Abstand.

Ich hörte dann irgendwann auf zu arbeiten, begann mein Studium und nach zwei Jahren sollte ich zusammen mit anderen Studenten dem Professor vorgestellt werden, der unsere Prüfungen bewerten würde. Glaubt es oder nicht, der Professor war mein rastloser Tiger aus der U-Bahn, der Glotzer, dem ich die Zunge rausgestreckt hatte. Wie absolut peinlich. Also nicht nur für mich …

Veröffentlicht von

Stella, oh, Stella

Ich bin gebürtige Deutsche, mit einem Dänen nunmehr seit 1993 verheiratet und in Dänemark lebend. Meine Beiträge erscheinen daher in deutscher Sprache (und nicht in dänischer) und seit 2018 auch in englischer Sprache. … I was born in Germany, have been married with a Dane since 1993 and are living in Denmark. Therefore, my posts are published in German (and not in Danish) and since 2018 in English as well.

22 Gedanken zu „Alles rächt sich … früher oder später“

  1. Hi, hi, das ist ja der Hammer! 😀 Man sollte sich wirklich gut überlegen was man tut. 😉 Ich habe mal einem Typen im Auto, an einer Ampel, einen Vogel gezeigt, weil der mich ganz fies geschnitten hatte. Der ist mir 10 Kilometer hinterher gefahren, bis ich zuhaue ankam und ausstieg. Wutentbrannt stand er vor mir. „Ich fragte ihn, ob er mir jetzt eins in die Fresse hauen will? Da stieg er zum Glück wieder in sein Auto und verschwand. So etwas habe ich nie wieder gemacht.
    LG Susanne

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    1. Ohje, das war wohl ein harter Fall von road rage. Mit Professorchen stimmte ja auch irgendwas nicht im Oberstübchen, aber sowas hätte er wohl doch nicht gemacht. Da gehört schon ziemlich viel Wut zu, 10 km weit hinter jemandem herzufahren …

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          1. … er hatte es vermutlich vergessen… hatte gerade einen schönen Dialog mit meiner Tochter… uneloquente Vortragende bedienstete massregeln verbal Erwachsene… über die Reaktion auf ihren Vortrag… 🧐🤨

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  2. Was für eine Geschichte und ich dachte solche Sachen passieren nur mir. 😉
    Ich stehe ständig mit einem Bein im sogenannten „Fettnäpfchen“! ‚*breit grins*
    Allerdings kann ich mir gut vorstellen – im ersten Moment ist dir erst einmal das Herz in die Hose gerutscht.zu dir,
    Liebe Grüße dir,
    Lilo

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